25.05.2012 18:47 | Meine Presse Merkliste 0

Migration oder Menschenhandel

MARY KREUTZER (Die Presse)

Österreich kämpft – wogegen eigentlich?

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Grace war gerade 19 Jahre alt, als ihr ein enger Vertrauter der Familie in Benin City, Südnigeria, das verlockende Angebot unterbreitete, Papiere, Transport und eine Karriere als Handballerin in Europa zu organisieren. Kurz darauf saß sie im Flugzeug, mit gefälschten Papieren, und landete über Umwege in Wien. Es war keine Karriere als Sportlerin, die auf sie wartete, sondern die Arbeit in der Zwangsprostitution. Ihre Weigerung, als Sexsklavin am europäischen Straßenstrich eine Summe von 45.000 Euro sogenannter „Reiseschulden“ abzuarbeiten, kam ihr und ihrer Familie in Nigeria teuer zu stehen.

Als Innenministerin Fekter, einige ihrer europäischen Kollegen und Kolleginnen sowie Mitarbeiter der IOM und OSZE, Europol und BKA am Montag ihr Projekt zur Erarbeitung von Richtlinien für das Sammeln von Daten zum Menschenhandel und für bessere „Täter- und Opferprofile“ präsentierten, blieb ein schaler Nachgeschmack übrig. Es sollen nun also EU-weit unter österreichischer Federführung Zahlen gesammelt, Statistiken erstellt und Profile erarbeitet werden, angeblich, um die moderne Sklaverei zu bekämpfen. Den Betroffenen wird dadurch, dass sie gezählt werden, definitiv nicht geholfen.


Gewalt gegen die Opfer

Die Frage ist, ob Europa mit dieser „neuen“ Maßnahme Menschenhandel oder viel eher Migration aus dem Süden und dem Osten stoppen will. Entlarvend ist hierbei, dass die Ministerin kein Wort über jene dringend anstehenden und seit Jahrzehnten geforderten Maßnahmen verlor, die strukturelle und individuelle Gewalt gegen die Betroffenen effektiv verhindern würden. Es geht um Frauen, Männer und Kinder, die als Zwangsarbeiter in Fabriken, Bordellen, Haushalten, Ehen, im Organhandel und in anderen Formen des Menschenhandels ausgebeutet werden.

Um den Betroffenen rasch, nachhaltig und präventiv zu helfen, müsste zu allererst der Opferschutz verbessert werden. Ohne entsprechenden staatlichen Schutz sind die allerwenigsten Opfer bereit, eine Aussage vor Gericht zu riskieren. Auch im Bereich der Korruption an österreichischen und anderen europäischen Botschaften in den Herkunftsländern stehen dringend Reformen an, Stichwort Visa-Skandal. Weiters wird das florierende Business Menschenhandel anwachsen, solange es nicht ausreichend legale Möglichkeiten gibt, nach Europa zu migrieren, ohne auf die Menschenhandels-Mafia und ihre korrupten europäischen Handlanger zurückgreifen zu müssen. Und letztendlich werden Frau Minister Fekter und ihre Kollegen nicht umhinkommen, sich mit der Nachfrage am Markt der Ware Mensch, dem Rassismus der Nutznießer, der wirtschaftlichen Ausbeutung der Herkunftsländer auseinanderzusetzen. Doch von all dem war in den jüngsten Ankündigungen im „Kampf gegen den Menschenhandel“ kein Wort zu hören.

Grace, in Wien im Jahr 2000 gelandet, hat ihre Geschichte vor Jahren den österreichischen Asylbehörden erzählt. Bis heute wird sie von ihrer Zuhälterin drangsaliert. Ihr Bruder in Nigeria wurde angeschossen. Er überlebte und versteckt sich seither in der Megacity Lagos. Ihre Schwester in Benin City wird permanent bedroht. Das Haus ihres Großvaters wurde zerstört, er starb kurz darauf an einem Herzinfarkt. Doch Österreich schaut weg: Graces Asylantrag wurde immer noch nicht beschieden, ihr Schicksal ist unentschieden. Sie wird vom Verein Exit betreut, dessen Gründerin Joana Adesuwa Reiterer und ihre Mitarbeiterinnen auf rein ehrenamtlicher Basis ihr Bestes geben. Staatliche Basisfinanzierung gibt es für Exit nicht. Auch hier wird deutlich, wo es realen Änderungsbedarf gäbe, läge der Fokus auf den Opfern, und nicht auf der Bekämpfung illegaler Einwanderung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.02.2009)

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15 Kommentare
crow
02.03.2009 19:22
1 0

Möglichkeiten, legal nach Europa zu migrieren

Ich halte es nicht für sinnvoll, alle die wollen nach Österreich/EU zu holen. Die einzige nachhaltige Lösung kann nur sein, die Lebensbedingungen in den Heimatländern der Migrationswilligen zu verbessern.

joquer
26.02.2009 12:53
0 0

Einwanderung

"Weiters wird das florierende Business Menschenhandel anwachsen, solange es nicht ausreichend legale Möglichkeiten gibt, nach Europa zu migrieren, ohne auf die Menschenhandels-Mafia und ihre korrupten europäischen Handlanger zurückgreifen zu müssen."
Die Frage ist nur, was ausreichend legale Möglichkeiten bedeutet - zugegeben, das Thema Einwanderung scheint mir in der EU und besonders Österreich nicht vernünftig geregelt, allerdings würden auch und gerade bei einer vernünftigen Regelung noch weit mehr Menschen in die EU wollen als eine Einwanderung bewilligt bekämen...

