23.05.2013 05:07 Merkliste 0

Wer gegen E10 kämpft, kämpft auch gegen Klimaschutz

HEINZ KOPETZ (Die Presse)

Ein Verzicht auf den Ethanol-Kraftstoff E10 bedeutet höhere CO2-Emissionen – und die Beschleunigung des Klimawandels.

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Das zentrale Problem – vor dem die Welt ebenso wie Österreich steht – ist jenes der Erderwärmung. Diese führt zu Extremereignissen wie Intensivniederschlägen, Überschwemmungen und Dürreperioden, die wiederum Missernten und in der Folge höhere Agrarpreise auslösen.

Die Hauptursache der Erwärmung sind die immer noch steigenden C02-Emissionen aus der Verbrennung von Öl, Gas und Kohle. Bei der Nutzung der Energiemenge, die in einem Liter Öl enthalten ist, werden bei der Verbrennung von Öl 2,7 Kilogramm C02, von Gas 1,9 Kilo C02 und von Kohle 3,3 Kilo C02 freigesetzt. Weltweit machten diese Emissionen 31.000.000.000 Tonnen aus, allein in Österreich noch 71.000.000 Tonnen.

Um eine Temperaturerhöhung auf über 2 Grad Celsius zu verhindern, müsste Österreich seine Emissionen bis 2040 im Sinne einer weltweiten Solidarität auf 2Tonnen C02 pro Kopf, also auf 17.000.000 Tonnen, reduzieren. Bei den aktuellen Rahmenbedingungen in Österreich steigen sie jedoch weiter an.

 

Urwaldrodung ist abzulehnen

Die Biotreibstoffe sind ein Teil der Strategie zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen im Verkehrssektor. Allerdings gibt es auch negative Effekte der Biotreibstoffe, deswegen ist eine differenziert geführte Diskussion notwendig. Biotreibstoffe aus Ländern mit Tropenwäldern, in denen die Rohstoffe auf Flächen produziert werden, die zuvor Urwälder waren, sind abzulehnen.

Das Gleiche gilt für Flächen in Entwicklungsländern, die für die Ernährung der ansässigen Bevölkerung benötigt werden. Ferner ist strikt zwischen Biodiesel und Ethanol zu unterscheiden: Ethanol wird nur Benzin beigemischt. Konzentrieren wir uns auf Ethanol aus Rohstoffen wie Mais oder Weizen schlechter Qualität aus Zentraleuropa.

Diese Region ist ein Getreideüberschussgebiet. Um zu große Überschüsse zu verhindern, wurden die Landwirte noch vor einigen Jahren de facto gezwungen, zehn Prozent ihrer Flächen stillzulegen. Die Landwirtschaft wurde wegen ihrer Überschussproduktion an den Pranger gestellt.

Gleichzeitig gab es auch schon vor zehn Jahren etwa 800 Mio. Menschen, die hungerten, und dennoch wurden gleichzeitig Flächen zwangsweise stillgelegt. Das war ethisch gesehen ein Skandal!

Doch auch dieses Thema ist sehr vielschichtig, denn es gibt genug Beispiele, die zeigen, wie durch die Verteilung stark subventionierter Nahrungsmittel an Entwicklungsländer die regionale Landwirtschaft um ihre Märkte gebracht und stark geschwächt wurde. Die regionalen Regierungen verloren dadurch den Anreiz, ihre eigene Landwirtschaft zu entwickeln.

 

Euro-Anbau rettet Regenwälder

Mittlerweile werden in Mitteleuropa nur mehr wenige Flächen stillgelegt, aber dafür Mais und Getreide für Ethanol angebaut. Mais besteht nicht nur aus Stärke – die für die Ethanolerzeugung verwendet wird – sondern enthält auch Protein und Maisöl, das der Erzeugung von Eiweißfuttermitteln dient. Bei den hiesigen Erträgen liefert ein Hektar Mais etwa gleich viel Eiweißfutter wie ein Hektar Sojabohnen in Argentinien oder Brasilien.

