22.11.2009 08:30 | Meine Presse Merkliste0

Der nukleare Präventivschlag und die Weltkatastrophe

GASTKOMMENTAR VON MARTIN SENN (Die Presse)

Israelische Stimmen fordern den Einsatz der Atombombe gegen den Iran. Die Folgen wären fürchterlich: für den Iran, für Israel und die Welt.

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Die gegenwärtige Diskussion über das Nuklearprogramm der Islamischen Republik ist um eine beunruhigende Facette reicher, nachdem israelische Stimmen wie etwa der Historiker Benny Morris einen nuklearen Schlag zur Zerstörung iranischer Nukleareinrichtungen fordern. Abgesehen von der Unverhältnismäßigkeit eines solchen Angriffs gegen ein Programm, das noch weit von einer einsatzfähigen und transportierbaren Nuklearwaffe entfernt ist, zeugt diese Forderung von fahrlässiger Kurzsichtigkeit und fundamentalem Unverständnis der fürchterlichen Konsequenzen eines nuklearen Angriffs, die nicht zuletzt auch Israel treffen würden.

Ein nuklearer Angriff gegen die verschiedenen Komponenten des iranischen Nuklearprogramms müsste eine Vielzahl von Zielen umfassen, die über das gesamte Territorium der Islamischen Republik verteilt sind. Nachdem sich diese Einrichtungen – wie etwa die Urankonvertierungsanlage in Isfahan oder die nuklearen Forschungseinrichtungen in Teheran – zum Teil in der Nähe oder inmitten von Ballungszentren befinden, würde ein Nuklearangriff katastrophale Folgen für die Zivilbevölkerung in den betroffenen Regionen nach sich ziehen. Ein Nuklearangriff ist zudem kein Garant für einen Erfolg im Sinne der endgültigen Zerstörung des iranischen Nuklearprogrammes – das Wissen wäre weiterhin vorhanden, versteckte Anlagen könnten den Angriff überdauern, und die Führung Irans wäre nach der Erfahrung eines Nuklearschlags entschlossener denn je, eine Abschreckungskapazität zu entwickeln, auch wenn das Programm um Jahre oder Jahrzehnte zurückgeworfen wäre.


Anschläge gegen Israels Atomrreaktoren

Wie im Fall eines konventionellen Militärschlages sähe man sich mit einer Bevölkerung konfrontiert, deren vorherige Affinität für den Westen durch einen auf Generationen festgesetzten Hass gegen die westliche Welt ersetzt werden würde. Sollte die Führung der Islamischen Republik eliminiert werden, würde das Land in chaotische Zustände abgleiten. In jedem Fall wäre Irans Förderung fossiler Brennstoffe betroffen, deren Drosselung oder Aussetzen den Weltmarkt weiter belasten würde.

Mögliche Schäden, die Israel nach einem nuklearen Erstschlag gegen Iran erleiden könnte, wären derart beträchtlich, dass sie jeglichen Nutzen in Frage stellen. Hierbei sei etwa auf die Möglichkeit asymmetrischer Vergeltungsschläge durch Iran oder nicht-staatliche Akteure wie die Hisbollah verwiesen. Diese könnten sich etwa gegen israelische Nuklearanlagen wie den Schwerwasserreaktor in Dimona richten, dessen Zerstörung sich nachhaltig negativ auf den Lebens- und Wirtschaftsraum Israel auswirken würde.

Die Reaktionen der muslimischen Welt sind in ihrer Dimension nicht abschätzbar, jedoch würden mit höchster Wahrscheinlichkeit alle zaghaften Versuche der Annäherung und Entspannung gekappt werden. Selbst wenn sich die herrschenden Eliten zu pragmatischem Verhalten gegenüber Israel durchringen sollten, wäre der Druck der Straße enorm.

Für die nukleare Nichtverbreitung wäre ein präventiver Nuklearschlag gegen Iran katastrophal. Die Botschaft eines solchen Schlages wäre klar und würde jene des Regimewechsels im Irak unterfüttern: Ein Staat kann sich nur mit einer robusten Nuklearbewaffnung gegen externe Interventionen zu Wehr setzen. Der Bruch des mehr als 60 Jahre anhaltenden Tabus gegen den Einsatz von Nuklearwaffen würde – insbesondere in der konfliktreichen Nachbarschaft Israels – eine Proliferationskaskade in Bewegung setzen, die wiederum israelische Sicherheitsinteressen beeinträchtigen könnte. Eine weitere Lehre, die Staaten aus einem Nuklearangriff gegen den Iran ziehen würden, wäre die Notwendigkeit noch größerer Mühen, um (militärische) Nuklearanlagen vor Entdeckung zu schützen.


