12.02.2012 02:23 | Meine Presse Merkliste0

Geschäfte mit dem Mullah-Regime

STEPHAN GRIGAT (Die Presse)

Österreich und Deutschland spielen eine Avantgarde-Rolle bei der Unterstützung des iranischen Regimes.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die „Islamische Republik“ hätte sich im Iran kaum 30 Jahre an der Macht halten können, wenn ihr aus Europa nicht mit politischer Nachsicht und ökonomischer Kooperation begegnet worden wäre. Gerade Österreich und Deutschland haben eine Avantgarde-Rolle bei der Unterstützung eines Regimes gespielt, das nicht erst seit Ahmadinejad, sondern seit 1979 zur Vernichtung Israels aufruft, Minderheiten, Gewerkschafter, Oppositionelle und Homosexuelle systematisch verfolgt, Männer und Frauen dem Tugendterror der Scharia aussetzt und mit seinem Nuklearprogramm, das auch während der achtjährigen Präsidentschaft des „gemäßigten“ Mohammed Khatami fortgesetzt wurde, eine existenzielle Bedrohung für den Staat der Shoa-Überlebenden darstellt.

Der Grundstein für das gute Verhältnis Österreichs zur Mullah-Diktatur wurde bereits kurz nach der Machtübernahme Khomeinis gelegt. Kreisky äußerte nach dem Sturz des Schahs, für Österreich habe sich nichts geändert, denn man habe mit dem Iran als Staat Beziehungen, nicht mit der jeweiligen Regierung. Als die USA aufgrund der Besetzung ihrer Botschaft in Teheran Sanktionen gegen den Iran verhängten und die westlichen Staaten aufforderten, sich zu beteiligen, verwies Österreich auf seine Neutralität, was in Teheran honoriert wurde. Als Ergebnis dieser Politik war Wien in den 80er-Jahren eines der Zentren, über welches das Khomeini-Regime Wirtschaftskontakte zu anderen europäischen Ländern knüpfte.

1984 besuchte Erwin Lanc als erster westlicher Außenminister den Iran. Sein deutscher Amtskollege Genscher folgte ihm nur einen Monat später, und bis heute ist die BRD der wichtigste westliche Handelspartner des Iran. 1987 stattete Ali Akbar Velayati Österreich den ersten offiziellen Besuch eines iranischen Außenministers im westlichen Ausland seit der Revolution ab. 1991 war es der österreichische Bundespräsident mit Wehrmachts-Vergangenheit, der als erstes westliches Staatsoberhaupt dem Regime in Teheran seine Aufwartung machte. Er legte am Sarkophag Khomeinis einen Kranz nieder, und seine Visite bildete den Auftakt für weitere Besuche ranghoher Politiker aus anderen westeuropäischen Staaten.


Mitschuld am Machterhalt

Als vor 20 Jahren ein Kommando der „Islamischen Republik“ Abdel Rahman Ghassemlou und seine Begleiter in Wien erschoss, wollte man die guten Beziehungen zu den Ajatollahs nicht aufs Spiel setzen. Bis heute warten die Angehörigen des Chefs der Demokratischen Partei Kurdistan-Iran auf eine adäquate strafrechtliche Verfolgung der Mörder. Peter Pilz hat Hinweise vorgelegt, dass Ahmadinejad an den Morden direkt beteiligt war. Dieser ließ daraufhin ausrichten, dass es sich bei allen, die Anschuldigungen gegen ihn erheben, um „zionistische Elemente“ handele. Österreichs Botschafter in Teheran wurde ins iranische Außenministerium zitiert, am nächsten Tag erklärte das Justizministerium in Wien, es werde nicht gegen Ahmadinejad ermittelt.

Derartige Unterwürfigkeit gegenüber dem Mullah-Regime bereitet bis heute den Boden für die österreichischen Geschäftsbeziehungen mit der „Islamischen Republik“. 650 österreichische Unternehmen sind im Iran aktiv. Die OMV hält trotz massiver Kritik an ihrem geplanten Milliardendeal fest. Und die Raiffeisenbank ist nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ für die Geschäfte jener europäischen Banken eingesprungen, die sich aus dem Iran zurückgezogen haben. Ebenso wie jene Politiker, die nichts gegen Geschäfte mit dem iranischen Regime unternehmen, sind all diese Firmen mitverantwortlich dafür, dass sich die Ajatollahs auch nach 30 Jahren Terror an der Macht halten können und heute kurz davor stehen, sich jene Mittel zu beschaffen, mit denen sie ihre Vernichtungsfantasien gegen Israel in die Tat umsetzen könnten.

