12.02.2012 02:22 | Meine Presse Merkliste0

Und wieder haben die Juden Schuld...

SIMONE DINAH HARTMANN (Die Presse)

Replik auf „Der rationale Iran“, von Gerhard Mangott, 16. Februar.

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Mit großem Eifer versucht Gerhard Mangott, die Bedrohung durch einen nuklear bewaffneten Iran kleinzureden. So landet auch er schließlich bei der sattsam bekannten Täter-Opfer-Umkehr, die aus den Verfolgten die Verfolger macht. Israel könne sich seiner Verantwortung nicht entziehen und solle einen Beitrag zu einer friedlichen Lösung mit dem Iran leisten, wozu die derzeitige Führung aber nicht fähig oder bereit sei.

Wenn es nach Mangott geht, sollen also die Israelis besser heute als morgen die Koffer packen. Denn nur so könnte für das iranische Regime eine friedliche Lösung aussehen. Seit dreißig Jahren huldigt das Regime in Teheran einem Antisemitismus, der ein konstitutives Element der Islamischen Republik bildet. Man fragt sich, warum der Iran Terrorgruppen wie Hamas und Hisbollah unterstützt, wenn die Vernichtung Israels nicht zur Leitlinie der iranischen Außenpolitik zählt. Aber vielleicht haben die Israelis nur Interpretationsschwierigkeiten, wenn, wie in der Hamas-Charta, offen zum Judenmord aufgerufen wird. Vielleicht verstehen sie Hassan Nasrallah, den Chef der Hisbollah, nur falsch, wenn er die Vernichtung Israels zur Vorbedingung eines jeden Friedens in Nahost erklärt.

Will Mangott ernsthaft, dass sich die Israelis darauf verlassen, dass das iranische Regime und seine Verbündeten ihre Vernichtungsdrohungen schon nicht so ernst meinen werden? Soll man sich gegenüber einem Regime auf Abschreckung verlassen, das nicht davor zurückscheute, die eigenen Kinder als lebende Minenräumkommandos auf die Schlachtfelder zu schicken, um als Märtyrer den Weg zu Allah zu finden; dessen Begründer Khomeini verlautbarte, der Iran könne ruhig untergehen, wenn nur der Islam den Sieg im Kampf gegen die Ungläubigen davontrage? Wie kann man nach der Erfahrung mit den Nazis die Vernichtungsdrohungen Ahmadinejads zum bloßen „Gefasel“ verniedlichen, wie Mangott es wiederholt tut? Und warum suggeriert er stets, die Vernichtungsdrohungen würden nur vom „ohnehin marginalisierten Präsidenten“ stammen, wo er doch wissen wird, dass dieser Präsident vom obersten geistlichen Führer Khamenei unterstützt wurde, und dass es von Khamenei als dem eigentlichen starken Mann im Iran ganz ähnliche Aussagen hinsichtlich Israels gibt?


Gefährliche Kombination

Es ist auffällig, dass der Vergleich mit anderen autoritären Staaten immer ins Feld geführt wird, wenn es darum geht, Geschäfte mit dem Iran zu rechtfertigen. Mangott scheint es völlig egal zu sein, mit wem man Verträge abschließt, sei es mit jenen, die die Gelder des Westens in den Krieg gegen ihn investieren, oder mit jenen, die den starken Staat nach innen repräsentieren. Russland kann sich bei allem autoritären Gehabe mit den jihadistischen Kräften im Nahen und Mittleren Osten nicht messen. Was das iranische Regime so gefährlich macht, ist die Kombination von apokalyptischem Märtyrertum, Antisemitismus und dem Streben nach der Technologie der Massenvernichtung. Dass man dabei auch ganz pragmatisch an die Sache herangeht, spricht nicht für die Rationalität des Regimes, sondern ist Zeichen dafür, mit welcher Beharrlichkeit das Regime seine Ideologie verfolgt.

Umfassende Sanktionen sind die letzte verbliebene friedliche Möglichkeit, um nicht jenen Albtraum Realität werden zu lassen, den ein nuklear bewaffneter Iran nicht nur für seine unmittelbare Nachbarschaft, sondern für die ganze Welt bedeuten würde. Konsequente Sanktionen könnten dem Regime den Geldhahn zudrehen und so das Nuklearprogramm stoppen. Notwendig wären sie insbesondere im Energiesektor, aber auch im Bankensektor, in dem Österreich die unrühmliche Rolle zugefallen ist, die Geschäfte anderer europäischer Geldinstitute weiterzuführen, nachdem sich diese aus dem Iran zurückgezogen haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2009)

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8 Kommentare
Gast: gast
20.02.2009 11:26
0 0

So weit erkennbar,

wird Palästina um eine "ethnische Säuberung" nicht herumkommen, da ein friedliches Miteinander unmöglich scheint.
Die Frage ist nur, wer vertrieben wird ..

Gast: valentin
20.02.2009 08:10
0 0

Israel boykottieren

Es ist völlig richtig: Umfassende Sanktionen müssen verhängt werden. Aber nicht ggen den Iran, sondern gegen Israel. Dieser Staat hat in Palästina ein Apartheidssystem errichtet. Gaza und der Westbank ist die Rolle der Homelands zugedacht. Die Palästinenser dürfen den Israelis als billige Arbeitskräfte dienen. Radikale Siedler reißen nach Belieben Land an sich. Wenn sich dagegen Widerstand regt, wird bombardiert - ohne Rücksicht auf Verluste. Dass nun Avigdor Liebermann, der sogar die Staatszugehörigkeit der von israelischen Staatsbürgern in Frage stellt, nur weil sie keine Juden sind, bei den Wahlen massiv gewonnen hat und vor dem Eintritt in eine neue Regierung steht, passt gut in dieses Bild. Spätestens dann ist der Zeitpunkt gekommen durch umfassende Sanktionen, wie einem Waffenembargo, Handelsbeschränkungen, Ausschluß israelischer Sportler von internationalen Veranstaltungen, Abbruch der diplomatischen Beziehungen etc. diesem Regime Einhalt zu gebieteen

Gast: Christian
19.02.2009 23:36
0 0

Der übliche rhetorische Trick: die Übertreibung.