Antworten Gast: Gast
26.02.2009 17:02
0 0

Re: Einwanderung

Trotzdem: es wären nicht mehr ausschließlich die Schlepper oder die Menschenhändler*innen, die alle Macht über die Migrant*innen und auch die Flüchtlinge hätten.

Und zweitens: es wollen nicht alle nach Europa. Das ist ein Mythos. Und jene, die nach Europa wollen, und bei der Fahrt überleben, finden SEHR WOHL Arbeit, und zwar alle.

Am Bau, am Strich, in der Landwirtschaft, etc. Überall ohne Papiere, damit die Chefs keine Steuern zahlen müssen. Überall als Billiglohnsklaven.

Also Arbeit gibt es. Diese müsste legalisiert und mit Arbeiterrechten ausgestattet geboten werden. Die Ösis nehmen sowie keinen dieser Jobs an.


Gast: Realist
26.02.2009 07:19
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Dieses Geschäft lohnt nur solange,

solange die Lobby des Bevölkerungsaustausches durchsetzt, daß illegale Einwanderer im Land bleiben. Würden diese Leute am nächsten Tag zurückgeschickt, wäre illegale Einwanderung nicht mehr rentabel und vor allem nicht zur Nachahmung empfohlen. So könnte man derartige Erscheinungen im Keime abstellen.

Der Wunsch, uns Europäer durch möglichst fremde Zuwanderung zur Minderheit im eigenen Land zu machen und letztlich aus der Evolution zu schmeißen, scheint aber vorrangig zu sein.

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Re: Dieses Geschäft lohnt nur solange,

aus der Evolution?? also entweder du hast keine Ahnung wovon du sprichst, oder du hältst die Europäer für eine eigene Art. Beides äußerst bedenklich.

Gast: Lausbub
26.02.2009 01:17
0 0

Was kann Österreich dafür, daß Grace ohne österr. Zutun einem nigerianischen Gauner aufgesessen ist.

Grace hat nicht einmal echte Personaldokumente hat hat sicherlich die österr. Behörden bei der Einreise angeschwindelt. Zwangsprostitution ist so leicht dahin gesagt: wenn das so ist, hätte sie bei den österr. Behörden Strafanzeige machen sollen. Und für alle diese Lügen will Grace keine Verantwortung übernehmen und Leute für ihre Schicksal verantwortlich machen, die damit nichts zu tun haben.

Prositution ist kein ehrsames Gewerbe. Leute, die sich zu so etwas hergeben, sind in unserer Gesellschaft sicherlich nicht angesehen. Warum sollte man Grace, die uns angeschwindelt hat und offenbar keine moralischen Grundsätze hat, gegenüber anderen, ehrlicheren Leuten, die trotz ehrlicher Arbeit in Not sind, bevorzugen?

Artikel wie diese zeigen, daß Jahrhunderte lang hochgehaltene Werte wie Familie und eigene Nachkommen, Vaterland, Nation etc. für linke "Fortschrittliche" gerade für Leute nicht mehr gelten, die sich um den Bestand jeder seltenen Unterart u Gattung aus Flora u. Fauna sorgen

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Re: Was kann Österreich dafür, daß Grace ohne österr. Zutun einem nigerianischen Gauner aufgesessen ist.

also durch Prostitution verliert man seine Ehre...als nächstes verlangt Lauisbub noch, dass sie gesteinigt wird....

Antworten Gast: aus Zürich
26.02.2009 08:15
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Re: Was kann Österreich dafür, daß Grace ohne österr. Zutun einem nigerianischen Gauner aufgesessen ist.

Wie kann man nur so dumm sein, und rein GAR NICHTS verstehen?
Abgesehen von Ihren kruden Ansichten, was "eigene Nachkommen", "Vaterland" und "nicht ehrsame Gewerbe" betrifft,
sind Sie auch noch zu blöd, einen eigentlich in Ihrer Muttersprache verfassten Artikel zu verstehen. Deutsche Sprache schwere Sprache, gell?
Das Wort "Weigerung" verstehen Sie nicht, gell?

Und das hier ist wohl ihr Herr Papa:
http://www.youtube.com/watch?v=mQHpkwuwZ3E&eurl

Tja, die Integration funktioniert in Österreich wirklich überhaupt nicht. Ich sags immer wieder: gratis Deutsch-Kurse und Resozialisierungsprojekte für Österreicher, dringend!!!

