19.06.2013 09:53 Merkliste 0

Kommt in Österreich schon bald der Kennzeichen-Adel?

JANKO FERK (Die Presse)

Eine künstliche Revitalisierung einer Zwei- oder gar Dreiklassengesellschaft, wie sie manchen vorschwebt, ist strikt abzulehnen.

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Ich habe es als eine absolute Ungerechtigkeit empfunden, dass gewissen österreichischen Staatsbürgern, gemeint sind die Angehörigen der Familie Habsburg-Lothringen, bestimmte Rechte vorbehalten geblieben sind, nämlich das passive Wahlrecht für das Amt des Bundespräsidenten.

Diese Benachteiligung habe ich als Relikt der Ersten Republik angesehen und war der Meinung, dass der österreichische Staat heute so in sich gefestigt ist, dass er auf die diesbezügliche Habsburger-Hatz durchaus verzichten kann.

 

Der „Bahnsteig-Adel“

Vor allem aus diesem Grund, aber auch aus Freundschaft habe ich vor Monaten eine Biografie über Ulrich Habsburg-Lothringen geschrieben. Ich wollte ihn in seinem gerechten Bestreben, dass der Ausschluss von der Wählbarkeit für das Amt des Staatsoberhaupts aufgehoben wird, unterstützen. Es ist notorisch, dass die Bundesverfassung geändert wurde und nun jeder österreichische Habsburger Bundespräsident werden kann. Zu den Restitutionsforderungen der Habsburger, die von rund 300 Millionen Euro ausgehen, habe ich mich nie geäußert, so auch nicht in der Ulrich-Biografie, und habe es auch in Zukunft nicht vor.

Die ersten Adelsbriefe, die den Neugeadelten zum Beweis ihrer Standeserhöhung übergeben wurden, wurden von Kaiser Karl IV. erteilt. Die letzten österreichisch-ungarischen Adelsdiplome stammen von Kaiser Karl, dem „Letztkaiser“, der bis zum 11. November 1918 regierte und angeblich noch am Bahnsteig seine treuen Diener „veredelte“ – weshalb unter Historikern nicht ganz ernst über den Bahnsteig- oder Perron-Adel geschmunzelt wird.

 

Ein Fürst für 100.000 Euro

Nun wartet Ulrich Habsburg-Lothringen mit einem Vorschlag auf, der – nach dem Briefadel – als Kennzeichen-Adel in die Geschichte eingehen könnte. In seiner – mittlerweile berühmten – Rede bei den 21. Braunauer Zeitgeschichte-Tagen meinte er sinngemäß, die Republik(!) könnte den zeitbegrenzten Wunschadel verkaufen – einen Nobilitierten um 5000 und einen Fürsten um 100.000 Euro. Außerdem hat Ulrich Habsburg damit argumentiert, dass die Annullierung des Adelsaufhebungsgesetzes der Polarisierung zwischen Adel und Bürgern entgegenwirken würde.

 

Republikanische Großtat

Ich bin der Meinung, dass die Abschaffung des Adels mit dem Gesetz vom 3. April 1919 eine demokratische und republikanische Großtat war.

Gerade mit der Abschaffung von ererbten Privilegien wurde der gesellschaftlichen Polarisierung auf eine vernünftige und „kostenfreie“ Art entgegengewirkt. Wer einmal einen „Adelsauftrieb“, zu dem auch Normalsterbliche zugelassen waren, erlebt hat, wird mir recht geben, und verstehen, warum ich die künstliche Revitalisierung einer Zwei- oder gar Dreiklassengesellschaft strikt ablehne.

 

Zutiefst österreichische Familien

Jeder, der geschichtlich halbwegs beleckt ist, weiß, wer die zutiefst österreichischen Familien Attems, Czernin, Esterházy, Habsburg, Manzano, Meran oder Schwarzenberg waren und sind. Und jenen, die Habsburg oder Lothringen weder buchstabieren noch schreiben können, ist auch mit dem 5000-Euro-Wunsch-Kennzeichen-Adel nicht zu helfen. Beschränken wir uns in der Republik daher demokratisch auf die schönen und selbst erworbenen Titel vom Herrn Diplomingenieur über die Frau Doktor bis zum Herrn Professor.

Prof. Dr. Janko Ferk ist Jurist, Schriftsteller und lehrt an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt/Univerza v Celovcu. Er ist der Verfasser der Biografie „Ulrich Habsburg-Lothringen. Aristokrat, Demokrat, Grüner“ (Styria Verlag, 2011).


E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.10.2012)

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21 Kommentare

Gast: Ph.Gudenus,
06.10.2012 16:02
0 0

Autor Ferk,

ist in der Publication von Herrn F festgehalten, dass UHL 's Vater dem Ehemals regierendem Kaiserhause NICHT angehört hat ?

Antworten Gast: Kleiner Landadeliger
10.10.2012 11:27
8 0

Re: Autor Ferk,

Weshalb er, UHL, "nur" Graf wäre und - wie die Gudenuse - dem niederen (nicht niedrigsten) Adel angehören würde. Jedenfalls waren die Gudenuse nicht reichsunmittelbar. Spielt in der demokratischen Republik aber auch keine Rolle.

