25.05.2012 18:48 | Meine Presse Merkliste 0

Anas Schakfeh: Der alte Mann und die Macht

THOMAS SCHMIDINGER (Die Presse)

Anas Schakfeh ist kein Ideologe. Ihm geht es nur um Macht und Loyalität. Kommentar von Thomas Schmidinger.

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Anas Schakfeh hat selbst den letzten Akt dieses Dramas eröffnet, das in der Geschichte schon in den verschiedensten Konstellationen aufgeführt wurde. Der Hauptdarsteller: Ein machthungriger alter Mann, der nicht einsehen will, dass seine (Amts-)Zeit abgelaufen ist, und der die Welt lediglich in loyale Freunde und widerspenstige Feinde einzuteilen gelernt hat. In den Nebenrollen: eine Gruppe von Profiteuren um den zunehmend weltfremder agierenden alten Mann, die ihn aber so lange halten, wie sie selbst noch von ihm profitieren können, eine stetig größer werdende Schar von Kritikern, die auch aus dem inneren Kreis stammen, jedoch bei der leisesten öffentlichen Kritik mit dem Bannstrahl des Herrschers belegt werden, und die Zuschauer, die den alten Mann am Anfang des Stückes als unumschränkten Sonnenkönig zu sehen bekommen hatten, während er sich vor ihren Augen immer mehr in eine Karikatur der Macht verwandelt.

Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) hat es lange geschafft, der Öffentlichkeit weiszumachen, er wäre der unumstrittene Herr über 400.000 Muslime. Wer „den Islam“ nicht nur aus Funk und Fernsehen kannte, sondern mit realen Muslimen zu tun hatte, wusste schon lange, dass es sich bei diesem Bild um ein Potemkinsches Dorf handelte und die Mehrheit der Muslime in Österreich nicht einmal wusste, wer denn diese Glaubensgemeinschaft wäre, und sich lediglich ein Prozent der angeblich vertretenen Muslime auch an Wahlen für die Institutionen „ihrer“ Glaubensgemeinschaft beteiligt hatten. Schakfeh selbst ist kein Ideologe. Ihm geht es nur um Macht und Loyalität. Wer immer ihm diese entgegenbringt, ist sein Freund, wer Kritik übt, wird in geradezu atemberaubender Geschwindigkeit zum Feind. Und loyal waren bisher eher autoritäre und politische islamische Organisationen, denn aufgeklärte Muslime kennen neben der Kategorie des loyalen Untergebenen und des bösartigen, hinterhältigen Feindes noch andere Rollen: etwa jene des Kritikers.

 

Endphase einer autoritären Herrschaft

Aly El Ghoubashy ist so ein Kritiker. Der Zeichen- und Religionslehrer ist kein Außenseiter in der islamischen Glaubensgemeinschaft, sondern ist Mitglied des Schura-Rates, einer Art „Parlament“ der Glaubensgemeinschaft, das Schakfeh kaum jemals zu einer Sitzung einberufen hat. Nachdem die Dissertation von Mouhanad Khorchide über den islamischen Religionsunterricht in Österreich bekannt wurde – auch er ist ein „Insider“, der in der Ausbildung von neuen islamischen Religionslehrern tätig ist –, wagte es auch El Ghoubashy, sich in „Presse“ und „Standard“ kritisch zur Rolle der IGGiÖ zu äußern. Zuletzt forderte er am 23.Februar in einem Gastkommentar „als Schura-Ratsmitglied“, dass das Bildungsministerium den „Islamunterricht an öffentlichen Schulen übernehmen sollte, denn die IGG scheint unfähig dafür zu sein“.

Während Schakfeh bei Antisemitismus bei islamischen Religionslehrern erst auf Schritte des Bildungsministeriums selbst reagiert, wurde gegen El Ghoubashy sofort eingeschritten. Zwei Tage später hielt der beliebte Religionslehrer den Entzug seiner Lehrbefugnis in Händen. Schakfeh bemühte sich nicht einmal, die Gründe zu kaschieren. In dem Schreiben ist als Begründung zu lesen, der Religionslehrer habe der IGGiÖ „mutwillig Schaden zugefügt“.

Kritiker aus den eigenen Reihen auf diese Art und Weise aus dem Weg räumen zu wollen gehört zum üblichen Verhalten in der Endphase einer autoritären Herrschaft. Im letzten Akt dieses alten Dramas lässt sich meist der Fall des Autokraten beobachten. Für Schakfeh ist es Zeit, endlich den Platz für Muslime zu räumen, deren Bildung und persönliche Integrität ausreicht, Kritik als wertvolle Möglichkeit zur Weiterentwicklung zu begreifen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.02.2009)

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7 Kommentare
Gast: Zuri
27.02.2009 09:35
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Wer folgt Schakfeh?

