20.06.2013 05:07 Merkliste 0

Vermögen besteuern? Reich ist bei uns doch nur der Sozialstaat!

CLEMENS WALLNER (Die Presse)

Die SPÖ will Reichtum erneut bestrafen. Aber man kann mit Geld durchaus Gutes tun – auch ohne Einmischung der Politik.

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Die SPÖ forderte bei ihrem jüngsten Bundesparteitag erneut die Wiedereinführung der Vermögenssubstanzsteuer. Die Deutungshoheit über die Werte von „Reichtum“ und „Gerechtigkeit“ scheint damit in Österreich noch immer sehr ungleich verteilt zu sein, denn gegen die Wiedereinführung der 1994 (vom SPÖ-Finanzminister Ferdinand Lacina) zur Gänze abgeschafften klassischen Vermögensbesteuerung sprechen viele Punkte:

Zunächst ist die Besteuerung der Vermögenssubstanz ein anachronistischer Ansatz, der aus einer Zeit kommt, in der es keine Möglichkeit gab, die genaue Ertragsfähigkeit zu bestimmen.

In der EU haben nur noch Frankreich und Spanien (befristet) eine Vermögenssubstanzbesteuerung. Zugegeben: In Griechenland wurde aufgrund des maroden Systems der Steuereintreibung befristet eine Immobilien-Sondersteuer eingeführt, die über die Stromrechnung an den Staat abgeführt werden soll. Aber zum Glück haben wir in Österreich (noch) keine griechischen Verhältnisse.

Wer nun meint, Staaten mit einer hohen Vermögensbesteuerung hätten eine stärkere soziale Umverteilung, irrt gewaltig: Gerade in Ländern mit niedrigen Vermögensteuern, wie in Skandinavien, den Niederlanden und Österreich, ist der Wohlstand gleichmäßiger verteilt. Staaten wie Großbritannien, USA und Kanada, die relativ hohe Vermögensteuern haben, weisen viel größere Einkommensungleichheiten auf.

 

Welches Vermögen ist gemeint?

Länder mit hohen Vermögensteuern haben oft weitaus geringere Ertragssteuern, dort wird Vermögensaufbau geringer besteuert als in Österreich, dafür aber das Halten und Vererben des Vermögens höher. Wenn man also Vermögen bestrafen will, dann sollte man auch sagen, welches Vermögen. Doch wohl das Nettovermögen (abzüglich der Schulden) und dann auch nicht das Individual-, sondern wohl eher das Haushaltsvermögen, wenn sämtliche Armutsindikatoren sinnvollerweise auf Haushaltsgrößen basieren, oder? Na dann viel Spaß.

 

Wachstumsschub für Bürokratie

Bei unserem System der Individualbesteuerung würde die Einhebung wohl einen deutlichen Ausbau der Bürokratie erfordern. Ein Traumszenario für die Befürworter eines großen Staatsapparats: Sie können mehr Steuergeld einnehmen und gleichzeitig auch mehr Geld ausgeben!

Spaß beiseite. Die Ungleichverteilung von Vermögen als Rechtfertigungsgrund für neue Steuern heranzuziehen, ist jedenfalls mehr als fragwürdig. Dass Vermögen ungleich verteilt sind, liegt in der Natur der Sache und ist ein Spiegelbild von 60 Jahren ohne Krieg und Enteignungen (etwa durch Hyperinflation). Würde man übrigens die Pensionsvermögen (die gesetzlich zugesagten Pensionsanwartschaften) dazuzählen, würde die Verteilungskurve der Vermögen wesentlich flacher verlaufen. Wirklich „reich“ ist bei uns sowieso nur der Sozialstaat.

Ob Reichtum nun bestraft werden soll, hat diese Woche eine Institution beantwortet, die immerhin über Jahrhunderte die Deutungshoheit für Fragen der „Gerechtigkeit“ innehatte, bevor sie von der Gewerkschaft abgelöst wurde: die katholische Kirche.

Papst Benedikt XVI. hat verkündet, dass Reichtum nicht verwerflich sei. Die Kirchengeschichte sei „voll von reichen Personen, die ihren Besitz gemäß dem Evangelium genutzt haben und zur Heiligkeit gelangt sind“. Na bitte: Vielleicht ist das doch noch ein kleiner Hoffnungsschimmer für Vermögende, dass man mit Geld durchaus Gutes tun kann – auch ohne Einmischung der Politik.

