18.06.2013 08:40 Merkliste 0

Teufelskreis Religionsfreiheit: Ein Götze namens Toleranz

KARL WEIDINGER (Die Presse)

Gastkommentar. Humanismus ade! Wir beten falsche Götzen an und opfern Frauen-, Kinder- und Minderheitenrechte am Altar bedingungsloser Toleranz.

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Religions- oder Narrenfreiheit? Wir haben einen tragfähigen Konsens erreicht, und der nennt sich Verfassung. Artikel1 im Bundesverfassungsgesetz lautet: „Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus“ – und nicht von einer höheren Instanz, auch „Gott“ genannt. Artikel10 der Europäischen Menschenrechtskonvention deckt die Freiheit der Meinungsäußerung: Für mich sind Religionen reine Narrenkollektive, die eine totale soziale Kontrolle anstreben. Ein fragwürdiger Ehrbegriff definiert sich über das Vorhäutchen bei Buben und das Jungfernhäutchen bei Mädchen. Sobald ein Konstrukt eines höheren Wesens ruft, ist es vorbei mit der Vernunft. Sigmund Freud sprach von einer kollektiven Neurose der Menschheit. Der Mensch bilde sich Gott nur ein, dies sei ein krankhafter Zustand.

Was bisher geschah: Als die Erste Kleine Strafkammer des Landgerichts in Köln unter der Aktenzahl 151 Ns 169/11 (veröffentlicht auf www.justiz.nrw.de) ihren Wahrspruch fällte, war klar, dass das Urteil Folgen haben würde. Die Erstinstanz hatte den Mut, eine Körperverletzung als solche zu bezeichnen. Ein vierjähriges Kind in Deutschland hatte starke Nachblutungen nach einer muslimisch (statt medizinisch) indizierten Vorhautbeschneidung.

 

Aberglaubensfreiheit

Laut den ewig gültigen Vereinsstatuten Thora und Sunna ist das Beschneidungsgebot für männliche Juden und Muslime verpflichtend. „Außerdem besteht – so der Sachverständige – jedenfalls in Mitteleuropa keine Notwendigkeit, Beschneidungen vorbeugend zur Gesundheitsvorsorge vorzunehmen“, heißt es in der Begründung. Die Empörungswelle war vorhersehbar und ließ nicht lange auf sich warten. Das Urteil gefährde die Tradition. Es betreffe sowohl Fromme als auch Säkulare und grenze diese aus. „Das ist ein Rückschlag für die Integration der Muslime.“

Es ist, was es ist: Körperverletzung Unmündiger und Schutzbefohlener aus religiösen oder traditionellen Motiven. Die Trennung von Staat und Religion ist ein wesentlicher Bestandteil seit der Aufklärung. Erhebt sich eine Religion über das Gesetz, stellt dies eine Bevorzugung dar. Das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit wiegt in einer aufgeklärten Zivilisation schwerer als die freie Religions- oder Traditionsausübung.

Goethe meinte schon vor anderthalb Jahrhunderten: Er hätte Probleme mit denen, die behaupten, mit Gott gesprochen zu haben und sich anmaßen, die Deutungshoheit über Gottes Willen zu beanspruchen. Aber warum hat Gott dann den Menschen männlicher Ausprägung überhaupt mit Präputium (Vorhaut) ausgestattet?

Man stelle sich das bildlich vor: Ein mehr oder weniger normaler Mensch hat mit seinem Gott Zwiesprache gehalten und fühlt sich fürderhin erleuchtet, sodass er den göttlichen Willen deuten und interpretieren darf. Und kein Nachfolger nimmt Anstoß, daran, dass acht Tage oder Jahre nach Geburt eines Gottesgeschöpfs an Gottes Wirken korrigierend eingegriffen werden muss, um irgendeinen Zugehörigkeitsbund zu gestalten. – Geht's noch?

Und ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode. Der Ritus einer jahrtausendealten Tradition darf nicht hinterfragt werden. Ein „schwerer Angriff auf das jüdische Leben seit dem Holocaust“ wird herbeifantasiert; das ist zwar eine Verhöhnung der Holocaust-Opfer, aber wirksam. Man braucht kein Prophet sein: Wie erwartet knicken Grüne und Sozialdemokraten ein. Diese Parteien sind gegen jede Religion – solange es nur gegen die katholische Kirche ist. Jede andere Ausprägung wird hofiert und sei sie noch so intolerant und feindlich.