Antworten Antworten Gast: Monsieur de Gudenus
14.10.2012 15:32
0 0

Autor Ferk,

Antwort auf das ?

Antworten Antworten Antworten Gast: Ing.-Mag. Kasimir Furcht von Tadel M. A.
16.10.2012 12:44
3 1

Re: Autor Ferk,


Der Adel
beisst sich selbst ins Wadel.
Und des Pöbels Wadel
entspricht dem des niederen Adel.
Nur der Bürger
ist ohne Furcht und Tadel.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Monsieur de Gudenus
16.10.2012 19:51
0 3

Autor Ferk, dessen Secialität der niedere zu sein scheint

aus der Luft herabgekommen N Edler von Baumgarten, so Militär: Mariatheresienritter

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Monsieur de Gudenus
17.10.2012 08:52
0 0

Corrigendum: SPecialität


Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Speci
17.10.2012 13:31
4 0

Re: Corrigendum: SPecialität

Hat der GuteNuss überhaupt ein Wadel?

Gast: Ph.Gudenus, Paris
05.10.2012 22:39
1 9

Vor Bäume - hier Namen - den Wald nicht sehen

Ein Minimum zu den Namen H, L wird nicht beherrscht.

Das selbe gilt hinsichtlich GEBÜHREN für sogenannte Standeserhebungen

Gast: Ph.Gudenus, Paris
05.10.2012 15:46
1 9

Den Adelsklüngel braucht heute niemand mehr

Kann man deswegen nicht mehr brauchen, ist dieser doch abgeschafft, wie der Pöbel vermeint.

Zeitgeschichte ist somit eine Instanz, die nicht angerufen werden kann

Antworten Gast: Johann S
05.10.2012 16:13
9 1

Re: Den Adelsklüngel braucht heute niemand mehr

Welcher Pöbel?
Sie scheinen mit Ihren zum Teil sinnentleerten Kommentaren,in einer Scheinwelt zu leben.
Aber die Meinungsfreiheit,sei Ihnen gegönnt.

Antworten Antworten Gast: Ph.Gudenus, Paris
05.10.2012 16:28
2 8

Mort et enterré, tot und begraben, gilt hinsichtlich des Adelsklüngels

1919 muss der Kerl 19 Jahre alt gewesen sein, + 12, also heute mehr als 100 Jahre alt.

Inzwischen stinkt Kadaver reichlich,es sei Ihnen gegönnt sich diesem beizubetten.

Gast: Johann S
05.10.2012 13:53
8 0

Man

kann sich für die Zeitgeschichte interessieren,ist sogar sehr erwünscht,aber man sollte die vermeintlich"Gute alte Zeit"nicht glorifizieren.
Den Adelsklüngel braucht heute niemand mehr.

War eine der wenigen Großtaten,der 1. Republik.

Antworten Gast: hk1190
10.10.2012 13:23
0 0

Re: Man

Die republikanischen Großtaten? Wo sind diese? Wenn, dann kann man sie den Budgets entnehmen!

Antworten Antworten Gast: Ph.Gudenus,
10.10.2012 17:23
0 2

Grosstat,

Gross?

Antworten Gast: Ph.Gudenus,P
05.10.2012 16:36
1 0

War ..., gerade deswegen

Deus Rem Publicam praeservet !

Gast: Ulli Edler von Atem und Schwerin
05.10.2012 11:51
9 0

Revitalisieren

Der Kommentator gebraucht in seinem Beitrag einen unrichtigen Begriff: Es sollte nicht von Revitalisierung die Rede sein, sondern von Exhumierung.

Gast: GrafGudenus, Paris
05.10.2012 08:50
1 10

Republikanische Großtat

Dem Pöbel war was zu geben, also gab man ihm pöbelhaft etwas, im Sinne von: man muss dem Volk aufs Maul schaffen.

Sandwiche wurden wohl vorbereitet und letztlich serviert aber ohne etwas d'arauf.

Es war nichts da, was man hätte darauflegen können.

Der Pöbel war also frustriert!

Seither Adelsfresserei.

Seither nicht Herr Gudenus, sondern HERRRR... Gudenus. Auf des Pöbels Sprach' war man doch nie eingegangen. Der Pöbel gab halt eine weitere seiner Visitkarten ein! Einem Köter lässt man doch bellen.

Gast: PhGudenus, Paris
04.10.2012 22:20
1 10

historischen Familien: Ferk ...

Corrigenda

Antworten Gast: Gute Nuss Prinz von Prinzendorf
05.10.2012 10:09
9 0

Re: historischen Familien: Ferk ...

Die Bemerkung ist auch nach der Korrektur verwirrt und unverständlich.

Gast: Ph.Gudenus,
04.10.2012 21:16
1 10

KZ-Adel à la Ferk

Aus der Sicht der hiustorischen Familien-Ferk G'schaf't'lhuberei; aus deren Sicht, Kassa wird nicht fliessen!

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