Manches Jubiläum wird mit Pomp und Gloria gefeiert. Schaut man jedoch hinter die Kulisse, fragt man sich ernsthaft, ob man lachen oder weinen soll. Beim aktuellen Anlass, der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils vor 50 Jahren, geht es uns genauso.
Zunächst war das Konzil ja nur ein simples Pastoralkonzil. 1988 hat dies KardinalRatzinger, heute Papst Benedikt XVI., vor chilenischen Bischöfen ausdrücklich betont: „Viele Ausführungen vermitteln den Eindruck, dass nach dem VatikanumII jetzt alles anders ist und das Frühere keine Gültigkeit mehr haben kann (...) Die Wahrheit ist, dass das Konzil selbst kein Dogma definiert hat und sich bewusst in einem niedrigeren Rang als reines Pastoralkonzil ausdrücken wollte.“
Dieses Pastoralkonzil wollte uns also Tipps für die Seelsorge geben, mehr nicht. „Per definitionem“ wollte es sich „in einem niedrigeren Rang“ ausdrücken. Demnach wären alle anderen Konzilien viel eher zu feiern als das Zweite Vatikanum. Auch der Versuch, die Feierstimmung zum heutigen 11.Oktober wegen der nachträglichen positiven Wirkung noch zu retten, schlägt fehl. Nach außen hat die Kirche in den vergangenen Jahren enorm verloren. Kaum eine Religion erfährt in den Medien und somit vor der Welt so viel Kritik wie die katholische.
Glaubenspraxis hat abgenommen
Es sind die katholischen Glaubensinhalte, die oft kritisiert und verhöhnt werden: die Jungfräulichkeit der Gottesmutter Maria, die Unfehlbarkeit des Papstes, Hölle, Fegefeuer und die Ablasslehre der Kirche. Zudem muss man der alarmierenden Tatsache – die Inge M. Thürkauf in ihrer Publikation „Haben Sie mich verfolgt, werden sie auch euch verfolgen“ nüchtern und sachlich beim Namen nennt – ins Auge schauen, dass die katholische Kirche noch nie so stark und an so vielen Orten der Welt verfolgt wurde wie in den letzten Jahrzehnten und in unseren aktuellen Tagen. Das sind Fakten, die uns die Stimmung zum Feiern nehmen.
Geht es um die Beurteilung nach innen, so müssen wir feststellen: Die Glaubenspraxis hat in diesen 50 Jahren rapide abgenommen. Die „pastoralen Tipps“ des Konzils sind bei den Messbesuchszahlen, der Beichtpraxis, den Eheschließungen und Taufen kläglich zerschellt. Immer mehr Gläubige fragen sich ernsthaft, warum sie ihren Kirchenbeitrag noch zahlen sollen. Letzteres offenbart den Kern des Problems: Es fehlt den eigenen Gläubigen die Einsicht in die Wichtigkeit ihrer Kirche und die Überzeugung von der Wahrheit der vorgelegten Glaubensinhalte.
Wie konnte es dazu kommen? Wenn man als Pastoralkonzil den Priestern und Gläubigen Texte in die Hand gibt, nach denen die katholische Kirche nicht mehr die einzige Kirche Jesus Christi ist und den Menschen im Dokument über Religionsfreiheit suggeriert, dass auch andere Religionen mögliche Heilswege seien, dann braucht man sich nicht wundern, wenn Gläubige den Glauben, vor allem auch an die Notwendigkeit der eigenen Kirche, verlieren.
80.000 Priester haben infolge des Konzils ihr Priestertum aufgegeben. Das zu feiern, habe ich keine Lust.
Pater Helmut Trutt ist Distriktsoberer der von Rom getrennten Priesterbruderschaft St. Pius X.
E-Mails an: debatte@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2012)















