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Joseph Schumpeter wäre ins besetzte Audimax gegangen

GASTKOMMENTAR VON VERENA RINGLER (Die Presse)

Warum die Studentenproteste positiv sind: sieben Gründe.

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Kurz bevor mehrere hundert Studenten das Wiener Audimax besetzten, beendete ich mit Kabinettsmitgliedern aus Ankara, mit dem deutschen Minister Wolfgang Schäuble und mit dem Nachwuchs bei Siemens und RWE ein Global-Governance-Seminar in Hamburg. Zwischen Washington D.C. und Priština, zwischen Ministerstuben und ungeheizten Volksschulen an den Rändern Europas; ob für Magazine, Thinktanks oder die EU: mein Leben spielt sich an vielen Orten ab.

Dieser globale Blick lässt die Audimax-Besetzung positiv erscheinen:

Erstens, auf dem globalen Parkett – ob im Nobelpreiskomittee oder den TED Talks – gibt man Initiativen prinzipiell eine Chance. Allein dass 20-jährige Studenten eine Kampagne für bessere Bildung starten, allein dass sie dies samt spontaner Allroundstruktur mit Pressedienst, Livestream, Ausschuss- und Plenardebatten zur Bildungspolitik, zum Klimawandel und zur politischen Ökonomie tun, würde in solchen Foren mit Applaus beantwortet und mit Young Leadership Awards belohnt. Otto Molden und Simon Moser jedenfalls gefiele der akademische Austausch im besetzten Hörsaal. Sie initiierten 1946 jene Internationalen Hochschulwochen, die später als Forum Alpbach zum österreichischen Exportschlager wurden.

Zweitens, die Studenten administrieren das Audimax im Rotationsprinzip. Als Personen bleiben sie anonym und im Hintergrund. Sie konzentrieren sich auf visionäre Ziele in kleinen Schritten. Sie praktizieren Europäische Integration par excellence. Jean Monnet und Robert Schuman, zwei Gründungsväter der EU, hätten der Audimax-Bewegung für Bildung jene geduldige Prozesshaftigkeit angeraten, die sie seit drei Wochen praktiziert.


Ausdruck der Europareife

Drittens, Führungskräfte im 21.Jahrhundert denken international und interdisziplinär. Im Kommen sind multiple Identitäten und multipolare Biografien. In diesem Sinn ist die Audimax-Bewegung ein Ausdruck von Österreichs Europareife. Der Slogan der EU-Kampagne 1994 – „Wir sind Europa“ – hat gefruchtet. Denn im Audimax debattieren die Studenten höflich, nicht hämisch. Sie sind inhaltlich offen, rhetorisch gewandt, technisch versiert und kulturell intelligent. So haben es sich Brigitte Ederer, Alois Mock und Andreas Khol gewünscht, als sie Österreichs Weg in die EU ebneten.

Viertens, in der Weltpolitik verhandelt man Prioritäten der Zukunft, nicht der Vergangenheit. Die EU hat vor einem Jahr einen Weisenrat zum Thema Zukunftsplan bestellt; Österreichs Regierung und Wähler haben mit der Audimax-Bewegung einen solchen Rat frei Haus bekommen. Diese Bewegung möchte über das Jahr 2030 reden. Das beginnt mit den Rahmenbedingungen hier und heute. Solch mündige Sprösslinge wünschen sich Eliten weltweit. Fünftens, die Aufgaben des 21.Jahrhunderts erfordern viele Partner, die man oft erst auf den zweiten Blick erkennt. Das betrifft die G20 und die UNO; Staaten, Firmen und NGOs. So könnten Österreichs „Opinionleader“ ihr strategisches Interesse am Audimax entdecken. Vorstandsvorsitzende und Kulturschaffende wissen, dass Österreich nur dank bestmöglicher Bildung längerfristig das viertreichste Land der EU sein kann. Weiters vermuten Opinionleader, dass Bildung mit Freiheit und Entfaltung zu tun habe. Vielleicht sprechen sie das auf dem Podium im Audimax an?

