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Deutsch für Inländer: Nur noch Rückzugsgefechte

Über den Gender-Schwachsinn und den traurigen Verlust der österreichischen Sprache.

 (Die Presse)

Oft fragt man sich, wie es eigentlich den Deutschlehrern in der Schule geht, wenn sie Fehler korrigieren müssen, die ihre Schüler jeden Tag in der Zeitung lesen oder im Radio hören – vom rudimentären und von Fehlern nur so durchsetzten Deutsch im Internet ganz zu schweigen. Wie erklären sie Schülern, dass etwas trotzdem falsch ist, auch wenn es alle machen?

Manche Fehler kommen aus dem Nichts und verbreiten sich rasend, wie etwa die grotesk falsche Verwendung von Possessivpronomen: Das besitzanzeigende Fürwort richtet sich nach dem Geschlecht des Besitzers und nicht nach dem der Sache oder Person, die besessen wird. Ein Leitartikel in einer bedeutenden Zeitung begann so: Die schwere Krise der Europäischen Union und seiner Währung. Wie gesagt: Ihrer Währung wäre richtig, denn die EU ist weiblich.

Stronach gründet neue Partei und wird auch dessen Vorsitzender. Richtig wäre: deren Vorsitzender, denn das Relativpronomen bezieht sich auf die Partei und nicht auf Stronach. Die Steuerreform, dessen zentrales Element . . . Steuerreform ist weiblich, daher deren.

Eine der entscheidendsten Schlachten des amerikanischen Bürgerkriegs. Das geht nicht. Entscheidend lässt sich nicht steigern. Entweder ist bei der Schlacht etwas entschieden worden oder nicht.

Als sie dem gefräßigen Riesenreptil nicht mehr Herr wurden, ließen sie sie in den Everglades aus.Hier liegt ein Mehrfachversagen vor. Etwas Herr werden verlangt den Genetiv, und das sächliche Personalpronomen heißt es. Richtig hätte der Satz daher lauten müssen: Als sie des gefräßigen Riesenreptils nicht mehr Herr wurden, ließen sie es in den Everglades aus.

Mir als Jesuit, schrieb ein Jesuit. Mir als Jesuiten hätte es heißen müssen.

Anderer Meinung wie Pereira, hörten wir im Radio. Als Pereira, bitte!

Nahe des absoluten Nullpunkts. Nahe verlangt den Dativ, es hätte also heißen müssen: Nahe dem Nullpunkt.

Die lauten Geräusche werden leiser, die leisen werden mehr (aus: „Die Presse“). Ich verstehe zwar nicht, was damit gemeint sein soll, grammatikalisch ist es aber sicher falsch.

Ein Brüderpaar in Belgien, das von Geburt an taub gewesen war und auch zu erblinden drohte, ließ sich von einem Arzt töten. Im Bericht einer Agentur darüber wurden die beiden als Zwillingspärchen bezeichnet. An diesem tragischen Beispiel sieht man, wie lächerlich und peinlich die diminutive Bezeichnung Pärchen für ein Paar von Erwachsenen ist. Leider hat sich das schon völlig eingebürgert.

Slowenien steht am Rande der Zahlungsunfähigkeit, lesen wir. Wenn es so wäre, könnten sich die Slowenen freuen. Leider steht Slowenien aber am Rand der Zahlungsfähigkeit, was den Absturz in die Zahlungsunfähigkeit befürchten lässt.

Weil wir schon bei Slowenien sind, müssen wir wieder einmal daran erinnern, dass die Stadt Maribor an der Drau auf Deutsch Marburg heißt und Ljubljana auf Deutsch Laibach genannt wird. Wem möchte man etwas Gutes tun, wenn man bei uns die slowenischen Namen verwendet? Man schreibt ja auch nicht Roma, Praha oder Brno, Warszawa und Firenze. Im Übrigen steht sogar auf den Ortstafeln in Marburg der deutsche Name unter dem slowenischen. Warum wollen wir slowenischer sein als die Slowenen? Es handelt sich auch um eine Geschichtsvergessenheit. Wenigstens am Namen sollte man noch die Hauptstadt der ehemaligen Untersteiermark erkennen dürfen.

Wieder einmal Latein: Per anno ist falsch, weil per den Akkusativ verlangt. Pro anno wäre eine richtige Variante, per annum auch eine Möglichkeit.