Wird die österreichische Ethanolanlage voll genutzt und damit ausreichend Alkohol für E10 erzeugt, so werden durch das gleichzeitig erzeugte Eiweißfuttermittel die Importe von Sojakuchen in einer Menge ersetzt, für deren Produktion in Brasilien 60.000 Hektar Ackerland benötigt werden. Ethanol aus Österreich gefährdet daher nicht die Regenwälder – im Gegenteil, es schützt sie sogar, weil der Druck auf Sojaimporte kleiner wird.

Auch die C02-Effekte der Ethanolerzeugung sind sehr unterschiedlich. Weltweit gibt es Beispiele, die zeigen, dass der C02-Einsparungseffekt sehr gering oder manchmal sogar negativ ist, nämlich dann, wenn die Rohstoffe für die Biotreibstoffe auf Flächen angebaut werden, die zuvor Regenwälder waren, und wenn die Energie für den Betrieb der Anlagen aus fossilen Quellen stammt.

Für die österreichische Ethanolanlage, die als Energiequelle die Abwärme eines Kraftwerkes nutzt, wurde in einer Lebenszyklusanalyse untersucht, welcheC02-Einsparung gegenüber Benzin unter Berücksichtigung aller Produktionsschritte vom Maisanbau bis zur Ethanolerzeugung im Vergleich zu Benzin von 70 Prozent erreicht werden.

Conclusio: Werden die in Österreich erzeugten 240.000 Kubikmeter Bioethanol dem Benzin beigemischt, so sinken dadurch die C02-Emissionen um 420.000 Tonnen. Ein weiterer Aspekt ist der Effekt des E10-Programms in Österreich auf die Agrarpreise. Diese richten sich zunehmend nach weltweiten Preistrends, ein Ergebnis der Liberalisierung der Märkte.

Die Preistrends werden vor allem durch die Trockenheit in wichtigen Anbaugebieten und durch die enorm steigende Nachfrage nach Futtermitteln für die Fleischproduktion bestimmt. Auf diese weltweiten Preistrends hat die österreichische Entscheidung über E10 so gut wie keinen Einfluss.

 

Anbautreiber Futterbedarf

Die Ansicht, dass durch einen Verzicht auf E10 in Österreich die Agrarpreise sinken, ist eine Illusion. Weltweit werden schon fast 300 Millionen Tonnen Fleisch erzeugt (Tendenz steigend), für dessen Produktion weit mehr als eine Milliarde Tonnen Futtermittel benötigt werden. Diese Entwicklung treibt die Expansion des Sojabohnenanbaus, vor allem in Südamerika, immer weiter voran und gefährdet damit direkt oder indirekt Waldgebiete in wesentlich höherem Maße als die Biotreibstoffe.

Die Fakten zeigen, dass die bisherigen Trends global an Grenzen stoßen. Man kann weiter auf mehr Fleischproduktion, mehr fossile Treibstoffe und weniger Biotreibstoffe setzen. Doch dann steigen die C02-Emissionen noch rascher. Ähnliches gilt für Österreich: Ein Verzicht auf E10 bedeutet, höhere Treibhausgas-Emissionen im Verkehr, größere Importe an Sojaschrot und an fossilen Treibstoffen und in der Folge mögliche Strafzahlungen wegen Nichterfüllung der Emissionsreduktion von 16 Prozent, wie sie europarechtlich vorgeschrieben ist.

 

Ein Mosaikstein zur Lösung

Wer das will, tritt gegen die Einführung von E10 auf. Wer das nicht will, muss E10 unterstützen. Damit kommen wir zur Eingangsbemerkung zurück: Das zentrale Problem ist die Erderwärmung, ausgelöst durch die hohen C02-Emissionen.

Mit höheren C02-Emissionen wird der Klimawandel beschleunigt und die Probleme, die damit verbunden sind, wie die Verringerung der weltweiten Ernten, werden weiter zunehmen. Aus diesem Kreis kommen wir nur heraus, wenn wir die Verwendung fossiler Energien drastisch und rasch reduzieren, auch im Verkehrssektor.

Biotreibstoffe sind nicht die Lösung schlechthin – aber, wenn es richtig gemacht wird, sind sie ein Beitrag zur Lösung.