Sechstens, internationale Berater wie Gallup-Chef Jim Clifton setzen auf den „Brain Gain“, eine positive Importbilanz von Humankapital. Städte sollten Magneten für intelligente, innovative Menschen sein. Wien könnte solch ein Magnet sein, so der erwartbare Tenor von 25Granden der internationalen Managementlehre, die sich diese Woche in der Stadt treffen werden. Von Leadership-Dorados wie St.Gallen oder Insead kommend, werden sie am Global Peter F. Drucker Forum mehr als einmal dem Brain Gain huldigen.


Zynismus nicht gefragt

Siebtens, das Labor der Zukunft verträgt keinen Zynismus. Die Freude des freien Fragens, Lernens und Führens haben drei Söhne Österreichs vorgelebt: Joseph Schumpeter, Karl Popper und Peter F. Drucker. Wenn Österreichs Führungskräfte diese Woche in Wien als Gastgeber der besagten 25Managementgurus beim Drucker-Forum posieren, sollte ihnen klar sein: Wären Schumpeter, Popper und Drucker auch auf der Gästeliste, sie würden in der Mittagspause ins besetzte Audimax abzweigen.

Mag. Verena Ringler, M.A., hat u.a. an der Johns Hopkins University in Bologna und Washington studiert und ist international tätig.


meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.11.2009)

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15 Kommentare
Ophicus
19.11.2009 11:54
0 0

Hintergründe

Mag. Verena Ringler, M.A., hat u.a. an der Johns Hopkins University in Bologna und Washington studiert und ist international tätig.

Seltsamer Weise steht aber nicht dabei was sie studiert hat oder worin ihre Tätigkeiten bestehen.

Ich bin zwar immer sehr dafür Angaben zum Gastkommentator anzugeben, aber so nichtssagendes Zeug hätte man sich auch sparen können.

phaeton
18.11.2009 19:00
1 0

Werbung der Fa. Schwarzkopf:

6Uhr: Hamburg: Die Frisur hält!

9Uhr: Pristina: Die Frisur hält!

....
....

PS: Multiple Identitäten behandelt man z.B. mit Haliperidol!
PPS: "Brain gain": Chappy statt Ringler, denn Chappy gibt's neuerdings mit Hirn.

2 0

Ich empfehle, Popper auch zu lesen...

Mag. Verena Ringler meint zu wissen, dass Geistesgrößen wie Popper und Schumpeter natürlich ins besetzte Audimax gekommen wären.
In ihren Argumenten für die Besetzer geht sie leider mit keinem Wort auf die Forderungen der Studenten ein. Form ersetzt (im Audimax und im Kommentar) wie so oft den Inhalt. Da ist von brain gain, Prioritäten der Zukunft, spontaner Allroundstruktur (?) oder geduldiger Prozesshaftigkeit die Rede.
Als Netto-Steuerzahler und Angehöriger des Mittelstandes, der schon jetzt einen Großteil der Staatsausgaben finanziert erwarte ich mir schon mehr von Akademikern als solchen Neusprech oder Slogans wie „Superbildung und Superlöhne für alle- her mit der Kohle“ bei der letzten Studenten-Demo. Wem soll das Geld für die Unis weggenommen werden. Wo kann man sparen?
Popper hat kritisiert, „dass es auf Universitäten Mode geworden ist, Dinge schwierig und damit eindrucksvoll auszudrücken. Intellektuelle Verantwortlichkeit besteht darin, eine Sache so klar und deutlich hinzustellen, dass man dem Betreffenden, wenn es etwas Falsches oder Unklares oder Zweideutiges sagt, nachweisen kann, dass es so ist.“
Vielleicht sollte Frau Mag. Ringler Popper einmal lesen anstatt ihn für billiges name-dropping zu missbrauchen.

Gast: Nasowas
18.11.2009 09:49
1 0

Joseph Schumpeter würde ob des substanzlosen Gastkommentars von Verena Ringler ausrufen,

dass die "Presse" auch nicht mehr das ist, was sie früher einmal war.