Ein Iran nach dem Einsatz der Bombe

Das Nuklearprogramm der islamischen Republik Iran ist in einem Stadium, das keinen konventionellen, schon gar nicht einen nuklearen Schlag rechtfertigt. Nicht eskalierende Drohungen, die eine unmittelbare Gefährdung suggerieren (sollen), sind das Gebot der Stunde, sondern das Ausschöpfen diplomatischer, nicht-militärischer Möglichkeiten zur Lösung des Atomkonfliktes. Jedenfalls wäre ein Iran nach dem Einsatz einer Atombombe schlimmer als ein Iran im Besitz einer solchen.

Dr. Martin Senn ist Mitarbeiter des Instituts für Politikwissenschaft der Universität Innsbruck und Mitglied der International Security Research Group (ISRG).


meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.06.2008)

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14 Kommentare
Gast: Josef Fröschl
30.07.2008 09:27
0 0

Die letzte Rettung der Diplomatie ist eine glaubwürdige israelische Drohung

Nur wenn man in Theran davon überzeugt ist, dass die eigene Existenz auf dem Spiel steht, wird dieses Regime davon abgehalten werden können, ein nukleares Potential zu enwickeln. Das ist ein Faktum. Die angebliche Dipolmatie, die in Europa betrieben wird, hat nur dazu geführt, dass die iranische Führung mehr Zeit zur Entwicklung bekommen hat. Deutschland ist wichtigster Handelspartner des Iran und will mit einer Vergrößerung des Volumens in Zukunft ein ernst zu nehmender Konkurrent für die USA in diesem Raum sein. In Berlin ist man einfach nicht daran interessiert Druck auf die Mullahs auszuüben, verharmlost deren Aggressivität und verzichtet auf Sanktionen, weil das Arbeitsplätze und Gewinne gefährdet. Für den israelischen Staat steht aber seine Existenz auf dem Spiel, seit das iranische Regime seit 1979 das Weltzentrum von Antisemtismus und Holocaustleugnung geworden ist. Wenn der Iran sich ernsthaft bedroht fühlt, wird er nachgeben, alles andere bringt ihm nur der Bombe näher.

Gast: Messalina
14.06.2008 14:15
0 0

ich sage schon lange,

bezgl.. Terror sind die Israelis die Schlimmsten, weil unberechenbar, Ursache ist ihr "Auserwähltheitswahn"

Gast: Crusader
14.06.2008 08:06
0 0

Von einem "Fachmann" hätte ich einen g`scheiteren Artikel erwartet.

Atomwaffeneinsatz - lächerlich!
Um sich das Öl dort zu versauen?
Es gibt genug konverntionelle Möglichkeiten.
Warum gibt es so wenig sachlich gut fundierte außenpolitische Kommentare in der Presse?

Gast: Adamas
13.06.2008 17:22
0 0

Atombombe

Da hat wohl ein Schreibtischstratege nicht über die Konsequenzen, insbesondere für die Zivilbevölkerung Israels nachgedacht. Daneben handelt es sich bei Angriffen ohne Kriegserklärung um Terror, der würde ganz sicher mit gleicher Münze zurückgezahlt werden.

Gast: ARIEL
10.06.2008 09:24
0 0

Wenn ich der Iran wäre...

würde ich mich mit allen mittel so eine a-bombe zulegen. jeder gesunde Menschenverstand kann sich wohl sagen, die zeit Kriegstreiber Nationen Usa und mini-usa haben diese waffen und werden sie auch einsetzen. diese zwei Menschenverachtende Regime wollen Kreig verbreiten und müssen aufgehalten werden. beide Länder haben mehr Christen getötet als jeder andere Religion oder andere Staaten.

wenn beide länger im Nahen osten exestiren wird es bald kein Leben auf dieser Erde geben.

Antworten Gast: ste
11.06.2008 01:21
0 0

krankes weltbild

such dir hilfe

diogenes
10.06.2008 18:59
0 0

Re: Wenn ich der Iran wäre...

