21.11.2009 20:23 | Meine Presse Merkliste0

Notwendiger Akt der politischen Hygiene

HARALD WALSER (Die Presse)

Replik auf „Erhaltung des Drecks“, Leitartikel, von Michael Fleischhacker, 10. Jänner.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Michael Fleischhacker greift in seinem Kommentar tief in die Tasten, lotet die Untiefen der österreichischen Seele aus und stößt dabei unweigerlich auf unsere „braune Vergangenheit“. Die will nicht und nicht vergehen, die bleibt präsent, obwohl viele in diesem Land so viel für ihr Verschwinden zu tun bereit waren – und sind. Laut Fleischhacker war es die Linke, die durch Denunziation der FPÖ-Wähler „den wirklichen Neonazis in der FPÖ Stimmen gebracht“ hat. Eine verwegene Dialektik. So argumentierte einst auch Rudolf Burger ins Leere. Es waren politische Prinzipienlosigkeit und reines Machtkalkül von Schüssel & Co., die politische Aufwiegler wie Haider und Strache salonfähig gemacht haben. Es war eine weltanschaulich torkelnde SPÖ, die das untätig bestaunt hat. Jetzt haben wir den Salat: Mal ordert HC Strache drei Bier so, dass unschwer der rechtsradikale „Kühnen-Gruß“ zu entdecken ist, dann bestellen Mitarbeiter im Parlamentspräsidium „rechtsextremen Dreck“ und jährlich wird am 8. Mai die Niederlage Nazi-Deutschlands durch FPÖ-Kameraden betrauert, deren Verstrickung in den alten oder neuen Faschismus Parlamentarier wie Karl Öllinger immer wieder aufdecken.

Fleischhacker kann trotz alledem die Existenz des NS-Verbotsgesetzes nicht nachvollziehen, weil wir in einer „gefestigten Demokratie“ leben. Wir haben in dieser unbestritten gefestigten Demokratie aber ein verqueres Verhältnis zur Geschichte. Nicht nur die blauen Polit-Rabauken, auch Repräsentanten der Großparteien machten das immer wieder deutlich – man denke an Leopold Figls „Die Juden wollen halt rasch reich werden“ oder an den SPÖ-Wahlslogan für Adolf Schärf „Wer einmal schon für Adolf war, wählt Adolf auch in diesem Jahr“. Man denke an die unglaublichen Freisprüche für NS-Kriegsverbrecher, an den Fall Heinrich Gross, die Waldheim-Affäre, an Schüssels personelle Zugeständnisse an die FPÖ, die ihre akademischen Rechtsausleger in höchste Positionen der Republik hievte.

Und heute soll der Protest gegen einen Dritten Nationalratspräsidenten, der im rechtsextremistischen Umfeld sozialisiert wurde und sich dort heute noch pudelwohl fühlt, falsch sein? Und die Aufdeckung der fast logischen Verstrickung seiner Mitarbeiter in genau dieses rechtsextremistische Umfeld soll auch nicht auf den Tisch kommen? Wann, Herr Fleischhacker, würden Sie denn eingreifen? Karl Öllinger hat jedenfalls eine wichtige parlamentarische Aufgabe erfüllt!


Rechte im Machtzentrum der Republik

Die Wahl Martin Grafs durch SPÖVP lag ganz auf der Linie von Burger und Fleischhacker. Die logische Folge sind Skandale, wie wir sie immer wieder diskutieren (müssen). Michael Fleischhacker plagt vielleicht das schlechte Gewissen, wenn er jetzt ausgerechnet den Aufdecker des Skandals zum Gegenstand seines journalistischen Zorns macht. Nein, nicht „die Linke“ verdient die Schelte, sondern jene journalistischen Kaliber à la Fleischhacker und Burger, die der politischen Aufpäppelung von Haider, Strache, Graf & Co. die mediale Absolution erteilt haben.

Jetzt haben wir die rechten Extremisten auch Dank ihres Begleitschutzes genau dort, wo sie ganz sicher nicht hingehören: Die Relativierer und Leugner des Holocaust tummeln sich im Machtzentrum der Republik. Die Aufdeckung dieses Zustands ist beileibe kein „affektierter Antifaschismus der idiotischen Art“, sondern ein dringend notwendiger Akt der politischen Hygiene. In unserem Land sind die politischen Sitten in einem Zustand, der das Verbotsgesetz nach wie vor notwendig macht, denn es ist längst noch nicht selbstverständlich, was selbstverständlich sein sollte.

