19.06.2013 15:14 Merkliste 0

Kein Grund zum Feiern

HELMUT TRUTT (Die Presse)

So weit sind wir gekommen: Den eigenen Gläubigen fehlt heute die Einsicht in die Wichtigkeit ihrer Kirche.

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Manches Jubiläum wird mit Pomp und Gloria gefeiert. Schaut man jedoch hinter die Kulisse, fragt man sich ernsthaft, ob man lachen oder weinen soll. Beim aktuellen Anlass, der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils vor 50 Jahren, geht es uns genauso.

Zunächst war das Konzil ja nur ein simples Pastoralkonzil. 1988 hat dies KardinalRatzinger, heute Papst Benedikt XVI., vor chilenischen Bischöfen ausdrücklich betont: „Viele Ausführungen vermitteln den Eindruck, dass nach dem VatikanumII jetzt alles anders ist und das Frühere keine Gültigkeit mehr haben kann (...) Die Wahrheit ist, dass das Konzil selbst kein Dogma definiert hat und sich bewusst in einem niedrigeren Rang als reines Pastoralkonzil ausdrücken wollte.“

Dieses Pastoralkonzil wollte uns also Tipps für die Seelsorge geben, mehr nicht. „Per definitionem“ wollte es sich „in einem niedrigeren Rang“ ausdrücken. Demnach wären alle anderen Konzilien viel eher zu feiern als das Zweite Vatikanum. Auch der Versuch, die Feierstimmung zum heutigen 11.Oktober wegen der nachträglichen positiven Wirkung noch zu retten, schlägt fehl. Nach außen hat die Kirche in den vergangenen Jahren enorm verloren. Kaum eine Religion erfährt in den Medien und somit vor der Welt so viel Kritik wie die katholische.

 

Glaubenspraxis hat abgenommen

Es sind die katholischen Glaubensinhalte, die oft kritisiert und verhöhnt werden: die Jungfräulichkeit der Gottesmutter Maria, die Unfehlbarkeit des Papstes, Hölle, Fegefeuer und die Ablasslehre der Kirche. Zudem muss man der alarmierenden Tatsache – die Inge M. Thürkauf in ihrer Publikation „Haben Sie mich verfolgt, werden sie auch euch verfolgen“ nüchtern und sachlich beim Namen nennt – ins Auge schauen, dass die katholische Kirche noch nie so stark und an so vielen Orten der Welt verfolgt wurde wie in den letzten Jahrzehnten und in unseren aktuellen Tagen. Das sind Fakten, die uns die Stimmung zum Feiern nehmen.

Geht es um die Beurteilung nach innen, so müssen wir feststellen: Die Glaubenspraxis hat in diesen 50 Jahren rapide abgenommen. Die „pastoralen Tipps“ des Konzils sind bei den Messbesuchszahlen, der Beichtpraxis, den Eheschließungen und Taufen kläglich zerschellt. Immer mehr Gläubige fragen sich ernsthaft, warum sie ihren Kirchenbeitrag noch zahlen sollen. Letzteres offenbart den Kern des Problems: Es fehlt den eigenen Gläubigen die Einsicht in die Wichtigkeit ihrer Kirche und die Überzeugung von der Wahrheit der vorgelegten Glaubensinhalte.

Wie konnte es dazu kommen? Wenn man als Pastoralkonzil den Priestern und Gläubigen Texte in die Hand gibt, nach denen die katholische Kirche nicht mehr die einzige Kirche Jesus Christi ist und den Menschen im Dokument über Religionsfreiheit suggeriert, dass auch andere Religionen mögliche Heilswege seien, dann braucht man sich nicht wundern, wenn Gläubige den Glauben, vor allem auch an die Notwendigkeit der eigenen Kirche, verlieren.

80.000 Priester haben infolge des Konzils ihr Priestertum aufgegeben. Das zu feiern, habe ich keine Lust.

Pater Helmut Trutt ist Distriktsoberer der von Rom getrennten Priesterbruderschaft St. Pius X.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2012)

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3 Kommentare
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Lieber Erbsündler!

Abseits der Debatte, ob es einen freien Willen gibt oder nicht, haben Sie die Möglichkeit sich von der Erbsünde zu befreien. Ja noch mehr, sie brauchen sich gar nicht von dieser Schuld zu befreien. Es war und ist auch nicht notwendig darüber zu philosophieren, denn Sie sind unschuldig in die Welt gekommen. Der Zufall der Handlungstränge und die Notwendigkeiten der Naturgesetze, besonders die, die chem.- physikalischen Reaktionen beschreiben, haben Sie das Licht der Welt erblicken und bis heute atmen lassen.
Aber dann nach der Geburt hat die Evolution eine unheilvolle "Entwicklung" an Ihnen zugelassen. Sie wurden in einer Kultur großgezogen, wo ihnen eine Erbsünde und ausgerechnet eine katholische biblische eingetrichtert worden ist. Stellen Sie sich vor, Abermillionen von Menschen werden nur deshalb ohne ERbsünde gerboren, weil soer niemand Kleinstkinder zu Sündern mcht.
Stellen Sie sich vor, wie viel mehr Gutes Sie htten vollbringen können, und sie wollen doch Gutes tun, wenn Sie sich nicht so viel mit ihrer so genannten Erbsünde und der Höllenangst und womöglich über einen Rückenmarkschwund geängstigt hätten!

Gast: SMMHJH
11.10.2012 18:37
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Die wichtigste Frage ist, ...

... wie Gott uns alle und die gesamte Menschheit sieht und wohin Gott die Menschen führen möchte.

Wenn eine Religion bewusst oder unbewusst zum Selbstzweck wird und sich nicht mehr als ein Werkzeug Gottes für einen höheren Zweck sieht, dann beginnt der Niedergang dieser Religion bzw. Kirche.

Daher meine Empfehlung: Die katholische Kirche (und das gilt auch für alle anderen Relgionsgemeinschaften) soll sich ganz in den Dienst an der Menschheit stellen und den Anspruch, die einzig wahre Kirche Gottes zu sein, aufgeben. Dieser Anspruch bringt nichts und führt bloß zur Entfremdung mit anderen Religionen und Konfessionen.

Keine der Religionen und Kirchen ist in sich selbst das letzte Ziel, sie alle sollten als Brücken dienen, über die Menschen zu Gott finden.

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Re: Die wichtigste Frage ist, ...

ob die Existenz eines Obergeistes im so genannten Jeseits wahrscheinlich ist oder ob es sich mehr um einen evolutionären Scherz handelt, der sich nur in userer Vorstellung abspielt und der unseren Ahnen gewisse Erleichtung bescherte, mit dem unerforschlichen Zufall zurechtzukommen.
Sie müssen nur einmal richtig selbst denken und nicht nachdenken, was ihnen von interessierter Seite vorgedacht wird. Und noch etwas: Ich bin nicht der Teufel, ich bin nur kein Erbsündler mehr!

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