Heinz Kopetz wurde im Zuge der Generalversammlung des Weltbiomasseverbandes Ende Mai zum neuen Vorsitzenden ernannt. Der Verband versteht sich als Sprachrohr der globalen Bioenergie-Branche. Er war langjähriger Vorsitzender des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Präsident des Europäischen Biomasse-Verbandes.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2012)

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12 Kommentare
Gast: Das ist Unsinn, der uns von Lobbyisten eingehämmert worden ist:
31.08.2012 22:01
0 0

"Ein Verzicht auf den Ethanol-Kraftstoff E10 bedeutet höhere CO2-Emissionen – und die Beschleunigung des Klimawandels."

Weil auch die kritisierten Rohstoffe natürlicher Herkunft sind und einmal Sauerstoff produziert haben. Erneuerbare produzieren indem sie dort belassen werden wo sie sind Sauerstoff und natürlich etwas mehr während des Wachstums. Verbrennt man sie hingegen produzieren sie CO2, wie die Rohstoffe aus dem Boden, nur dass sie jetzt keinen Sauerstoff produzieren, weil sie ja weg sind. Lasse ich sie stehen und verbrenne die im Boden, können die über der Erde gleichzeitig umwandeln, während dies nicht möglich ist, wenn ich sie selbst verbrenne und aufs nächste Wachsen warten muss. Außerdem widerspricht den reinen Industrieargumenten die Tatsache, dass, wenn sich das Klima wegen menschlicher, aber auch wegen anderer Aktivität erwärmte, weniger geheizt würde und so ein natürlicher Ausgleich stattfände. Bleiben nur noch die Verbrennungsmotoren, wobei ein Flug in die Karibik 4t CO2 produziert, obwohl das Klimaziel verlangt, pro Kopf nur 2,5t CO2 jährlich zu verbrauchen …

E 10 hilft gegen die Erderwärmung nicht!

Beeindruckend schildert Heinz Kopetz die “enorm steigende Nachfrage nach Futtermitteln”, weil “schon fast 300 Millionen Tonnen Fleisch erzeugt (Tendenz steigend)” werden.
Aber warum werden dann die in Österreich brachliegenden Flächen nicht für den Futtermittelanbau genutzt? Weshalb in aller Welt will er denn Autofahrern statt Treibstoff die energiearme Flüssigkeit E 10, die von vielen Autos überhaupt nicht vertragen wird und den anderen mit Sicherheit nicht nützt, aufzwingen?

Seine Argumentation mit dem Klimaschutz zeigt doch nur, dass er - wie auch alle anderen CO2-Alarmisten - vom letzten Bericht des Weltklimarates (IPCC: Fourth Assessment Report) höchstens nur die Politpropaganda kennt, aber nicht das, was die vom IPCC mit der “Beobachtung des vom Menschen gemachten Klimawandels” beauftragten Wissenschaftler im von ihnen verfassten Berichtsteil “The Physical Science Basis” gefunden haben: Ein Zusammenhang zw. dem vom Menschen verursachten CO2-Ausstoß und dem Klima bessert Computerprogramme nur für die Zeit von 1970 bis 2005. Daraus und bes. aus Zeiträumen unter 50 Jahren kann man aber keine Schlüsse ziehen!

Die Behauptung, dass der Mensch an der Erderwärmung schuld ist, ist also nur ein Dogma wie die unbefleckte Empfängnis Mariens. Beides muss man einfach glauben, einen Beweis gibt es weder für das Eine noch für das Andere! Die Beimischung von Äthylalkohol als Beitrag zum Klimaschutz hat keine wissenschaftliche Begründung, weshalb dies als sinnlos abzulehnen ist!

Gast: 34204
28.08.2012 19:14
1 0

Kopetz war langjähriger Vorsitzender des Österreichischen Biomasse-Verbandes

Heinz Kopetz wurde im Zuge der Generalversammlung des Weltbiomasseverbandes Ende Mai zum neuen Vorsitzenden ernannt.

Der Herr Kopetz

hat wohl zuviel CO2 eingeatmet - voll im Delirium ...

Gast: da wüde
28.08.2012 10:28
5 0

Na-na Herr Kopetz

Das is a bissl einseitig dargestellt Herr Kopetz. Man merkt dass grad das Sommerloch in der Redaktion vorherscht und daher Lobbyistenbeiträge veröffentlicht werden können. Bedauerlich, dass das in der PRESSE stattfinden kann...
Warum ist das nicht als WERBUNG gekennzeichnet?

