23.05.2013 02:34 Merkliste 0

Bürgerrecht, Bürgerärger

MARCUS FRANZ (Die Presse)

Das Demonstrationsrecht wird heute überstrapaziert. Und warum muss fast jede Demo in der Wiener City stattfinden?

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Das Recht auf Versammlungsfreiheit („Demonstrationsrecht“) ist ein klassisches, einst hart erkämpftes Bürgerrecht. Heute wird dieses Recht aber allzu oft von verschiedenen Interessengruppen in einer fragwürdigen Weise ausgeübt. Es ist solcherart nicht mehr nur dazu da, Interessenkundgebungen und öffentliche Proteste zu ermöglichen, sondern es ist aufgrund seiner Überbeanspruchung leider auch dazu geeignet, viele Bürger nachhaltig zu verärgern.

Das beliebteste Kundgebungsareal Österreichs ist der erste Wiener Gemeindebezirk (die „Innenstadt“). Dementsprechend oft finden dort Demos und diverse Events statt. Ebenso oft kommt es infolge dieser Ereignisse in der City zu mitunter umfangreichen Staus, in denen tausende meist verärgerte Autofahrer festsitzen. Auch die an der jeweiligen Demo nicht interessierten Fußgänger, Geschäftsleute, Kunden, Touristen und natürlich Anrainer müssen immer wieder den Demos weichen und Behinderungen in Kauf nehmen.

Die an konsistenten Aussagen sehr armen, dafür an Getöse umso reicheren Straßenfestivals wie die „Street-“ oder die „Love-Parade“ sind rechtlich betrachtet ebenfalls angemeldete Demonstrationen. Unzählige Bürger nehmen diese wiederkehrende undemokratische Bevorzugung von Minderheiten auf Kosten der Mehrheit zähneknirschend und machtlos zur Kenntnis.

 

Eine Demo gegen zu viele Demos

Wo sollte man sich auch beschweren, wenn alles den Buchstaben des Versammlungsgesetzes entspricht? Was kann man gegen die meist doch nur irgendein marginales Anliegen hegenden Demonstranten schon unternehmen? Man könnte höchstens eine Demonstration gegen zu viele Demonstrationen anmelden.

Aber im Ernst: Es ist zu fragen, warum unbeteiligten Bürgern regelmäßig Ärger und Ungemach zugefügt werden muss, wenn andere Bürger ihr Versammlungsrecht ausüben. Warum muss jede Demo in der City stattfinden? Und wieso werden die Interessen der dort verkehrenden Bürger immer wieder missachtet? Die Demonstranten könnten ja in geeignete Areale wie etwa auf die Donauinsel oder in den Prater ausweichen. Platz ist dort mehr als genug und die Erreichbarkeit ist ausgezeichnet.

Der Nutzen einer vielleicht durchaus berechtigten Demo ist überschaubar, wenn dadurch unzählige Leute verärgert werden. Das ist eigentlich schade und konterkariert die ursprüngliche Intention der gesetzlich garantierten Versammlungsfreiheit. Durch Kundgebungen, die den täglichen Routineablauf einer Stadt und die Sphären der Unbeteiligten empfindlich stören, wird zwar Aufmerksamkeit erregt, aber viel mehr noch der Ärger der an der Veranstaltung nicht interessierten Bürger.

Zurück bleibt eine negative Konnotation mit dem betreffenden Event. Zumal ja nicht nur die Teilnehmer an diesen Ereignissen, sondern auch und vor allem die nicht teilnehmende Mehrheit für die Kosten derselben aufkommen muss: Die nach jeder Demo notwendige Straßenreinigung, die Bereitschaft der Rettungsdienste und die vielen Überstunden der Polizei gibt es nämlich sicher nicht gratis.

Prim. Dr. Marcus Franz ist ärztlicher Direktor des Hartmannspitals, Vorstand der internen Abteilung.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

15 Kommentare
Gast: selberlehrer
15.09.2012 21:53
0 0

Schuster bleib bei Deinem Leisten

In letzter Zeit schreiben in der Presse dauernd Menschen Kommentare zu ihrem Fachgebiet so komplett fremden Themen und Sachverhalten, Zoologen über Beschneidung, Ärzte über Demokratie, etc.
- und bei all jenen merkt man, dass sie von der entsprechenden Materie keine Ahung haben.

Gast: asterix der gallier
14.09.2012 18:29
0 0

Der Artikel ist so wichtig, dass er öfters in der Presse abgedruckt werden sollte

und zwar JEDESMAL, wenn die Ärzte demonstrieren ;-)

Gast: Gast: Leser
14.09.2012 16:10
1 0

Polizei

An wen richtet sich dieser Artikel eigentlich? An die (potenziellen) Demonstranten? Mit der Bitte, sich andere Demonstrationsorte zu suchen? Jede Demonstration muss bei der Polizei angemeldet werden, einschließlich Ort, Verlauf, Zeit usw. und muss von dieser genehmigt werden. Es liegt also allein an der Polizei, Demonstrationen, die den oben ewähnten Ärger verursachen, nicht zu genehmigen bzw. an andere Orte (Straßenzüge, Bezirke) zu verlegen.

Gast: Walter-serro
14.09.2012 12:12
1 1

Herr schmeiß Hirn vom Himmel

Ach immer diese lästigen Demonstranten. Musste mir schon einen Hummer aka Straßenpanzer kaufen, ist ja sonst kein Vorankommen mehr in der City. Sonst komme ich ja zum Golfspielen zu spät! Überhaupt, warum gehen die nicht alle in den Keller, und nehmen die Obdachlosen mit?
Letztens hams für Brot demonstriert. Solch ein Blödsinn. Wenns ka Brot ham, sollens doch Kuchen essen!

