23.05.2013 02:49 Merkliste 0

Fusioniert endlich die Kassen

ANDREAS SCHINDL (Die Presse)

Was die österreichische Gesundheitspolitik vom Innenministerium lernen könnte: Strukturverschlankung.

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Seit 1. September gibt es statt der bisher 31 Polizeibehörden nur mehr neun Landespolizeidirektionen. Damit hat die Innenministerin einen Schritt zur Verschlankung der Exekutive gesetzt. Nach ihren Angaben steht „die Abschaffung von Doppel- und Mehrgleisigkeiten und damit das Abschaffen vieler Führungspositionen“ im Mittelpunkt der Reformbestrebungen. Man rechnet mit einem Sparpotenzial von acht bis zehn Millionen Euro.

Viele leidgeprüfte Patienten, Mediziner und Gesundheitsökonomen fühlen sich angesichts des hier gezeigten Reformwillens allzu schmerzlich an den Reformstau im Gesundheitswesen und namentlich bei den Sozialversicherungsträgern erinnert. In Österreich entscheidet noch immer Beruf und/oder Arbeitsort über die automatische Zugehörigkeit zu einer der 22 im Hauptverband der Sozialversicherungsträger vertretenen Krankenkassen.

In Tirol gibt es beispielsweise neben der Tiroler GKK, der BVA, SVA, VA-B, SVB auch Sozialversicherungsanstalten für Landesbeamte, Landeslehrer, Gemeindebedienstete und Beamte der Stadt Innsbruck, also insgesamt neun Krankenkassen! Dieses System der Pflichtversicherung (im Gegensatz zur Versicherungspflicht) erinnert an die Standesdünkel des Ständestaates der Zwischenkriegszeit.

 

Enormes Einsparungspotenzial

Dass durch Fusionierungen Kosten gespart werden können, zeigt nicht nur das Beispiel der Exekutive, sondern auch einer der ersten, allerdings schon Jahre zurückliegenden, zaghaften Reformschritte bei den Krankenkassen.

Bei der Zusammenlegung der Krankenkassen für Eisenbahner und Bergbau wurden 120 Jobs eingespart. Derzeit gibt es österreichweit etwa 13.000 Angestellte bei den Sozialversicherungsanstalten. Nach Meinung von Experten wie Ernest Pichlbauer ließen sich bei Zusammenlegungen hunderte Stellen einsparen. Das Einsparungspotenzial in Ziffern beträgt ca. 15 Prozent von 30 Milliarden (Gesamtkosten des Gesundheitssystems), das sind 4,5 Mrd. Euro.

Ein weiterer Vorteil der Fusionen der Krankenkassen wäre die Möglichkeit zur Schaffung eines einheitlichen Leistungskataloges. Derzeit gibt es 14 (!) verschiedene Leistungskataloge, was zur absurden Situation führt, dass beispielsweise die OÖ GKK für ein EKG 24, die NÖ GKK 41 Euro bezahlt. Abgesehen davon, dass nicht nachvollziehbar ist, warum ein EKG in Oberösterreich um fast die Hälfte billiger ist als in Niederösterreich, ist mit der Administration dieser unterschiedlichen Tarife nicht nur bei den Krankenkassen, sondern auch bei der ständig steigenden Zahl von Wahlärzten ein enormer Verwaltungsaufwand verbunden.

Sinnvoll wäre daher zunächst eine Eingliederung der „kleinen“ Kassen in neun Gebietskrankenkassen mit einheitlichem Honorarkatalog, in weiterer Folge ein Wettbewerb zwischen diesen. Voraussetzung dafür wäre wiederum die Wahlfreiheit der Versicherten und die gesetzliche Verpflichtung aller Kassen, keinen Versicherten abzulehnen (Versicherungspflicht statt Pflichtversicherung).

Dr. Andreas Schindl studierte Medizin in Wien und Photobiologie in Padua und Sassari. Derzeit Dermatologe in Wien und gesundheitspolitischer Berater der Mittelstandsvereinigung Österreichs (MIÖ).


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2012)

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4 Kommentare
Gast: Rotschwarzblauorangegruen
06.09.2012 16:03
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Die beste Lösung

Wir privatisieren die Kassen und fassen diese in einer Holding zusammen, Die muss dann "zum Wohle der Menschen in Österreich" schalten und walten.
Die Regierung legt ein Gesetz vor, in dem hinkünftig Krankheiten, Unfälle und eine Lebenserwartung von > 50 Jahren verboten wird.
Die Holding stellt alle Spitäler und Ärzte in ihren Dienst um die Einhaltung des Gesetzes zu überwachen. Die Einnahmen der Holding sowie deren Gewinne werden mandatsmäßig auf die Parteien aufgeteilt. Ein fixer Teil wird in Form von Inseraten seitens der Parteien dann als Presseförderung zur Verfügung gestellt.
Beschluss: einstimmig!