Gratuliere zum Artikel. Hat mir gut gefallen und ich sehe es ähnlich wie Schmidinger: Schakfeh ist ein alter, machthungriger und nicht sonderlich gebildeter, in Schwarz-Weiss-Denken verhafteter Despot, dessen Abgang dringend von Nöten ist.
Die Frage ist jedoch, wer ihm nachfolgen wird.
Man kann nur hoffen, dass es ein liberaler Mensch wird, und keiner von jener Gruppe, die Schakfeh jahrelang an der Macht hielten. Die sind nämlich sehr wohl Ideologen, und alle 6 der Moslembruderschaft nahestehend. Also alles andere als liberal. Trotzdem wurden sie bis jetzt von der SPÖ und auch den Grünen extrem hofiert. Hoffentlich wurden diese Förderer der Reaktion in den letzten Tagen eines besseren belehrt. Wenn nicht, dann prost Mahlzeit. Dann kommen noch schlechtere Zeiten auf weltoffene und liberale, sekulare Muslime in Ö zu, als in der Vergangenheit. Das wäre dann allerdings alles andere als lustig.

Antworten Gast: Dr. Hamidi
27.02.2009 20:43
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Re: Wer folgt Schakfeh?

Herr Schmiedinger spricht die Fakten an, die die Muslime selbst sehr gut kennen. Herr Schakfeh ist ein Mensch, der seit Jahren alles allein entscheidet und verantwortet. In der Glaubensgemeinschaft ist kein einziger Mensch, der darüber Bescheid weiss, was Herr Schakfeh wirklich macht. Der zweite Vorstand, Herr Dr. Hamidi ist nur damit beschäfgigt, dass er neben seiner Ordination als Fachinspektor, und Lehrer an der IRPA sein Geld vermehrt und möchte von allem nicht wissen. Der hat auch keinen Grund sich zu schämen. Die anderen Mitglieder des oberstenrates sind auch reichlich versorgt. Herr Schakfeh weiss, wie man solche unfähige Menschen ruhig stellt. Das bedeutet, dass Herr Schakfeh eigentlich keinen Diktator war, sondern durch unfähige MEnschen dazu gemacht worden.

Gast: andi
27.02.2009 01:44
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tolle eigenwerbung, gleich unter den eigenen artikel

aber das ist auch interessant, der deutsche verfassungsschutz über "antideutsche", so wie schmidinger einer ist.
http://www.im.nrw.de/sch/414.htm

Antworten Gast: Herr Karl
27.02.2009 09:31
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Re: tolle eigenwerbung, gleich unter den eigenen artikel

Äh, könnten Sie Ihren Kommentar einmal näher erläutern? Ich verstehe weder warum das Eigenwerbung sein soll, noch was Schmidinger zum "Antideutschen" macht. Schmidinger kommt in dem Film - den ich nicht uninteressant finde der aber eher mit der Hizb ut-Tahrir als mit Schakfeh was zu tun hat - ja nicht einmal vor. Und einfach zu behaupten jemand wäre irgendwas und dann auf den Verfassungsschutz zu verweisen ist auch eine interessante Methode.
Ich behaupte jetzt mal munter "andi" sei Mitglied der Hizb ut-Tahrir und was das ist kann man auch beim deutschen Verfassungsschutz unter http://www.im.nrw.de/sch/575.htm nachlesen. Schakfeh hingegen ist Mitglied von Scientology und auch diese Organisation wird vom deutschen Verfassungsschutz beobachtet: http://www.verfassungsschutz.de/de/arbeitsfelder/af_scientology/
Alles klar?

Antworten Antworten Gast: gast
27.02.2009 10:06
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antwort an "andi"

sehr geehrter herr "andi"!

sie haben in ihren posting vergessen zu sagen, dass schmidinger nicht nur antideutsch ist, sondern auch söldner des mossad, schiitischer mullah, philosemit, proiranisch, cia-agent, millionär, mufti of marxism, aufklärungsfundamentalist, stalinist, und noch viiiieles mehr.
also bitte: wenn sie uns schon "die wahrheit über schmidinger" kundtun, dann aber schon komplett, gell?

:-)))

Gast: Abdullah
26.02.2009 20:33
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Buch und Video

Von der Buchpräsentation des "Handbuch des politischen Islam", das Schmidinger mit Dunja Larise herausgegeben hat (Deuticke, 2009), gibt es übrigens ein interessantes Video von OKTO TV:
http://www.youtube.com/watch?v=Z0Ka3o91RuM

Antworten Gast: gast
27.02.2009 09:39
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Re: Buch und Video

wow, das interview mit dem typ von der hizb'tahrir ist ja lustig. "es kann keinen säkularen islam geben" !!!
aber ich hab ihn auch noch viel ärgere sachen sagen gehört. z.B. dass er für die wiedereinführung des kalifats ist, samt scharia und körperstrafen.

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