Otterfreunde, Otterfeinde

Replik I. Im Streit um den Einfluss der Fischotter auf die Fischbestände zeigt die eine Seite anklagend auf die Fischer. Das hilft niemandem.

Die Katze ist aus dem Sack: In Niederösterreich soll oder wird es zu Eingriffen in den Otterbestand kommen. Zahlreiche Organisationen unterstützen eine „Petition gegen den Fischottermord“. Der Gesprächsbereitschaft wird damit kein guter Dienst erwiesen.

Auch die von manchen Seiten gelieferte Information ist in vielen Fällen zumindest lückenhaft. So verstoßen Eingriffe in den Otterbestand nicht gegen geltendes Recht, da die Fauna-Flora-Habitatrichtlinie in bestimmten Fällen auch Bestandsreduzierungen erlaubt.

Es gibt Untersuchungen über den Einfluss des Fischotters auf die Fischbestände mit zum Teil bestürzenden Resultaten im Hinblick auf den Fischbestand. Diese negativen Veränderungen sind in den konkreten Fällen nicht mit einer Verschlechterung der Gewässer etwa infolge von Verbauungen in Verbindung zu bringen. Der Einfluss des Fischotters führt zu einer schlechteren Beurteilung des Gewässerzustandes.

Wenn es zu solchen Entwicklungen kommt, sind nach Ansicht der am Otter Interessierten stets die Fischer schuld (siehe die Kolumnen von Professor Kurt Kotrschal vom 14. und 28. 2. in der „Presse“). Sie besetzen die Gewässer falsch oder mit zu vielen Fischen und füttern so die Fischotter. Dabei würde der positive Einfluss des Fischotters übersehen, der vor allem schwache oder kranke Beutetiere oder eben naive Besatzfische erbeutet.

 

Mehrere Gesundheitspolizisten

Es entsteht der Eindruck, alle Fischer würden so handeln – und die Otterfreunde wären die Guten und die Fischer die Schlechten. Dass es neben dem Fischotter noch weitere Gesundheitspolizisten gibt, angefangen vom Fischreiher bis zum Kormoran und Gänsesäger, wird leicht übersehen.

Es wird wohl kaum so viele schwache, kranke und naive Fische in unseren Gewässern geben, damit diese Arten hauptsächlich davon leben können. Fische aus Karpfenteichen ernähren sich ihr ganzes Leben lang von Naturnahrung, und nur wenige Arten können auch zugefüttert werden, wie Karpfen oder Schleien. Zudem sind sie mit Fischfressern ihr ganzes Leben lang konfrontiert und daher alles andere als naiv.

Auch die angeblich in Betonbecken gezüchteten Arten brauchen nur kurze Zeit, um sich an die raue Wirklichkeit in Flüssen und Bächen zu gewöhnen. Wo soll man Besatzfische hernehmen, wenn viele kleine Bäche, wohin die Bachforellen aufsteigen, um zu laichen, mehr oder weniger leer gefressen werden? Bei Teichen wird zum Schutz der Fische die Errichtung von Elektrozäunen als ideales Mittel empfohlen. Mit Elektrozäunen hält man aber auch alle anderen Tiere von den Teichen fern, die diese Lebensraum nutzen möchten. Zusätzlich wird auch nicht erwähnt, dass viele Teiche gar nicht eingezäunt werden dürfen.

Wenn man sich bei der Wahl der Worte und Argumente nicht bemüht, beiden Seiten gerecht zu werden, wird außer einer Verhärtung der Standpunkte nichts herauskommen – und das hilft niemandem. Noch weniger hilft es, wenn die ganze Angelegenheit zum Polit-Streit eskaliert.

Dr. Günther Schlott ist wissenschaftlicher Beirat im ÖKF Fish Life und war 1982 bis 2012 Leiter der Ökologischen Station Waldviertel (Bundesamt für Wasserwirtschaft), die u. a. seit 1991 die Erhebung der Fischotterschäden in Fischteichen im Auftrag der NÖ Landesregierung durchführt.


E-Mails an:debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.03.2017)

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