Ui "Resozialisierung", a woooos isssn des häää??!!

Antworten Antworten luda2010
30.09.2010 20:04
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Re: Re: Was kann Österreich dafür, daß Grace ohne österr. Zutun einem nigerianischen Gauner aufgesessen ist.

Linke für einen Kampf gegen rechte. aus dem bedürfnis sich als anti-rechts zu beweisen, verteidigt man die "gegner". so macht es die USA in Afganistan (Taliban unterstützen nur um gegen die UdSSR zu kämpfen).

wer im ASYLbereich gearbeitet hat, weiß das die ganze Situation nicht so eindeutig ist: Opfer + Täter-Rollen sind selten eindeutig zuzuordnen, sondern es geht immer um grau-zonen

Antworten Antworten Gast: LAUSBUB
28.02.2009 14:54
0 0

Re: Re: Daß Ihnen die seit Jahrhunderten hochgehaltenen Wert (Ehe, Familie, Nachkommen, Vaterland etc.)

nichts mehr bedeuten, ist evident. Damit sind Sie auch im globalen Maßstab gesellschaftlich isoliert! Es fehlt bloß, daß Sie sich auch noch am Eigentumsbegriff stoßen!
Sie wollen alle staatsbürgerlichen Rechte mit der ganzen Welt teilen und übersehen, daß wir von den wohlhabenden Staaten dieser Welt vom Mitbesitz an den Bodenschätzen dieser Erde und den Landresourcen, die diesen Staaten Wohlstand und gesunde Umwelt bringen, ausgeschlossen werden.

Solange es also souveräne Staaten gibt, sollte man die Wirtschaftsflüchtlinge proportional zu den Bodenschätzen und Landreserven auf alle Staaten dieser Erde aufteilen. Das wäre "Weltbürgerschaft"!

Gast: Herman Bauer
25.02.2009 20:47
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Ein Schritt voraus...

Ich glaube mit dem Artikel gehen Sie überhaupt schon weiter als die EU. Allein schon von "Frauen, Männern und Kindern" zu sprechen, schafft die EU nicht obwohl sie es sollte. Wenn ich mich richtig erinnere ist bei der EU immer nur von "Frauen und Kindern" die Rede. Wie dann die Statistiken aussehen, dürfte klar sein.

Gast: aus Zürich
25.02.2009 18:54
0 0

Ware Frau

Das Buch "Ware Frau" von Kreutzer und Milborn ist zur Zeit als Wissenschaftsbuch des Jahres in der Kategorie Geistes-/Sozial-/Kulturwissenschaften nominiert.

Publikumsvoting gibt's hier:
http://www.woche-des-wissens.at/

------------

Auszüge aus Rezensionen sind auf Amazon zu finden:
http://www.amazon.de/Ware-Frau-Spuren-moderner-Sklaverei/dp/3902404574/ref=cm_pdp_review_teaser_product

Antworten Gast: Lausbub
26.02.2009 01:25
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Re: Ist die Corinna Milborn nicht eine der vielen linken Moderatoren,

die jede ORF-Debatten zum linken Scherbengericht vorkommen läßt?

Eine Buch mit der Behauptung, daß Frauen nur unter Zwang als Huren arbeiten, werde ich mir sicher nicht kaufen!

Antworten Antworten Gast: Gast
26.02.2009 08:03
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Re: Re: Ist die Corinna Milborn nicht eine der vielen linken Moderatoren,

Na eh. Jemand der nicht lesen kann, soll auch keine Bücher kaufen.

Sie könnten es ja mal mit Hörbüchern probieren.

Sie sind kein "Lausbub" sondern ein sonderlich primitiver rechter Trottel. Mehr ist zu Ihren postings in der Tat nicht zu sagen.

Gast: Gast
25.02.2009 18:43
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Österreich als Vorreiter?

Ich hab das Buch "Ware Frau" von Mary Kreutzer und Corinna Milborn gelesen und fand die Geschichten der 8 Frauen und Mädchen sehr beeindruckend, und bedrückend. Dass Grace auch heute, ein Jahr nachdem ihre Geschichte publik gemacht wurde, immer noch keinen Aufenthaltstitel hat und nach wie vor abgeschoben werden könnte (direkt in die Arme jener Leute, die ihren Bruder fast umbrachten) ist schockierend. Österreich präsentiert sich gern als Vorreiter, doch wenn man genauer hinsieht, sieht es anders aus. Siehe "Ware Frau". Würd mich sehr interessieren, was aus allen anderen Frauen geworden ist, z.B. aus Blessing, die durch die Wüste, also durch die Hölle, gehen musste, bevor sie am Straßenstrich ausgenommen wurde, und danach abgeschoben...
Ich wünsche Grace das aller aller beste, und dass sie ein neues Leben aufbauen kann. Und nicht nur eine Zahl in der Statistik von Minister Fekter.
Auch dem Verein Exit wünsch ich alles Gute!!! Ich hörte die Leiterin heute auf Ö1, eine mutige Frau!

Hinweis

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