Gehen wir doch einmal von den Fakten aus: Israel unterhält - in mehreren Kriegen erwiesen - die schlagkräftigste, modernste und mit Atomwaffen ausgerüstete Armee des Nahen Ostens. Es hält seit Jahrzehnten ein erobertes Gebiet besetzt und trifft keine Anstalten, sich von dort wieder zur Gänze zurückzuziehen! Die 10 Jahre allierter Besatzung schienen uns Österreichern eine Ewigkeit! Die Palästinenser ertrugen viel länger die israelische Besatzung. Ist es ihnen zu verdenken, wenn sie mangels jeder realistischer Hoffnung zu den Waffen greifen! Da sie nicht über die finanziellen Mitteln der Israelis verfügen, wehrten sie sich (wie weiland die O-Europäer gegen die Nazis) mit Terroranschlägen und Partisanentätigkeit! In offener Feldschlacht sind sie unbestritten unterlegen! Jeder Staat hat das Recht, bei Kriegen Partei zu ergreifen! Israel wird von vielen Staaten unterstützt; warum sollte der Iran seine Glaubensbrüder im Nahen Osten nicht unterstützen! deshalb plant er ja nicht den Weltunterg

Antworten Ophicus
20.02.2009 09:47
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Re: Der übliche rhetorische Trick: die Übertreibung.

Die Palästinenser haben aber nicht erst nach 10 Jahren Besatzung zu den Waffen gegriffen sondern schon vorher. Und sie haben die Waffen nie niedergelegt - anders als etwa die Österreicher, bei denen die Besatzung auch darum wieder vorbei gegangen ist.
Dazu kommt das - immer wieder gerne unterschlagene - Detail, dass die Palästinenser nicht gegen die Besatzungsarmee kämpfen sondern gegen die Zivilbevölkerung.
Natürlich kann der Iran solche Vorgangsweisen aktiv unterstützen, wenn er will. Genauso kann aber der Rest der Welt den Iran wegen solcher Umtriebe sanktionieren. Immer vorausgesetzt der Rest der Welt findet gezielten Terror gegen Zivilisten nicht so toll wie der Iran.

Antworten Antworten Gast: Christian
20.02.2009 23:03
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Re: Re: Der übliche rhetorische Trick: die Übertreibung.

Ich nehme an, auch Sie haben die zahllosen FS-Berichte über das Ausmaß der Zerstörungen durch israelische Flugzeuge und Panzer in Palästina gesehen. Bilder von derartigen Zerstörungen in Israel gibt es nicht, weil die Pali-Primitiv-Raketen im Regelfall auf unbebautem Gebiet niedergehen! Und da wollen sie allen Ernstes behaupten, daß nur die Palis gegen die Zivilbevölkerung vorgehen?

Natürlich bin ich dagegen, wenn ein blindwütiger Terrorist unbeteiligte Menschen tötet! Aber agiert nicht vor allem die israelische Armee blindwütig! Wollen Sie etwa abstreiten, daß den rund 1 300 Toten (hauptsächlich Zivilisten) 3 Tote auf palästinensischer Seite gegenüberstehen? Wer sind also in Wahrheit die Terroristen? Oder um es mit Kreisky zu sagen: Wundern Sie sich, wenn die Palis auf diesen Terror mit Gegenterror antworten? Wie verzweifelt müssen wohl Menschen sein, wenn sie bereit sind, ihr Leben zu opfern!
Mich schaudert vor ihrer Mitleidlosigkeit!

Antworten Antworten Antworten Gast: Dave DelMondo
21.02.2009 17:10
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Re: Re: Re: Der übliche rhetorische Trick: die Übertreibung.

Wie sehr müssen Menschen verblendet sein, wenn sie die Bereitschaft zum Selbstopfer - das ja wohlgemerkt im Fall des Selbstmordattentats immer mit mit der Tötung anderer Unschuldiger verbunden und im wahrsten Sinn des Wortes ein Opfer für das Kollektiv und nicht einfach ein individueller Freitod ist - als Ausdruck höchster Verzweiflung betrachten - und nicht vielmehr als blutrünstigen religiös-ideologischen Wahn?!

Antworten Antworten Antworten Ophicus
21.02.2009 14:04
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Re: Re: Re: Der übliche rhetorische Trick: die Übertreibung.

Man kann geteilter Auffassung sein wie korrekt oder böse Israel sich verhalten hat. Die Behauptung Israel hätte mit dem Terror angefangen ist aber ziemlich schwach und die Darstellung des Gegenterrors als Verteidigung angesichts der Ziele dieses Terrors einfach nur dumm. Dass die Palästinenser ihre Ziele meist nicht treffen ändert daran nicht viel.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Christian
28.02.2009 15:02
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Re: Re: Re: Re: Sie kommen zu einer Rauferei und sehen den einen verlieren:

Beschimpfen Sie dann den Verlierer, weil er die Prügel bezieht?

Wer hat angefangen? Hätte Herzl nicht die Bewegung des Zionismus begründet, wäre Palästina immer noch ein rein arabisches Land!

Die Araber waren, und das ist ein geschichtllicher Fakt, mindestens 1 Jahrtausend (!!) im ruhigen und unbestrittenen Besitz von Palästina!

Wer hat also angefangen?

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