Wer hier die Ironie nicht erkennt ist ÖVP Wähler

Gast: Dr. Maus
14.09.2012 11:14
0 0

Habe eben aerzte+demo+wien gegoogelt

Also düfen ihre standesgesnossen jetzt oder nicut,
Bzw. Sind das jetzt "normale menschen" wie unten gepostet, doe fuer demos keine zeit haben?

Fragen uber fragen.

Gast: Steirer
14.09.2012 11:05
1 1

sorry, wir haben die Donauinsel nicht gefunden

3.6.2008

350 steirische Ärzte bei Demo in Wien
Die Ärzte haben am Dienstag in Wien gegen die Gesundheitsreform demonstriert - auch Hunderte steirische Mediziner waren dabei.

Gast: Citybusfahrer/Fussgeher
14.09.2012 10:02
0 0

Sie haben recht. fangen sie mal bei ihrer Standesvertretung an

11.4.2012
Ärztekammer gegen angebliche OP-Reduktion
Unter anderem geht es um eine angebliche Weisung des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV), planbare operative Leistungen in den Wiener Spitälern ab Oktober um bis zu 20 Prozent zurückzufahren. Die Wiener Ärztekammer forderte Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) auf, diese Weisung auszusetzen.

Laut Wiener Ärztekammer solle so unter dem Titel "Budgetvollzug" eine Situation geschaffen werden, die mit der Euro 2008 vergleichbar ist. Während der Fußball-Europameisterschaft wurde die Zahl der Operationen reduziert, um Kapazitäten im Katastrophenfall frei zu haben. Eine derartige Anweisung sei mit ärztlicher Ethik nicht vereinbar, so die Ärztekammer

Antworten Gast: Eine Frage
14.09.2012 11:07
1 0

Re: Sie haben recht. fangen sie mal bei ihrer Standesvertretung an

Und was hat Ihr Beitrag mit dem Thema des Kommentars zu tun?

Antworten Antworten Gast: Citybusfahrer
14.09.2012 11:17
0 0

Re: Re: Sie haben recht. fangen sie mal bei ihrer Standesvertretung an

Ja, sie habe. Recht, beim kopieren ist doe letzte zeile verlorengegangen.

Es geht darum, dass auch aerzte doe ringstrasse blockieren und nicht auf der donauinsel demonstrieren, ausserdem ist jegliche eonschraenkung des demonstrationsrechtes verfassungswidrig,
So nach dem motto, was eine sinnvolle demo und ein guter ort ist bestimmt die obrigkeit.

Gast: K. Schneider
14.09.2012 09:57
1 2

Zustimmung!

Sehr guter Artikel. Es sind ohnehin immer die gleichen, die demonstrieren, sowohl auf linker wie auf rechter Seite. Der normale Bürger hätte dazu auch gar keine Zeit. Und nahezu jede Demonstration bleibt folgenlos, weil sie die Mehrheit einfach nicht interessiert. Dass Parties wie Love- oder Street Parade als Demonstrationen gelten ist im Übrigen eine Frechheit!

Antworten Gast: normaler Bürger:
14.09.2012 11:02
1 0

Re: Zustimmung! ad ringstraße

Tausende Ärzte demonstrieren in Wien:

Protestzug über Ringstraße

...www.news.at/.../tausende-aerzte-7. Juli 2008 –

Angeführt von Ärztekammerpräsident ...

Antworten Gast: mittiger
14.09.2012 10:56
1 0

Re: Zustimmung!

Herr schneider, in dem post oben waren die demonstranten aber die ärzte, genau in der city.

sind die nun rechts oder links oder "immer diegleichen"

die frage ist nur, wer bestimmt, was eine sinnlose demo ist? inrussland wird ihre meineung und die des herrn doktor sehr schnell und sehr enseitig ausgelegt....
also, ich bitte um etwas nachsicht, demokratie ist mit mühe verbunden.

Gast: der ehemalige Student1
14.09.2012 09:53
1 0

armer schwarzer Kater

jemand, der im ersten Bezirk mit dem Auto fährt, ist selber schuld, kein Mitleid. Gar keines. und weil es so gut dazupasst: jemand, der durch die MaHü mit dem Auto fährt: dito (gefühlte 100 Ampeln und Zebrastreifen, rote Welle, ständig verstopft).

Die genannten Paraden finden je einmal im Jahr statt, wer sich davon beeinträchtigt fühlt, ist schon "leicht augrührt", wie man so schön sagt.

also: entspannen Sie sich, genießen Sie das Leben. Und wenn wieder eine Parade ist, fahren Sie einfach früher oder später nach Hause.

Gast: Herrenfahrer
14.09.2012 09:16
2 0

Ebenso oft kommt es infolge dieser Ereignisse in der City zu mitunter umfangreichen Staus, in denen tausende meist verärgerte Autofahrer festsitzen

Die City ist eben nicht zum Autofahren da, denn sie entstand im Mittelalter.
Schon Joseph haydn beklagte sich, dass er von Gumpendorf über eine Stunde wegen des verkerhs in die Stadt braucht. (keine Demos)

Das Ansinnen das demonstrtationsrecht quasi im keller wahrzunehmen, muss nicht kommentiert werden.

"Bevorzugung von Minderheiten auf Kosten der Mehrheit"


eshindert ja keiner die arme, arme benachteiligte mehrheit daran, gegen diese "bevorzugung" aufzutreten, etwa in form einer...demonstration in der innenstadt! reclaim the streets!

Hinweis

  • Der Inhalt von Gastkommentaren spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider und entspricht nicht zwangsläufig der Meinung der "Presse".

Mehr Gastkommentare:

Top-News