25.05.2012 18:55 | Meine Presse Merkliste 0

Abendland, Morgenland und Europa

GASTKOMMENTAR VON JAMELEDDINE BEN ABDELJELIL (Die Presse)

Es ist die Aufgabe der europäischen Akademiker und Intellektuellen, für die Rekonstruktion eines Europa-Diskurses einzutreten, der die Heterogenität der europäischen Identität besonders betont.

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Neu an den letzten Debatten und Äußerungen im Wahlkampf rund um Kreuz und Abendland ist der Kontext: Das „Abendland“ wird hier nicht als Antonym dem „Morgenland“ gegenübergestellt, sondern dem Konzept Europa entgegengesetzt. Es handelt sich hier meines Erachtens um Konstrukte und Diskursformen, die mindestens in einer bestimmten Form keine Erschaffung ex nihilo darstellen. Dies ist ein Konstrukt bzw. ein Diskurs, der eine Revitalisierung eines Abendlandes anstrebt, in dem der andere – in diesem Fall die Muslime und Musliminnen – als eine existenzielle Gefahr für eine propagierte religiöse und kulturelle Puritanität erscheinen. Dieses angerufene Abendland ist ein Abendland, das mit Kreuzzügen und Religionskriegen als Umgangsform mit den Andersgläubigen assoziiert wird; ein Abendland der Pogromen und der Verfolgungen gegen Juden und Jüdinnen – in diesem Fall waren sie die Verkörperung des anderen in Europa; ein Abendland, in dem die heilige Inquisition als tödliches machtpolitisches Instrumentarium gegen Andersdenkende wirkte, die als Häretiker galten wie z.B. Giordano Bruno (gest. 1600) oder die Marranen, die als zum Christentum zwangskonvertierte Juden (Conversos) und Muslime (Moriscos) verfolgt und vertrieben wurden. Ein Bild wie das des Inquisitors mit dem Kreuz hoch erhoben in der Hand blieb uns in diesem politischen Wahlkampf nicht erspart.


Verzerrte Selbstwahrnehmung

Es ist eine Ironie, dass ein solcher Diskurs des Abendlandes, der vor der Dekadenz Europas durch „die eingedrungene fremde islamische Drohung“ warnt, sich meiner Meinung nach als der treibende Faktor und tragende Diskurs entpuppt, der tatsächlich zur Dekadenz Europas führen kann. Die Revitalisierung eines solches Konstruktes vom Abendland führt im Grunde zu einem Untergangsszenario von Europa als Modell für eine vitale, dynamische, offene, plurale Gesellschaft und Wertegemeinschaft. Die Reinkarnation inquisitorischer Diskursformen in der Politik richtet sich primär gegen ein Europa der Menschenrechte und der Aufklärung als dynamischer Prozess, der offen und liberal ist.

Dieser Abendland-Diskurs, der sich auf eine historische verzerrte und verarmte Selbstperzeption aus der Geschichte Europas beruft, bedient sich dieser als Legitimationsmoment und beansprucht die Geschichte/Vergangenheit für die Argumentation. Es ist aber notwendig, das historische Bewusstsein Europas über diese reduktionistische Verzerrung hinaus zu konstruieren und reflektieren: Teil der europäischen Geschichte und ein Konstituant ihrer kulturellen Blüte war der Islam in philosophischen und theologischen sowie in den naturwissenschaftlichen Diskussionen, z.B. in Andalusien, über ein Jahrtausend lang, aber auch in Sizilien. Die Kontinuität dieser besonderen andalusischen Kulturgeschichte, die durch religiöse Toleranz zwischen Muslimen, Juden und Christen geprägt war, setzte sich zunächst auch unter christlicher Herrschaft in Toledo und in Sizilien unter Friedrich II. fort.


Errungenschaft der Aufklärung

Es ist also kein Novum, wenn sich heute ein Europa-Diskurs der religiösen, kulturellen, sprachlichen und ethnischen Vielfalt entwickelt – denn dieses Europa hat es gegeben, ist historische Realität. Europa blickt nicht nur auf eine Geschichte der Inquisition, der Religionskriege und des Faschismus zurück. In Europa fand der andalusische muslimische Gelehrte und Philosoph Ibn Ruschd (Averroes) seine Kontinuität, und der Averroismus prägte die europäische Philosophie und theologischen Dispute jahrhundertelang. Maimonides (Ibn Maimun), der andalusische jüdische Theologe und Religionsphilosoph, provozierte durch seine Schriften lebhafte Diskussionen in Europa, und sein Einfluss war bis in die Aufklärung zu spüren, z.B. bei Moses Mendelssohn (gest. 1786).