Endlich schreibt jemand die Wahrheit.
Es rächt sich, dass die Welt nichts gegen die Weiterverbreitung der Atomwaffen im nahen Osten getan hat und nun eine Masse von Atombomben und dazu gehörige Produktionskapaztät für weitere Bomben jenen zur Verfügung steht, die offen mit Atom-Erstschlägen drohen und von denen bewiesen ist, dass sie vor nichts zurückschrecken
Es ist der arabischen Welt durchaus zu empfehlen wenigstens die weitere Erzeugung von Atombomben durch Zerstörung der Produktionsmittel zu verhindern.

Antworten Gast: pit
10.06.2008 16:55
0 0

so ein schwachsinn !


wieviel zahlt dir die hamas für deine idioten-propaganda ?


Antworten Antworten Gast: Messalina
14.06.2008 14:21
0 0

Re: so ein schwachsinn !

das ist doch nicht gelogen, was diogenes sagt

0 0

Bedrohung des Iran durch Israel und USA

Falls Iran wirklich nicht die Absicht hatte Atombomben zu bauen,was zu bezweifeln ist, so wird es nun durch die dauernde Bedrohung Israels und der USA dazu gezwungen sich schnellstens zwecks Abschreckung Atomwaffen zuzulegen.
Die andauernde Hetze und die laufende Verfälschung der Reden des iranischen
Präsidenten dienen wahrscheinlich nur dazu einen weiteren Kriegsgrund zu konstruieren. Der iranische Präsident hat niemals den Holokaust geleugnet sondern nur die Ausnutzung desselben angeprangert. Der iranische Präsident hat niemals von der Vernichtung Israels gesprochen,sondern nur von der Vernichtung des israelischen Systems (Regierung). So wie die Bundesrepublik niemals die Vernichtung der DDR wollte, sondern nur die Vernichtung der DDR-Regierung. Der Iran hat ein sehr großes konventionelles Waffenpotential , welches den weit entfernten USA keinen Schaden zufügen kann, aber dem nahegelegenen Israel ganz erheblich schaden kann.
Aber vielleicht ist Öl der wirkliche Kriegsgrund.

Antworten Gast: Messalina
14.06.2008 14:22
0 0

Re: Bedrohung des Iran durch Israel und USA

das sehe ich auch so

Boris
10.06.2008 01:58
0 0

Roh-Öl ist nicht das Problem...

Öl (in allen Qualitäten) gibt es weltweit im Überfluss - das weiß jeder halbwegs Informierte. was fehlt sind ausreichend Raffineriekapazität.

Die US Anlagen sind allesamt aus dem vorigen Jahrhundert und hoffnungslos überaltert. DAS und den durch die Verknappung hervorgerufenen Engpass führt zu den (wohlfundierten) Spekulationen die den Endpreis treiben.

Abgesehen von der Kühnheit des Finanzministers auf eine Mineralölsteuer noch eine Steuer draufzuhauen - was zu einer Gesamtsteuerbelastung der Treibstoffe jenseits der 60% Marke führt. Die Saudis verarmen mittlerweile durch die horrenden US Waffenkäufe und "Schutzgeldzahlungen" (die haben vor ihren eigenen Landsleuten weit mehr Schiiss als vor Israels Dimonaprodukten) an die US Administration

Boris
10.06.2008 01:49
0 0

Nicht Öl ist der unmittelbare Kriegsgrund sondern...

... der lückenlose Aufbau von US Stützpunkten zur Vorbereitung des finalen Endkampfes um die weltweiten Energieressourcen.

Und den Endkampf gewinnt man laut US Doktrin indem man entweder die Energielieferanten allesamt besetzt und dann den zukünftigen Hauptkonkurrenten um die Energie ausschaltet.

Im günstigsten Fall beides anvisiert.

Ein Blick auf die Karte mit den US Basen schafft Klarheit

Das heißt: Besetzung des Irans und unmittelbar anschliessend Angriff des (absolut bankrotten) Schuldners USA auf seinen Haupt-Geldgeber - China.

Antworten Antworten Gast: Matze
17.06.2008 18:30
0 0

Re: Nicht Öl ist der unmittelbare Kriegsgrund sondern...

Und was ist wenn der Iran doch irgendwann eine A-Bombe besitzt. Es ist unverantwortlich das dieser Staat unter der Führung in den Besitzt so eienr Waffe kommen darf. Israels sicherheit steht für die USA und den Westen sicher nicht zur diskusion. Ich wäre für einen langen gut ausgearbeiteten Plan sämtlicher Anlagen die mit nuklearem Material zu tun haben zu zerstören (konventionell). Und dem Iran sämtliche schweren Waffen abzunehmen und still zu legen.

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