Vishna sei Dank reklamieren Hindus bei uns keine Witwenverbrennungen, bestehen Wiedergänger der Mayas nicht auf dem Recht, ihre „Freiheit“ mit Menschenopfern auszuleben. Überhaupt ist die verordnete Apartheid einer Religion, die strikt zwischen Gläubigen und Ungläubigen trennt und für diese unterschiedliche Normen bis hin zur Unterwerfung vorsieht, für mich schwer erduldbar. Wie es gehen kann, zeigen die Christen. Sie mussten die gesetzliche Scheidung vom „Sakrament der Ehe“ hinnehmen, akzeptierten die Fristenlösung zum Schwangerschaftsabbruch. Nach dem Motto: Gottes Reich ist nicht von dieser Welt.

Religion kann nur Privatsache sein. Keiner wird (bei uns) aus religiösen Gründen verfolgt. Und das soll auch so bleiben, in einem entchristianisierten Europa, wo re-islamisierte Autoritäten das Hoheitsrecht eines Staates unterlaufen.

Die Bevormundung blüht und gedeiht: Jugendliche im wahlfähigen Alter dürfen nicht ins Solarium. Eine Tätowierung wird erst mit 18 legal, ebenso Schönheitsoperationen. Und Bundesrat Dönmez, der auf die Verfassung vereidigt wurde, zur Beschneidung (in der „Presse“ vom 14.Juli 2012): „Natürlich ist dieser Eingriff mit Schmerz verbunden, bis dato hat aber jeder überlebt – und niemand wurde traumatisiert.“ Während bei der katholischen Kirche jede Ohrfeige ein Fall für die Klasnic-Kommission, die Misshandlungen aufarbeiten soll, ist. Es klafft ein Interpretationsloch in ideologischem Riesenausmaß.

Beschneidet den Einfluss von Würdenträgern. Niemand muss sich einem Gott oder einer Tradition unterwerfen, die nur Werkzeug ist, um Seinesgleichen unter Kontrolle zu halten. Wenn jemand als Zeuge Jehovas lebensrettende Bluttransfusionen ablehnt, darf er das! Aber er darf es nicht für seine Kinder. Hier wird das Sorgerecht temporär entzogen, um die Behandlung zu ermöglichen.

 

Unterwegs zur Narrenfreiheit?

Vielleicht fällt die Zerstörung eines Weltkulturerbes (wie in Mali) auch unter Religionsfreiheit? Oder das Töten einer verheirateten Frau (wie in Afghanistan)? In der Religionsfreiheit wird auf die Freiheit des Bekenntnisses, der Ausübung und des Verlassens hingewiesen. Und wenn selbst keine Bekenntnisfreiheit gewährt wird (jeder Mensch wird als Muslim geboren) oder keine Verlassensfreiheit eingeräumt wird (Tod für Apostasie)?

Ein Etikettenschwindel. Die, die am lautesten danach schreien, dulden in den Gegenden ihrer Mutter- pardon Väterverbände keine Version der Freiheit. Wo bleiben die Frauen-, Kinder- und Minderheitenrechte? Landen diese Errungenschaften auf der Müllhalde der Geschichte, wenn in vorauseilendem Gehorsam Rückschritt um Rückschritt gebilligt wird?

Humbug, Hokuspokus, Aberglaubensfreiheit – unterwegs zur Narrenfreiheit? Andersgläubige sind keine Nachkommen von Affen und Schweinen, Frauen sind nicht nur die Hälfte wert, Kinder- und Zwangsverheiratungen, abgedeckt durch Religions- oder Aberglaubensfreiheit? Mir ist es egal, ob jemand mit Nudelsieb auf dem Kopf als „Pastafari“, als Anhänger des fliegenden Spaghettimonsters herumrennt. Aber er soll seine spirituelle Psychose nicht an der Allgemeinheit auslassen. Und schon gar nicht soll der „Religionskranke“ dann, wenn ihm die Bevorzugung der Rücksichtnahme auf sein Irresein verweigert wird, sich als „diskriminiert“ aufspielen. Noch gilt die Verfassung auch für „kleine Prinzen“, wie Bundesrat Dönmez. Und das hat nichts mit „antisemitischen Weltverschwörern und islamophoben Schächtungsgegnern“ („Die Presse“, 14.Juli 2012) zu tun.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

Zum Autor

Karl Weidinger, Jahrgang 1962, lebt als Schriftsteller und Übersetzer in Wien und im Burgenland. Sein Anliegen ist die Gesellschaftskritik.1995 wurde Weidlinger im Alter von 33 Jahren im Krankenhaus Lainz mittels Zirkumzision ambulant beschnitten; realistisch beschrieben im Buch „Der Herr vom Uhudla“. [Privat]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2012)

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59 Kommentare
 
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Gratuliere.

