Kinder sollten Sport in der Freizeit betreiben und in der Schule wichtigere Dinge lernen; Sportminister Norbert Darabos schickt seine Kohorten los, um die tägliche Turnstunde durchzusetzen. Dieses und noch mehr war im Leitartikel der „Presse am Sonntag“ (30.9.) zu lesen.
Auch ich gehöre zu diesen Kohorten. Die BSO – Österreichische Bundessport-Organisation – hat vor drei Wochen die „Bewegung für Bewegung: Eine Unterschrift kann Kinder bewegen“ gestartet. Ziel ist die tägliche Turnstunde.
Warum eigentlich? Nur noch 28 Prozent unserer Kinder (25 Prozent der Mädchen, 33 Prozent der Buben) betreiben regelmäßig Sport. Wir haben europaweit die Jugend, die am meisten raucht, den meisten Alkohol trinkt und am fettesten isst. In diesen „Disziplinen“ würden wir gerne zu jenen auf den letzten Plätzen gehören.
Unsere Kinder bewegen sich nicht im Kindergarten; die Kindergärtnerinnen sind für Bewegung mangelhaft ausgebildet und haften für Unfälle. Unsere Kinder bewegen sich nicht in der Volksschule; Volksschullehrer sind für Bewegung mangelhaft ausgebildet und haften für Unfälle. Bis zum sechsten Lebensjahr soll im Gehirn die Bewegung verankert sein. Tut sie dies, bewegt man sich sein Leben lang. Bis zum zehnten Lebensjahr soll die Feinkoordination ausgebildet sein. Nur dann kann man Topleistungen erbringen.
Verbreitete Bewegungsunlust
Vor neun Jahren hat das Parlament die wöchentlichen Bewegungseinheiten in der Schule auf zwei Stunden pro Woche herabgesetzt. Experten bezeichnen das als gesetzlich vorgeschriebene Körperverletzung. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Kinder, die sich täglich bewegen, besser lernen, leistungsfähiger und nicht aggressiv sind. Studien in Schweden und Kanada belegen, dass Kinder, bei denen der Regelunterricht reduziert und stattdessen Sport eingeplant wurde, trotzdem in Mathematik und Fremdsprachen bessere Ergebnisse vorweisen konnten, als Kinder, die in diesen Fächern mehr Stunden hatten, aber nur zwei Stunden wöchentlich Sport betrieben.
In Österreich ist abzusehen, dass aufgrund der Bewegungsunlust der Bevölkerung die Menschen früher arbeitsunfähig werden. Die Republik steuert auf ein gesundheitliches Desaster zu.
Den Eltern die Verantwortung zu überlassen, die Kinder zur Bewegung zu animieren, ist zum Scheitern verurteilt. Auch sie sind zum Großteil bereits bewegungslos aufgewachsen und werden die Bewegung ihrer Kinder nicht forcieren.
In Kindergärten und Schulen haben wir die Chance, etwas zu bewegen. Deshalb brauchen wir die gesetzlich verankerte tägliche Turnstunde. Wir brauchen ausgebildete Sportlehrer, die unsere Kinder bewegen. Wir brauchen Sportanlagen, um Sport betreiben zu können. Die besondere Sportförderung in Österreich beträgt jährlich 80 Mio. Euro. Für blutdrucksenkende Mittel geben die Österreicher jährlich 318 Mio. Euro aus. Jeder in den Sport investierte Euro erspart im Gesundheitswesen zwei Euro.
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Peter Kleinmann, 65, 88-facher Volleyball-Nationalspieler, 27-facher Österreichischer Volleyballmeister. Präsident des Österreichischen Volleyball-Verbandes.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2012)