Arethas
17.11.2009 22:57
0 0

Wie wahr

"Sie praktizieren Europäische Integration par excellence."
Stimmt, viel fordern, aber zahlen sollens die anderen.
Noch was: Wären Schumpeter, Popper und Drucker auch auf der Gästeliste, sie würden in der Mittagspause gewiss auf die Toilette abzweigen.
Und hoffen, dass nicht "besetzt" ist.

Gast: Klaus Bachhofer
17.11.2009 22:56
2 0

Die schöne neue Welt der Frau R.

Jetzt müssen sich die wenig erfolgreichen Audimax-Besetzer auch noch von der phrasendreschenden Schaumschlägerin Verena Ringler vereinnahmen lassen, die in der besten aller möglichen Welten zu leben scheint.
Mehr Realitätsbezug täte sowohl Fr. Ringler als auch den Audimax-Besetzern gut.

3 0

Hat die Autorin das wirlich "ernst" gemeint?

Mit diesem Geschreibsel stößt der Begriff "Euphemismus" jedenfalls in völlig neue Dimensionen vor. Alles klingt so glatt, einfach und völlig frei von Schwierigkeiten und Problemen. Mir fallen dazu sofort virtuelle Kamerafahrten durch computergenerierte antike Städte ein. Ästhetisch sicher ein Genuß, aber man weiß ja als historisch halbwegs Informierter, daß das Leben in jenen alten Zeiten gewiß kein Honiglecken war...

Besonders lustig fand ich die Behauptung, künftige Führungskräfte seien "multiple Persönlichkeiten". Heute nennt man so etwas höchstens "schizophren"; früher rief man nach dem Exorzisten. Auch von den Studentenrevolten der 68er hatte man sich eine "neue Welt" erwartet. Heute befinden wir uns in einer globalen Finanzmarkt- und Realwirtschaftskrise. Da werden in den organisatorischen Ablauf der Audimax-Besetzung Entwicklungsmöglichkeiten hinein geheimnist, die jemand ohne universitäre Betriebsblindheit niemals vermuten würde. Träumen Sie ruhig weiter, Frau Ringler...

Gast: Martin H.
17.11.2009 16:16
2 0

Ich und Schäuble

Die Schreiberin erweckt den Eindruck, dass Schäuble und die türkischen Kabinettsmitglieder fast nur eine Nebenrolle beim erwähnten Seminar spielten (.. beendete ich mit Kabinettsmitgliedern ... mit Schäuble .. das Seminar), statt bescheiden und realitätsgetreu einfach zu schreiben: Ich absolvierte ein Seminar bei u.a. Schäuble.

Wer sich so überhöht, der weiß dann natürlich als geborenes Genie auch, was ein Popper oder ein Schumpeter denkt. Ein Akademiker könnte natürlich auch Zitate zitieren, die belegen, dass diese echten Geistesgrößen tatsächlich den Ideen der Studierenden nahestanden. Ein Geistesriese wie die Artikelschreiberin hat das nicht nötig. Sie weiss es einfach.

Die Welt ist für sie so einfach. Alles, was sie schreibt, kann nur in ihrem Sinne ausgelegt werden. Nur Schwarz-Weiß, keine Zwischenschattierungen. Das ist bester George W. Bush-Stil, jetzt wissen wir also, bei wem sie in Washington in der Lehre war. Da hätte es vielleicht bessere Lehrer gegeben.


Antworten fellini-nc
17.11.2009 18:04
0 0

Re: Ich und Schäuble

Das problem heutzutage ist aber leider das solche flaschen durch antechambrieren tatsaeschlich frueher oder spaeter in fuehrungspositionen aufsteigen.

joquer
17.11.2009 14:50
1 0

bingo!

