Es ist eine kleine Notiz auf den Wirtschaftsseiten mit großen Auswirkungen: Wegen der aktuellen Dürre in den USA – das Land liefert mehr als die Hälfte der weltweiten Mais-Exporte und ein Viertel der Weizenexporte – dürften die Lebensmittelpreise weiter steigen.
Eine Katastrophe für die Ärmsten der Armen, die bis zu 80 Prozent ihres spärlichen Einkommens für Lebensmittel aufwenden müssen. Denn die Preise bewegen sich ohnehin bereits in schwindelnden Höhen: Eine Tonne Mais kostet am Weltmarkt 337 US-Dollar – das ist das Dreifache des Preises von 2006.
Sicher: Gegen ausbleibenden Regen ist kein Kraut gewachsen – lässt man den größeren Zusammenhang des Klimawandels einmal beiseite. Doch insgesamt sind die Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln zum Teil auch hausgemacht: Denn derzeit wird an den Börsen mit Weizen, Mais und Co. kräftig gezockt.
„Globales Rohstoff-Kasino“ heißt es im Foodwatch-Report 2011 „Die Hungermacher“. Und laut der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) gehen nur noch zwei Prozent der Termingeschäfte auf den Rohstoffmärkten mit einem realen Austausch von Waren einher. Pfui Teufel.
Klarheit und Transparenz
Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Die Caritas tritt natürlich nicht für ein vollständiges Verbot von Rohstoffhandel an den Börsen ein. Termingeschäfte gibt es seit über 150 Jahren und sie sind ein probates Mittel der Händler und Produzenten, um sich gegen das Risiko von Preisschwankungen abzusichern.
Doch es braucht klare und transparente Regeln, die verhindern, dass die Gewinne der Spekulanten zur Hungerfalle für die Ärmsten werden. Die derzeitige Revision der europäischen Finanzmarktrichtlinie MIFIDII ist eine Chance dazu. Die Caritas ruft deshalb die österreichische Bevölkerung dazu auf, die Online-Petition „Ernährung muss leistbar sein – Stopp die Spekulation auf Nahrungsmittel“ zu unterschreiben (www.stopp-spekulation.at).
An vielen Schrauben drehen
Um den globalen Hunger zu bekämpfen muss freilich an vielen Schrauben gedreht werden: Auch Agrotreibstoffe, zu geringe Lagerhaltung oder hohe Ölpreise treiben die Getreidepreise nach oben.
Und die Preisexplosionen bei Nahrungsmitteln sind wieder nur ein einziger, kleiner Faktor im Reigen der lebensbedrohenden „Hungererzeuger“, zu denen unter anderem auch Konflikte, ungerechte Agrarhandelspraktiken, veraltete Anbaumethoden, Vernachlässigung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft und korrupte Regierungen zählen.
Klar ist: Am Hunger stirbt man leise, doch der weltweite Skandal schreit laut zu Himmel. Allein in der westafrikanischen Sahelzone haben derzeit über 18 Millionen Menschen nicht genug zu essen.
Die Bilder meiner jüngste Reise in den Niger und nach Burkina Faso werden mich noch lange begleiten: ein Vater, der vor Sorge und Kopfweh nicht mehr schlafen kann, weil er nicht mehr weiß, wie er seine Familie durchbringen soll. Babys, die selbst zum Weinen zu schwach sind.
Die Schöpfung ist für alle da
Aber auch: Menschen, die ihr Sonntagsgewand anziehen und ein Fest feiern, weil sie einen Sack Getreide bekommen. Und Menschen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Stehen wir ihnen bei. Denn eine Zukunft ohne Hunger geht uns alle an.
Und: Die Güter der Schöpfung sind für alle da.
Franz Küberl (geboren am 22.April 1953 in Graz) hat seine Karriere in der Katholischen Arbeiterjugend der Steiermark begonnen; seit 1995 ist er Präsident der Österreichischen Caritas.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2012)