Das Geburtsdatum muss vor dem 21. 1. 1997 liegen, um wahlberechtigt zu sein. So stand es in der Information des Innenministeriums für die Volksbefragung am 20.Jänner zu lesen. Wer war hier wahlberechtigt? Das Geburtsdatum? Richtig hätte es heißen müssen: Damit jemand wahlberechtigt ist, muss sein Geburtsdatum vor dem 21. 1. 1997 liegen.

Mathilde Schwabeneder wird zugeschalten, hörten wir im ORF. Auch wenn das ungefähr acht Millionen Österreicher für richtig halten, ist es dennoch falsch. Zugeschaltet muss es heißen.

Er sieht weg. Leuten, die so etwas schreiben, kommt wahrscheinlich das normale und richtige er schaut weg zu wenig „fein“ vor. Das erinnert an das rückwärts einsteigen im Autobus. Für hinten, was richtig wäre, geniert man sich anscheinend.

Wieder einmal soll daran erinnert werden, dass kosten den Akkusativ verlangt. Also z.B.: Die Universitäten dürfen alle (nicht: allen) etwas kosten.

Zwischen Kurz und ihr solle kein Blatt passen, sagte Unterrichtsministerin Claudia Schmied nach einem Bericht der APA. So wünschenswert sie das auch finden mag, ist es doch grammatikalisch falsch. Zwischen Kurz und sie müsste es richtig heißen.

Den Kampf gegen das Vordringen von Sprachformen, die in Deutschland gebräuchlich sind, habe ich schon längst verloren, ich führe ihn trotzdem verzweifelt und traurig als Rückzugsgefecht weiter. Hier einige Beispiele von vielen:

An Heiligabend. An Weihnachten. Das stand nicht etwa in einer deutschen Zeitung zu lesen, sondern in einer österreichischen. Falls Sie es nicht wissen sollten: Es heißt am Heiligen Abend und zu Weihnachten.

Das Hühnchen lege man in eine Beize. Das ist offensichtlich die Vorstufe zum endgültigen Gebrauch des in Deutschland gebräuchlichen Hähnchen für ein ganz gewöhnliches Hendl. Warum ist das Wort dem Autor zu schlecht, wo doch ein ordentliches Hendl meistens besser schmeckt als ein Hähnchen? Wem Hendl zu umgangssprachlich klingt, sollte wenigstens Huhn schreiben. Korrekt Deutsch ist Hähnchen das Diminutiv von Hahn und nicht von Huhn.

Sie langten zu. Warum nicht: griffen zu?

Graz. Waren Sie schon da? Mit diesem Satz wirbt die Stadt Graz um Touristen, aber nicht etwa in Deutschland, sondern in Österreich. In Österreich sagt man aber über einen Ort, an dem man sich nicht befindet, dort.

Ich habe nicht zur Wahl gestanden, sagte Angela Merkel nach der Wahl in Niedersachsen. Dieser Satz sollte allen, die immer noch die Deutschen nachäffen und intransitive Verben mit dem Hilfszeitwort haben konjugieren, eine Abschreckung sein.

Ein Junge aus dem Irak. In Österreich immer noch: ein Bub.

Zur Schule gehen. In Österreich heißt es immer noch: in die Schule gehen. Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass es keine Marotte ist, auf der Sache herumzureiten. Die österreichische Sprache hat feine Unterscheidungen, die nicht verloren gehen sollten. Zur Schule gehen meint in Österreich zum Gebäude hin, in die Schule grundsätzlich den Schulbesuch.

Aus Februar ist unversehens Feber geworden, aus dem Jänner der Januar, aus dem Fleischhauer der Fleischer, wenn nicht gar der Metzger.

Hässliche und sinnlose Vokabel werden nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus der Schweiz importiert. Ein Beispiel dafür ist durchwachsen. Kann mir jemand erklären, was das bedeutet?

Letzte Meldungen vom Schwachsinn der politischen Korrektheit und der „Gender-Sprache“: Pastoralassistierende, Studierendenheim. ReferentIn: Dr. Arnold Maier.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2013)

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25 Kommentare
 
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Warum keinen Zwiebelfisch Österreich?

Für die, die den Zwiebelfisch und Bastian Sick noch nicht kennen:
http://www.spiegel.de/thema/zwiebelfisch/

Liebe Presse-Redaktion, was spricht dagegen, eine derartige Kolumne für Österreich zu schaffen? Diese wäre wohl spezifischer als die deutsche und könnte besser darauf eingehen, was der Duden unter "österr." durchaus anführt. Aufgrund ihrer bisherigen Beiträge orte ich im Presse-Team einige Leute, die die Kolumne betreuen könnten ...

