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EU-Krisenmanagement gegen die nationale „Selbstverzwergung“

PAUL SCHMIDT (Die Presse)

Hinter allen Maßnahmen steht die Angst vor dem Verlust nationaler Souveränität. Der wäre aber durchaus verkraftbar.

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Das europäische Krisenmanagement stößt seit Langem an die Grenzen des national Machbaren. Insbesondere die Diskussionen über den ESM, den Fiskalpakt, über Durchgriffsrechte, gegenseitige Haftungen, ökonomische Zwänge und demokratiepolitische Spielregeln zeigen, wie schwer es fällt, nationalstaatlich geprägte Denkmuster und ihre Rechtsnormen zu überwinden.

Dabei erwartet die Bevölkerung – nicht nur in Österreich – europäische Antworten auf die Wirtschafts- und Finanzkrise. Sind wir aber bereit, nationale Kompetenzen abzugeben, um europäische Lösungen auch zu ermöglichen? Die Antwort ist „Jein“. Unsere Umfragedaten zeigen, dass eine knappe Mehrheit der Österreicher Kompetenzen an die EU übertragen würde, um die Finanz- und Wirtschaftskrise zu bewältigen. Wenn es aber konkret darum geht, EU-Institutionen direkteren Einfluss auf bislang nationale Domänen wie etwa Budget- bzw. Steuerpolitik zu gewähren, dann ist nur eine Minderheit dafür.

Können aber die aktuellen Probleme ohne weitere Integrationsschritte bewältigt werden? Im Grunde ist wohl allen Verantwortlichen die Antwort klar, sie offen auszusprechen und Taten folgen zu lassen fällt jedoch schwer.

Eine zu offensichtliche Einmischung in die eigene Souveränität möchte man tunlichst vermeiden. Aktuelles Beispiel: Die direkte Bankenrekapitalisierung durch den ESM etwa soll lebensfähigen Banken in Spanien helfen, ohne die Staatsverschuldung zu erhöhen. Die Bankenhilfen unterliegen strengen Konditionen und europäischer Kontrolle. Direkte Auflagen an das betroffene Land sollen jedoch vermieden werden, um den Anschein der nationalen und vor allem politischen Souveränität zu wahren.

Dieses Bild erklärt das Dilemma hinter den bisherigen Versuchen, die Krise zu meistern: gesamteuropäische Lösungen ja gerne, aber ohne die „gefühlte“ Souveränität dabei einzuschränken.

Wen wundert es daher, dass das Vertrauen der Bevölkerung in die europäischen Strukturen und deren bisheriges EU-Krisenmanagement – besonders in die gering ausgeprägten demokratischen Kontroll- und Mitentscheidungsmechanismen – enden wollend ist.

 

Integration aus Egoismus

Was fehlt, ist ein ehrlicherer Diskurs, denn die politische Realität ist durchaus verkraftbar. Zu sagen wäre etwa, dass unsere Eigenständigkeit doch schon lange durch politische und ökonomische Interdependenzen begrenzt ist. Das Konzept der „Insel der Seligen“ gibt es nicht mehr – wenn es denn je existiert hat. Nehmen wir unsere Mitgestaltungsmöglichkeiten auf europäischer Ebene offensiv wahr, könnte der Verlust realer Souveränität ausgeglichen werden.

Übrigens müssen sich in der Praxis auch Nicht-EU-Mitglieder die Frage nach ihrer nationalen Eigenständigkeit stellen. Die Schweiz etwa beschreitet mit ihrem Modell des „autonomen Nachvollzugs“ von EU-Rechtssetzung einen durchaus steinigen Weg.

Nachvollziehbar ist auch, dass gerade Österreich als kleine, offene Volkswirtschaft mit einem Exportanteil in den Euroraum von etwa 55 Prozent und einer seit der Euro-Einführung positiven Leistungsbilanz sich eine Abgrenzung einfach nicht leisten kann. Unser Wohlstand ist abhängig vom Wohlstand unserer EU-Partner. Wollen wir unseren Lebensstandard beibehalten und die Kosten der Krise begrenzen, müssen wir schon aus purem Egoismus zu einer weiteren europäischen Integration bereit sein.

