Als Vorgänger des Leiters des Instituts für Sprachen und Kulturwissenschaften an der FH Technikum Wien fühle ich mich berufen, auf die jeglicher Grundlage entbehrenden Anschuldigungen in der Philippika des Leo Stollwitzer (Gastkommentar, 20.8. 2012) in chronologischer Reihenfolge zu antworten.
Eingangs seines als „persönliche Meinung des Autors“ apostrophierten Gastkommentars behauptet Stollwitzer, dass „der ehemalige stellvertretende Leiter (des Instituts) nach interner Kritik an der seiner Meinung nach mangelnden Qualität einiger Vorlesungen fristlos abberufen“ wurde. Natürlich meint Stollwitzer sich selbst, wenn er vom stellvertretenden Leiter spricht. Tatsache ist aber (und das ist aus dem Organigramm der FH klar ersichtlich), dass es diese Position gar nicht gibt oder gab, Stollwitzer sie also nie innegehabt haben konnte. Ich kann kategorisch feststellen, dass noch niemand am Technikum Wien wegen irgendeiner Kritik von der Lehre ausgeschlossen wurde.
Weiters der Vorwurf des „old boys network“: Es handelt sich hier um einen Fall jemandes, der selbst im Glashaus sitzt und mit Steinen um sich wirft. Ich muss es leider auf mein „Sündenregister“ nehmen, dass ich Stollwitzer vor Jahren aufgrund einer Empfehlung des damaligen Rektors, mit dem er in Kärnten die Schulbank gedrückt hatte, als Lektor einstellte, obwohl es andere, ebenso qualifizierte Kandidat(inn)en gab.
Stollwitzer spricht von Nepotismus an der FH und führt als Beispiel die Bestellung von Megumi Maderdonner an. Frau Maderdonner, gebürtige Japanerin, ist die dienstälteste Lektorin am Institut für Japanologie der Universität Wien und wurde von mir schon 1999 zum Unterricht von ein oder zwei Semesterstunden im Freifach Japanisch bestellt, da sie wie keine andere prädestiniert zur Lehre ihrer Muttersprache ist. Von Nepotismus kann keine Rede sein, denn ihr Gatte, Otto Maderdonner, hatte zu diesem Zeitpunkt gar keine Entscheidungsgewalt, war „nur“ Lektor.
Was die Bestellung des FH-Prof. Maderdonner zum Leiter des Instituts anbelangt, kann ich interessierten Lesern nur empfehlen, die Kollegiumsprotokolle aus 2006 zu studieren. Nach meiner Pensionierung erfolgte eine regelkonforme Ausschreibung der Stelle, wie sie auch für andere vergleichbare Posten an der FH Technikum Wien üblich ist. Die Bestellung erfolgte im Einklang mit den Satzungen des Kollegiums – mit einer Stimmenthaltung und keiner Gegenstimme. Stollwitzer hätte damals ja auch kandidieren können, tat es aber nicht. Er wollte nicht einmal eine Vollzeit-Lehrstelle annehmen.
Maderdonner hingegen ist ein genialer Linguist, ein Vollblut-Pädagoge und Administrator, der neben seiner Muttersprache Deutsch auch Englisch, Französisch und Japanisch in Wort und Schrift perfekt beherrscht und außerdem technisch sehr bewandert ist, was für den Leiter des Sprachinstituts im Umgang mit den technischen Pädagogen-Kollegen ein riesiger Vorteil ist.
Von der von Stollwitzer behaupteten „anti-amerikanischen Einstellung“ am Institut kann keine Rede sein. Sechs von 24 Lektoren sind US-Staatsbürger. Es kann aber von einem Österreicher nicht die kopflose Vasallentreue gegenüber Amerika verlangt werden, die einem Angestellten der US-Botschaft zusteht, wie es Stollwitzer nun einmal ist. Verallgemeinernde Kritik des amerikanischen Volkes war und ist am Technikum Wien nicht erlaubt, Kritik an der amerikanischen Außenpolitik und an turbo-kapitalistischen Praktiken in Business-Ethics- Lehrveranstaltungen jedoch schon.
Wenn Stollwitzer insinuiert, dass am Technikum „der Umgang mit einigen weiblichen Angestellten“ eine Geschichte für „Whistleblower“ sei, dann verhält er sich wie ein Buschmann, der Giftpfeile aus dem Hinterhalt schießt, ohne sich zu offenbaren.
Stollwitzers unter dem Mantel des Moralapostels verfasster Kommentar dient nur einem einzigen Zweck: der Rache dafür, dass er von dem für die Qualität der Lehre am Institut verantwortlichen Leiter nicht mehr mit Lehraufträgen bedacht wurde, nachdem in seinen Veranstaltungen Mängel beanstandet worden waren. Von „Turbulenzen in der Scientific Community“ kann am Institut für Sprachen und Kulturwissenschaften der FH Technikum Wien keine Rede sein. Das Institut verbindet mit der gesamten Fachhochschule eine einmalige Erfolgsgeschichte, deren Zeugen tausende Studenten, Absolventen und Vertreter der Industrie sind.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.09.2012)















