In Europas Zeitungsgewerbe ist Schmalhans Küchenmeister. In Deutschland haucht eine renommierte Zeitung sogar ihr Leben aus. In Österreich ist die Krise offenbar noch nicht tödlich.
Die Betroffenen tun sich schwer, über ihre eigenen Schwierigkeiten so freizügig zu berichten wie über Exporteinbrüche anderer Unternehmen. Die Schüchternheit hat Gründe, der banalste ist, dass die Verlagschefs Sparmaßnahmen lockerer beurteilen, als es die besorgten Mitarbeiter vermögen.
Somit entsteht im Verlag ein hausgemachtes Tabuthema, mit dem journalistisch schwer umzugehen ist. Über Lohnkonflikte bei Metallarbeitern oder dem AUA-Bodenpersonal schreibt es sich leichter. Werbewirksam sind Berichte über Budgetkürzungen auch nicht. „Die Presse“ verkündet am Samstag, 24.11., knallig: „Wir haben die Lösung“, aber hinter ihren philosophischen Ratschlägen für EU-Krisen, Umweltschäden und Korruption versteckt sie talentiert, dass sie selbst eine Königsidee bräuchte, um im Jahresbudget ein paar Millionen Euro ohne Personalreduktion einzusparen. Wie sich zeigt, gibt es die Königsidee nicht.
Für die „Presse“ habe ich auch keine, für manche ob der verwirrenden Vorgänge in der Medienbranche irritierten Leser aber einen praktischen Hinweis.
Die Zeiten sind bis auf Weiteres vorbei, in denen das, was die Herstellung und Auslieferung einer anspruchsvollen und sieben Mal pro Woche erscheinenden Zeitung kostet, zu 60 oder gar 70 Prozent durch Einnahmen aus Inseraten abgedeckt werden konnte. Parallel dazu beweisen freilich Gratisblätter, dass sie mit Tingeltangel-Berichterstattung und wohl auch politisch gelenkten Werbeströmen den Markt mit bedrucktem Papier zupflastern können, ohne einen Cent dafür zu verlangen. Somit müssen sich Leserinnen und Leser, die ihre höheren Ansprüche nicht aufgeben möchten, entscheiden.
Eine Zeitung mit dem von ihnen bevorzugten Niveau kann es gratis nicht geben, also werden sie den Abo-Preis ihres Leibblattes, wenn schon nicht gern, so doch wie eine notwendige Investition bezahlen. Im Gegenzug wird die Zeitung lernen, wie sie mit weniger Mitteln gleichwertige Leistung erbringt. Wenn eine der zwei Aufgaben misslingt, könnte nämlich der Fall eintreten, dass die Leser zwischen „gratis“ und „besser“ gar keine Wahl mehr haben. Das Bekenntnis zum Zeitungsabo ist eine Entscheidung für gute alte Werte einer 400-jährigen Zeitungstradition.
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Solche seien auch der „Presse“ ans Herz gelegt – das Wohl der Leser steht im Mittelpunkt. Warum verärgert die Zeitung ihre Kundschaft völlig unnötig, bloß weil sie ihre handwerkliche Kunstfertigkeit darstellen möchte, ohne deren Gebrauchsfähigkeit zu überprüfen. Schwarze Buchstaben auf dunkelgrünem Hintergrund sind schwer zu lesen und füllen dennoch eine ganze Aufmacherseite über die Kursprobleme grüner Parteien (13.11.). Für Leser eine Zumutung.
Dass die Seite eins in Ausnahmefällen an Inseratenkunden abgetreten wird, kommt leider immer öfter vor, bringt gutes Werbegeld ein. Auch die sogenannten „Flappen“, bei denen ein Papierstreifen mit Inserat über die Seite eins „flappt“ und dadurch besser auffällt, werden erlaubt, wenn der Werbekunde darauf besteht.
Warum „Die Presse“ aber Eigenwerbung auf dieses für Leser in der Handhabung bloß lästige Papierschnitzel druckt, bleibt ein Rätsel (22.11.). Sie bekommt nichts dafür, aber die Leser nesteln sich mit Mühe in den für sie wichtigen Nachrichtenteil vor.
