12.02.2012 02:23 | Meine Presse Merkliste0

Ist Moussavi ein Oppositioneller?

HIWA BAHRAMI (Die Presse)

Die wirkliche Opposition im Iran ist verboten und seit Jahren im Exil.

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Solch ein Ausmaß von andauernden Ausschreitungen gab es im Iran in den letzten 30 Jahren nicht. Nun stellt sich die Frage: Warum erst jetzt? Es gab in der Geschichte der „Islamischen Republik Iran“ kaum Wahlen und Stimmenauszählungen, die korrekt verlaufen sind. Die Menschen im Iran haben aber bei jeder Wahl die Ergebnisse hingenommen, obwohl sie die Korrektheit bezweifelten.

Bei den Wahlen am 12. Juni wurden nur vier von mehreren hundert Personen vom Wächterrat zur Wahl zugelassen. Ihre Loyalität zum politischen System und dem Prinzip der „Herrschaft der Rechtsgelehrten“ steht für den obersten geistlichen Führer, Ayatollah Ali Khamenei, außer Zweifel. Auch die beiden sogenannten „Reformer“ Moussavi und Karoubi betonten immer wieder, dass das System und der religiöse Führer ihre „rote Linie“ seien. Kein Präsident im Iran kann sich gegen Khamenei stellen. Insofern hätte auch eine Präsidentschaft Moussavis im besten Fall nur eine schlechte Wiederholung der Präsidentschaft Khatamis sein können. Daher boykottierten fast alle Oppositionsgruppen, darunter auch meine Partei, die Demokratische Partei Kurdistan-Iran, das politische Kasperletheater vom 12. Juni. Die Menschen im Iran, die heute mit ihren Protesten ihr Leben riskieren, wollen sicher keine Zustände wie in der Amtszeit Khatamis. Schon nach den ersten Stunden war klar, dass eine große Anzahl der Protestierenden gegen das gesamte Regime demonstriert und Moussavi nur eine Nebenrolle spielt. Moussavi ist genau wie Ahmadinejad und Khamenei für 30 Jahre Elend, Terror, Unterdrückung der ethnischen und religiösen Minderheiten, Verhaftungen und Folterungen verantwortlich. Es ist ein schlechter Witz, wenn jemand wie Moussavi, in dessen Zeit als Ministerpräsident tausende Oppositionelle erschossen und gehängt wurden, heute als Oppositioneller dargestellt wird. Den Iranern ist klar, dass die wirkliche Opposition im Iran verboten ist und sich seit Jahren im Exil befindet. In ihrer Mehrheit wissen sie, dass Pseudooppositionelle wie Moussavi dem System der „Islamischen Republik“ gegenüber loyal bleiben werden. Die Wahrheit ist, dass immer mehr Menschen im Iran, seien es Perser, Kurden, Azeris etc., die islamische Diktatur satthaben und echte politische Veränderungen fordern. Vielen Menschen im Iran reicht es, in einem der potenziell reichsten Länder der Welt unter der Armutsgrenze leben zu müssen, während gleichzeitig Gelder zur Finanzierung von Terrorgruppen ausgegeben werden. Den Menschen reicht es, zwei oder drei Jobs annehmen zu müssen, um ihre Familie zu ernähren, während die Machthaber im Land Milliarden von Dollars in ihr Nuklearprogramm investieren.


Moralische Pflicht des Westens

Den Iranern würde eine Präsidentschaft Moussavis kaum etwas bringen, aber einigen westlichen Staaten wäre sie wohl durchaus gelegen gekommen. Gerade jenen Ländern, die wie Österreich an ihren Geschäftsbeziehungen mit dem Regime festhalten wollen, ist Ahmadinejad zur Last geworden. Was die Menschen im Iran heute vor allem benötigen, ist die Unterstützung der demokratischen Staaten der Welt. Das Regime hat in den letzten 30 Jahren gezeigt, dass es bereit ist, jeder Gefahr für die Herrschaft der Mullahs mit Gewalt zu begegnen. Die Ayatollahs und ihre Revolutionswächter zeigten keine Scheu, Oppositionelle auch in Europa zu ermorden. Sollten die Ideale der europäischen Aufklärung noch irgendeine Bedeutung haben, so wäre es die moralische Pflicht der westlichen Staaten und der Zivilgesellschaft, den Menschen und der säkularen, demokratisch-rechtsstaatlichen Opposition im Iran zur Seite zu stehen und sie im Kampf gegen den Islamofaschismus zu unterstützen, der sowohl von Ahmadinejad als auch von Moussavi repräsentiert wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.06.2009)

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9 Kommentare
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Mahnwache Sonntag, Kundgebung Dienstag

Am Sonntag, den 21. Juni findet von 19 bis 22 Uhr eine maßgeblich von Exiliranern organisierte Mahnwache vor dem Parlament statt, die der Opfer des iranischen Regimes gedenken möchte.