E10 - glatte Lüge und schön lügen???

Keine Ahnung wer recht hat, aber jedes Argument diskutieren müssen wir schon!

Dazu wieder einmal der Minister (diesmal im Interview mit Conrad Seidl) im Standard vom 28.08.2012: http://derstandard.at/1345165336819/Unsinn-dass-Hunger-durch-E10-verschaerft-wird .

Und ein weiterer (anderer) Kommentar von THOMAS WINKLER für die EU-INFOTHEK vom 27.08.2012 unter http://www.eu-infothek.com/article/e-10-eu-gesetze-lobbys-und-steigende-benzinpreise .

Also, lügt da wirklich wer was zusammen?

Re: E10 - glatte Lüge und schön lügen???

also wenn dreimal mit der kirche ums kreuz argumentiert wird, dann ist meistens was faul.

energiesparen kann man im verkehrsbereich auch anders. zb durch eine senkung der tempolimits.

1 0

Ein paar vergessene Details

E10 ist ein äußerst fragwürdiger Treibstoff, weil er auf grund des Ethanol- und Wassergehalts korrosiv auf Treibstofbehälter, Leitungen und Motoren wirkt. Deswegen sind ja auch Automobilindustrie und Mechaniker so begeistert davon - bedeutet riesige Umsätze. Ich wage zu bezweifeln, dass die CO2-Auswirkungen dieser Effekte eingerechnet sind.
E10 hat vielleicht in Österreich noch keine Auswirkungen auf die Preise landwirtschaftlicher Produkte, in den USA auf jeden Fall (in Mexiko erst recht), in Deutschland beginnen die Leute es laut "Spiegel" schon zu spüren. Wer es in Österreich nicht so weit kommen lassen will, sollte sich jetzt schon dagegen wehren.
Wenn ich die Wahl habe zwischen einem Schnitzel und mehr E10 im Tank, dann entscheide ich mich für das Schnitzel, selbst wenn ich dann - horribile dictu - mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren müßte. Andere Menschen würden sich anders entscheiden. Sie hätten wenig Lust, meine Wahl zu subventionieren, ich habe keine Lust, ihre Entscheidung finanziell mitzutragen.
Und das ist der springende Punkt an der ganzen Sache: Wie der Autor durchaus richtig anmerkt, führt das irre Subventionssystem in der Landwirtschaft mitunter zu völlig absurden und kontraproduktiven Entscheidungen. Deswegen sollte man die Subventionen und überhaupt die Landwirtschaftspolitik ersatzlos streichen. Dann gibt es aber auch kein E10, denn ohne die - unfreiwilligen - Beiträge der Steuerzahler würde sich das Zeug gar nicht rechnen.

3 0

Schon der erste Absatz

ist eine glatte Lüge. Weder ist die angebliche (und trotz stark steigender CO2-Emmissionen seit 2000 nicht mehr stattfindende) Erderwärmung ein "zentrales" Problem, noch gibt es irgendeinen Nachweis, dass dies zu einer Zunahme von Wetterextremereignissen führt.

Der Rest des Artikels ist auch nicht wirklich besser. Im schlimmsten Fall falsch, im besten Fall naiv leichtgläubig, wie z.B. die Annahme, dass Brasilien weniger Regenwald rodet, wenn wir auf E10 umsteigen. Wer soll diesen Mist glauben?

4 0

DiePresse und schon gar nicht dieser Kopetz

werden es schaffen, E10 schön zu lügen

Gast: klipp
27.08.2012 22:18
2 0

das ist ja wohl

die artikelgewordene platitüde.....

Gast: Martin_S
27.08.2012 21:15
3 0

Eine Absolute Lachnummer,

der Autor samt sein "Artikel"... Rein mit den Lebensmitteln in den Tank, weil das CO2 spart - haha... und die Leute, die dann nix zum Essen haben, sterben weg und verbrauchen NOCH weniger Co2... SUPER!!!! Und weil das kleine Ö E10 einführt, werden die Staaten, die die Urwälder roden für Soja, weniger roden - so ein Schmarrn! Die werden einfach weiterroden - um E10-taugliche Pflanzen anzubauen!!!!

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