25.05.2013 09:50 Merkliste 0

Schlaraffenland Österreich: Ein Wirtschaftswunder auf Pump

MARTIN STURM (Die Presse)

Der heimische Wohlstand ist lediglich ein statistischer Wert – und die „heile Welt“, die er vorgaukelt, eine Illusion.

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Mit Befremden habe ich den Artikel „Ein Wirtschaftswunder namens Österreich“ gelesen. Es ist richtig, dass die Unternehmen und deren Mitarbeiter viel für den Wohlstand in diesem Land geleistet haben. Bei alldem darf man aber nicht vergessen, dass es für Unternehmen nicht leicht ist, die hohe Abgabenbelastung „zu stemmen“.

Viele Kleinunternehmen können vom Wohlstand nur träumen und zahlen brav an den Staat, dass dieser sich über den erreichten Wohlstandsindex freuen kann und sich dann auch noch die Regierung für ihr hervorragendes politisches Handeln selbst auf die Schulter klopfen kann. Aber Tatsache ist, dass rund zehn Prozent der Selbstständigen armutsgefährdet sind und in etwa die Hälfte unter der Mindestbeitragsgrundlage und damit klar unter Österreichs Durchschnittseinkommen liegt.

Dann auch noch zu erwähnen, die Gewerkschaftsführung sei pragmatisch und maßvoll, ist ein Hohn gegenüber der Wirtschaft.

Den Bürgern in den Medien die heile Welt vorzumachen ist alles andere als gerechtfertigt, da es sich lediglich um einen statistischen Wert handelt, der der Realität nicht entspricht. Dazu muss man nur mit den Menschen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten sprechen.

Es muss uns auch klar sein, dass es ein Wohlstand auf Pump ist und mit hohen Staatsschulden verbunden ist. Auch dieses hemmungslose Schuldenmachen, muss in Österreich endlich beendet werden. Natürlich ist es für die Regierung angenehm, alle Budgetfehlplanungen in diesen Zeiten auf die Krise zu schieben, doch irgendwann wird die Realität die noch vorherrschende Scheinwelt einholen und die heutigen Jugendlichen werden in der Zukunft von dem Wohlstand, auf den wir heute stolz sind, nichts mehr spüren.

 

Nicht stolz auf Gastarbeiter sein

Wir brauchen auch nicht stolz sein, dass, wie im Artikel beschrieben, Österreich das Fluchtland Nummer eins für deutsche „Gastarbeiter“ geworden ist. Ganz schlimm wird es, wenn man es als Luxus bezeichnet, wenn man das Wiener Schnitzel von einem deutschen Kellner serviert bekommt. Weil wir uns diesen Luxus „errackert“ haben. Was haben wir für diesen vermeintlichen Luxus geleistet? Ist es nicht viel mehr so, dass die Unternehmen ausländische Arbeitnehmer suchen, weil sie in Österreich nicht mehr die passenden Personen finden? So mancher Österreicher ist sich scheinbar schon zu gut für eine Arbeit als Kellner und lässt Personen aus dem Ausland arbeiten, die uns auch in Zeiten der Krise noch den Wohlstand und die sozialen Transferleistungen sichern.

Wenn wir das nicht sehen, betrügen wir uns selbst und werden schon recht bald aus dem Traum vom Schlaraffenland aufwachen. Es ist notwendig, dass wir den Wohlstand auf Pump auf ein normales Maß bringen und dass die Menschen wieder erkennen, dass der Wohlstand nur durch eigene Leistung erreicht werden kann – nicht dadurch, dass man andere für sich arbeiten lässt oder Unternehmen mit hohen Abgabenbelastungen das Geld aus den Kassen zieht.
Der Autor ist Landessprecher des Liberalen Forums in Wien.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2012)

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9 Kommentare
Gast: radius
19.08.2012 15:40
1 0

Stinken tut der Fisch vom Kopf her, ansonsten eine richtige Analyse.


Mitten in Europa gibt es NACHHALTIGES Wirtschaften u. "no bailout" für Kantone !!


Doch unsere Pseudosozialisten blicken ungern nach Westen ! Warum wohl ???

http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/schweiz-bund-kanton-gemeinde-finanzen-1.15344128

Ein Schuldenfreier Staat der sich nur aus den Einnahmen finanziert

ist eine Illusion die es nie gegeben hat. Staatspleiten haben wir schon von Ludwig XIV. gesehen. Vorher war schon der Kirchenstaat mehrmals pleite bis das die Kleriker eine Anleihe auf den Markt gebracht haben um ihren Staat zu finanzieren. Der hieß Monte Pieta. Das war im 15. Jh. glaub ich...

Re: Ein Schuldenfreier Staat der sich nur aus den Einnahmen finanziert

Komisch, die Schweizer schaffen es seltsamerweise. Muss ich meinem Schweizer Bekannten einmal erzählen, dass er in einer "Illusion" lebt...

Ein Kreuz

Es ist halt ein Kreuz mit den Liberalen. An sich gute Ansätze, wenn da nicht die vielen "aber" wären. Das fängt schon bei Struktur und Satzbau des ganzen Kommentars an. Aber auch inhaltlich ist das alles Kraut und Rüben.

Wir hätten da:
a) Kritik am Wohlstand auf Pump
b) Kritik an der Selbstbeweihräucherung der Politiker
c) Kritik an den Lohnnebenkosten, die Kleinunternehmer ruinieren
d) Kritik an der Zuwanderung

Spätestens bei Punkt d) wird klar, dass das kein durchdachter Artikel ist, sondern irgendwie das "best of" was dem guten Mann so durch den Kopf geschossen ist.
Viel davon ist richtig, aber die Punkte haben miteinander nur rudimentär etwas zu tun.

Erlösung durch Liberalismus?

Gilt doch auch für Selbstständige: wer wenig verdient zahlt wenig Steuern. Und wegen der Kellner aus Deutschland: wer in unserem Land keine Arbeit findet, der sucht nicht und ist für jede Arbeit unfähig. Streichen Sie die Arbeitslose und sie haben jede Menge Bettler oder Kriminelle.
An der Schuldenpolitik ist der Wähler schuld: in der Krise wählt er konservativ und alle schnallen den Gürtel enger aber die Schulden werden nicht weniger. Und wenn die Wirtschaft boomt wählt man links und dann wird nicht gespart sondern alla Faynachtsmann umverteilt und die Schulden werden nicht weniger. Das Erwachen aus diesem Traum heißt griechischer Wein für alle. Habe nicht den Eindruck, dass der Liberalismus dieses Dilemma lösen kann sondern nur eine mutige und kompromisslose Politik, egal welcher Farbe.

Gast: gast2222
11.07.2012 18:31
0 1

wirklich liberal?

wenn das der landessprecher des liberalen forums schreibt, ja dann möchte ich gar nicht mehr wissen, was der rechtsaussen der fpö schreibt.

aber gut, dass sie wenigstens nicht mehr im parlament sind.

Re: wirklich liberal?

Genau, die FPÖ ist wirtschaftspolitisch "rechtsaussen".

Schönen Dank, jetzt habe ich Kaffee auf der Tastatur.

Antworten Gast: gast_1234
11.07.2012 19:06
0 0

Re: wirklich liberal?

Wieso nicht. Es wird ja nur kritisiert, dass wir uns den Sozialstaat auf Dauer nicht mehr leisten können und es vielen gar nicht so gut geht. Hängt davon ab, wie das umgesetzt wird. Wenigsten wer, der erkennt, dass man was ändern muss.

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