06.02.2012 20:46 | Meine Presse Merkliste0

Ein böses Lebewesen namens Israel

GASTKOMMENTAR VON THOMAS SCHMIDINGER (Die Presse)

Fritz Edlinger imaginiert Israel zum ideellen Gesamtjuden – und dieser ist natürlich so, wie Antisemiten sich Juden vorstellen: Zum Gastkommentar „Ein propagandistischer Tsunami“ (26.Juni).

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Fritz Edlinger weiß genau, was ein „aggressiver und illoyaler Staat“ ist. Richtig geraten: Israel. Ansonsten von seinesgleichen meist als „landgestützter Flugzeugträger des US-Imperialismus“ im Nahen Osten betrachtet, sieht Edlinger das Verhältnis Israels zu den USA offensichtlich anders als viele linke Antiimperialisten und Antizionisten. Denn er wirft den Israelis keineswegs vor, die Interessen des „US-Imperialismus“ im Nahen Osten zu vertreten, sondern im Gegenteil „nur eine einzige Loyalität“ zu kennen, „nämlich gegenüber sich selbst und dem zionistischen Charakter des Staates Israel“. Man stelle sich diesen Vorwurf einmal auf andere Staaten umgelegt vor. Bestünde das größte Problem mit dem iranischen Präsidenten Ahmadinejad oder meinetwegen der österreichischen Bundesregierung darin, nur gegenüber dem Iran oder eben Österreich loyal zu sein, würden diese Regierungen wohl nichts anderes tun als das, wofür sie im Amt sein sollten, nämlich souverän zu regieren. Was für jeden anderen Staat der Welt selbstverständlich ist, darf für Israel nicht sein.

Doch warten wir mit zu schnellen Vergleichen. Fritz Edlinger richtet diesen ach so ungeheuerlichen „Vorwurf“ nicht an die israelische Regierung, sondern an „Israel“. Und dieses „Israel“ ist es, was er einen „aggressiven und illoyalen Staat“ nennt. Was versteht Edlinger darunter und welche Belege führt er dafür an, bzw. was macht einen Staat zu einem aggressiven und illoyalen?


Ein Staat mit Gefühlen!

Edlinger dürfte damit etwas gelungen sein, was elaborierte staatstheoretische Debatten in der Politikwissenschaft um eine sensationelle neue Staatstheorie erweitern könnte: Die edlingeristische Staatstheorie stattet Staaten erstmals mit Gefühlen aus. Sie können aggressiv oder friedliebend sein, liebevoll oder aufbrausend, vielleicht auch lustig, langweilig oder depressiv. Auf jeden Fall können solche mit Gefühlen ausgestattete Staaten auch loyal oder illoyal sein, treu oder treulos. Und sie können auch denken, denn dieser aggressive und illoyale Staat ist „bei weitem nicht der rational handelnde, berechenbare und seinen Unterstützern loyale Partner“, den andere denkende und fühlende Staaten gerne hätten. So wird sich also jeder gutherzige, mitfühlende und mitdenkende Staat mit Grausen von einem solch aggressiven und illoyalen Mitspieler abwenden, der noch dazu unter Verfolgungswahn leidet und aller Welt weismachen will, dass ihm seine Vernichtung angedroht wird.

Die edlingeristische Staatstheorie scheint Ihnen etwas seltsam? Ich vermute, sie würde auch ihrem Schöpfer seltsam erscheinen. Denn Fritz Edlinger, mit seiner Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen (GÖAB) seit Jahren umtriebigster Lobbyist arabischer Regime in Österreich, schreibt so weder über Österreich, Syrien, den Sudan, China oder die Mongolei. Als organisches Lebewesen, dem moralisches Totalversagen zugeschrieben wird, kennt er nur einen Staat, nämlich Israel.

Deshalb wird Edlinger nicht als Theoretiker einer neuen Staatstheorie in die Geschichte eingehen, sondern bestenfalls als Fußnote in wissenschaftlichen Arbeiten über den österreichischen Antisemitismus in Erinnerung bleiben. Israel nicht mit denselben Maßstäben und Methoden zu analysieren und zu kritisieren, mit denen andere Staaten unter die Lupe genommen werden, kann nur als anti- oder philosemitisch gewertet werden. Während auch Fritz Edlinger zu Recht beim Iran und jedem anderen Staat zwischen unterschiedlichen Akteuren und Interessen innerhalb des Staates unterscheidet, will er in Israel partout kein historisch entstandenes Herrschaftsgebilde sehen, in dem sich unterschiedlichste gesellschaftliche und politische Kräfte, Klassen und soziale Schichten zu einem Staat verdichten. Wofür er damit in jedem anderen Staat bestimmte Akteure verantwortlich machen würde, lastet er im Falle dieses einen – und nur dieses einen – Staates einem halluzinierten Gesamtgebilde an, dessen moralisches Versagen er damit aufzudecken versucht. Genau dieses Messen mit völlig unterschiedlichen Maßstäben, das Israel zum ideellen Gesamtjuden imaginiert, ist, was der große Historiker des Antisemitismus, Léon Poliakov, meinte, als er Israel als „Jude unter den Staaten“ bezeichnete.


