Im ORF wird in einem Jahr gewählt– ein neuer Generaldirektor – und wir Zuschauer sollen davon auch etwas haben (nicht nur die Parteien, die sich die Posten zuschanzen)! Wie das?, fragt man sich – und erinnert sich dunkel daran, dass am Beginn der Ära von Alexander Wrabetz die „größte Programmreform aller Zeiten“ angekündigt wurde. Kurz danach war das „Super-Alex“-Image ebenso Geschichte wie das Herz der Reform – „Mitten im Achten“. Die Quote fiel weiter Richtung Keller. Der Imageschaden war perfekt. Seither hat man das Gefühl, dass der ORF Neues lieber etwas leiser verkündet.
Die Programmmacher unter Wrabetz haben sich für das letzte Jahr seiner Amtszeit etwas einfallen lassen, um das Publikum bei Laune zu halten und vielleicht doch noch die eine oder andere Dezimalstelle hinter dem Quotenkomma zu verbessern. Sich Dominic Heinzl für den Vorabend zu angeln hat ja nicht viel gebracht außer Kosten – vor allem nicht bei den jungen Zusehern. Fast scheint es, als hätte der ORF diese Zielgruppe aufgegeben. Denn was sich da in der kommenden Fernsehsaison anbahnt, das ist zwar familientauglich, ein echter Knüller für die Jugend lässt sich aber mit freiem Auge nicht ausmachen.
Tom Walek und Hermann Maier starten ein Wettrennen zum Südpol, Christian Clerici wird seine Kandidaten in „Powerplay“ auf Wissen und Geschicklichkeit testen, und der ORF sucht nicht nur „Helden von morgen“, sondern auch wieder einen „Dancing Star“. Die Unterscheidbarkeit zur Konkurrenz wird damit kaum größer, weil der ORF aus Kostengründen vieles mit deutschen Sendern koproduziert bzw. die Formate auch auf anderen Kanälen fast deckungsgleich laufen – den Unterschied macht bloß der Moderator. Es scheint, als wäre im Fernsehen schon alles erfunden – oder als gingen den Programmentwicklern die Ideen aus.
Der ORF geht auf Nummer sicher. In einem Wahljahr will man keine Experimente machen. Das Publikum bekommt Bewährtes mit österreichischem Touch. Damit ist der ORF schon oft ganz gut gefahren – man denke nur an die „Millionenshow“, die nach exakt demselben Muster weltweit auf zig Sendern läuft und zum Dauerbrenner geworden ist.
Die Vorsicht der Verantwortlichen ist leicht erklärt: Es ist Wahljahr im ORF – und da will sich offenbar keiner seine weiteren beruflichen Chancen durch eine allzu innovative Idee verderben, die dann vielleicht ganz unerwünscht endet: als Flop.
isabella.wallnoefer@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2010)