Sie sprechen mir aus dem Herzen und scharfsinniger hätten sie es nicht formulieren können. Ich beneide sie um die Fähigkeit sich so gut ausdrücken zu können.

Gast: Ubduhla
27.07.2012 13:37
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Krankhafter Hass auf religiöse Menschen?

Herr Weidinger hat in einem einzigen Punkt recht: wenn es um die allgemeine und mediale Toleranz gegenüber Religionen geht, wird nur gegen die katholische Kirche mit richtig viel Dreck geworfen. Dies ist Unrecht.

Ansonsten wirkt der Artikel auf mich wie eine hasserfüllte Abrechnung eines zutiefst frustrierten und zerissenen Mannes, der in jakobinischer Manier seine persönliche Intifada mit dem glaubigen Menschen unter dem fadenscheinigen Deckmäntelchen der Aufklärung zelebriert.

Religiöse Menschen als krankhaft und psychotisch zu beschreiben, lässt m.E. auf eine fortgeschrittene Wahrnehmungsstörung und Menschenverachtung des Autors schliessen.

Eine gesunde, intellektuelle Auseinandersetzung mit der Frage der Trennung Staat/ Kirche sieht anders aus und hat in der Regel auch nicht diesen manischen Touch


Noch dümmer geht´s Nimmer?

"Religion kann nur Privatsache sein. Keiner wird (bei uns) aus religiösen Gründen verfolgt."
Ja, ja...eh nicht... Der Vater lässt ja nur aus religiösen Gründen sein Kind beschneiden und wird angeblich wegen Körperverletzung angezeigt und auch noch verurteilt! Gerade deshalb ist seine Religiöse Absicht NICHT Privat geblieben UND er wurde obendrein verfolgt!
Ich frage mich, wo da noch das Recht auf Religionsfreiheit bleibt? Oder leben wir in Sowjetunion wo uns sämtliche Menschenrechte verweigert werden, weil wir nicht zu 100% denjenigen "Menschen" ähnlich sind? Ich bleibe dabei, noch dümmer ginge es wohl nicht mehr..

Gast: Apollo 13
23.07.2012 12:47
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Ausgezeichneter Kommentar!

Danke.

Endlich ein klarer, vernünftiger Text zu diesem Thema!

Nach dem religiös verbrämten Geschwafel der anderen Gastkommentatoren eine echte Wohltat und endlich auch ein klares Wort gegen den Beschneidungswahnsinn.Hat lang gedauert, bis einmal was Vernünftiges zu diesem Thema in der Presse erschien!


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Und ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode.

Dies sprach Freund Polonius. Gut zitiert aus Hamlet

BRAVO!

Erfrischend, richtig, geistreich, klar! Alles andere Gewäsch (Hamann, Winkler, Dönmez, Schlomo..., usw) unerträglich unintelligent, Mythenriten das Wort redend, mittelalterlich und vor allem unethisch!
Keine Frage: Es wird noch etwas dauern, bis die heutigen sexistischen, rassistischen, spaltenden, machtbesessenen Religionen, die der Menscheit hunderte Jahre an technischer und vor allem ethischer Entwicklung gekostet haben, genauso verschwinden und der Lächerlichkeit ausgesetzt werden, wie Thor, Loki, Anubis und alle anderen Mysteriengötter.
Vielleicht ist das Urteil einer der Meilensteine, die nötig sind, dass Religion endlich wirklich zur ausschließlichen Privatsache wird, der indoktrinierende Religionsunterricht und die unerträglichen Privilegien der diversen Kirchen abgeschafft werden. Es reicht Kants Kategorischer Imperativ oder die Goldene Regel der Ethik, um den Menschen (und Tieren) ein glückliches, friedliches, erfolgreiches Streben, Leben und Sterben zu ermöglichen.