Eine weitere Problematik, die im Zusammenhang der letzten Debatten im Zuge des EU-Wahlkampfs stärker betont werden soll, ist meines Erachtens die säuberliche Trennung zwischen Politik und Religion, denn Säkularität ist eine Errungenschaft der Aufklärung. Ich kann mir vorstellen, dass sich Menschen fundamentalistisch-islamistischer Gesinnung – nicht nur in Europa – über die Vermischung von Religion und Politik freuen, darin eine Selbstbestätigung bzw. ihre Parallele sehen und sich mit einem Lächeln die Hände reiben. Politischer Radikalismus und religiöser Fundamentalismus kennen keine Patentrechte, denn es gibt keine Religion und keine Gesellschaft, die per se dagegen immun ist.

Es ist vielleicht nicht uninteressant, daran zu erinnern, dass der frühere Ansatz für diese Trennung zwischen der religiösen Wahrheit und der weltlichen philosophischen Wahrheit durch die Lehre der doppelten Wahrheit eines der Grundprinzipien und der Lehren des Averroismus ist. Dieses Grundprinzip sollte auch unsere muslimischen Mitbürger zum Nachdenken anregen, wie Säkularisierung und Islam zu vereinbaren sind.

Populistische Versuchungen, die sich hetzender rassistischer Parolen bedienen, dürfen nicht politisch salonfähig gemacht werden. Es ist eine verblüffende Kurzsichtigkeit und ein Zeichen von Dekadenz für die Politik, wenn politische Aussagen durch Wahlkampfmanager und politische Marketingmakler gemäß dem politischen Konsumverhalten entworfen werden. Es ist ein Dilemma, wenn die Politik nicht mehr konstruktive humanistische Werte produzieren und vermitteln kann und zu einer Art und Form eines pseudomodernen Managements wird. Politische Verdrossenheit und Desinteresse sind natürliche Folgen und Symptome solcher Entwicklungen.


Faschistoider Abendland-Diskurs

Es ist meines Erachtens die Aufgabe der europäischen Akademiker und Intellektuellen, für die Rekonstruktion eines Europa-Diskurses einzutreten, der die Heterogenität der europäischen Identität – sowohl historisch als auch gegenwärtig – und die fruchtbare Vielfalt der europäischen Geschichte besonders betont, um der Revitalisierung eines exklusivistischen, inquisitorischen, faschistoiden Abendland-Diskurses entgegenzuhalten.

Dr. Jameleddine Ben Abdeljelil ist Philosoph und Islamwissenschaftler an der Universität Wien und Mitglied der Initiative Muslimische Intellektuelle für die Aufklärung.


meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.05.2009)

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14 Kommentare
Gast: gypsy
02.06.2009 18:19
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Eine überfällige Stellungnahme

Auch wenn der Beitrag von Dr. Jameleddine Ben Abdeljelil sich sprachlich eines "modernen" diskursorientierten Sprachgebrauchs befleissigt, so hat er in der Sache unzweifelhaft recht. Es gibt keine Alternative zur Aufklärung. Die Rückfälle in die unsägiche Barbarei im 20 Jahrhundert vom italienisch-spanischen Faschismus bis zum österreichischen Ständestaat hin zu den Schrecken des Nazismus ... ganz ohne Fremdörter, man gewinnt den Eindruck die Muslime gelten (schon) weitgehend als die Nuen Juden Europas Akademische Verbrämungen wie Huntigtion's clash of civilization gewinnen den Charakter der self-fullfilling prophecy. De Situation in unserem Lande ist besonders schlimm. Die Volsverhetzer sind dabei die Köpfe zu erobern.
Mir graust.