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Kostenloses Kundenservice besteht auch darin, gesicherte Fakten zu vermelden. Ich zweifle daran, dass Amsterdam die Hauptstadt der Niederlande ist (24.11.) und dass Madeira im Mittelmeer und nicht im Atlantik liegt (22.11.)
Selbst auf den Seiten, die beispielsweise unter der Signalüberschrift „Fokus Energie“ eine gewisse Interessenlastigkeit andeuten, wirken Luftschlösser unangenehm, wenn sie wie Tatsachen verkauft werden. Die Überschrift „Europa könnte schon bald Wüstenstrom anzapfen“ ist fern jeder „baldigen“ Realität, man denke nur an ein analoges Großprojekt wie die Nabucco-Pipeline, die nicht und nicht zustande kommt.
Im Artikel über das Desertec-Stromprojekt wird nicht einmal erwähnt, dass Konzerne wie Siemens und Bosch erst vor Kurzem aus der Planungsgesellschaft für den Wüstenstrom ausgestiegen sind.
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Man habe den Eindruck, dass US-amerikanische und israelische Fahnen in arabischen Ländern nur gekauft werden, um sie zu verbrennen, schreibt „Die Presse“. „Mit dieser oft gesehenen Geste protestierten Islamisten in Karachi gegen Israel.“ (20.11.) Die großzügige Einbeziehung Karachis, der pakistanischen Hafenmetropole, in den arabischen Weltteil zeigt exemplarisch unser aller Problem, die Vielfalt dessen zu verstehen, was einst als Morgenland bezeichnet wurde.
Der Irrtum beginnt schon damit zu glauben, alle Muslime seien Araber und alle Araber Muslime. So recht problematisch wird es, wenn alle Islam-Gläubigen mit „Islamisten“ verwechselt und alle Islamisten als Terroristen verdächtigt würden, woraus zwingend folgen müsste, dass alle Muslime Terroristen sind. Also lassen wir Pakistan sicherheitshalber den Pakistani, obwohl diese keine Araber sind und dennoch Fahnen verbrennen.
Dass das Bemühen um eine gendergerechte Sprache in Eifer ausarten kann, ist bekannt. Manchmal ist das Ergebnis freilich absurd: Sonja Feider, die bei der Wahl in der Israelischen Kultusgemeinde antritt, sei „die einzige weibliche Spitzenkandidatin“ (10.11.). Wie wäre eine männliche Spitzenkandidatin beschaffen?
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Der Aufbau eines Satzes dient der Klarheit. In der Überschrift eines Einspalters wird verkündet: „Orange“ übernimmt „3“. Der erste Satz lautet umgekehrt: „Der Mobilfunker Hutchinson („3“) darf Konkurrenten Orange übernehmen“. Die Leser sollen sich aussuchen, wer wen übernimmt.
An den „Kellermorden“ unter dem Eissalon ist vieles nicht zu verkraften, sie seien ein „Krimi, der nur aus einem monströsen Ende zu bestehen scheint“, notiert „Die Presse“. Ihr Ratschlag, den Krimi „ausnahmsweise rückwärts zu lesen“, ist freilich sprachlich problematisch und etwas anstrengend. „Rückwärts“ verlangt eine Richtung, man müsste also verkehrt von hinten nach vorn lesen. Besser wäre da schon die Empfehlung, den Krimi zuerst hinten zu lesen.
Den Einspalter-Titel „Rätsel über Tod eines Wiener“ würde ich lieber so formulieren: „Rätsel um Tod eines Wieners“, also mit Genitiv. Auch Darabos und Fischer werden nicht „den toten Soldaten“ gedacht haben, sondern der toten Soldaten.
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Entspräche folgende Behauptung den Tatsachen, dann ließe ich mich sofort in einen Tagespendler umschulen: „An die Stelle des aktuellen Pendlerpauschales soll eine bar ausgezahlte Förderung von 40 Euro im Jahr pro gefahrenem Kilometer treten.“ (5.11.)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2012)