Gast: NikoHorn
18.07.2012 22:39
4 8

Seltsame Logik,

... sich einerseits für die Strafbarkeit der Beschneidung Kindes (8 Tage nach der Geburt) auszusprechen, und andererseits im gleichen Artikel seiner Freude darüber Ausdruck zu verleihen, dass es heute nicht mehr strafbar ist, ein 8-wöchiges ungeborenes Kind töten zu dürfen.

Antworten Gast: sterminat
19.07.2012 15:40
3 4

Re: Seltsame Logik,

Kind wird man durch Geburt und nicht durch Zeugung!!!

Aber Sie werden das vermutlich niemals kneissen!

Antworten Antworten Gast: adelut
27.07.2012 13:39
1 1

Re: Re: Seltsame Logik,

Leben entsteht mit der Verschmelzung von Ei und Samenzelle, Sie wissenschaftliches Nackerpatzl! Erst lernen, dann schwätzen!

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Re: Re: Re: Seltsame Logik,

Was, wenn sich die befruchtete Eizelle noch mal teilt, um zum Zwilling zu werden. Ist dir Eizelle Marie dann tot und dann enstehen Clara und Berta. Oder gibt es nur Marie und Clara. Ist die ursprüngliche Zelle Marie nun das linke oder rechte Spaltprodukt?

Re: Re: Seltsame Logik,

Und wie kommt ein Kind (ein Embryo)zur Geburt?

Antworten Antworten Antworten Gast: sterminat
22.07.2012 08:41
1 1

Re: Re: Re: Seltsame Logik,

Über das Fötus-Stadium - schon mal was davon gehört?

Gast: trudchen
18.07.2012 21:59
6 1

Endlich!

Sehr gut. Alles Wesentliche gesagt. Diesem Kommentar ist wohl kaum etwas hinzuzufügen.

Leider schalten aber viele ganz allgemein ihr Hirn aus, wenn es um Fragen der Religion geht, obwohl es in anderen Zusammenhängen tadellos funktioniert.

Antworten Gast: schlÄchter
18.07.2012 22:32
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Re: Endlich!

sges trudchen!
"Leider schalten aber viele ganz allgemein ihr Hirn aus, wenn es um Fragen der Religion geht, obwohl es in anderen Zusammenhängen tadellos funktioniert."

den eindruck habe ich auch, nur gilt diese feststellung nicht nur in richtung von religionsnhängern....

mfg
s.

Auch neue "Religionen" sind gefährlich!

Und damit meine ich NICHT etwa Kommunismus und Nationalsozialismus: Diese ideologischen Seuchen sind ja (zumindest derzeit noch) global betrachtet mehr oder weniger ausgerottet!

Nein, ich denke es ist der Wahn der Globalisierung, die angeblich 7 Mrd. Menschen "Glück, Zufriedenheit und Wohlstand bringen" soll! Die Menschen sind nur noch Teil eines riesigen Marktes, dessen imaginäre Gesetze für alle zu gelten haben. Nur nicht die Märkte irritieren und verschrecken! Denn diese verzeihen nichts und nie. Schnell verlieren sie das "Vertrauen" und ziehen ihre Investitionen ab. Und unerbittliche Rating-Agenturen stufen Banken und Staaten über Nacht auf Ramschniveau herunter.

Dagegen helfen nur Rettungsschirme und Hilfspakete. Und daß Staaten, welche noch halbwegs ökonomisch funktionieren, bis zum St. Nimmerleinstag "Garantien" für die ärmeren geben. Denn das sein nun einmal "alternativlos"! Und wer das bezweifelt, der setzt die Zukunft unseres Kontinents aufs Spiel...

Die eine Seite der "neuen Religion" ist die behauptete ALTERNATIVLOSIGKEIT"; die andere heißt schlicht GIER! Nimm, was Du kriegen kannst, egal, ob Du damit viele andere in tiefe Verzweiflung stürzt! Schneller Erfolg, schnelles "Glück" ohne Rücksicht auf etwaige negative Folgen! Aber der "Mammon" kann doch nicht alles sein, um das wir herum tanzen! Ohne soziale Bindungen (sie werden uns als antiquiert ausgeredet) und ohne ethisch-moralische Werte ist der Mensch nur noch eine Marionette anonymer Strippenzieher...


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Nicht vom Thema ablenken! Bitte nicht dumm relativieren!