Gast: Sozialversicherter
06.09.2012 12:38
1 0

Schuster bleib bei deinen Leisten

Von akademisch gebildeten Menschen sollte man eigentlich mehr erwarten können als oberflächliche und populistische Argumente, die unreflektiert von Populisten übernommen werden.
Wo liegt nun der Unterschied zwischen den Ausgaben der Polizei und Sozialversicherung?
Die Ausgaben der Polizei belaufen sich auf Personal- und Sachkosten - Einsparungsmaßnahmen sind sofort in großen Prozentwerten darstellbar.
Die Ausgaben der Sozialversicherung belaufen sich auf Geld- und Sachleistungen (zB Pensionen, Krankenbehandlung). Die Personal- und Sachkosten betragen etwa 1-3 Prozent der Gesamtaufwendungen. Einsparungen im Personalbereich bringen keine Sanierung der Kosten. Einsparungen werden vor Allem eine Verschlechterung des Kundendienstes bedingen (auch Ärzte sind Kunden nicht nur hinsichtlich der Leistungsabrechnung). Weiters haben die kleinen Träger aufgrund der Versichertennähe immer bessere Zufriedenheitswert.
Möchte man das wirklich Alles wegen ein paar Euro an Einsparungen auf das Spiel setzen? Möchte einen Arzt erleben, der technisch top ausgestattet ist und keinen SV-Mitarbeiter mehr braucht, wenn er ein Problem mit der Abrechnung hat und in einem Callcenter in Bangelore anrufen muss.

Verbessern statt nach unten nivellieren

Der Vorschlag, die Gebietskrankenkassen als State of the Art zu nehmen und die wesentlich leistungsfähigeren bundesweiten Träger in diese einzugliedern, ist typisch österreichischer Mainstream. Man nimmt nicht das Beste als Mass, sondern den Durchschnitt.

Würde man zuvor die GKKs auf den Standard der bundesweiten Träger (BVA, SVA, VAEB, SVB) bringen - besonders was die Ökonomie, die Ausgabenkontrolle und die Kontrolle der Leistungen und besonders der Leistungserbringer!! betrifft, dann wäre dies zumindest diskutierenswert!

Es gehen aber alle Vorschläge dieser begabten Gesundheitsökonomen in Richtung Leistungsverschlechterung, Ausgabenentgleisung, Kontrollverzicht und schleissige Beitragseinhebung der GKKs.

Ausserdem, was hier wieder unter den Tisch fällt: die bundesweiten Träger verfügen nicht über den Wasserkopf der Verwaltung der GKKs, sondern über eine zentrale Verwaltung mit schlanken Strukturen in den Ländern!

Und erst (sozial verträgliche) Selbstbehalte bei den Behandlungskosten helfen wirklich die Kosten des Gesundheitssystems wieder in den Rahmen zu bringen! Nicht mediale Äpfel und Birnen-Kampagnen!!

Gast: Kassenkunde
06.09.2012 09:20
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Pseudoexperten

Na fein, wieder ein selbsternannter Experte der keine Ahnung von der Praxis hat und jenen die mit der Gesundheit der Bevölkerung Geschäfte machen wollen in die Taschen spielt. Nicht genug das in dem Kommentar Äpfel mit Birnen verglichen werden, will uns der Autor auch noch die Versicherungspflicht schmackhaft machen. Ein System, das in Deutschland bereits erfolgreich gescheitert ist und zu einer X-Klassengesellschaft geführt hat, in der die chronisch Kranken und Armen nur noch von den dazu verplichteten AOKs mit der Mindestversorgung bedacht werden und die sogenannten tollen Wahlkassen solche Versicherte rundweg ablehnen.
Dieser Schwachsinn mit den Einsparungen von € 4, 5 Mrd. würde bedeuten, dass nach dieser Rechnung "mehrere Hundert Stellen" die man einsparen kann - sagen wir einmal 500 oder erhöhen wir großzügig auf 1000 im Schnitt mir 450.000 Euro pro Jahr dotiert wären. Na Super - da geh ich auch in die Krankenkasse arbeiten. Wer solch polemische Kommentare mir derart unrealistischen und hetzerischen Aussagen verbreitet sorgt dafür, dass unsere Gesundheit noch mehr zum Spielball von Geschäftemachern wird!
Daher: verstärkte Zusammenarbeit, Nutzung von Synergien und effizienterer Mitteleinsatz - JA - aber unter Beibehaltung des Systems der Pflichtversicherung und der Selbstverwaltung in der Sozialversicherung, dass sich nicht nur bewährt hat sondern auch mit einem Verwaltungskostenanteil von unter 3% unschlagbar günstig gegenüber jedem Versicherungspflichtsystem ist.

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