Antworten Ophicus
02.06.2009 20:46
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Re: Eine überfällige Stellungnahme

Sie haben völlig recht. Es gibt für uns keine Alternative zur Aufklärung. Gerade deswege gibt es Probleme mit den nicht-Aufgeklärten.
Es ist immer wieder beeindruckend wie man versucht Europa einerseits auf die Aufklärung einzuschwören, die Barbarei des Faschismus als abschreckendes Beispiel an die Wand malt und völlig übersieht, dass eben unter den pauschal als Opfer gebrandmarkten "Neuen Juden" genau solche Barbarei weit verbreitet ist.
Das geht von fundamentalem Religionsunterricht in Österreich (über den sich muslimische Eltern vergeblich beschwert haben) bis zu Aufrufen zum bewaffneten Glaubenskampf in arabischen Kindersendungen und dem Jubel auf der Straße bei spektakulären Terroranschlägen.
Da gibt es sehr wohl einen Clash. Die Bruchlinie verläuft nicht etwa zwischen Christentum und Islam, sondern zwischen der Aufklärung und der Barbarei - pathetisch geschrieben.

Dabei gilt es ebenso gegen Neonazis vorzugehen wie gegen Islamisten. Nur - und das ist ein wesentlicher Punkt - ist der Islamismus keine Randerscheinung sondern ein Massenphänomen. Symptome siehe oben.

Clash.

Was tun? Panische Pauschalurteile sind sicher keine Lösung.
Das sinnvollste ist wohl die Aufklärung innerhalb des Islam zu fördern. Aber dazu müsste man auch zugeben, dass dafür Bedarf besteht.

Antworten Antworten Gast: Beny
03.06.2009 00:28
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Re: Re: Eine überfällige Stellungnahme

Es ist doch ein Unterschied in der Qualität ob diese "Barbarei" in den Köpfen und verbal sich manifestiert, oder in der Zeit der Aufklärung eine umgesetzte Alltagspraxis ist, die die brutale Ermordung von 6 Millionen Menschen durchführte und dies durch Dogmen und Theorien rechtfertigte; Die Täter waren da sicher keine unaufgeklärte Muslime. Dennoch ist die Frage der Aufklärung im Islam eine ernste Fragestellung, die sich prlmär von Muslimen zu beantworten ist.

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Das westliche Proprium

Man sollte die Zeitqualität der reziprokalen Befruchtung okzidentaler und orientalischer Eliten im frühmittelalterlichen Spanien nicht verklären. Die Trinität Christentum-Islam-Judentum war nicht von langer Dauer und zerbrach schließlich an den üblichen dogmatisch-impetuosen Zerwürfnissen - und war auch während ihres Zusammenwirkens keineswegs störungsfrei.

Von wem der Abendland-Diskurs heute wieder re-animiert wird, entscheiden jene Kräfte, denen er ein Anliegen ist. Die hemisphärische Beschafffenheit der Okzidents hat eine flagrannte Veränderung erfahren, die viele mit Sorge wahrnehmen. Diejenigen, die sich angemaßt haben, über unsere Kultur zu bestimmen, waren im Grunde Wegbereiter sukzessiver kultureller wie ethischer Verwahrlosung, womit ich die Linken gemeint haben will.

In dieses identitätsgeschwächte Vakuum dringen Wellen religiös-totalitär geprägter Erz-Reaktion mit expansivem Anspruch, woraus sich ein Spannungefeld ergibt, das wenig Frieden verheißt. Demgegenüber erscheint ein Paradigmenwechsel von Laisser-faire-Links nach Konservativ unumgänglich, sowie eine Neupadaptierung des abendländischen Wertebegriffs jenseits der linken Selbst-Diffamation.

Inwieweit Moslems in Europa konstruktiv dazu beizutragen vermögen, hängt von ihrer Absichtsqualität ab. Ist Letztere imperativ bis feindselig, erhöht sich die Möglichkeit visionsbegründeter Kriege. Das "Abendland" wird dabei seine größte Errungenschaft verteidigen : Das westliche Proprium.


Antworten Gast: Ani
31.05.2009 11:20
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Re: Das westliche Proprium

Das ist ein eindeutiges Beispiel eines metahistorisierten westlichen Identitätskonstruktes, der zu kontextualisieren und relativieren gehört. Hier diese suuggerierte Identität ein unveränderter konstanter immerbleibender puritaner Moment, denn hier liegen u.a. die Strukturen einer totalitären Denkweise die zur Inquisition geführt haben bzw. zur kulturalistischen Assimilation (als säkulare Form moderne Form der Inquition!) auffordern. Eine solche naive simple homogene Identität war ist und wird eine populistische Illusion, Identitäten sind immer sehr komplex und heterogen.

