11.02.2012 22:08 | Meine Presse Merkliste0

Mach dir nicht ins Hemd

GASTKOMMENTAR VON VERENA KRAUSNEKER (Die Presse)

Aus soziolinguistischer Sicht ist verblüffend, wie kurz die meisten Argumentationen in der Diskussion um die Bezeichnung einer österreichischen Mehlspeise greifen.

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Es gibt gegenwärtig in Österreich sehr viele Leute, die zu wissen glauben, dass Mohr kein Problem sei. Denn, argumentiert so mancher Feinspitz, was ist dann mit den Frankfurtern und mit dem Zigeunerschnitzel und – bruhaha – wie sollen wir denn zu den Kärntner Nudeln sagen? Und fühlen sich die Hamburger auch beleidigt? Und der bsoffene Kapuziner?

Diese und andere aufgetischte Vergleiche machen mulmig und tragen nichts zur Diskussion bei – außer dass sie Verwirrung stiften und den unfeinen Unterschied zwischen der schokoladigen und allen anderen angeführten Speisen verschleiern. Keine der anderen Bezeichnungen referiert auf das Äußere von Menschen. Die Verwendung von Speisebezeichnungen, die auf das – seit Jahrhunderten als Benachteiligungsgrund herangezogene – Aussehen einer Menschengruppe zurückgreifen, ist nicht nur unappetitlich, sondern ein Problem.


„Nur“ Sprache?

Bemüht wird die Herkunft des Wortes „Mohr“. Sie mag interessant sein. Aber die Mauren – und wie sie einmal aus „europäischer“ Sicht benannt wurden – sind für das Hier und Heute nicht mehr relevant. Diskursiv prägend ist, dass es eine Kolonialgeschichte, eine Tradition des Rassismus und tagtäglich rassistische Diskriminierungen gibt. Sprache verweist darauf, und Sprecher knüpfen bewusst oder ungewollt daran an. Auch das sind Aspekte der Herkunft dieses dunklen Begriffes, die niemand verleugnen oder als unwichtig abtun wird können. Argumentationsversuche, die meinen, es gäbe einen vom Beigeschmack losgelösten, neutralen historischen Kern eines Wortes, sind zum Scheitern verurteilt.

Besonders die Geschichte(n) von Begriffen für dunkelhäutige Menschen sind von Fremdzuschreibungen geprägt. Somit können sie nicht neutral sein, es nie gewesen sein. Möchte irgendwer allen Ernstes behaupten, dass etwa „Neger“, von lat. negro hergeleitet, ja auch nur ein sich verändert habendes Wort für „dunkel“, „schwarz“ und daher überhaupt nicht rassistisch sei? Diverse historische Bezeichnungen für Afrikaner oder Afroösterreicher etc. referieren auf ihr Aussehen, ihr vermeintlich so herausstechendes Anderssein. Es gibt Sprache in Verwendung und Sprache im Kontext – aber eine per se „neutrale“ Sprache, losgelöst vom sozialen Gebilde der Menschheit und ihrer Gesellschaften, gibt es nicht.

Sprache ist weder bedeutungs- noch harmlos. Und sie war es auch damals nicht, als einer der Schritte im Prozess der Versklavung von Menschen war, ihnen ihre Namen zu nehmen und durch das N-Wort zu ersetzen. So wurden sie, die von dummen Augen als gleich aussehend wahrgenommen wurden, gleichgemacht, ihrer Individualität beraubt. Mit dem Namen stahlen die Versklaver den Versklavten die Identität – und stifteten eine lange Tradition im Geben von stigmatisierenden „Ersatznamen“. Sprache gibt es nur mit diesem Kontext der Tat, denn dort ist sie entstanden, und nicht vermeintlich unschuldig im „Duden“ oder „Oxford English Dictionary“ oder in Shakespeares Kopf alleine.

Ja, Rassismus zeigt sich durchaus größer, brutaler, menschenverachtender und gezielter als in der ungemütlichen Benennung einer Mehlspeise. Gesetzt den Fall, die Bewohnerinnen und Bewohner dieses Landes würden von anderen Nationen nur mehr als „Punschkrapferln“ bezeichnet (außen rosa, innen braun)... genau! Wie vehement wir argumentieren würden: Braun sind andere, nicht ich! Und wie unlustig, wenn unser Protest abgetan würde: Geh, sei nicht so humorlos.


