19.06.2013 06:57 Merkliste 0

Armes Kärnten - Der Nachlass des Bärentalers

ANDREAS MÖLZER (Die Presse)

Korrupte Politiker, skrupellose Banker und halblustige Spaßvögler. Dieses Image hat sich das schöne Kärnten nicht verdient.

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Kärnten, das sei das Land der Gauner und der Narren: Mehr oder minder korrupte Politiker im Verein mit skrupellosen Bankern auf der einen Seite, auf der anderen halblustige Spaßvögler, die zwischen Beachvolleyball, Fête Blanche und Villacher Kirchtag ihr Unwesen treiben. Diesen Eindruck erhält, wer all das für bare Münze nimmt, was in den Medien über Österreichs südlichstes Bundesland in diesen Tagen so berichtet wird.

Mühsam ist es erst vor wenigen Monaten gelungen, europäischen Normalstandard in Sachen Behandlung der ethnischen Minderheit im Lande durchzusetzen. Der Applaus, den sich Kärnten, allen voran der Landeshauptmann, damit erwarb, ist verklungen angesichts der Vorerhebungen, Prozesse und Gerichtsurteile, denen sich die Kärntner Politikerzunft in diesen Tagen ausgesetzt sieht.

Der gelassene Umgang des Landeshauptmanns mit den gegen ihn erhobenen eher marginalen Vorwürfen, der stoisch-harte seines Landeshauptmann-Stellvertreters und Parteifreunds mit der Zweitverurteilung und der hilflose, nahezu naive des ÖVP-Chefs mit dem ihm gemachten Prozess, aber auch die dumm-dreisten Auftritte des Bärentaler-hinterbliebenen Lebensmenschen verdecken nur die Wurzeln dieser Kärntner Politik-Malaise.

Da ist einerseits die Tatsache, dass am 11. Oktober 2008 nicht die Sonne vom Kärntner Himmel gefallen ist, sondern der große Blender. Er, der geglaubt hat und seine Adepten auch glauben gemacht hat, dass alles möglich und erlaubt sei, ob im Umgang mit landeseigenen Bankinstituten, im Marionettenspiel mit eigenem politischen Personal und politischen Gegnern, in der popstarhaften Handhabung der Medien oder ganz allgemein im Umgang mit der Wahrheit, er hat sie alle im Stich gelassen – die eigenen Freunde und auch die Birnbachers und Martinze, die nun ihrem Urteil entgegenzittern. Und natürlich auch die Lebensmenschen, die die Landestracht mit Niedertracht verwechselten und politisches Ethos mit Solariumbräune. Es ist des Bärentalers Nachlass, der hier unselig aufgearbeitet wird.

Und andererseits ist es das politisch-korrekte Kleingeld-Wechseln der linken Reichshälfte, die die Chance sieht, die Ära Schüssel-Haider in der Republik insgesamt und die Ära Haider selbst in Kärnten speziell als Ganzes zu diskreditieren. Die roten Kärntner Leichtgewichte – wer kennt ihren Namen? – und die grünen Kleinkünstler betreiben mit den Inquisitoren der Korruptionsstaatsanwaltschaft und mit den selbst ernannten Großaufdeckern im parlamentarischen Untersuchungsausschuss sowie mit der einen oder anderen „Infotainment-Gazette“ ihr „Kärnten-Bashing“, das wir längst sattsam kennen.

 

Hexensabbat der Zeitgeistler

Daneben bleibt der ebenso medial hochgespielte Tummelplatz der heimischen Spaßgesellschaft. Der Hexensabbat der Zeitgeistler rund um den Wörthersee und die Berufslustigen der Kärntner Kirchtage zwischen Villach und Gotschuchen, sie genießen in diesem Jahr den einzigen Vorzug, dass sich die politische Kaste dort wohl nicht so zentral wie üblicherweise präsentieren wird.

Alles in allem: armes Kärnten. Auch wenn das Wetter gemeinhin schön, die Seen blau, die Berge hoch und die Menschen liebenswert bleiben, dieses Land mit seiner zweitausendjährigen Geschichte, mit seiner kulturellen Vielfalt, mit der künstlerischen Begabung seiner Menschen und der zauberhaften Schönheit seiner Landschaft, es hat sich diesen Ruf nicht verdient.

 

Andreas Mölzer sitzt seit 2004 für die FPÖ im Europaparlament. Seit 1997 ist er Chefredakteur des konservativen Wochenblattes „Zur Zeit“.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.07.2012)

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3 Kommentare
Gast: Orange-in-Wien
02.08.2012 13:00
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OHNE EHRE

Ich weiß nicht ob Sies wussten , falls nicht:
Andreas Mölzer ist Scheuch² und studierte Geschichte.

Er(Anmerkung FPÖ-EU-Abgeordneter;) schreibt:

" [...]aber die dumm-dreisten Auftritte des Bärentaler-hinterbliebenden Lebensmenschen verdecken nur die Wurzeln für die Kärntner Politik-Malaise."

(Haider ist also aus Sicht von Mölzer kein LH sondern nur Bärententaler gewesen, sein bester Freund Petzner dumm-dreist.

Weiter im Text:
"Da ist einerseits die Tatsache, daß am 11.Oktober 2008 nicht die Sonne vom Kärntner Himmel gefallen ist,sondern der große Blender.
Er, der geglaubt hat und seine seine Adepten auch glauben gemacht hat, daß alles möglich und erlaubt sei, ob im Umgang mit landeseigenen Bankeninstituten, im Marionettenspiel mit eigenem politischen Personal und politischen Gegner in der popartigen Handhabung der Medien oder ganz allgemein im Umgang mit der Wahrheit[...]"

Das war ein ehemaliger Parteikollege von Haider und heute die rechte Hand von HC Strache in Brüssel.
Sogar die FPÖ pinkelt AUF den toten JÖRG... PIETÄTLOS EINFACH NUR MEHR! Die FPÖ ist in dieser Hinsicht ohne Ehre!
DIESE MÖLZER GELENKTE FPÖ IST NICHT MEHR WÄHLBAR!

Gast: weissnix
27.07.2012 13:18
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"Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit"

Was sagt denn der Herr Hölzer heute zu seiner perfiden Geschichtsumdeutung?

Mölzer mochte Haider nicht?

Sind die in der FPÖFPKFIK jetzt nicht wieder alle gut? Die halten jetzt doch wieder miteinander? Da gehört doch der Kult um Jörgl zwangsweise dazu!

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