Antworten Antworten Gast: ceterum censeo
02.06.2009 13:02
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Re: Re: Das westliche Proprium

@Ani: Auch wenn Ihr post, gespickt mit vielen Fremdwörtern, eindrucksvoll intellektualisierend daherkommt, enthält es doch nur sehr oberflächliche Kritik! Kontextualisieren und relativieren Sie bitte! Die Beiträge von "scholastica" und "Ophicus" sind in der Sache jedenfalls wesentlich tiefer gehend als ihr pseudointellektuelles Geschwafel.

Antworten Antworten Ophicus
02.06.2009 08:05
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Re: Re: Das westliche Proprium

Leider wird heterogenität oder der nette Begriff "Toleranz" immer gerne mit Beliebigkeit verwechselt.
Auch eine komplexe heterogene Identität muss abgrenzbar sein, sonst wäre es keine Identität. Womit sich auch bei einer herogenen europäischen Identität die Frage stellt, ob und wie der Islam da hinein passt - wie auch immer man diese Frage dann beantwortet.

Nebenbei bemerkt: Auch ein rein christliches Abendland wäre keineswegs homogen. Zu viele Kulturen, Konfessionen usw.
In Wahrheit geht es also garnicht um die Frage ob Europa eine homogene oder eine heterogene Identität hat, sondern WIE heterogen sie ist.

Und genau hier setzt die obige Kritik meinem Verständnis nach an. Die multikulturelle europäische Identität ist von den 68ern konstruiert, nicht gewachsen. Und sie ist darüber hinaus schlecht konstruiert, weil es schlichtweg an Substanz fehlt. Eine Art homöopathischer Identitäts-Ersatz, keine echte Identität mit der sich die Menschen identifizieren können. Was natürlich zu Spannungen fühlt.
Denn die neue Identität Europas ist es, keine Identität zu haben. Wer auch nur darüber nachdenkt ist ein vorgestriger Puritaner.

Antworten Antworten Antworten Gast: Ani
02.06.2009 15:35
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Re: Re: Re: Das westliche Proprium

Das ist aber hier ein besonderer essentialistischer Identitätsbegriff, der nur auf eine feste Substanz zurückführbar sein kann; dagegen steht das Konzept der Identität als ein dynamischer Prozess, indem Elemente aus der gegenwärtigen und historischen Realität beitragen können. Der substanzielle essentialistische statische Identitätskonstrukt ist immer in dogmatischen eng-ideologischen Kästchen behaftet und sieht die Welt durch eine manichäische Brille, die aber mit der Realität wenig zu tun hat und symtomatisch für die Realitätsverweigerung ist. Die Stärke und die Berechtigung irgend welches Diskurses liegen in seiner Verankerung in der Realität der Menschen und nicht in den Dogmen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: cweterum censeo
02.06.2009 22:52
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Re: Re: Re: Re: Das westliche Proprium

@Ani:blablablablabla......
Der hemmungslose Gebrauch von Fremdwörtern macht noch lange keine(n) Intellektuelle(n). Toll, dass du dir im ersten Semester deines Studiums soviele Fremdwörter gemerkt hast! Mit "symtomatisch" hast du aber einen Fehler gemacht, richtig heißt es nämlich "symptomatisch". Ein(e) wirkliche(r) Intellektuelle(r) bist du aber erst dann, wenn nicht die Begriffe, sondern der (intelletuelle) Inhalt deine Aussagen bestimmen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Ophicus
02.06.2009 18:08
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Re: Re: Re: Re: Das westliche Proprium

Keineswegs. Auch ein dynamischer Prozess ist nicht allumfassend. Wäre er es könnte er nicht dynamisch sein. Der Phasenraum selbst bewegt sich nunmal nicht.
So lange aber die Identität nicht alles umfasst gibt es nunmal auch ein Außerhalb. Und genau die ewige Frage nach der Definition dieser Abgrenzung macht die Dynamik aus.

Das Märchen vom "Ende der Geschichte" mit einem System, das nicht nur für alle Menschen sondern auch für alle Anschauungen einen Platz bietet hat mit der Realität nicht viel zu tun. Es ist ein ideologisches Kästchen, dass sich halt dessen ungeachtet gerne gegen ideologische Kästchen ausspricht.

