EU braucht positive Vision

Ein Aufruf der Europäischen Bewegung International aus Anlass des 60. Jahrestags der Römischen Verträge am 25. März.

Anlässlich des 60. Jahrestags der Römischen Verträge nehmen wir als Mitglieder des Ehrenrats der Europäischen Bewegung International die Gelegenheit wahr, nicht nur darüber nachzudenken, was wir in Europa bereits erreicht haben, sondern auch nach vorn zu blicken. In Zeiten des Aufruhrs wollen wir eine positive Vision für die Zukunft der Europäischen Union entwickeln.

Weil unser Kontinent vor neuen Herausforderungen steht, brauchen wir entschlossenes Handeln, das weiter reicht als leere Versprechungen und nationale Interessen. Was wir brauchen, sind mutige Schritte, die die Lebensbedingungen aller Europäer verbessern.

Europäische Integration ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um ein sicheres, nachhaltiges und faires Europa zu realisieren, wo Menschen in Freiheit und in Sicherheit leben können. Ein Europa, das für Stabilität in der Region sorgt und dessen Werte weltweit ausstrahlen.
? Mit einer starken Außenpolitik kann die EU ihre Interessen auf der globalen Bühne vertreten.
? Mit einer gemeinsamen Migrations- und Asylpolitik kann die EU dazu beitragen, die Herausforderungen eines bisher ungekannten Ausmaßes an Flucht und Vertreibung zu bewältigen und dabei die Freizügigkeit der Menschen zu wahren und zu schützen.
? Mit einer vollständigen monetären, ökonomischen und politischen Union kann die EU künftige Krisen bewältigen und ihre ökonomische Position festigen.
? Mit einer damit verknüpften, überzeugenden sozialen Dimension kann die EU unmittelbar das Leben ihrer Bürger verbessern.
? Mit einer effektiven Umweltpolitik kann die EU ihren Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel leisten. Kein Mitgliedstaat kann all das allein bewältigen.

 

Europäer im Mittelpunkt

Ebenso wichtig ist es, die europäischen Werte zu wahren. Wir müssen unsere offene und tolerante Gesellschaft verteidigen – die Grundlage dafür bilden Prinzipien wie Gleichheit und Chancengleichheit, soziale Gerechtigkeit und wirksame Teilhabe am demokratischen Prozess. Diese Vision von Europa kann nicht von oben verordnet werden. Es ist wesentlich, alle Europäer in den Mittelpunkt dieser Vision zu stellen, um ihr Verantwortungsgefühl und ihre Möglichkeiten zur Mitgestaltung des europäischen Projekts zu stärken.

Zivilgesellschaftliche Organisationen, Gewerkschaften, Unternehmen, Branchenvertreter, die akademische Welt, politische Parteien und Kommunalbehörden haben alle einen Anteil an unserer Zukunft und sind bereit, dazu beizutragen, dass die EU in den kommenden 60 Jahren ein Erfolg wird.

Von den Staatsoberhäuptern und Regierungschefs der EU braucht es jetzt Courage, Einigkeit, Solidarität und politische Vision. Nicht nur Worte, sondern Taten sind nötig, in denen sich unsere gemeinsame Vision der Zukunft der EU spiegelt. Wenn sie sich zu den Feierlichkeiten anlässlich des 60. Jahrestags der Römischen Verträge versammeln, bitten wir um eines: Blicken Sie nach vorn! Machen Sie den ersten Schritt zu einer noch sichereren, nachhaltigeren und partizipatorischeren EU für die nächsten 60 Jahre.

Jacques Delors, Präsident der Europäischen Kommission (1985−1995)

Aleksander Kwaśniewski, polnischer Staatspräsident (1995−2005)

Mario Monti, Ministerpräsident Italiens (2011−2013), EU-Kommissar (1995−2004)

Dr. Monika Wulf-Mathies, EU-Kommissarin (1994−1999) u.v.a.m.

E-Mails an:debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.03.2017)

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