Rudolf Burger soll einmal gesagt haben: „Ich bin lieber ein nützlicher Idiot als nur ein Idiot.“ Ich fürchte, Michael Fleischhacker sieht das auch so.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2009)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

17 Kommentare
Gast: glücklicher-nicht-presse-leser
13.01.2009 23:15
0 0

zum glück ist die presse öffentlich ähnlich irrelevant, wie fpö und grüne in der wirtschaftspolitik

herrje, der fleischhacker hört sich halt gerne selber reden. so einen stuss hab ich selten gelesen. da wächst schon der nächste unterberger heran, dessen kommentare genau so wirr und verzichtbar sind. fleischhacker hat da sogar noch einen altersvorteil an senilität.

fleischhacker ist aber auch mit kritik nicht beizukommen. er dürfte von jenem typ sein, der sich bei kritik denkt "wenn ich kritisiert werd, mach ich was richtig."

lieber herausgeber, gib dem michi doch bitte noch eine plakatkampagne, damit er beschäftigt ist.

0 0

Nützlicher Idiot

Wie kann man diesen Kommentar in der Presse abdrucken? Der berühmte Strick nach Lenin?

roger
13.01.2009 17:58
0 0

Harald Walser?

Ist das nicht der vorarlberger AHS-Direktor und Spitzenkandidat der Grünen, der sich von Zeit zu Zeit als "Bildungsexperte" wichtigmacht? Interessant, dass der Herr Walser auch ein Redakteur ihres Blattes ist. Jetzt versteh ich auch, warum vor geraumer Zeit zu einem Bildungs-Artikel über diesen Herrn die Posting-Funktion deaktiviert wurde.

joquer
13.01.2009 14:40
0 0

hab mich schon gewundert...

... aber dann hab ich herausgefunden, dass der Autor des Artikels ein Grüner ist.

Geldfux
13.01.2009 11:49
0 0

Empörende politische Hygiene der Grünen Teil 2

Fortsetzung: Damals gab es allerdings noch keine Historiker, die uns alle 10 Jahre wieder neu die Greuel der Braunen erklären mussten. Wir alle hatten die Zerstörung Wiens und Österreichs gesehen und meine verwitwete Mutter hat hart für den Wiederaufbau Österreichs gearbeitet und für das Studium ihrer 2 Kinder. Den von Walser zitierten angeblichen Ausspruch von Leopold Figl habe ich nie gehört oder gelesen. Die verleumderische Überklebung der Wahlplakate Adolf Schärfs mit : "Wer einmal schon für Adolf war..." erfolgte nach meiner Erinnerung von Schärfs Gegnern. Wahr ist hingegen, dass die SPÖ nach dem Krieg wahllos NAZIS in ihre Partei und den BSA aufnahm, der im Volksmund als "Bund der SA" verspottet wurde. Den Kindermörder Dr. Heinrich Gross als Sachverständigen und Primar wieder arbeiten zu lassen, ist nur der SPÖ und dem System Broda zu verdanken. Was jetzt notwendig ist, wäre eine genaue Erforschung des grünen Systems der Spionage und des Lebenslaufes von Herrn Öllinger.

Geldfux
13.01.2009 11:27
0 0

Empörende politische Hygiene der Grünen

Zuerst eine Feststellung:"In den Untiefen meiner österreichischen Seele stosse ich auf keine braune Vergangenheit" Als Österreich den Staatsvertrag bekam war ich 18 Jahre alt. 8 Jahre Realgymnasium unter einem sozialistischen Direktor in einem roten Wiener Bezirk haben mich sozialisiert, dazu ein Linker Deutsch- und Geschichte Professor. Mein Lieblingsfach war Geschichte, ich durfte in Geschichte maturieren. Dieser Linke borgte mir sein Exemplar von Hitlers "Mein Kampf". Einzige Bedingung, zwei Stunden mit ihm darüber diskutieren. Ich war vor allem über die Ideen und Ziele in den letzten 2 Drittel des Buches entsetzt. Wie konnte so ein blödes Buch eine Millionenauflage erreichen, und wieso konnte dann dieser Schreiberling noch Kanzler werden. Mein Lehrer hatte mir ein verbotenes Buch geborgt und dann erklärt, dass nicht das Geschreibsel des Herrn Hitler den Sieg der NSDAP brachte, sonden die wirtschaftliche und soziale Krise, in der sich Deutschland und Österreich damals befand.