Wehleidigkeit

Es scheint, wir haben es bei der Diskussion um den verzehrbaren Mohren mit einem besonders schwer verdaulichen Fall von „Nicht bös gemeint!“ zu tun. Die aktuelle Diskussion legt offen, wie viele es als ihr gutes Recht ansehen, alte, rassistische Termini – egal ob für Personen oder für deren imaginierte, essbare Version – zu verwenden. Wie geht es eigentlich jenen, die Mohr im Hemd nicht süß finden, sondern rund um die Uhr als solche wahrgenommen werden? Sie werden kaum gehört.

Der Konzern wurde angeblich überrumpelt vom Protest, den die schlecht getextete und geschmacklose Werbung ausgelöst hat. Es sei vorher bei Befragungen keine negative Rückmeldung auf den Produktnamen gekommen. Wie viele Afroösterreicher unter den Befragten waren, wird nobel verschwiegen. Und der afroösterreichische Journalist, der sich in der Diskussion schließlich zu Wort meldete, wird vielerorts als Weichei abgetan. Ich behaupte: Niemand, der nicht schon einmal wegen seiner Hautfarbe rassistisch angegangen wurde, hat die Berechtigung, den „Mohren“ zu verharmlosen und in dieser Diskussion beschwichtigend oder veräppelnd zu argumentieren. Wer in der Sicherheit seiner „weißen“ Haut lebt, kann nicht sagen, wo Wehleidigkeit beginnt und Beleidigtheit ein Ende zu haben hat. Ebenso ist die Beweisführung durch persönlich bekannte Einzelpersonen und deren Meinungen („Mein Freund ist schwarz und der findet diese Diskussion lächerlich.“) eine wandelbare Strategie. Darauf ist nur zu sagen: Na, und? Ebenso mag es Frauen und Männer geben, die an „Weib“ nichts auszusetzen finden – ich lehne es trotzdem dankend ab, so benannt zu werden.

Ich kann niemandem untersagen, mich „Weib“ zu schimpfen oder zu kosen, und es steht jedem frei, sich in dörflicher Gewohnheit oder privater Vertrautheit derart anzusprechen. So mancher wittert dieser Tage gar eine Verschwörung von humorlosen Linkslinken und amerikanischen Korrektheitswächtern. Tatsächlich gibt es keine Sprachpolizei und keine wortschatzbezogenen Gesetze. Es gibt Grenzen des guten Geschmacks – und offenbar wenig Einsicht in das verletzende Potenzial von Sprache. Im Kern geht es nicht nur um das Wort „Mohr“. Die Tatsache, dass seit Wochen so vehement, ja inbrünstig diskutiert wird, zeigt vor allem eines: Spannungen. Diese begleiten die Veränderungen der Gesellschaft, ihrer Sprache und der guten alten Tradition. Respektvolles Sprachhandeln hieße in diesem Fall, sich von der Tradition zu verabschieden: nicht der des Schlemmens, sondern jener – lassen wir es uns auf der Zunge zergehen – der Respektlosigkeit.

Denn ein Land, das seinen Hofmohren Angelo Soliman ausstopfen ließ, um ihn auch posthum in seinem Hemd begaffen zu können, könnte zumindest 200 Jahre später geistig über seine Mehlspeisengröße hinauswachsen. Die vielen Schleckermäuler, die Geschütze auffahren, um den Mohren in seinem Hemd zu bewahren, könnten eigentlich auch im Alltag derart fürsorglich sein: So, wie sie sich jetzt für den gar köstlichen Süßspeisennamen einsetzen, so schützend könnten sie sich im Falle des rassistischen Übergriffs vor bedrohte Menschen stellen. Und dann warmen Schokokuchen mit Schlagobers genießen.

Dr.phil. Verena Krausneker ist Sprachwissenschafterin an der Universität Wien.


meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2009)

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61 Kommentare
 
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Danke...

... für die Erinnerung! :-))
Ähm, nur was genau hat meine Diplomarbeit jetzt damit zu tun??

Gast: schockiert
14.09.2009 10:35
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wirklich?

na sowas aber auch - gut das wir jetzt wissen worüber B.B. geschrieben hat

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Barbara Berghold - nur zur Info

Barbara Berghold legt in ihrer Diplomarbeit "Lesbische Lebenswelten in Indien" den Schwerpunkt auf die Auseinandersetzung mit Sexismus und Homophobie in bezug auf die Konstruiertheit der Kategorien Geschlecht, Identität und Sexualität.
Da das Softwareklumpert bockig ist, kann der Beitrag mehrfach drin sein.