Gierig, mächtig, illoyal

Und dieser Jude ist selbstverständlich so, wie sich Antisemiten nun einmal Juden vorstellen: gierig, mächtig, geldgierig, aggressiv und noch dazu illoyal. Wer diesen Staat solcherart zur Projektionsfläche für seinen Antisemitismus macht, ist außerstande, sich seriös mit der – auch in Israel – juristisch aufgearbeiteten Lavon-Affäre oder den bis heute ungeklärten Ereignissen um die USS Liberty (nicht „SS Liberty“, wie Edlinger schreibt) zu beschäftigen. Das gilt umgekehrt auch für jene, die in Konferenzen auf universitärem Boden Nuklearschläge gegen den Iran fordern. Eine ernstzunehmende Beschäftigung mit Politik und Gesellschaft im Nahen Osten würde einen scharfen und kritischen Verstand, Interesse an den konkreten Gesellschaften der Region und den Zugang zu entsprechenden Quellen benötigen, nicht ein reflexartiges Ressentiment, das nicht darüber hinauskommt, „bedenkliche und gefährliche Entwicklungen“ für „bedenklich“ zu halten, wenn diese in Israel stattfinden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2008)

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16 Kommentare
Gast: Christian
08.07.2008 14:57
0 0

Vielleicht sollte man als Antwort einen Bericht israelischer Frauen zitieren,

der am 7.7.08 im Kurier abgedruckt wurde.
Da wird von arabischen Bauern berichtet, die nur mit israelischer Erlaubnis 2 x pro Woche auf ihre in Sichtweite gelegenen Felder dürfen, oft aber wegen totaler Blockade überhaupt nicht, und die die nach einem alten türkischen Gesetz das Eigentum an den brachliegenden Feldern an den Staat (=Israel) verlieren, daß die besten ärztlichen Einrichtungen im für Araber schwer zugänglichen Ostjerusalem liegen, daß eine junge Schwangere wegen israelischer Schikanen ihr Kind am Kontrollposten zu Welt brachte usw., jede Menge Schikanen, die den Haß der Araber auf Israel ständig schüren!

Gast: Keine Ehre wem keine gebührt!
30.06.2008 00:09
0 0

Eine Autorität antwortet

Als Antwort auf den Gastbeitrag von Fritz Edlinger möchte ich den deutschen Aussenminister zitieren:

"Vielleicht ist der aggressive, eliminatorische Antisemitismus zur Zeit nicht der prägende Tonfall. Sorge bereitet uns aber zunehmend ein im Gewand moralischer Überlegenheit daher kommender, zutiefst ressentimentgeladener Antisemitismus unter selbsternannten "anständigen" Deutschen. Menschen, die jeden Verdacht von sich weisen würden, aber Kritik an der israelischen Politik oder an Phänomenen der Globalisierung mit verräterischer Zwanghaftigkeit in judenfeindliche Klischees kleiden."

Das sagt Frank Walter Steinmeier, einer der beliebtesten Politiker Deutschlands, der wahrscheinlich bald Vorsitzender der SPD wird. Eine politische Koryphee.
Fritz Edlinger ist im Vergleich zu ihm ein Nebbich, und als solchen sollten wir ihn behandeln.


Antworten Gast: grubenhund
30.06.2008 14:37
0 0

Re: ein steinmeier ist eben kein kreisky

Auch jener war ein Sozi - und ich behaupte, ein veritablerer, schon auf Grund seiner Sozialisation - und der fand eine ganz andere Einstellung. Steinmeier windet sich, vermutlich um Frau Knobloch zu gefallen, die sogar in der Aufstellung der deutschen Nationalelf mitentscheiden zu müssen glaubt. Die sogenannte Antisemitismuskeule ist eine echte, da sie jeglicher Auseinandersetzung entbindet. Der Gegenpart tanzt auf glühenden Kohlen bis ihn der Schlag erwischt.

Antworten Ophicus
30.06.2008 09:47
0 0

Re: Eine Autorität antwortet

Ein grundlegendes Problem ist, dass es auf der anderen Seite auch viele "anständige" Deutsche oder auch Österreicher gibt, die aus moralischer Überlegenheit jede Kritik an Israel als Antisemitismus zurückweisen und den Kritiker unter Antisemitischen Generalverdacht stellen - auch und vor allem um damit sich selbst durch den Kontrast von jedem Verdacht zu befreien.