"Österreichisch" gegen "Bundesdeutsch"?

Ausgerechnet in Norddeutschland heißt es genauso wie in Österreich nicht „an Weihnachten“, sondern „zu Weihnachten“.
Im ganzen bairischen Dialektraum, also nicht nur im Großteil Österreichs, sondern auch in
„Altbayern“ (in Ober- und Niederbayern und in der Oberpfalz) verwendet man statt der allgemein deutschen Wörter „Huhn“ und „Hühnchen“ die mundartliche Verkleinerungsform von „Henne“, nämlich „Hendl“ oder „Henderl“.
In der Bedeutung „beim Essen große Portionen zu sich nehmen“ ist „zulangen“ statt „zugreifen“ auch in Österreich gebräuchlich, vor allem in dessen Westen.
Wenn die Stadt Graz mit dem Satz „Graz. Waren Sie schon da?“ wirbt, übernimmt sie keine bundesdeutsche Sprachform; von der steirischen Metropole aus gesehen bedeutet „da“ nicht „dort“, sondern „hier“.
Die Vergangenheitsform der Körperhaltungsverben („stehen“, „sitzen“, „liegen“, „hocken“ u.s.w.)
werden im oberdeutschen Dialektraum (in Süddeutschland, in Österreich, in der Schweiz u.s.w.) nicht mit „haben“, sondern ebenso wie im ganzen deutschen Sprachraum diejenige der Bewegungsverben („gehen“, „laufen“, „fliegen“
u.s.w.) mit „sein“ gebildet. Allerdings gilt in Süddeutschland bei jenen Zeitwörtern im Unterschied zu Österreich auch die Perfektbildung mit dem Hilfszeitwort „haben“ als
standardsprachlich. Die meisten intransitiven Verben werden ja mit "haben" konjungiert.
Nicht nur in Österreich, sondern auch in
Süddeutschland und in der Schweiz ist ein Knabe kein „Junge“, sondern ein "Bub".

Re: "Österreichisch" gegen "Bundesdeutsch"?

Zum "Jungen"/"Buben":

In der Schweiz ist "Bub" das Dialektwort; wenn ein Schweizer sich in der deutschen Standardsprache ausdrückt, verwendet er das Wort "Knabe".

Die Eidgenossen haben ihr "Schweizer Deutsch" als Bollwerk gegen die sprachliche Germanisierung...

Ja, die Eidgenossen legen wirklich sehr starken Wert darauf, nur ja nicht durch "Bundesdeutsch" allzu germanisiert zu werden. Man kann das als leicht übertrieben halten, doch offenbar wissen unsere Nachbarn im Westen "den Anfängen zu wehren"...

Ein anderes Kapitel ist natürlich auch der exzessive Gebrauch von Anglizismen; uzw. auch dort, wo man sie wirklich nicht unbedingt braucht. Besonders witzig sind dann lautmalerische Übersetzungen englischer Werbebotschaften. Da wird, bei der Reklame für einen Nassrasierer, rasch aus einem "The Best, what vou can" ein "Das Beste im Mann". Gerade so, als ob der Bart "das Beste" sei, worüber ein Mann verfügt. Und wenn auch der Begriff der "Gewinnwarnung" direkt aus dem Börsenenglisch stammt: Er ist dennoch irreführend, denn wer fürchtet sich schon vor einem Profit? Sturm-, Feuer- oder Erdbebenwarnungen; das macht Sinn. Aber statt einer Gewinnwarnung wäre eine Verlust-Warnung wohl eher naheliegender!

Im übrigen sind die im Artikel erwähnten Sprach-Beispiele absolut relevant. Nur für einen in deutschen Kochsendungen oft gehörten Begriff gibt es im Österreichischen noch immer kein adäquates Gegenstück: LECKER! Oder weiß vielleicht jemand in diesem Forum mehr?

Re: Die Eidgenossen haben ihr "Schweizer Deutsch" als Bollwerk gegen die sprachliche Germanisierung...

Na ja, "es macht Sinn" ist auch nicht gerade lupenreines Deutsch sondern eine leider häufig anzutreffende Übersetzung von "it makes sense". Wie wäre es mit "es ist sinnvoll" ?