Thema ist, die Beschneidung. Das ist ein steinzeitlicher, religiöser Ritus, der offenbar, weil unter dem Schutzmantel einer Religion, nicht hinterfragt werden darf. Dass hier kleinen, unmündigen Menschen Gewalt angetan wird, steht außer Zweifel. Das wenige Bildmaterial, dass diesbezüglich zur Verfügung steht, ist grauslich genug.
Und in vielen Kommentaren hier, wurde schon zum Ausdruck gebrachT, dass Herr Weidinger absolut richtig zur Sache geschrieben hat. Und darüber hinaus wurden die seichten Beschönigungen und Relativierungen der übrigen Kommentatoren der Presse angfangen von Winkler, Haman, hauseigene Schreiber und dergl mehr. als das entlarvt, was sie sind, nämlich Gewäsch ohne Tiefgang!

Antworten Antworten Gast: schlÄchter
19.07.2012 12:58
1 0

Re: Nicht vom Thema ablenken! Bitte nicht dumm relativieren!

sg aquilo!
die argumente der beschneidungsgegener sind ja durchaus gut und die diskussion ist ja auch nicht verboten-vielleicht bewirkt sie sogar in teilen der betroffenen mitgliedern der religionsgemeinschaften (eltern) partiell ein umdenken. ein dikussionsverbot vermag ich nicht zu erkennen, wenn auch gelegentlich die islamophob-antismitismuskeule leider (versteckt) angewendet wird - siehe hamann und dönmetz.
nur verwundert es schon auch mit welchen "heiligen" eifer - weil es um religion geht - auch von den beschneidungs- und religionsgegnern argumentiert wird. ich versteh das nicht, denn ein aufgeklärter mensch sollte doch auch die religiösen wurzeln der aufklärung und ihres weltbildes und auch die beschränktheit menschlicher vernunft anerkennen - sonst ist es ja auch nur eine form radikaler quasireligiöser vernunftsgläubigkeit.
apropos gewäsch ohne tiefgang: ein besonders "eifriger" poster bemüht die goldene regel und den kantschen obligatosischen imperativ - nur sollten gerade aufgeklärte menschen sich nicht an absoluten wahrheiten festmachen. interessante lektüre gerade zur probelmatik der genannten "gerechtigkeits"-ansätze: hans kelsen "was ist gerechtigkeit" der mmn sehr gelungen aufzeigt, dass auch unser aufgeklärtes weltbild gerade mit den genannten regeln keinen absolutheitsanspruch haben kann und soll.

mfg
s.


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Re: Re: Nicht vom Thema ablenken! Bitte nicht dumm relativieren!

Ihren Beitrag (der wie ein gediegener Metallblock von einem anderen Stern im sumpfigen Gefilde all dieser Gifteleien aufragt) leider erst heute gelesen, also viel zu spät, um noch meinerseits eingreifen zu können. Hätte Ihnen andernfalls gerne assistiert.

0 0

Re: Re: Re: Nicht vom Thema ablenken! Bitte nicht dumm relativieren!

war das @schlÄchter oder @aquilo gerichtet?

Gast: Vernunft-Fehlanzeige
18.07.2012 20:48
7 0

Applaus

gut gebrüllt-Weidinger! es lebe die Differenz-einige sind gleicher als gleich-es sind die, die am lautesten schreien-und wir Deppen gestatten es im Namen der Toleranz für den/ die Anderen, dass die Verfassung von den Vernunftlosen ausgehöhlt wird--ich empfehle den Film AGORA-er zeigt deutlich wohin es führt wenn die Stimme der Vernunft untergeht

Gast: 64e
18.07.2012 20:28
7 0

Ich weiss nicht, wer Sie sind,

Herr Weidinger, aber Ihr Artikel ist aussergewöhnlich.
Ich bin kein Freund von Herrn Wladimir Iljitsch Uljanov, aber von besagtem stammt das Zitat:" Religion ist Gift für das Volk".
Und wenn man sich so ansieht, was Religionen aller Art im Lauf der Jahrtausende angerichtet haben, dann muss man den Verstand jedes religiösen Menschen akut in Frage stellen.

Beschneidung eines gesunden Menschen.....welches kranke Gehirn kommt auf solche Ideen, nämlich im 21. Jahrhundert....


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Klare Worte...

Gefällt mir.