Dass es die sinnvolle, notwendige und sachliche Kritik an Israel gibt steht außer Zweifel. Es gibt aber auch die unsachliche oder einseitige Kritik mit antisemitischen Zügen. Die zu unterscheiden ist nicht immer leicht.

Gast: grubenhund
29.06.2008 08:49
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auf ein wort, metternich

Mit besonders viel Urteilsvermögen scheinen Sie ja nicht ausgestattet: auf der einen Seite wird Frau Fekter als -Zitat! - "Den gößten Trampl der II Republik." bezeichnet - und es steht!
Andererseits schnippseln Sie einen Beitrag weg, der Edlingers wahre Verdienste um die Republik erwähnt, jenseits vom Sprachrohr arabischer Ansichten. Wird er dadurch etwa ärger herabgesetzt als die künftige Frau Innen - Sheriff? Oder sollte man sich des "Schweinchen - Edi" befleißigen, um pol. corr. zu bleiben?

Gast: grubenhund
28.06.2008 20:27
0 0

edlinger ist bereits in die geschichte

eingegangen, als Vater der "25-Tschick-Sperre" und somit Retter Unzähliger vor dem schiachen Lungenkrebs. (Die paffen seitdem nämlich nur mehr die klinisch sauberen aus heimischen Trafiken zu einem Preis, den Qualität eben beanspruchen darf). Selten geht jemand zwei- und mehrmals in selbige ein.
Im übrigen - von wem darf man eine proarabische Haltung erwarten, wenn nicht vom Präsidenten der einschlägigen Gesellschaft? Den Kontern mit dem Antisemitismus sei der Sandsack zu Trainingszwecken empfohlen.

Gast: Ahmad Afani
28.06.2008 15:50
0 0

Israel ist eben Anders

Lieber herr THOMAS SCHMIDINGER ,
mon kann Israel nicht mit anderen Staaten wie szrien,und sonstigen vergleichen. Aus dem einfachen Grund: Israel ist auf dem Land eines anderen Volkes gegrundet!! Ist das Antisemitismus!! Sie und Andere zerreden den Antisemitismus,und das ist nach meine Meinung Verantwortungslos.
Mit freundlichen Grüßen
AA

discipulus
28.06.2008 10:53
0 0

Eine bewährte Methode

Ist schon tausende Male vorexerziert:

Wenn du dich mit den Inhalten nicht auseinandersetzen kannst oder willst, zerpflücke die Worte und ergehe dich in langen Sermonen, dass das eine oder andere Wort den damit gemeinten begriff nicht richtig abdeckt - damit kannst du was dagegen sagen, ohne dich mit den tatsächlichen Inhalten beschäftigen zu müssen.

4x4
28.06.2008 08:10
0 0

Schön,

dass nicht nur Presseleser, sondern auch Presseredakteure Edlingers Geschreibsel als das betrachten, was es ist:
antisemitischer Mist eines Lobbyisten der Araber

Antworten Gast: Krocha_Styler
28.06.2008 20:52
0 0

Oida, Oida

Bamm oida, pass auf, dass kaner dei Geschreibsel ois prosemitischen Mist bezeichnt!

Antworten discipulus
28.06.2008 10:59
0 0

Ach ja...

Kritik am Staat Israel (seiner Politik, Handlungen, Absichten, Bewohner, Sympathisanten,...) ist ja per definitionem Antisemitismus.

Haben wir schon oft genug auch explizit gehört und gelesen.

Antworten Antworten 4x4
28.06.2008 14:50
0 0

Re: Ach ja...

konstruktive Kritik nicht.

Das Geschreibsel des Hamas Bücklings Edlinger schon.

Antworten Antworten Antworten discipulus
28.06.2008 20:41
0 0

Gutes Beispiel

Wer nur schimpft, versucht damit bloß notdürftig zu verbergen, dass er inhaltlich nichts zu entgegnen hat

Antworten Antworten Antworten Antworten 4x4
28.06.2008 21:51
0 0

Re: Gutes Beispiel

Deine Schein- und Pseudoargumente sind natürlich bestens geeignet, alle zu überzeugen.

discipulus hat noch viel zu lernen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten discipulus
28.06.2008 22:19
0 0

Na ja...

Wenn Du einmal so weit kommen solltest, auch inhaltlich etwas Lesenswertes zu produzieren, meld' ich mich wieder.
Ad kalendas graecas!

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten 4x4
29.06.2008 09:57
0 0

Re: Na ja...

Einen Schmarrn, wie du ihn vermutlich als lesenswert erachtest werd ich hoffentlich nie von mir geben.

Also ist es auch nicht erforderlich, dass du dich wieder meldest! ;-)

Hinweis

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