:-)

gerade den kanzler in zeit im bild gesehen .. vier sätze . .. jenseits jeglicher gramatik, irgendwas darf nicht sein .. nur was es ist, und warum es nicht sein darf, hat er nicht gesagt :-)
und dazu orf interview zwei minuten später "was ist mit der big idea" ? keine antwort .. auch wurscht :-)

Erkenntnis

Vor einigen Tagen hat man in einer Qualitätszeitung bei (Raucher-)"erkenntnis" femininum mit dem neutrum verwechselt, War es nur ein Tippfehler oder Nicht-Wissen des Schreiberlings

Jo mei, Herr Winkler ....


Selbsten ist man auch nicht perfekt! Tun'S am End' vom Artikel lesen: Da is' was mit dem Plural von der Vokabel .... aber wurscht, is' bei mir a so.
(Ha' vor 20 J. amal a Buch lektoriert, es is' firti, i mach's auf, steht da das Wort: Progrom. Geht ma heut' noch nach.)

Ansonsten sind Sie natürlich im Recht, das alles gab's aber immer schon, ist nicht weiter schlimm.

Übrigens: Sind Sie der KZ-Winkler? (Für alle, die jetzt blöd schauen: Abk. für Kleine Zeitung)

Re: Jo mei, Herr Winkler ....

In Österreich heißt es "das Vokabel", dazu die Mehrzahl "die Vokabel" (ohne -n); außerhalb Österreichs sagt man "die Vokabel", dazu freilich die Mehrzahl "-eln" (mit -n). So nach DUDEN u. Österr. Wörterbuch.

Re: Jo mei, Herr Winkler ....

1.) Singular "die Vokabel", Plural "die Vokabeln", aber laut Rechtschreib-Duden
"österr. auch" Singular "das Vokabel", Plural "die Vokabel".
2.) In der Druckausgabe der "Presse" vom 12. August 2013 heißt es nach diesem Gastkommentar: "Hans Winkler war langjähriger Leiter der Wiener Redaktion der ,Kleinen Zeitung' ".

Danke

für den Beitrag. Ein solcher Artikel würde sich VIEL mehr Aufmerksamkeit bzw. Verbreitung verdienen, als es hier möglich ist....

Speziell der Gender-Wahn ist ein Kapitel für sich.

Was aber weniger lustig und nur noch erschreckend ist, ist der zu verzeichnende Umstand, welch schweren Stand Deutschlehrer in öff. Schulen (speziell im städt. Bereich) haben...(in Klassen mit bis zu 80 % an Schülern mit nicht deutscher Muttersprache.....)

Da stellen wohl solche "Feinheiten" der deutschen Sprache, wie sie hier beispielhaft aufgezählt werden, aber auch schon überhaupt keine noch zu bekrittelnden Fehler dar.

Man kann sich ausrechnen, wie es mit der Wertigkeit der ö. Sprache weitergehen wird.....
(Hauptsache, es wird gegendert ?)

Ich als Vorarlberger...

...verwende auch das Wort "Hühnchen", und nicht "Hendl". Das liegt auch daran, weil das Federvieh bei uns in der Verniedlichungsform "Hennile" (von "Henna") heißt. Und "Hendl" klingt in meinen alemannischen Ohren so befremdlich wie das Wort "Sackerl" (Säckle). Aber bevor ich daraus eine "Tüte" mache, sage und schreibe ich doch lieber "Einkaufstasche".

@Wolfi48: Über Worte wie "Schangse" und andere Verhunzungen von - vor allem französischen - Begriffen schüttle ich auch immer wieder den Kopf. ;)

Re: Ich als Vorarlberger...

wissen Sie, Herr Winkler hält, selbstverständlich für jemanden seiner Herkunft und Attitüde, das Wienerische als alleinigen Maßstab des "Österreichischen". Als Vorarlberger, aber auch als Tiroler oder Salzburger können Sie sich da in der Regel meist anhören, dass Sie ja eh kein richtiger Österreicher seien und vielmehr eher ein Piefke........

Österreichisches Deutsch

Die Diskussionen und Auseinandersetzungen über ein nationales österr. Deutsch sind mir nicht unbekannt. Diese sind auch im Internet ganz gut nachzulesen.
Daher nur 2 Ergänzungen:

Über das bestehen einer ("eigenständigen") österr. Literatur wird ja ebenfalls heftig gestritten. Bei den "Modernen" Schriftstellern zweifle ich daran aber bei den "Alten" - nur als Beispiel - von Grillparzer bis Milo Dor bin ich eher dafür.