Am Dienstag, den 23. Juni findet um 8:30 eine Kundgebung gegen das Iran-Seminar der Wirtschaftskammer unter dem Motto "Keine Geschäfte mit dem iranischen Regime" statt: Stubenring 8, 1010 Wien


Antworten Gast: Lausbub
23.06.2009 15:01
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Re: für was wird den demonstriert?

Wie damals in den Siebzigejahren für die Freiheit (und gegen den Schah)? Welche Freiheit? für die Eröffnung der Märkte für westliche Kapitalisten, für Einführung des Marxismus nach dem Vorbild Kubas?
Oder nur gegen die Unterstützung der Palästinenser durch den Iran?

Gast: franz
19.06.2009 14:06
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die opposition im iran

..wird seit 30 jahren unterdrückt, gefoltert und ermordet. gleich wenige jahre nach der revolution sind tausende oppositionelle ermordet worden vom regime.

der jubelperser moussavi hat während seiner amtszeit auch die oppositionellen unterdrückt und ermordet, von ihm geht keine akute gefahr für die "islamische republik" aus. er spielt sich als großer held und führer der protestierenden auf, die in wahrheit nicht alle die farbe grün tragen! man sehe sich die videos an.

die mehrheit der protestierenden hat die schnauze voll von der "islamischen republik", allerdings drohen die proteste blutig niedergeschlagen zu werden oder von den reformislamisten vereinnahmt zu werden. dann könnte es höchstens einen neuen großen ayatollah geben, wahrscheinlich rasfandjani. aber alles bliebe dann so wie vorher.

die protestierenden sind unbewaffnet gegen ein bis an die zähne bewaffnetes regime mit scharen von fanatischen-ideologischen revolutionsgarden die vor nichts zurückscheuen.
allein mit einer einmischung des westens kann im iran eine freie demokratie errichtet werden!

internationale solidarität mit dem kampf der iranischen bevölkerung um freiheit!

Antworten Gast: Hussein
19.06.2009 16:22
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Re: die opposition im iran

Opposition wird im Iran nicht seit 30 Jahren unterdrückt, sondern seit dem Sturz von Mossadeq in den 1950er-Jahren. Shah und SAVAK waren auch nicht besser als die "islamische Republik". Wer soll diesen Zustand allerdings ändern, wenn nicht jene Menschen die im Iran für eine Veränderung kämpfen? Dass dazu auch liberalere Vertreter des Regimes zählen ist etwas, was sich das iranische Volk nicht aus Liebe zu Mussavi ausgesucht hat, sondern eine politische und strategische Notwendigkeit. Isolierte Exilanten wie Hiwa Bahrami können von hier aus nun einmal nichts an der Situation im Iran ändern. Das müssen schon jene machen, die dort noch ausharren und um Veränderung kämpfen. Da mag Herr Bahrami noch so radikal klingen, seine zutiefst zerstrittene und in mehrere Fraktionen gespaltene Partei hat nicht einmal in Kurdistan mehr eine besonders starke Basis und ist dort längst von der PJAK als kämpfende Opposition abgelöst worden.
Solche Exilanten sind tragische Figuren, aber sie sind nun einmal leider nicht die, die die Veränderung erkämpfen können.

Gast: Shirazi
19.06.2009 11:37
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Falsch, lachhaft, und komplett unwichtig...

Schon allein die Überschrift:
"Die wirkliche Opposition im Iran ist verboten und seit Jahren im Exil" ist widerlich, arrogant, und dumm. Will uns dieser Polit-Fuzzi, der wahrscheinlich den ganzen Tag mit seinen 2 Parteifreunden und 3 Freunden von Stop the Bomb den Tag beim Tee trinken in Wien, beim Schwafeln, verbringt, weismachen, dass die mutigen jungen und alten Menschen, die zur Zeit zu Zehntausenden gegen das Regime und seine Wahlfälschung protestieren, nicht die "wahre Opposition" sind? Ist die "wahre"Opposition" Herr Bahrami und seine 2 teetrinker-Freunde?

Lachhaft, aber zum Glück komplett unwichtig.

Die iranischen DemokratInnen, die prowestlichen Kräfte, Intelektuelle, Kabaretisten, Filmemacherinnen, ArbeiterInnen, etc., werden einen Weg finden, das Unterdrücker-Regime loszuwerden. Herr Bahrami kann darüber philosophieren, dass nur er die wahre Opposition darstellt, so viel er will. Ändern tun solche tragikomischen Figuren sowieso nichts am Lauf der Geschichte...