Es geht nicht um starre Dogmen sondern um Werte. Die können sich verändern, wenn auch meist nicht besonders schnell.
Werte (oder meinetwegen Dogmen) kann man aber nicht so einfach von der Realität trennen. Menschen verändern ihre Werte aufgrund realer Begebenheiten und verändern durch konkrete Handlungen die Realität wegen ihrer Werte. Der Glaube KANN Berge versetzen. Zumindest wenn er mit einigen Dutzend Bulldozern und Sprengmeistern kombiniert wird.
Aus diesem Grund kann man Werte - oder meinetwegen auch Dogmen - nicht einfach aus dem Diskurs ausklammern.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Ani
02.06.2009 20:26
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Re: Re: Re: Re: Re: Das westliche Proprium

Das Problem liegt darin einen allumfassenden systematiserten statischen Identitätsbegriff, denn dieser kann nur einen systematisch dogmatischen sein. Die Alternative wäre astatt einen substanziellen essentialistischen Identitätskonstrukt, einen differenziellen relationistischen prozesshaftigen Identitätsbegriff anzustreben.
Dogmen sind aber letzendlich nützlich für die Verschleierung wahrer Machtinteressen und dienen in der machtpolitischen Verkaufstrategien von Entscheidungen als Täuschungsmanöver bzw. Verpackungen für oft falsche Machtenscheidungen. Das Dogma Konzept hängt strukturell causal mit dem der Substanz zusammen, d.h. ein substanzieller Identitätsbegriff hängt zwangsläufig mit dem Dogma zusammen.
Dass aber Werte mit Dogmen gleichgestellt werden ist auf eine besondere ethische Auffassung zurückzuführen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Ophicus
03.06.2009 09:36
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Re: Re: Re:

Das ist keine Antwort auf meinen Beitrag.
Ich habe eben von einem "differenziellen relationistischen prozesshaftigen Identitätsbegriff" gesprochen - auch wenn ich ihn nie so nennen würde weil das bestenfalls mißverständlich ist.
Auch habe ich nie Dogmen mit Werten gleich gesetzt.

Nebenbei: Wie Sie es schaffen Realität und Substanz zu Gegensätzen zu erklären ist mir ein echtes Rätsel.

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Dieser Analyse fehlt n.m.M. ein wesentlicher Teil der Geschichte:

Die Entwicklung der Machtstrukturen in den letzten 100-150 Jahren. Die Folgen beschreibt Wolfgang Hingst in "Regieren gegen den Bürger?" (Peter Lang, Frankfurt-Wien, 2004):

"Demokratie erliegt, wenn wir nicht gegensteuern, einem Dreifrontenangriff: nämlich des international organisierten Kapitals unter der Flagge des Neoliberalismus, der zentralisierten Bürokratie à la Brüssel und der Nomenklatura der Parteien, die sich selbst wählt und die Basis ignoriert. Im Grunde sind auch Zentralbürokratie und Parteienoligarchie Folgen des Neoliberalismus."

Dieser "Dreifrontenangriff" ruiniert genau jene Vielfalt in Europa, die Sie als typisch ansprechen. Das Ergebnis widerspricht den Rechten der Bürger auf Eigenständigkeit in den Regionen, die ja vielfach die Basis ihrer Stärken ist. Es widerspricht auch den Regeln des Lebens, der Evolution, die über viele Millionen Jahre ein klar erkennbares Ergebnis hat: "Das Leben gedeiht nur in ungeheurer Vielfalt und Fülle." Das zu fördern müßte ein zentraler Leitwert jeder Politik auf allen Ebenen sein!

Das sind die Gründe für die EU-Skepsis der Bürger (und vieler Akademiker), die man sicher nicht als faschistoid abtun kann. Sie sind Ausdruck ihrer Alltagsvernunft. Europa ist n.m.M. langfristig ohne Chancen, wenn es von seinen Bürgern nicht emotional angenommen wird. Davon sind wir weit entfernt.

Siehe "Der Dreifrontenangriff auf die Demokratie" in meiner Homepage:

www.ohnepolemik.at/politik/demokratie/

Gast: Ani
30.05.2009 17:41
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Aufruf

ich stimme den Aufruf an die Intellektuellen zu und hoffe dass es Gehör bei unseren österreichischen findet: "Es ist die Aufgabe der europäischen Akademiker und Intellektuellen, für die Rekonstruktion eines Europa-Diskurses einzutreten, der die Heterogenität der europäischen Identität besonders betont".

Hinweis

  • Der Inhalt von Gastkommentaren spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider und entspricht nicht zwangsläufig der Meinung der "Presse".

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