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Barbara Berghold - nur zur Info

Barbara Berghold legt in ihrer Diplomarbeit "Lesbische Lebenswelten in Indien" den Schwerpunkt auf die Auseinandersetzung mit Sexismus und Homophobie in bezug auf die Konstruiertheit der Kategorien Geschlecht, Identität und Sexualität.

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Barbara Berghold - nur zur Info

Barbara Berghold legt in ihrer Diplomarbeit "Lesbische Lebenswelten in Indien" den Schwerpunkt auf die Auseinandersetzung mit Sexismus und Homophobie in bezug auf die Konstruiertheit der Kategorien Geschlecht, Identität und Sexualität.

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Barbara Berghold - nur zur Info

Barbara Berghold legt in ihrer Diplomarbeit "Lesbische Lebenswelten in Indien" den Schwerpunkt auf die Auseinandersetzung mit Sexismus und Homophobie in bezug auf die Konstruiertheit der Kategorien Geschlecht, Identität und Sexualität.

Agnostiker
11.08.2009 17:00
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Besonders originell finde ich die "Schwarzkopf-Werbung" neben dem Artikel...

... und das seit 111 Jahren.

Antworten Gast: Toni
11.08.2009 19:47
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Re: Besonders originell finde ich die

Noch origineller wäre nur mehr eine Meinl-Werbung.

Gast: Claudia Wohlgenannt
11.08.2009 12:30
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Der Elfenbeinturm lässt grüßen!

Wie die Ereignisse von Krems und die darauf folgenden Reaktionen des linken Spektrums und der "üblichen Verdächtigen" zeigen, sind die wahren Probleme in unserem Land ganz wo anders angesiedelt. Die Mohr-im-Hemd-Thematik ist als Luxus-Problematik anzusehen, welche gut in das Sommerloch hineinpasst.
Weltfremdheit, welche in den Beiträgen von Barbara Berghold und Renate Sova deutlich wird, trägt in nicht unwesentlichem Ausmaß zur Vernebelung der wahren Probleme unserer Gesellschaft bei als da z. B. wären: Verwahrlosung der Jugend, Sinnkrise, Werteverfall, Zunahme der inländischen und ausländischen Kriminalität. Die Hilflosigkeit der sogenannten "Eliten" oder jenen, welche sich zu den Eliten zählen, gegenüber diesen Problemkreisen kommt auch in Krausnekers Kommentar und in den Beiträgen von Berghold und Sova zum Ausdruck.

Gast: barbara berghold
11.08.2009 10:49
0 0

Danke Nr 2

Liebe Verena Krausneker,
ich kann mich nur Renate Sova anschließen und mich für den tollen Artikel bedanken! Die meisten Kommentare hier hinterlassen bei mir ein Gefühl von peinlicher Betretenheit, und von leider völligen Unverständnis gegenüber der Ingnoranz, die viele Menschen bzgl dieser Themen an den Tag legen.
Die Arbeit, die WissenschafterInnen wir Sie leisten, ist von unschätzbaren Wert! Ich kenne den Widerstand, der dadurch oft hervorgerufen wird. Gerade der zeigt ja, wie wichtig Ihre Arbeit ist.
Deswegen - danke für den Artikel - ich hoffe dass ihn viele Menschen lesen!

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Renate Sova

Kleiner Hinweis: Sie sollten immer rechtzeitig hübsche Einladungen an die Betroffenen verschicken, wenn Sie die Süßspeise nicht bestellen. Sonst verpufft Ihr Edelmut.

Gast: Renate Sova
08.08.2009 23:13
0 0

Danke an Frau Krausneker

Liebe Verena Krausneker, danke für den ausgezeichneten Artikel. Die meisten Postings sind beschämend. Selbstverständlich bestelle ich diese Süßspeise nicht, wenn ich weiß, dass es Menschen gibt, die sich dadurch herabgesetzt fühlen. Und gerne mache ich die jeweiligen Wirten oder Wirtinnen auf die Problematik aufmerksam.
Mir ist nicht klar, warum ich erst dann meine Sprache sensibel verwenden soll, wenn es in Afrika keine Probleme mehr gibt. Ich kann mich selbstverständlich gleichzeitig für mehr Gerechtigkeit und Respekt hier und anderswo einsetzen.