Antworten Gast: Österreicher
16.01.2009 12:01
0 0

Re: Ergänzung: Von den horrenden Reparationsleistungen und der Hungerblockade,

die die Sieger über Deutschland verhängten, wird geflissentlich nichts mehr erwähnt!

Und auch noch ganz typisch: das schwer lesbare Buch "Mein Kampf" wurde einfach nicht gelesen - und Ernst genommen!


Antworten Gast: machmuss verschiebnix
13.01.2009 19:14
0 0

nicht umsonst nannten ihne sein Landsleute:

".. da spinnate Adi"

Murray
13.01.2009 09:48
0 0

Eine seltsame Affäre

Wie alt waren Grafs Mitarbeiter zum Zeitpunkt der Bestellungen? 17, 18? Kaum mündig, aber die Affäre wird ihnen wahrscheinlich bis zum Ende ihres Lebens nachhängen. Hätten sie stattdessen Prostituierte ermordet und sich in der Zwischenzeit als "Häfenpoeten" betätigt, wären sie für die Grünen längst rehabilitiert.
Es ist im übrigen erstaunlich, wie weit verzweigt das Spitzelnetzwerk der Grünen ist - die Stasi wäre vor Neid erblaßt.
Wie sind denn die Braunen wieder salonfähig geworden? Man erinnere sich daran, dass im Kabinett Kreisky I vier Ehemalige saßen - das Kabinett Hitler I war noch mit drei Nazis (Frick, Göring, Hitler) ausgekommen.
Aber hier zeigt sich, warum wir nie ein verqueres Verhältnis zur Geschichte haben können: Österreich hat so viele Historiker in Staats- und Parteidiensten, dass sich die Geschichtsschreibung schnell und geschmeidig der political correctness anpassen kann.

Gast: Herzeloide
13.01.2009 09:27
0 0

Ideologie

Kurz: Ich finde den Kommentar von Fleischhacker reflektierter und von tieferem demokratischen Verständnis als die Replik hier von Herrn Dr. Walser.

Murray
13.01.2009 09:23
0 0

Es wird immer seltsamer

Wir können kein verqueres Verhältnis zur Geschichte habe - wir schreiben sie doch ständig neu, damit sie den Anforderungen der political correctness genügt. Wofür gibt es denn so viele Historiker in Staats- und Parteidiensten?
Grafs Mitarbeiter müssen zum Zeitpunkt der Bestellungen 16 oder 17 Jahre alt gewesen sein. Was sie als Unmündige getan haben, wird ihnen in diesem Fall bis zum Tod nachhängen. Hätten sie stattdessen Prostituierte ermordet und im Häfen Gedichte darüber geschrieben, wären sie für die Grünen längst rehabilitiert.
Im übrigen ist es immer wieder erstaunlich, wie weit verzeigt das Spitzelnetzwerk der Grünen ist. Anscheinend haben sie das billig von der Stasi übernommen...
Zur Rehabilitation der Altnazis: Im Kabinett Kreisky I saßen vier "Ehemalige" - Das Kabinett Hitler I ist noch mit drei Nazis (Göring, Frick und Hitler) ausgekommen.

Gast: Naja
13.01.2009 06:25
0 0

In einer gefestigten Demokratie

sollten Meinungsfreiheit und freies Wahlrecht selbstverständlich sein.

Oder erkennt man eine gefestigte Demokratie daran, daß das Volk KEINE freie Meinungs- und Willensbildung zu politischen Fragen, auch zum Verhältnis mit der Vergangenheit hat?

Leider ist die Entstalinisierung Österreichs nicht nur im Bundesgesetzblatt, sondern auch in den Köpfen mancher Journalisten bis heute unterblieben.

Gast: Christian
13.01.2009 01:07
0 0

Über soviel Tatsachenverdrehung kann man nur staunen!

