25.05.2013 13:36 Merkliste 0

Ein Entwurf einer ÖIAG, die die Politik hintanhält

ANTON FINK (Die Presse)

Gastkommentar. Die Privatisierungsgesellschaft des Bundes ist insgesamt eine Erfolgsstory. Trotzdem ist der Status quo suboptimal.

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Die ÖIAG ist, seit in Österreich im Jahr 1987 mit der ersten Teilprivatisierung der OMV der Privatisierungsprozess der Verstaatlichen Industrie begonnen wurde, insgesamt eine Erfolgsstory. Die Schulden der Verstaatlichten konnten durch die Privatisierungserlöse getilgt werden und seit 2000 führt die ÖIAG jährlich einen Anteil am Gewinn in dreistelliger Millionenhöhe an das Bundesbudget ab. Von 2000 bis 2010 hat die ÖIAG im Schnitt jährlich 226 Millionen Euro an Dividenden von ihren Beteiligungen kassiert.

Aktuell hält die ÖIAG noch 52,85 Prozent an der Post, 31,50 Prozent an der OMV und 28,42 Prozent an der Telekom. Seit 2008 ist auch die Fimbag bei der ÖIAG angesiedelt, die treuhändig für den Bund Partizipationskapital in Höhe von 4,8 Milliarden Euro an österr. Banken vergeben hat. Die Zinsen bzw. damit verbundene Verluste werden nicht direkt der ÖIAG zugerechnet.

Nach dem angekündigten Abgang des bei der Telekom wenig glücklich agierenden Vorstands prallen nun gegensätzliche politische Ansichten über die Zukunft der ÖIAG aufeinander: Die SPÖ neigt zur Auflösung und Übertragung der bestehenden Anteile an Ministerien (eine wirklich innovative Idee), die ÖVP möchte eher eine Aufwertung der ÖIAG zu einer echten Beteiligungsholding und könnte sich auch die Übertragung weiterer Unternehmensanteile, die der öffentlichen Hand gehören, an die ÖIAG vorstellen. Als gelernter Österreicher rechnet man mit dem Beibehalten des Status quo, was zwar das Einfachste, aber beileibe nicht das Beste ist.

 

Was sinnvoll wäre

Sinnvoll wäre zunächst einmal, sicherzustellen, dass alle Beteiligungen des Staates professionell verwaltet werden, unabhängig davon, ob man die Anteile behalten oder irgendwann privatisieren will. Das Ziel muss in jedem Fall eine langfristige Wertsteigerung sein. Dafür sollen unabhängige Fachleute sorgen. Politischer Einfluss soll möglichst hintangehalten werden. Sinnvoll wäre es auch, weitere Beteiligungen zu bündeln, konkret den Verbund, aber auch die Bundesforste und die BIG. Damit entsteht ein Portefeuille mit Risikoausgleich und Ertragsabsicherung, was bei der aktiven Bewirtschaftung der Beteiligungen sehr hilfreich ist, beispielsweise bei Kapitalerhöhungen, Zu- und Verkäufen von Anteilen oder beim Aufbau neuer Geschäftsfelder.

Ein solches neues Geschäftsfeld sollte sein, Risikokapital für junge Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Damit könnten junge kreative Köpfe Ideen verwirklichen, Start-ups und Spin-offs von Universitäten, aber auch die Expansion bereits bestehender Unternehmen in neuen Technologiebereichen finanziert werden.

Die Bereitschaft unserer Banken zu solchen Finanzierungen ist bekanntermaßen gering, hier würde ein solcher von Fachleuten geführter Fonds eine Lücke schließen. Mit einem Volumen von 100 Mio. Euro jährlich lässt sich mittelfristig viel bewegen (und es bliebe trotzdem noch etwas für das allgemeine Budget übrig).

Damit werden auch Synergien mit den bestehenden Beteiligungen möglich, z. B. zwischen alternativen Energien, Verbund und OMV, zwischen neuen Ansätzen in der Kommunikation und der Telekom oder zwischen grüner Technologie und den Bundesforsten. Ein solcher Beteiligungsfonds könnte wesentliche Wachstumsimpulse erzeugen und einen echten Vermögenswert für Generationen darstellen. Voraussetzung für den Erfolg ist, dass der Fonds strenge und transparente Regeln für seine Organe und seine Anlageentscheidungen erhält und diese auch eingehalten werden.

Aber das wollen wir doch alle, nicht wahr?


Anton Fink ist Geschäftsführer von Dale Investment Advisors in Wien. Außerdem unterstützt er die Initiative „Österreich spricht“.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2012)

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