2 2

Früchtchen

Also, Frau Krausneker, Sie Soziolinguistin Sie! Das Kremser Früchtchen geriet sicher nicht auf Abwege, weil es zu viele Mohren im Hemd gegessen hatte. Haben Sie etwa das Interview mit seinem Bruder gelesen? Die Gedenkinschriften? Da braut sich was zusammen. Viel Arbeit für Soziolinguisten bei anschließender Sozialarbeit. Wär das nicht was für Sie? Aber mit Mohr im Hemd brauchen Sie denen nicht zu kommen, da können Sie rasch g¿sunde Watschen fangen. Nützlicher als Polizeikugeln zu bejammern ist sicher die Frage, ob sich nicht rechtzeitig jemand um solchen Nachwuchs kümmern könnte. Ein reiches Betätigungsfeld für Leute Ihrer Geisteshaltung. Und viel nachhaltiger als das umfangreiche Schwärzen von Zeitungsseiten mit Mohrenanschwärzung. Bedenken Sie die Ressourcen an Material, Energie und Menschen, die Ihr Artikel gekostet hat! Unwiederbringlich verloren.

Gerald
07.08.2009 08:17
2 1

Frau Krausnekers krause Gedanken

Da wird gleich behauptet Neger käme vom lateinischen negro. Blöd nur, dass "negro" nicht Latein ist (sondern Spanisch), richtig wäre "niger". Ich bin kein Sprachwissenschaftler und hatte nie Latein, dennoch fiel mir das sofort auf. Weiters erklärt die Dame die negative Assoziation des Wortes Mohr mit der Kolonialgeschichte. Welche denn bitte? Österreichs in Afrika? Der Punschkrapferlvergleich ist zwar an den Haaren herbei gezogen, aber gar nicht so schlecht. Denn so werden Kärntner seit Jahrzehnten als "Punschkrapferl" (außen rot, innen braun und immer leicht angsoffn) bezeichnet. Ich denke aber kein Kärntner hätte ein Problem, wenn die Punschkrapferl, Kärntner Krapferl hießen. So wie auch kein Schwede ein Problem damit hat, dass ihm Bomben (Schwedenbombe) untergeschoben werden.
Letztendlich redet Fr. Krausneker viel, findet aber kein wirkliches Argument warum "Mohr" pfui sein soll. Es soll halt irgendwie rassistisch sein, weil wir Österreich alle verkappte Rassisten sind. Das beweist schon der Hinweis auf den ausgestopften Mohren Angelo Soliman. Ausstopfen und präsentieren, wie rassistisch! Die Guteste sollte einmal den Petersdom besichtigen, da sieht man ausgestopfte Päpste. Das sind aber Weiße und damit ist das in Ordnung, was aber wenn wir mal einen schwarzen Papst bekommen?

Letztendlich kann man zu fast jedem Wort einen negativen Konnex assoziiieren (ich sage nur "Autobahn"), Fr. Krausneker versucht es hier krampfhaft und erfolglos beim Wort "Mohr".

Gast: Mein Julius
06.08.2009 23:55
1 2

Wer hat Angst vor sich selbst?

Die Reaktionen auf den Kommentar von Verena Krausneker – der argumentativ die wesentlichen Punkte der Debatte um die rassistischen Implikationen des Begriffs "Mohr" referiert, ohne polemisch zu werden – lassen sich am ehesten psychologisch interpretieren: der Grad an Aufgeregtheit und unverhätnismäßiger Empörung gibt Hinweis auf die unverarbeiteten Anteile von Rassimus und Fremdenfeindlichkeit in Österreich. Im Forum spricht nicht die "Meinung des Volkes", sondern das schlechte Gewissen derer, die sich in ihrem Selbstbetrug ertappt fühlen. Die Gegenargumente sind dann zumeist keine Beiträge zur Sache, sondern funkionieren nur ad personam und sollen die Position der Autorin delegitimieren. Zum Glück ist zwar die Anzahl peinlich hoch, die inhaltliche Relevanz jedoch noch peinlicher, weil nicht gegeben. Fakt ist: Österreich und seine BewohnerInnen haben Probleme mit Rassimus. Können wir das akzeptieren und jetzt bitte weiterarbeiten?

Antworten Murray
07.08.2009 07:55
4 1

Re: Wer hat Angst vor sich selbst?

