Mit Befremden habe ich den Artikel „Ein Wirtschaftswunder namens Österreich“ gelesen. Es ist richtig, dass die Unternehmen und deren Mitarbeiter viel für den Wohlstand in diesem Land geleistet haben. Bei alldem darf man aber nicht vergessen, dass es für Unternehmen nicht leicht ist, die hohe Abgabenbelastung „zu stemmen“.
Viele Kleinunternehmen können vom Wohlstand nur träumen und zahlen brav an den Staat, dass dieser sich über den erreichten Wohlstandsindex freuen kann und sich dann auch noch die Regierung für ihr hervorragendes politisches Handeln selbst auf die Schulter klopfen kann. Aber Tatsache ist, dass rund zehn Prozent der Selbstständigen armutsgefährdet sind und in etwa die Hälfte unter der Mindestbeitragsgrundlage und damit klar unter Österreichs Durchschnittseinkommen liegt.
Dann auch noch zu erwähnen, die Gewerkschaftsführung sei pragmatisch und maßvoll, ist ein Hohn gegenüber der Wirtschaft.
Den Bürgern in den Medien die heile Welt vorzumachen ist alles andere als gerechtfertigt, da es sich lediglich um einen statistischen Wert handelt, der der Realität nicht entspricht. Dazu muss man nur mit den Menschen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten sprechen.
Es muss uns auch klar sein, dass es ein Wohlstand auf Pump ist und mit hohen Staatsschulden verbunden ist. Auch dieses hemmungslose Schuldenmachen, muss in Österreich endlich beendet werden. Natürlich ist es für die Regierung angenehm, alle Budgetfehlplanungen in diesen Zeiten auf die Krise zu schieben, doch irgendwann wird die Realität die noch vorherrschende Scheinwelt einholen und die heutigen Jugendlichen werden in der Zukunft von dem Wohlstand, auf den wir heute stolz sind, nichts mehr spüren.
Nicht stolz auf Gastarbeiter sein
Wir brauchen auch nicht stolz sein, dass, wie im Artikel beschrieben, Österreich das Fluchtland Nummer eins für deutsche „Gastarbeiter“ geworden ist. Ganz schlimm wird es, wenn man es als Luxus bezeichnet, wenn man das Wiener Schnitzel von einem deutschen Kellner serviert bekommt. Weil wir uns diesen Luxus „errackert“ haben. Was haben wir für diesen vermeintlichen Luxus geleistet? Ist es nicht viel mehr so, dass die Unternehmen ausländische Arbeitnehmer suchen, weil sie in Österreich nicht mehr die passenden Personen finden? So mancher Österreicher ist sich scheinbar schon zu gut für eine Arbeit als Kellner und lässt Personen aus dem Ausland arbeiten, die uns auch in Zeiten der Krise noch den Wohlstand und die sozialen Transferleistungen sichern.
Wenn wir das nicht sehen, betrügen wir uns selbst und werden schon recht bald aus dem Traum vom Schlaraffenland aufwachen. Es ist notwendig, dass wir den Wohlstand auf Pump auf ein normales Maß bringen und dass die Menschen wieder erkennen, dass der Wohlstand nur durch eigene Leistung erreicht werden kann – nicht dadurch, dass man andere für sich arbeiten lässt oder Unternehmen mit hohen Abgabenbelastungen das Geld aus den Kassen zieht.
Der Autor ist Landessprecher des Liberalen Forums in Wien.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2012)