Dies müsste nicht ein Mal sondern bei jeder Gelegenheit öffentlich gesagt werden. Denn letztlich stehen wir vor der entscheidenden Wahl zwischen gemeinsamem Fortschritt und dem Rückschritt in die nationale „Selbstverzwergung“.
Paul Schmidt ist Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2012)

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10 Kommentare
Gast: unbeteiligter
13.07.2012 14:50
2 1

Wir sollen also Kompetenzen an

Ernst Strasser und Konsorten abtreten, an Bürokraten die Millionen an Steuergeldern verschlampen und in 4 Jahren nicht einmal den Zwerg Griechenland mit Milliarden Steuergeldnern retten können- gehts noch ?.-

Sie sollten sich beim Standard oder bei den Salzburgen Nachrichten bewerben; dort tretffen sich die Gutmenschen und Eu-Anbeter .-

Tod der EU

PS: Schauen sie mal genau ,wer die Umfrage zur Abtretung von Kompentenzen gemacht hat und wer das ist - alles Eu-Fanaten.

Eine Gemeinschaft des Rechts, in der das Recht mit den Füssen getreten wird.

Eine lesenswerte Analyse von Paul Kirchhof
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/europas-zukunft/paul-kirchhof-zur-krise-der-eu-verfassungsnot-11817188.html

Man kann nur hoffen, dass Profiteuren wie Schmidt bald die Felle davonschwimmen.

Integration heißt Werben für das RECHT und RECHT ist die Voraussetzung für eine funktionierende Gemeinschaft, schreibt Kirchhof.

Der Unionsvertrag IST gebrochen.
No Bailout wurde staatsstreichmäßig zum Bailout, Subsidiarität kennt keiner mehr, finanzielle Eigenverantwortung wird ersetzt durch Haftungs- und Schuldenvergemeinschaftung, die EZB finanziert Staaten trotz Statutenwidrigkeit

Es ist grob fahrlässig in dieser Phase von Zentralisierung und Abgabe von Souveränität zu sprechen. Ohne Volksabstimmung geht da überhaupt nichts und Propaganda und Angstmache sind überhaupt nicht angesagt. Übrigens der steinige Weg der Schweiz hat sich durchaus bezahlt gemacht, auch wenn sie durch die Unfähigkeit der EU-Granden in Mitleidenschaft gezogen werden.

Gast: radius
13.07.2012 14:31
1 1

Bitte lasst uns verzwergen und schickt den Schmidt in die Bedeutungslosigkeit,

dort gehören diese unfähigen Profiteure nämlich hin.

Gast: 1. Parteiloser
13.07.2012 13:44
2 1

Es geht nicht um nationale Interessen, es würde um eine Politik für die Menschen in Europa gehen!

Die Menschen in Europa wollen ja eine Politik für die Menschen in Europa. Die bekommen die Menschen aber von den lokalen Parteibonzen nicht!

Die Menschen in Europa brauchen viel bessere Lösungen und eine viel bessere Politik.

Es muss endlich mit dem Verfall der Einkommen der Menschen in der Realwirtschaft aufhören. Die Menschen sollen endlich wieder durchgängig von der eigenen Leistung vernünftig leben können.

Es muss auch endlich ein Ende des massiven Anstiegs der Massenarmut in Europa kommen. Eine Massenarmut, welche durch die komischen Planwirtschaften in Europa verursacht wurde. Planwirtschaften, welche sich in Staatsausgabenquoten von bis zu 56% deutlich zeigen. Planwirtschaften, welche sich in riesigen geschützten Bereichen und einem Förder- und Frühpensionswahnsinn, auch der positiven Diskriminierung vieler Gruppen (vor allem auch in Brüssel) manifestierten.

Der korrupte Beamtenmisthaufen in Brüssel, der sich nur dem Papier und der Planwirtschaft, samt Umverteilungs- und Förderwahnsinn, widmet, der ist aber sicher keine brauchbare Alternative.

Die EU hatte mehr als 10 Jahre Zeit einen Nutzen für die Menschen in Europa zu bringen und eine tolle Idee zu verwirklichen. Die EU ist kläglich gescheitert. Es ist auch nicht so, dass die nationalen Interessen alleine dafür verantwortlich sind, die EU Beamten und Bonzen haben einen ordentlichen Anteil daran gehabt.

Was kann / will die EU für die Menschen wirklich tun?

Also doch keine Alternative!

Antworten Gast: 1. Parteiloser
13.07.2012 14:53
1 1

Die Realität zum EU Misthaufen schaut ja eher so aus!

Der Förderwahnsinn durch die EU, zum Kaufen von Wachstum!?, wird jedes Jahr auf einen neuen Rekord gehoben.

Der Umverteilungswahnsinn der EU, besonders auch zur Finanzierung des eigenen korrupten Beamtenhaufens, der steigt auch jedes Jahr auf neue Höhen.

Die Kontrollpflicht der EU über die geschlossen Verträge wurde niemals wahrgenommen und den letzten Jahren die eigenen Verträge durch die EU gebrochen.