Gast: Demokratin
19.06.2009 00:54
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der jubelkurde von stop the bomb. ein peinlicher und jenseitiger kommentar

Sorry, aber dieser Kommentar ist jenseitig. Aber was kann man vom KDP-Jubelkurden von Stop the Bomb auch anderes erwarten.
Er hat brav das antideutsche wording gelernt, "Islamofaschismus" und "Pseudowahlen" (siehe den ebenso absurden Gastkommentar von Simone Hartmann im Standard...)
Pure Zeitverschwendung, und vor allem, vergeudeter Platz. Als Abonenntin der Presse wünsch ich mir weniger von diesem Blödsinn.
Der gute Jubelkurde von Stop the Bomb vertritt genau sich und eine Minifraktion der 10x gespaltetenen KDP, also in Wahrheit genau niemanden. (man muss auch niemand vertreten, um einen Kommentar zu schreiben, aber da er das nun mal behauptet: es ist einfach nur Peinlich, und Schwachsinn). Hiwa Bahrami ist jenseitig, das hat er mit diesem Kommentar wieder einmal unter Beweis gestellt. Während die gesamte Opposition von der Kommunisten angefangen bis über dutzende andere Gruppen sich hinter die Bewegung für Demokratie im Iran stellen, kaut er das wording der antideutschen Stop the Bomb wider. Wie gesagt: Patzverschwendung. Bitte liebe Presse: nur weil er Eltern hat, die aus dem Iran kommen, muss deshalb jeder Blödsinn abgedruckt werden? Verschonen Sie mich bitte damit.

Antworten Gast: Pisa
20.06.2009 15:46
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Re: der jubelkurde von stop the bomb. ein peinlicher und jenseitiger kommentar

Wie weit der sekundäre Analphabetismus auch unter "Presse"-Lesern verbreitet ist, beweisen die beiden Poster Shirazi und Demokratin:
Bahrami Aussage, dass auch Mousavi auf dem Boden der Islamischen Republik steht, und dass es keine (parteipolitische) Opposition im Iran gibt, weil diese von Wahlen ausgeschlossen und verfolgt wird; seine daran anschließende Aussage, dass weite Teile der jetzigen Protestbewegung - eben weil sie keine Wiederholung a la Khatami haben wollen, die außer der gewaltsamen Niederschlagung der Studentenproteste nichts gebracht hat - im Gegensatz zu Mousavi sehr wohl gegen das Regime sind; diese Aussage verdrehen besagte Poster in die Behauptung, dass Bahrami sich gegen die Demokratiebewegung im Iran stellen und ihr die Solidarität entziehen würde.
Jetzt stellt sich allerdings die Frage, ob diese "Abonenntin [!] der Presse" und ihre Gesinnungsgenossen einfach nicht sinnverstehend lesen können, oder ob es ihre wohlgehüteten Ressentiments waren, die ihre Finger geführt haben, als sie diese Invektiven in die Tasten gedroschen haben...

Gast: Hussein
19.06.2009 00:44
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tragikomische Figur

Leider liefert Hiwa Bahrami hier den erneuten Beweis für die Weltfremdheit und den sektiererischen Isolationismus seiner Abspaltung der KDP-Iran. Während auch die meisten linken ExiliranerInnen - etwa von der Tudeh oder den Fedajin - die Proteste unterstützen, schwafelt der Möchtegernkurdenvertreter von einem "Islamofaschismus" der keine Unterschiede zwischen Ahmedinejad und Mussavi kennen will. Die Geschichte im Iran wird über solch tragikomische Figuren hinweggehen. Die Demokratie im Iran wird wohl nicht durch solche wie ihn erkämpft werden.

Gast: gassemlo
18.06.2009 20:38
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nieder mit dem islamfaschistischen Khumeini

solange die oppositionellen keine Kurden sind, bleiben sie fuer den Turkei freundlichen Europaern attraktive Partner. Wenn die oppos aber kurden waeren, haette der Westen vor allem die Oesis den Iran sogar den Basstard und moerder ahmendizwerg unterstutzung zugesprochen.
Der Feind der Kurden ist deswegen nicht anti europaeisch sondern eher wegen der Demokratie pro EU, sie haben den islamismus satt und fuehlen sich zunehmend durch die vier besatzer Staaten unterdrueckt. unterschieden gibt es nicht jeder Staat ist brutaler als der andere und ihr Ende naht und das wissen alle verantwortlichen dieser Neo Staaten. Gott sei dank.
Moege Frieden und Freiheit einkehren!

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