Was aber wirklich in den "österreichischen" Ohren weh tut (und wie ich meine sogar den Vorarlbergern) sind Aussprachen in den deutschen Medien, die weder mit Varietät noch mit Dialekten oder Mundarten zu tun haben, wie z.B. nich statt nicht, Schangse, (Mode) Schtil statt Stil, das Weglassen von Buchstaben, Vor-und Endsilben, die Aussprache von fremden Eigennamen wie Micheline "eingedeutscht" usw. wirklich lustig fand ich unlängst die Aussprache von Pros - tata.

Re: Österreichisches Deutsch

Mit dem Zerfall des Hl.Reiches dt. Nation in viele souveräne Staaten, Zurückdrängung und Aufteilung des dt. Siedlungsgebietes tw. ohne Rechtskontinuität haben sich viele politische Schwerpunkte herausgebildet, wo das regionale Idiom bewußt zur Schriftsprache erhoben wurde. Schließlich darf man nicht vergessen, daß alles Deutsche mit der Erbsünde des Holocaust noch für viele Generationen belastet ist. Von dieser kann man sich nur dadurch befreien, indem man sich a) zu einer anderen Nation bekennt (zB. Elsaß-Lothringen), b) eine eigene Nation konstituiert (etwa Luxemburg) und/oder auf alte separistische Tendenzen zurückgreift (dän. Minderheiten in Schleswig). Diese staatlichen Abspaltungen wurden dadurch betont, daß man wie oben erwähnt das örtliche Idiom zur Staatssprache erhob.

Ich bin als Österreicher und loyaler Staatsbürger der Auffassung, daß die staatliche Zugehörigkeit mit Zugehörigkeit zur deutschen Kulturnation nicht vermengen soll. Ich lasse mir die wichtigen Vertreter der deutschen Kultur wie Schiller und Goethe, Mozart und Beethoven (die alle keine österr. Untertanen waren) durch Kulturchauvinismus nicht nehmen erinnere nur daran, daß gerade Wien bis 1804 Haupt- u. Residenzstadt der deutschen Kaiser waren! Gerade heutzutage, im Zeitalter der Globalisierung und des "Clash of Civilizations" ist es gestrig, ohne Not eigene Sprachen etablieren zu wollen! Sprache von regionaler Bedeutung kann man schließlich durch als Dialekt angemessen pflegen!

Fleischhacker - Metzger

Das Verbreitungsgebiet von Metzger beginnt ungefähr an den Landesgrenzen von Salzburg/Oberösterreich und Kärnten/Osttirol. In Westösterreich sagt niemand Fleischhacker. Generell sind Komposita wie Fleischhacker und Fleischhauer auf dem Rückzug, sie weichen den einfachen Bildungen wie Metzger (Westösterreich, Bayern, Hessen), Fleischer (Sachsen, ehem. Hinterpommern, ehem. Ostpreußen), Schlachter (Norddeutschland).
Dafür spricht auch, daß zusammengesetzte Bezeichnungen wie Knochenhauer (zwischen Ems und Oder), Fleischhauer (etwas weiter südlich, zwischen Rhein und Elbe) sowie Fleischhäckel (Sudetenland, Nieder- und Oberbayern, Salzburg) nur mehr historisch belegt sind.
Ebenfalls ausgestorben ist das nur im Raum Wien früher verbreitete Selcher.

Die offizielle Bezeichnung dieses Handwerks lautet in Österreich "Fleischer".

Ausgezeichneter Artikel, ...

... stimme (fast) zur Gänze zu. Einzige Einschränkung: eine österreichische "Sprache" gibt es nicht, nur die österreichische Spielart der gemeindeutschen, oder, wie die Linguisten sagen: eine nationale österreichische Varietät (die aber nicht so einheitlich bzw. eindeutig von Deutschland und der Schweiz abgrenzbar ist, wie dies viele gerne haben wollen).
Viele "bundesdeutsche" Wörter werden uns durch die Tagespresse und v.a. den ORF "oktroyiert": Jungs, Mädels, der Junge, die Schranke, das Gehalt, die Akte, Schnäppchen, Januar, Johannisbeere, Sahne usw. usw.
Sehr richtig: "daran erinnern, dass die Stadt Maribor an der Drau auf Deutsch Marburg heißt und Ljubljana auf Deutsch Laibach genannt wird", ich kenne noch (bei aller Wertschätzung der slawischen Sprachen) viele weitere Beispiele: Pressburg, Kaschau, Reichenberg usw.
Ein kleiner Fehler: "Aus Februar ist unversehens Feber geworden" -- es ist umgekehrt, mit einer Einschränkung: der "Feber" ist eine junge Kanzleiform, die man in den alten Wörterbüchern noch gar nicht findet (z.B. bei Grimm und Adelung) und die - im Gegensatz zu Jänner - nie volkstümlich war (dies war eher die Endbetonung Február).