Der Staatsschuldenkrise wurde mit noch mehr Schulden begegnet, der EFSF und der ESM geschaffen. Die Staatsausgaben stiegen immer weiter auf immer neue Rekorde und gehen schon Richtung 5 Billionen Euro!

Der geschaffene Fiskalpakt hat auch bei Einhaltung nur eine Ausweitung der nominellen Staatsschulden zur Folge. Die schwere Europäische Krankheit, welche unter "einnahmenseitigen Sparen" zusammengefasst werden kann, diese Krankheit wurde auch nicht im Ansatz bekämpft, diese Krankheit wird dadurch nur verstärkt.

Das Versagen der Planwirtschafter der EU und deren Mitgliedsländer war so exzessiv, dass es zu einer massiven Geldschöpfung der EZB kommen musste, welche eine Raubzug an den Ersparten von 100erten Millionen Europäern war.

Diese beamteten Planwirtschaft, wo auch kaum eine Demokratie erkennbar ist, werden aber vom Rompuy herrlich repräsentiert. Sowohl was seine Arbeit und Aussagen betrifft, auch was sein Auftreten betrifft. Ein kaputter Edelbeamter als Chef eines korrupten Beamtenhaufens passt doch.

Diese EU (miss)braucht die Europäer nur, kein Nutzen!

3 1

Lieber noch „Selbstverzwergung“

als die von EU praktizierte Totalverblödung.

Gast: Filofax
13.07.2012 00:04
7 1

Kirchhof heute in der FAZ

Nein und nochmal nein. Die entscheidende "Wahl" lautet: Lassen wir die Politik weitermachen mit dem fortdauernden Bruch der Rechtsstaatlichkeit (P. Kirchhof hat das Dilemma heute in der FAZ glasklar herausgearbeitet), - siehe Maastricht-Verletzungen, Bailouts, ESM-Haftungen usw-, oder zwingen wir sie wieder zum Handeln nach Recht und Gesetz, ohne das die ganze Euro-Retterei im Grunde nichts wert ist. Der Euro ist auf einer ökonomischen Lüge aufgebaut, sie wird nicht wahrer, wenn ihr zuliebe das Recht gebeugt wird. Ich glaube, genau dieses Bekenntnis zum Recht würde die Märkte stärker beeindrucken als jedes anbiedernde Rettungspaket oder Schuldenvergemeinschaften.

Gast: Austrianer
12.07.2012 21:03
6 1

Wir wollen keinen EU-Superstaat!!!!

Die EU und ihre Proponenten haben hinlänglich bewiesen, dass sie es nicht können.

Kein Vertrag, kein Versprechen ist eingehalten worden. Die Tinte auf den Verträgen war noch gar nicht trocken, hat man die Verträge schon gebrochen.

Wir wollen nicht von Lüg..rn, Gau..ern und Betrü..rn, noch dazu ohne demokratische Legitimation, regiert werden.
Lieber ein ehrlicher Zwerg als ein grosser Gaun.r

Egoismus

"Wollen wir unseren Lebensstandard beibehalten (...), müssen wir schon aus purem Egoismus zu einer weiteren europäischen Integration bereit sein."

Dass glaube ich Ihnen gerne, Herr Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik.

Sagen Sie nur etwas deutlicher, wen Sie mit "wir" meinen...

Gast: nicek
12.07.2012 19:20
10 1

Trugschluß

"Dabei erwartet die Bevölkerung – nicht nur in Österreich – europäische Antworten auf die Wirtschafts- und Finanzkrise"
realiter:
-> die durch die Zwangsvorschriften der EU überhaupt erst ermöglicht und geschaffen wurde.

Die Kurpfuscher die alles verpfuscht haben wollen jetzt noch immer nicht vom pfuschen lassen und präsentieren sich weiterhin als "Heiler".

Möge das Schicksal uns von diesen "Heilern" heilen.

Oder es ist noch viel ärger weil mit Plan betrieben, das zeichnet sich ja immer mehr ab.
Statt echter Demorkatie bekommen wir dann ein Surrogat nach US-Muster.
Bürgerbeteiligung nach Vassilakou-Art statt echter Einflußnahme der BürgerInnen.

Der Exportanteil von 55% nutzt den ÖsterreicherInnen in prekären Arbeitsverhältnissen einen Dreck, der "Wohlstand" ist nur bei einer kleinen Schicht angekommen (dort aber kräftig), dem Rest wird es heute via Billig-China-Konsumramsch sugggeriert, erkauft mit dem morgigen Verlust der eigenen Arbeitsplätze.
Das man auch mit einer eignen Währung wirtschaftlich erfolreich sein kann zeigen die 10 EU-Länder die nicht im Euro sind und die Schweiz.

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