Das nennt man Kannibalenlogik: Wer Krausnekers Artikel zustimmt, läßt sich selbst zum Rassistent degradieren, weil das die eigentliche Aussage des Artikels ist. Wer dem Artikel nicht zustimmt, entlarvt sich als Rassist aufgrund seiner "Aufgeregtheit und unverhältnismäßigen Empörung". Zahl: man verliert. Kopf: die anderen gewinnen.
Das ist mein Hauptvorwurf an die "politisch Korrekten": Sie wollen suggerieren, dass alle, die nicht ihrer Meinung sind, von Haus aus rassistische und faschistoide Bösewichter darstellen, die nur durch völlige Unterwerfung unter die "PC" heilbar sind. Unnötig zu sagen, dass damit Argumentation und Meinungsfreiheit ad absurdum geführt werden. Unnötig, darüber zu spekulieren, warum der Wählerzustrom zur FPÖ ungebrochen anhält.
Fakt ist: Österreich hat kein Problem mit Rassismus, Österreich hat Probleme durch die political correctness.

Antworten Antworten Ophicus
07.08.2009 10:25
1 1

Re: Re: Wer hat Angst vor sich selbst?

Natürlich hat Österreich Probleme mit Rassismus. Es wäre absurd das leugnen zu wollen. Rassismus gibt es nach wie vor (wenn auch weit weniger als früher) und natürlich muss der bekämpft werden.
Es kann wirklich nichts schaden wenn sich jeder in Bezug auf den Umgang mit Minderheiten selbst kritisch auf die Finger schaut.

Soweit zum Fakt.
Der Rest Ihrer Kritik stimmt aber.
Die PC Logik folgt eben einem anderen Muster. Man schaut sich nicht selbst auf die Finger, sondern den anderen. Man denkt nicht kritisch nach, sondern folgt stur formalistischen Regeln. Wenn wenigstens diese Regeln einer kritischen Betrachtung zugänglich wären. Aber wenn man das versucht outet man sich wieder als Rassist - eben durch "Aufgeregtheit" und so.

Kurz gefasst: Der Grund wieso PC abzulehnen ist liegt nicht darin, dass es keine Probleme gibt, sondern weil die PC dafür keine Lösung ist.

Antworten Ophicus
07.08.2009 07:11
3 1

Re: Wer hat Angst vor sich selbst?

Wer Gegenargumente völlig ignoriert - ja nicht einmal als Argumente gelten lässt - darf halt nicht damit rechnen besonders ernst genommen zu werden.
Polemische Pauschalurteile überzeugen halt niemanden - und das ist auch gut so.

Der Vorwurf alle die sich gegen die Political Correctness oder die Argumentation des Artikel aussprechen wären verkappte Rassisten ist ungefähr so sachlich wie die Behauptung alle Schwarzen wären Drogendealer.
Aber so wie der Rassist konzentriert sich so mancher fanatische Verteidiger der PC halt gerne auf schwarze Schafe, weil er an einer sachlichen Diskussion überhaupt nicht interessiert ist. Wozu auch, wenn man ohnehin weiß, dass man recht hat? Beweise brauchen nur die anderen...

gescho
06.08.2009 21:27
0 1

Neue Gesichtspunkte?

eine interessante und gute zusammenfassung. leider bringt sie kaum neue aspekte in die diskussion ein.

einige weitere und in diesem zusammenhang "neue" überlegungen, sind in dem beitrag "wird der mohr im hemd zum gurkerl im knie?" zu finden.
http://literaturblog-duftender-doppelpunkt.at/2009/08/06/wird-der-mohr-im-hemd-zum-gurkerl-im-knie/

heinz.pohl
06.08.2009 16:26
0 1

Soziolinguistik?

Unter Soziolinguistik ist etwas ganz anderes zu verstehen als uns die Verfasserin hier vorführt; ihre Ergüsse gehören eher in den Bereich von Sprachkritik oder dgl.
Außerdem dürfte es mit den allgemein-sprachwissenschaftlichen Kenntnissen der Autorin nicht allzu weit her sein: wer "Neger" auf lateinisch "negro" (statt "niger")zurückführt, hat von Etymologie nur wenig Ahnung, und wer "Mohr" als Schimpfwort bezeichnet, war sich zu gut, in den Duden oder ins Österr. Wörterbuch zu blicken, dort ist "Mohr" bloß als "veraltet" markiert. Und so spezifisch "österreichisch" ist die Speise "Mohr im Hemd" auch nicht, in Deutschland gibt's den "Mohrenkopf" und noch als Draufgabe den "Negerkuss" (letzterer heißt bei uns eher "Schwedenbombe"). Bei uns gibt's ja auch noch "Indianer mit Schlag" ... Vorschlag für den nächsten Artikel!