Also wieder muß der Popanz "Schüssel" her, um das Phänomen Haider, Strache und den Stimmenzuwachs der FPÖ/BZÖ zu erklären! Dem Herrn Walser scheint ganz entgangen zu sein, daß bei der NRW 99 die FPÖ unter Haider die ÖVP unter Schüssel vom 2.Platz verdrängt hat, wobei sich alle polit. Beobachter einig sind, daß der enorme Stimmenzuwachs der FPÖ einerseits auf Enttäuschung früherer SPÖ-Wähler über die nach Kreisky notwendige "Streicher"-Politik einerseits und die Ausgrenzungspolitik Vranickys zurückzuführen ist.
In der Folge war der SPÖ der Pakt mit den Blauen/Braunen zur von beiden angestrebten Demontage der ÖVP sehr nützlich, weshalb der Obmann des instrumentalisierten parl. Untersuchungsausschusses, Martin Graf, prompt mit dem Posten eines 3.NR-Präs. belohnt wurde. Prompt wurde er wiederum von der vereinten Linken Rot/Grün angepinkelt!

Hoffentlich kapieren jetzt Strache und Graf bzw. die FPÖ in Vorarlberg und Salzburg bei weiteres "Bündnisangeboten" der Roten, wohin die Reise ge

Gast: machmuss verschiebnix
12.01.2009 20:35
0 0

Die politische Hygiene macht seltsamerweise halt,


vor dem politischen versumpften Augiasstall der SPÖVP .
Das Haider -Schüssel Gespann wäre
in der Tat kräftig genug gewesen, die Herkules-Tat zu vollbringen.

Mit Hilfe des von der "Demokratur" verordneten Antifaschismus, konnte die Gefahr des Säuberns gerade noch mal gebannt werden.

Es ist einfach lächerlich, daß ein geistig gesunder Zeitgenosse nicht
durchschauen sollte, welch banale Hintergründe das erbärmliche
Antifa-Gehabe in Österreich hat.

Es gibt am laufenden Band Vorfälle, wie z,.B in der Zeit der
Fuchs-Bomben, da wurden wieder und wieder dieselben paar
Rechts-Radikalen festgenommen , verhört , freigelassen.
Das mutet an wie eine Art kollektiver Realitätsverlust - ein
sektiererischer Massenwahn, der um Alles in der Welt das
Nazi-Feindbild am Leben erhalten will.

Wenn das kein Antifaschismus von der idiotischen Art ist, was dann?


Gast: machmuss verschiebnix
12.01.2009 19:52
0 0

einfach lächerlich

soll ein Verbots-Gesetz dazu gut sein, einer handvoll
Primaten, die irgendwo in einem Wald Wehrsport-Übungen machen,
ein minimum an Intelligenz einzuhauchen ?
Und sind diese Leute wirklich so eine Gefahr für eine gesunde
Demokratie ? Man erinnere sich , wie oft die zur Zeit der
Fuchs-Bomben verhaftet wurden - wieder und wieder . Wenn das
nicht neurotisch war und von der idiotischen art - was dann ?

Wer nicht kapiert, welch banale Hintergründe dieser letzklassige
"Kampf" gegen Haider-Schüssel hatte, der möge dringend
einen genaueren Blick auf Polit-Filz SPÖVP werfen. Vielleicht
dämmert's dann, woran Österreich kränkeltt und was die
Demokratie wirklich gefähren kann.

n0vem8er
12.01.2009 19:23
0 0

Fleischhacker hat aber doch Recht: Wir haben kein Naziproblem

Die Probleme der Zeit: Himmelschreiende Armug und Ungleichverteilung des Reichtums, Abholzung der Regenwaelder, Geistlosigkeit, Uebermaessiger Erfolgsdruck, Finanzkrise, Erderwaermung, Globalisierung, Spezialistentum, Desinteresse, Vergesellschaftlichung und Tod des Individuums und viele andere.

Keine Probleme der Zeit: Nazis. Nur ein paar dumme Buben.

So einfach.

Logos21
12.01.2009 19:13
0 0

Herr Walser setzt fort ...

... wo seine GenossInnen aufgehört haben:
"Die Wahl Martin Grafs durch SPÖVP lag ganz auf der Linie von Burger und Fleischhacker." Wissen sie was diese dummdreiste Unterstellung ist, Herr Walser: „affektierter Antifaschismus der idiotischen Art“.
+
Wer Herrn Graf (den braunen Sozialisten) für "untragbar" hält, muss auch Glawischnigg, Pilz und Co., diese ganze Partie der radikalen Roten Sozialisten, als "untragbar" qualifizieren.
Herr Walser - ein Muster der Heuchelei.

Mehr Gastkommentare:

Top-News