Dr. Clemens Wallner ist wirtschaftspolitischer Koordinator der Industriellenvereinigung.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2012)

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7 Kommentare

KEIN Sozi (auch nicht Trachtensozialisten), kapieren


dass 18Mrd Pensionszuschüsse u. eine IRRE aufgeblasene, schwer überbezahlte ((c) Prof. STREISSLER) Bürokratie nach Griechenland führt !!

Statt dessen suchen wir den "Reichen", den "Ausplünderunternehmer" etc.

BITTE in die Schweiz schauen !!!!!!!

http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/schweiz-bund-kanton-gemeinde-finanzen-1.15344128

Gast: flokrae
19.10.2012 12:36
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lernen vom vatikan?

lernen vom vatikan - als nächstes weg mit diesen lästigen freien wahlen!? und irgendwo ließe sich doch sicher in der verfassung unterbringen, dass keine frau je an die staatsspitze darf!

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2012

Unfassbar was Sie hier von sich geben, Herr Dr. Wallner. Diese Zeilen stellen einen Hohn für die „gewöhnlichen“ Bürger dar, die ihresgleichen suchen.

Der Sozialstaat ist reich? Er wird nur durch die Wirtschaft gefüttert? Die Arbeiter und Angestellten nehmen ihn aus und die Kranken und Arbeitslosen sowieso?

Fürchterlich!

Kommen Sie bitte auf den Boden der Realität! Reichtum hat in der Regel absolut nichts mit Leistung zu tun. Gar nichts! Es gelingt wirklich nur ganz wenigen Menschen, die es aus eigener Kraft zu einem Vermögen bringen.

Diese ständigen Klassenkämpfe sind absolut kontraproduktiv.

Versetzen Sie sich einmal in die Lage eines Angestellten mit vielleicht 1700 brutto. Selbst wenn dieser 1700 netto hat, wird nicht viel über bleiben.

Was die Politik mit der Hacklerregelung verbrochen hat, wissen die Gelehrten. Das auch nur ein einziger Bürohengst in Frühpension gehen durfte, ist eine Katastrophe. Daran glauben müssen die Hackler, die es sich wirklich verdienen. Meiner Meinung nach gehört einer vom Bau in Pension, wenn dieser seit dem 15. LJ am Gerüst steht. Da muss man Unterschiede machen. Ich bin gerne bereit dazu, länger zu arbeiten.

Wenn die „Reichen“ sich nicht dauernd mit steuerschonenden Methoden beschäftigen würden, sondern automatisch brutto-netto bekommen würden, gebe es mehr Gerechtigkeit. Einkommenssteuer für KMU und Lohnsteuer für Arbeitnehmer gehören gesenkt. Dringend. Die Differenz stammt vom versteuerten Vermögen.

Re: 2012

die Bezieher von Beihilfen, egal wie man sie nennt müssen einmal durchforstet werden. warum braucht ein 2-personen-Haushalt mit einem Nettoeinkommen von € 5000 einen Mietzuschuß? warum leben Menschen in geförderten Gemeindewohnungen, wenn sie sich Autos wie Porsche leisten können?

nicht das Gehalt, sondern das Einkommen lt. Fin.Amt ist für die Auszahlung einer Beihilfe ausschlaggebend.

wir gehen an den Sozialleistungen zugrunde.

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Re: 2012

Eine Verteilung von oben nach unten. Nicht umgekehrt, wie es seit Jahrzenten praktiziert wird. Dann steigt die Zufriedenheit der Masse und die Kaufkraft steigt.

Gast: K.L.
19.10.2012 09:39
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Bravo!!!

Hervorragender Kommentar, Dr. Wallner!

Gast: Zyni
19.10.2012 06:23
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Reich

aber bitte nicht auf halben Weg stehen bleiben. Reich ist der Staat und seine Institutionen: so halten die Österreichischen Bundesforste rd. 8% des Bundesgebietes. Dazu kommen allein für den Bund rd. 5000-6000 juristische Personen, die sicher nicht alle arm wie eine Kirchenmaus sind. Länder und Gemeinden verfügen auch über große Vermögen. Nur weil die öffentliche Hand keine geeigneten Buchhaltungssysteme verwendet, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht der allergrößte Nettovermögensbesitzer wäre. Und wenn sie wirklich so verschuldet ist, wie behauptet: jeder Schuldner muss zuerst sein Vermögen verwerten, dann erst kann er auf die Steuerzahler zurück greifen.

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