Arethas
06.08.2009 15:55
0 1

Boykottaufruf

Ein österreichischer Schlagersänger:
"Ich bin ein Negerant, Madame, einst war ich Fabrikant, Madame.
Dann hab' i mi verplant, Madame, und jetzt bin i am Sand."
Sollte man an der ersten Zeile als Gutmensch nicht Anstoß nehmen?!

Gast: Lausbub
06.08.2009 15:33
2 1

Ich hätte die Sprachwissenschaftlerin gerne gefragt,

ob das ursprünglich aus dem romanischen Sprachkreis kommende Wort MOHR nicht auf die in der Maghreb lebenden MAUREN zurückgeht, die ab 711 das Westgotenreich in Spanien erobert haben. Ab damals stand Spanien unter der Maurenherrschaft. Die Sprachverwandschaft zwischen Mauren und Moro wäre naheliegend, wenn man davon ausgeht, daß in den romanischen Sprachen der Doppellaut "AU" zu einem einfachen Laut "O" abgeschliffen wurde. Die Mauren sind zwar Muslime, wie die N-Afrika aber meist hellhäutig und bisweilen sogar blond!
Also hat das Wort Mohr im Grunde genommen mit Menschen schwarzer oder dunkelbrauner Hautfarbe nichts zu tun. Mohr heißt also nicht notgedrungen "Schwarzer".

Dazu kommt, daß im romanischen Sprachkreis das Wort oft als Familienname verwendet wird. So gab es sogar einen prominenten italienischen Staatsmann namens MORO. Ich nehme an, der hätte sich heftigst dagegen gewehrt, seinem schönen italienischen Namen eine negative Bedeutung bezulegen!

Daher glaube ich, daß man die Kirche im Dorfe lassen sollte und nicht generalisierend dem schönen deutschen Wort MOHR einen negativen Beigeschmack geben sollte, die angeblich geeignet ist, Menschen zu diskriminieren!

Antworten Murray
06.08.2009 15:55
1 0

Re: Ich hätte die Sprachwissenschaftlerin gerne gefragt,

Nun, wenn die Mehlspeise jetzt "Aldo Moro im Kofferraum" hieße, dann wäre die ganze Debatte sogar gerechtfertigt...

Antworten Arethas
06.08.2009 15:48
0 1

Re: Ich hätte die Sprachwissenschaftlerin gerne gefragt,

Und Josef MOHR hat "Stille Nacht" geschrieben...
Es hat diese Debatte auch ihr Gutes: Das fast schon ausgestorbene Wort "Mohr" rückt wieder ein wenig in den Mittelpunkt und wird vielleicht sogar wieder mehr verwendet.
So, und jetzt zu Eskimo. Oder sollen wir Indianer vorziehen?

Antworten Antworten Murray
06.08.2009 16:00
1 1

Re: Re: Ich hätte die Sprachwissenschaftlerin gerne gefragt,

"Eskimo" ist ja auch herabsetzend, genauso wie "Indianer". Und dass "Stille Nacht" zur "Weihnachtszeit" gehört, darf man bald auch nicht mehr sagen, weil sich sonst alle anderen Religionsgemeinschaften (insbesondere nahöstliche) herabgesetzt fühlen - in den USA bereits Realität. Wenn Sie Ihre Meinung überhaupt noch öffentlich äußern wollen, sollten Sie Ihren Reisepaß verstecken und behaupten, Sie seien illegal aus dem Kosovo eingereist...

Gast: Eva Kundlich
06.08.2009 15:24
0 1

Eine typische Sommerloch-Debatte

Bravo, das Sommerloch wurde mit dieser Debatte wieder einmal optimal gefüllt, und einigen in dieser Angelegenheit besonders engagierten Damen und Herren wird wohl eine Karriere bei den Grünen winken.

 
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Hinweis

  • Der Inhalt von Gastkommentaren spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider und entspricht nicht zwangsläufig der Meinung der "Presse".

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