Re: Ausgezeichneter Artikel, ...

In Vorarlberg sagt man zwar "Jänner" (und immer öfter auch Januar), aber "Feber" ist hier absolut nicht gebräuchlich.
Das "österreichische Deutsch" gilt weitestgehend eben nur östlich des Arlbergs. Paradeiser? Gibt es hier nicht. Das sind Tomaten (Tomata), Schlagsahne oder Schlagobers? Nö, das heißt hier "Schlagrahm". Karfiol? Blumenkohl (Bloamakohl).

Re: Re: Ausgezeichneter Artikel, ...

Vorarlberg ist in Österreich sprachlich sicher ein Sonderfall. Aber auch sonst verlaufen die Sprachgrenzen nicht streng entlang der Staatsgrenzen.

Die klassisch österreichischen Paradeiser und Erdäpfel sind bei weitem nicht flächendeckend verbreitet. Letztlich ist es die Sprache im Großraum Wien, die als Referenz für das Österreichische gilt.

Wie recht Sie haben!

Gerade Vorarlberg zeigt uns, dass es kein einheitliches österreichisches Deutsch gibt; viele Theoretiker desselben übersehen dies (oder wollen dies nicht wahrhaben). Auch bei uns in Kärnten sagt man eher Schlagrahm, dafür haben wir "Strankerln" (= grüne Bohnen bzw. Fisolen) und "Reindling" (ein Hefekuchen). Die Vorarlberger haben den "Schübling" (in der Schweiz auch "Schüblig"), der eine Wurstsorte ist (und kein "Abzuschiebender"!).
Näheres unter http://members.chello.at/heinz.pohl/OesterrDeutsch.htm

Beim Steinewerfen sollte man sich vergewissern, dass man nicht im Glashaus sitzt!

"Ein Brüderpaar in Belgien, das von Geburt an taub gewesen war" tut weh!
Dieses Brüderpaar IST natürlich bis zu seinem Tod taub gewesen, die Taubheit ist ja vorher nicht vergangen!

Abgesehen davon hat Hans Winkler natürlich recht, wenn er die Verluderung der Journalistensprache beklagt. Die Beispiele, die er bringt, sind ja leider nur ein ganz kleiner Teil der vielen Rechtschreibfehler, die man in den Zeitungen täglich vorgesetzt bekommt!

Früher konnte man beim Zeitunglesen sogar noch sprachlich dazulernen, heute ist die Zeitung ein schlechtes Beispiel, welches gute Sitten verdirbt!

ÖVP/SPÖ

Zu den Beispielen "Gender-Sprache": Das sind lediglich unglückliche Versuche, dem noch hässlicheren Binnen-I zu entkommen.

Bitte nicht vergessen, dass diese Sprachverhuntzung vor einigen Jahren von ÖVP/SPÖ Ministern verordnet worden ist.
An den Universitäten wurden eigene Gender-Departments eingerichtet, um auf Wissenschafter und Studenten im Sinne dieser Schreibweise sozialen Druck auszuüben.

Also, der Schwachsinn liegt im politischen System.
Es verlangt Zivilcourage und große sprachliche Selbstsicherheit, wenn man dem entgegenwirken will.

Die Sprache scheint niemandem mehr ein Anliegen zu sein.

Statt "erbarme dich unser" heißt es jetzt in der Messe holprig "erbarme dich über uns". Ein Mädchen wird im Nebensatz immer mit "sie" apostrophiert, und der Herr Pfarrer spricht die Christen und Christinnen an. Die Kirche selber betreibt also die Trennung zwischen Männern und Frauen, obwohl wir doch alle Christen sind.

DANKE!

Ein nicht nur zutreffender sondern auch notwendiger Kommentar. Nicht vergessen: "in keinster Weise"

Auch Krise ist weiblich

Also doppelt falsch.

Mein Gott, wie Sie mir aus dem Herzen sprechen...

 
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