Ich sehe hier auch keine intellektuelle Arroganz.
Diese findet sich doch eher im pseudotoleranten Ansatz paternalistischer Kulturrelativisten.
"Die anderen Kulturen sind halt noch nicht so weit..."

Ich kann auch nicht erkennen, was daran böse sein soll im Sinne echter Religionsfreiheit Kindern ihr Recht auf eigenständige Religiosität einzuräumen.
Die Beschneidung als solche soll ja auch gar nicht verboten werden.
Bloß jene unmündiger Kinder.

Gast: gggggggg
18.07.2012 17:36
2 6

Die (typische?) Arroganz eines Intellektuellen

Wie viele Materialisten verwechselt auch Weidinger Religion mit Glaubensgemeinschaft. Letztere machen in der Tat viel Unsinn (sinnleere Rituale, Verteufelung Andersdenkender...), begehen grausamste Verbrechen im Namen ihrer ´Religion´. Diese bösen Verirrungen werden von intoleranten Materialisten als Grund verwendet, RELIGION zu verurteilen, dient als ´Beweis´, dass Religion Schwachsinn sei, etwas Destruktives, Krankes(!!)– dass Religion daher etwas für Narren sei, etwas das man – zumindest verbal - bekämpfen muss, womit sie ja genau das machen, was sie den ´Religionen´ - in blinder Verwechslung - s.o., vorwerfen. Beschneidung z.B. ist das Relikt eines archaischen Kults der Kastration ´zu Ehren´ einer fantasierten Muttergottheit, die – wie die kindlich-primitive Vorstellung von Gott als Mann mit Bart! – nichts mit Religion im eigentlichen Sinn zu tun hat. Ebenso hat z.B. die Gemeinschaft der Katholiken (die ´k.K.´) nur mehr sehr wenig mit der RELIGION des Christentums zu tun. Es ist hier nicht der Platz auf das Thema einzugehen, aber Religion bedeutet nichts anderes als ´Verbindung mit der Wahrheit´, ist also wertneutral. Es kommt freilich darauf an, was der Einzelne unter WAHRHEIT versteht. Und da gehen die Meinungen - je nach Bewußtseinsstand - weit auseinander. Der Punkt: Was jemand für wahr hält ist seine Religion. Es ist daher auch der Atheismus eine Religion. Klar ist auch: Intoleranz gegenüber Andersdenkenden, also auch gegenüber jedweder Religion, ist Faschismus.

Re: Die (typische?) Arroganz eines Intellektuellen

Ganz klar ist, wer Intellekt arrogant nennt, ist selbst zwar selbst arrogant, aber kaum intelligent. Gegen Verwirrungen (Geisteskrankheiten) wie Religionen zu argumentieren, ist so weit von Faschismus entfernt, wie Verbindung mit der Wahrheit von (jeder) Religion.
Dass Ewiggestrige mittelalterlichen Riten anhängen und das als Religionfreiheit abtun ist einfach nur dumm. NACHDENKEN statt NACHBETEN würde helfen.
In hundert Jahren werden die heutigen Religionen ungefähr denselben Stellenwert in der Welt haben, wie die polytheistischen Mythereligionen heute.
Erst dann wird ein Quantensprung in Ethik und Technik die durch die Religionen verlorenen tausend Jahre Menschenentwicklung aufholen.
In diesem Sinn: BRAVO Herr WEIDINGER!!

Antworten Gast: schlÄchter
18.07.2012 22:28
4 0

Re: Die (typische?) Arroganz eines Intellektuellen

sg ggg!
von mir ein
+
e istinteressant wie religions-und kirchenkritiker selbst in einen quasireligiösen eife verfallen bzw sich ein neues "wahrheitsmonopol" hier dogmatisch festgelegt werden soll. leider sind wir menschen nicht nur vernunftgesteuert und ist unser verstand sehrbegrenzt.

aber möchte dennoch herrn weidinger etwas in schutz nehmen. seine ausführungen hinsichtklich der gefahr der ausnutzung des rechtes der religionsfreiheit klare mit den westl. aufgeklärten werten unvereinbare privilegien und sonderstellungen, ja unolerierbare politisch-religiöse parallelstrukturen zu etablieren und die scheinheilige islamophobie und antisemitismus keule zur diffamierung von kritikern dieser enticklung auszupacken stimme ich vollinhaltlich zu.

mfg+schönen abend
s.

 
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Hinweis

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