08.02.2012 19:18 | Meine Presse Merkliste0

60 Jahre Israel sind 60 Jahre Katastrophe

OMAR AL-RAWI (Die Presse)

Die Welt feiert Israel – uns sei es gestattet, der „Nakba“ zu gedenken.

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Die einen feiern 60 Jahre Staatsgründung, die anderen reden von der „Nakba“, auf Arabisch „Katastrophe“. So eng kann Freude und Leid beieinander liegen. Die einen feiern ein rundes Jubiläum, die anderen warten noch immer auf ihren Staat. Keiner redet von dem Existenzrecht des palästinensischen Staates. Gewiss stellt ihn keiner explizit in Frage, doch implizit wird alles getan, um es zu verunmöglichen. Allein die illegalen Siedlungen zerfransen das Gebiet und lassen es wie einen Fleckerlteppich aussehen, wirtschaftlich und politisch nicht überlebensfähig. Eine Politik der vollendeten Tatsachen.


Politische und militärische Übermacht

Ben Gurion selbst äußerte einst seine Besorgnis darüber, dass die Araber Israel nie anerkennen würden. Denn die biblische Legitimation ist einseitig, die zwar für die Juden gelten mag, aber ein solcher Anspruch kann andere nicht verpflichten, schon gar nicht die Araber, die unmittelbare Kontrahenten im Konflikt sind. Der Schrecken des Holocaust ist das schlagende Argument in dieser Diskussion, schließlich nannte niemand Geringerer als Abba Eban die Grenzen von 1967 als die Grenzen von Auschwitz.

Doch auch diese Legitimation ist nur zum Teil universalistisch, denn die Palästinenser haben mit dem Holocaust nichts zu tun. Noch frisch in Erinnerung ist die Weigerung des damaligen Außenministers von Ägypten, Amr Musa, in den 90er-Jahren, den sonst obligaten Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte in Yad Vashem abzustatten, mit dem Hinweis, die Araber seien nicht für den Holocaust zu verpflichten.

Was den Arabern übrigbleibt, ist die Anerkennung der Faktizität Israels. Und hier scheint der einzig mögliche pragmatische Weg der Lösung. Israel sollte mehr pragmatische als dogmatische Diskussionen zulassen. Angebote auf einen längeren Waffenstillstand von zehn Jahren und mehr sollten akzeptiert werden. Denn politisch wie militärisch sind die Israelis übermächtig. Sie, vor allen anderen, tragen die Verantwortung dafür, dass der tote Punkt überwunden wird.


Jerusalem ist schon ethnisch geteilt

Die Hamas wird sich in eine politische Bewegung verwandeln, sofern sie die Gelegenheit dazu bekommen würde. Solche Metamorphosen hat es in der Geschichte schon öfters gegeben. Und eine Lösung der großen Brocken – Status Jerusalems, Siedlungen, Rückkehrrecht der vertriebenen Palästinenser – muss dringend angegangen werden. Tony Judt meint zwar, es wird keine Rückkehr vertriebener Palästinenser geben; umgekehrt ist es aber Zeit, jüdische Rückkehransprüche aufzugeben. Denn Jerusalem ist, wie er meint, schon jetzt ethnisch geteilt und wird am Ende die Hauptstadt beider Staaten sein. Auch Israel wird es nicht erspart bleiben, dunkle Seiten seiner Geschichte aufzuarbeiten und Wiedergutmachungen zu leisten.

Das Jahr der Staatsgründung Israels ist auf das engste mit dem Kontext des Zweiten Weltkriegs verknüpft. Angelika Merkel hat das nicht vergessen. Doch sollte sie auch überlegen, ob nicht Deutschland für das Schicksal der Palästinenser und die vielen noch vertriebenen Flüchtlinge eine historische Verantwortung trägt.

Die Muslime Europas als Zuwanderer haben mit dieser dunklen Geschichte Europas, Gott sei Dank, nichts zu tun. Doch verpflichtet uns unsere neue Heimat genauso, ihre Geschichte mitzutragen. Man kann sich nicht nur die Rosinen aussuchen. Daher werden wir Mitstreiter gegen jegliche Form von Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit sein. Aber wir werden uns mit der legitimen Forderung der Palästinenser solidarisieren. Und es sei uns gestattet, der „Nakba“ zu gedenken.

