25.05.2012 16:42 | Meine Presse Merkliste 0

Sirtakibaba? Nein, danke! Pfiat Gott, liabe Olm? Gern!

PETER STRASSER (Die Presse)

Da alles fließt und sich nichts bewegt – siehe Heraklit, siehe Zenon–, ist Griechenland die Wiege unserer Kultur.

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Die vorletzten Dinge

Mein Freund, der Trottel, hat sich intellektuell wieder erholt. Wie berichtet, war er zum Schreien begeistert davon, dass ihm die Ehre zuteil wurde, in das Volksvertrottelungsseminar unseres künftigen Volkstrottelführers aufgenommen zu werden, nachdem er sich vor Begeisterung schreiend bei den Seminartrottelunterführern mit einem strammen „Heil, mein Führer, Lei Lei!“ beliebt gemacht hatte. In der ersten Trottelstunde wurde das Kreuzlmachen geübt, und zwar an der richtigen Stelle, nämlich beim strahlenden Volkstrottelführerkreuzl. So weit, so super.

Doch in der zweiten Stunde sei der EU-Volldepp der Volksvertrottelungspartei aus einer bierkrüglförmigen Wahlurne heraus- und mitten hinein in ein Schweindelereindele voller Altparteiengröstl gesprungen, ein Burlesque-Gig vom feinsten Lei-Lei-Humor. Die bierkrüglförmige Wahlurne war ein Überbleibsel der faschingsmäßigen Volkstrottelhetzigkeit mit der hetzigen Parole „Kebabgaga, Sirtakibaba“. Da sind meinem Freund, dem Trottel, die Schuppen von den Augen geflogen, dass es nur so staubte. Und zu Recht!

Denn als Liebhaber der Kebabkultur ist mein Freund, der Trottel, ein glühender Verfechter des türkischen EU-Beitritts. Deshalb ist er auch dafür, dass in unserer Heimat großer Töchtersöhne alle das Kebab ihrer Wahl im Schatten einer Moschee unter dem stimulierenden Ruf des Muezzins verzehren dürfen. Das, so mein Freund, der Trottel, habe er dem EU-Volldeppen der Volksvertrottelungspartei auch gleich als Anregung für eine jede künftige Volkstrottelregierung mit auf den hetzigen Weg geben wollen, nicht ohne ein siegessicheres „Heil, mein Führer, Lei Lei!“.

Und was passierte? Mein Freund, der Trottel, sei dahingehend belehrt worden, dass er sich sein Kebab wer weiß wohin stecken solle, Lei Lei, weil nämlich der Türke unser Todfeind sei, nur darauf aus, unsere Jungfrauen zwecks Weitergabe seines pompösen Samens in die dunklen Ecken irgendwelcher Kebabbuden zu verschleppen. Daher habe man für die EU, diese kretinöse Ansammlung von ausländischen Multikultis, eine Kebabgaga-Resolution vorbereitet, die unter Androhung des sofortigen Austritts aller großen Töchtersöhne unserer Heimat aus dem Multikultischweindelekoben zwingend vorsieht, den Kebabfremdling bereits auszuschließen, bevor er noch eingetreten wurde, Lei Lei!

Wegen seines Kebablasters, dem er unter dem stimulierenden Ruf des Muezzins im Schatten einer Moschee frönen wollte, wurde meinem Freund, dem Trottel, vom EU-Volldeppen der Volksvertrottelungspartei auferlegt, bis zur nächsten Volksvertrottelungsseminarstunde die Kebabgaga-Resolution Wort für Wort auswendig zu lernen. Dazu wird es nun aber nicht mehr kommen, weil meinem Freund, dem Trottel, vom EU-Volldeppen außerdem geheißen wurde, als aschermittwöchige „Fleißaufgabe“ die Sirtakibaba-Deklaration auswendig zu lernen.

Demnach gälte es, dem Griechen, der im Ouzovollrausch tagaus, tagein immer nur Sirtaki tanzt, endlich den Marsch zu blasen oder, strengeren Falls, ein mehrstimmiges „Pfiat Gott, liabe Olm“ so lange zu singen, bis er freiwillig wieder zu seiner zotteligen Schafhirtenexistenz zurückkehre, Lei Lei! Da indes mein Freund, der Trottel, hellauf davon überzeugt ist, dass zugleich alles fließt und sich nichts bewegt – siehe Heraklit, siehe Parmenides, siehe Zenon–, hält er Griechenland für die Wiege unserer Kultur. Zu Recht! Deshalb hat er das Volksvertrottelungsseminar verlassen. Und er weiß jetzt, wo er kein Kreuzl machen wird.


E-Mails an: peter.strasser@uni-graz.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2012)

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2 Kommentare
Gast: Als Gast kommentieren
22.02.2012 13:28
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Gleich und gleich gesellt sich gern?

Was soll man über einen Autor denken, der solche "Freunde" hat?

Und das dann noch öffentlich bekundet!

Oder, Herr Professor?

Ka_Sandra
22.02.2012 10:21
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Aschermittwochs-Stoßseufzer.....


Gott sei Dank, nun ist’s vorbei,
mit dem leidigen Lei-Lei.

Zu befürchten ist allerdings, dass diese Buberlgeschichte in ursprünglich sieben Streichen immer wieder verlängert wird, weil deren Protagonisten im Gegensatz zu ihren Urbildern Max und Moritz sehr zählebig sind.

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