Stephan Grigat ist Mitherausgeber von „Der Iran – Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer“ und arbeitet für www.stopthebomb.net.


meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2009)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

5 Kommentare
Gast: franzi
19.02.2009 19:03
0 0

österreich geht in die knie vor einem terror-staat

es ist wahrlich eine schande, dass sämtliche regierungen österreichs mit diesem terror-staat zusammenarbeiten und vor diesem in die knie gehen.

dieser terror-staat schreckt vor keine graumsamkeiten zurück: im krieg gegen den irak, wurden tausende einheiten von minderjährigen in minenfelder geschickt, heute noch werden kinder mit dem tode bestraft, sexuelle und religiöse minderheiten werden verfolgt und umgebracht.

dieses regime lebt vom terror den es selbst produziert, im namen einer terroristischen auslegung eines relig. buches.

Weinheber
10.02.2009 11:17
0 0

Solange die USA

mit den Mullahs die besten Geschäfte machen, ist Herr Grigat bzw. sein Artikel nicht ernst zu nehmen.

Ganz nach der Methode: Haltet den Dieb oder was Jupiter erlaubt ist, darf das Rind noch lange nicht.

Um Herrn Grigat auf die Sprünge zu helfen, sei angemerkt, dass Coca-Cola ziemlich ungeniert, Cisco, Caterpillar, Microsoft, Fairchild etc gut getarnt in Teheran ihre Niederlassungen haben und ihre Geschäfte abwicklen als sei nichts passiert.

Und die Krönung: Der Großteil der iranischen Pistazien
(2.größter Exportartikel nach dem Erdöl) werden via Türkei nach Israel exportiert.

Gast: Gast
10.02.2009 10:06
0 0

Israel kauft iranisches Öl

Interessanterweise macht auch Israel geschäfte mit Mullahs!
Erst mit der Waffenlieferung während des Iran-Irak-Krieges und dann mit dem Import von Öl und Pistazien! aus dem Iran:
http://www.n-tv.de/979210.html

http://revolution.haru.homelinux.org/2008/04/wo-kauft-israel-ol/

Ist ziemlich merkwürdig, dass man seine Feinde so fördert oder?

Gast: Valentin
10.02.2009 08:11
0 0

Gute Geschäfte

Iran ist ein aufstrebendes Land mit wertvollen Bodenschätzen und macht beeindruckende Fortschritte in der Weltraumfahrt. Gute Wirtschaftsbeziehungen zum iran sind daher für Österreich von vitalem Interesse. Wenn sich Israel vom Iran bedroht fühlt so ist das nicht unser Problem.

Gast: Christian
09.02.2009 22:40
0 0

Herr Grigat hat leider unseren Kardinal vergessen, der ebenfalls mit den Mullahs in einen religiösen Dialog eintrat!

Kard. Schönborn hatte von den Mullahs sichtlich andere Eindrücke gewonnen als Herr Grigat, für den die Mullah-Herrschaft nach wie vor zur Achse des Bösen zählt. Daß ein klerikal-islamisches Regime den Vorgängen in Palästina nicht unbeteiligt gegenüberstehen wird, war wohl zu erwarten. Das Problem ließe sich wohl auch aus der Sicht der Iraner am besten dadurch lösen, daß man den arab. Palästinenser eine faire Chance für die Bildung eines eigenen Staates auf eigenem Territorium gibt. Das wäre doch wohl eine bessere Chance als die westliche Taktik des weiteren Zuschauens, bis auch der letzte Araber aus den besetzten Gebieten jegliche Hoffnung aufgibt und nach Mitteleuropa auswandert!

Und was die Gefahr einer atomaren Aufrüstung anlangt: warum sollten gerade Geistliche den finsteren Plan hecken, die Bevölkerung von Nachbarstaaten (oder gar Europas) durch Raketen mit Atomsprengköpfen auszurotten, wo doch diesbezügliche Vorkehrungen den "Weltmächten" vorbehalten blieben?

Hinweis

  • Der Inhalt von Gastkommentaren spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider und entspricht nicht zwangsläufig der Meinung der "Presse".

Mehr Gastkommentare:

Top-News