Omar Al-Rawi, geboren 1961 in Bagdad, ist

Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubens- gemeinschaft in Österreich.


meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.05.2008)

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7 Kommentare
mehrdad
18.05.2008 12:48
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islamist

zu diesem islamistischen antisemiten und seine propaganda steht was interessantes und entlarvendes auf der "jüdische".

wenn man übrigens sieht, wieviele probleme der islam auch in österreich verursachen, dann kann man eher von einem desintegrationsbeauftragten reden.


Antworten Gast: Hansi
19.05.2008 18:22
0 0

Islamist

und wenn in der Jüdische von Samuel Laster und Karl pfeiffer etwas steht, dann ist es natürlich eine refernz, nicht war?
also da müssen sie schon mit anderen quellen kommen. einen negativen kommentar zu Israel wird von der Jüdischen sicher nicht gut geheissen.

0 0

Narrenfreiheit der Islam. Glaubensgemeinde??

Zitat:..Israel sollte mehr pragmatische als dogmatische Diskussionen zulassen...
Die schlimmste Art einer Polemik ist, wenn man seinen Grad an Perfidie seinen Gegnern unterstellt, oder wie kann man sich das sonst erklären, dass nicht irgendein selbsternannter Mufti aus irgendeiner Bethalle in einem aufgelassenen Betriebsgelände sondern der hochoffizielle Vertreter der islam. Glaubensgemeinde, das sture Verharren der Palästinenser auf "Israelam esse delendam" als pragmatische Grundhaltung bezeichnet (& das nach 60 Jahren!!).
Er täte besser daran, dafür zu sorgen, dass den P. in ihren arab. Brüderländern (bzw. das was er dafür hält) endlich volle Staatsbürgerrechte zuerkannt bekämen, oder kann er es gar nicht erklären, warum es in Ö. KEINE Palästinenserlager gibt?

Gast: Bösewicht
15.05.2008 19:18
0 0

Wird der Antisemitismus in Österreich jetzt wieder salonfähig?

Es ist jedenfalls interessant, dass SPÖ Politiker jetzt offensichtlich Israel das Existenzrecht absprechen.

Gast: david meijer
15.05.2008 16:51
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katastrophe

nun "die palästinenser" hatten einen religiösen wie politischen führer. der großmufti von jerusalem hatte durchaus was mit der shoah zu tun, war immerhin gast hitlers und wollte die judenvernichtung nach palästina ausgeweitet sehen.
die hamas wird sich schon verwandeln - so wie die PLO? also: sie wird erst korrupt, nie dem terrorism einhalt gebieten und dann so unbeliebt dass die nächste extremistenbande das steuer an sich reissen kann?
auch israel mit "der katastrophe" gleichzusetzen ist eine unredlichkeit, die nicht viel hoffnung macht.
palästina darf ein staat sein. in 60 jahren hat man weniger dessen aufbau beobachten können als die delegitimation und dämonisierung israels. die zerstörung israels ist das vorrangige projekt, welches in ideologie, organisation, tat und wort ständig zu beobachten ist.
die "legitimen forderungen" der hamas kennen wir: ein judenfreies palästina. eventuell mit 10 jahren aufschub. aber pragmatisches handeln darf man ja nur von israel erwarten.

Kreuzhans
15.05.2008 07:09
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Kunststaat Israel.

Tatsache ist, dass man die Palastinänser vertrieben hat, und die Juden haben das Land genommen.Das kann nie gut gehen.Israel kann nur bestehen weil es eine Übermacht an Waffen und Technik hat.Aber Ruhe wird dort nie sein.Wenn es den Arabern gelingt-die Juden aus dem Land zu treiben werden sie es tun.Wenn die Araber einig werden und die nötigen Waffen haben können die Juden wieder ausziehen.Das ist ein Unruheherd in der Welt.

Antworten Gast: thomas
15.05.2008 23:14
0 0

meine güte

wieso postest du, wenn du von der materie keine ahnung hast?
muß man zu allem eine "meinung" haben?
bitte erspar uns doch diese peinlichkeit und informier dich mal.

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