Social skills: Über die Kunst, Sex am Arbeitsplatz zu haben

Die nicht mehr ganz junge Person, die über exzellente Fremdsprachenkenntnisse verfügt, denkt an „Killing me softly“.

An unseren qualifizierten Arbeitsstätten, bis hinauf zu den höchsten, wird praktisch kein Posten mehr ausgeschrieben, ohne dass nicht exzellente Fremdsprachenkenntnisse und ebensolche Kenntnisse der „social skills“ verlangt würden. Dabei kann es zu innovativen Missverständnissen kommen. So stellte jüngst eine nicht mehr ganz junge Person – nachfolgend einfach „Person“ genannt – im Rahmen ihrer Anhörung durch die Mitglieder der Bewerbungskommission ihre exzellenten Kenntnisse betreffs „social kills“ (!) unter Beweis.

Als die Person von einem Mitglied der Bewerbungskommission gefragt wurde, was sie unter „social skills“ verstehe, antwortete sie, dass sie aufgrund ihrer exzellenten Fremdsprachenkenntnisse sofort verstanden habe, was mit „social kills“ (!) gemeint sei. Im Übrigen laute ihre Sex-am-Arbeitsplatz-Devise „Killing Me Softly“, gemäß dem Song aus den Siebzigern – ach, die unvergessliche Roberta Flack...

Nachdem die jüngeren Mitglieder der Bewerbungskommission, rot bis in die Haarspitzen, mittels ihrer Smartphones unter dem Tisch rasch ausgegoogelt hatten, um welchen Song es sich bei „Killing Me Softly“ handelt, einigte man sich prinzipiell rasch darüber, dass die nicht mehr ganz junge Person ein durchaus altersgemäßes Verständnis der „social skills“, welche in der Fachliteratur ja bekanntlich auch als „soft skills“ attribuiert werden, zeigte. Nur was die gründlichen Fremdsprachenkenntnisse der Person betraf, waren sich die Mitglieder der Bewerbungskommission nicht gleich vollkommen einig. Denn die Wortfolge „social kills“ ergab, arbeitsplatztechnisch gesehen, keinen wirklich guten Sinn, falls man die englische Grammatik, wie sie sich in den englischen Grammatiken findet, zugrunde legte.

Dies schien indes gar nicht nötig, denn die nicht mehr ganz junge Person urgierte, sie bewerbe sich, aus arbeitsplatztechnisch umfassender Sicht, für ein „social“ – laut Business-Lexikon „a party, dance, or informal gathering organized for the members of a club or institution“ – wobei sie, zwar „kein Kind von Traurigkeit“, dennoch zur Bedingung ihres Einsatzes im Rahmen des Arbeitserfordernisses „social kills“ machte, „softly gekillt“ (??) zu werden.

Ferner, selbst wenn es der Fall sein sollte, dass „social kills“ auf Englisch keinen guten Sinn ergäbe, handle es sich, so die Person, nichtsdestotrotz um ein „word play“, ein Wortspiel, und darauf käme es bei den exzellenten Fremdsprachenkenntnissen, die man von ihr erwarte, doch wohl an, oder? Die Frage, welchen guten Sinn „social kills“ als „word play“ ergäbe, beantwortete die Person – während sie ihr Notebook aufklappte, um zu demonstrieren, dass es nicht aufs Wissen ankomme, sondern darauf, zu wissen, wie man ans Wissen herankomme – mit einer Zeile aus dem Killing-Me-Softly-Song: „Strumming my pain with his fingers...“.

Der junge Genderbeauftrage, der, kein Gentleman der alten Schule, die nicht mehr ganz junge Person im Verdacht hatte, „ein/e Sex-am-Arbeitsplatz-Arbeiter/in“ zu sein, monierte, dass, was immer die „pain“ sei, namentlich – wie er sich rüpelhaft ausdrückte – die „pain in my ass“, er es als sexuelle Belästigung empfände, wollte jemand mit seinen Fingern darauf herumklimpern! Woraufhin die Person dem jungen Rüpel erwiderte, eine solche Reaktion zum Thema „social kills“ sei – um es „softly“ zu sagen – keineswegs „very british“. Das reichte. Die Mitglieder der Bewerbungskommission waren sich einig: Besser hätten sie es selbst nicht sagen können.


E-Mails an: peter.strasser@uni-graz.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2013)

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