Und zwar bullshit-bingo!
Schrecklich, wie hier 1. die Studentenproteste, denen man sicherlich positives aber auch viel negatives abgewinnen kann komplett undifferenziert bewertet werden und 2. versucht wird, mit dem Erwähnen von großen Namen darüber hinwegzutäuschen, dass die Meinung mit keinerlei Argumenten unterfüttert ist.

Gast: stockfinster
17.11.2009 14:04
0 0

Je später der Abend

umso lieber die Gäste.

Gast: Martin H.
17.11.2009 11:36
1 0

sehr oberflächlicher Artikel

Zum Ersten wird in der Einleitung der Eindruck erweckt, dass die Schreiberin fast direkt am Podium neben Persönlichkeiten wie Schäuble saß. Tatsächlich war sie einfache Teilnehmerin. Absolut unbedeutend, dies für den Artikel zu erwähnen.

Die Sicherheit, mit der die Schreiberin immer wieder von führenden Persönlichkeiten wie Popper etc. annimmt, dass sie dieses oder jenes getan hätten, ist fast schon kindisch. Hat sie hier keine besseren Argumente als haarsträubende Einstellungsabschätzungen, zu denen ihr jegliche Qualifikation und persönliche Kenntnis der Bezeichnenden steht?

Was sollen so blöde Aussagen, wie dass man Initiativen auf dem internationalen Parkett prinzipiell eine Chance gibt? Man sehe sich nur die Widerstände an, auf die Obama mit seinen Initiativen trifft, z.b. mit der Gesundheitsreform. Auf welche Offenheit der Israelis treffen die Initiativen der Palästinenser? Derartige Aussagen sind für eine Akademikerin erschreckend undifferenziert.

Was haben die Proteste im Audimax mit der europäischen Integration zu tun?

Und, und, und.... Kein einziger Punkt, bei dem man sich wirklich denkt, dass da Hirnmasse dahintersteckt. Einfach gedankenloses Namedropping, damit die Leute merken, dass man sich bei der Elite zuhause fühlt.

Es ist erschreckend, dass jemand mit solcher Schlichtheit des Gemüts zu einem akademischen Titel kommt.


Gast: Zweifler
17.11.2009 09:50
1 0

Heuchelei...

... ist dieser Artikel.

Am Ende des Artikels von Frau Ringler MA darauf hingewiesen, daß sie an ausländischen Universitäten studiert hat, die sich ihre Studenten sowohl mit selektiven Zugangssysteme als auch durch hohe (USA) Studiengebühren aussuchen können. Es entsteht sogar der Eindruck, daß es diese Auslandserfahrung ist, die Frau Ringler MA primär für das Verfassen des Artikels qualifiziert.

Egal, ob Frau Ringler diese Auslandsstudien durch hohe eigenen Leistungen (Stipendien) oder durch Geld (ihrer Eltern?) ermöglicht wurden, ist es skurrill, wenn jemand, der seine Identität aus der Absolvierung solcher selektiven Studien schöpft, nun Sympathien für die Freibiermentalität der Audimax-Besetzer bekundet. Vielleicht sollte sie den Damen und Herren im Audi-Max einmal erzählen, wie Selektion (und Studiengebühren) an wirklichen Weltklasseuniversitäten funktionieren.

Andererseits hat die Beibehaltung des bisherigen Freibiersystems natürlich den Vorteil, daß jene, die wie Frau Ringler (MA!), sich im Ausland an selektiven Universitäten zusätzliche Qualifikationen erwerben, aus der Menge hervorstechen und dann an Seminaren mit internationalen "Entscheidungsträgern" teilnehmen können.


haraldma
17.11.2009 08:01
0 0

7 Punkte für Bildungserwerb

Frau Ringler soll sich folgendes hinter die Ohren schreiben, bevor so ein Pofel verfasst wird:
1) Hörsaalbesetzungen aufgeben, da Verhinderung des Protestzieles Bildungserwerb und überhoher Verbrauch von Bildungsmitteln ohne Effizienz
2) Maturanten sollen sich besser über Studienrichtungen und -möglichkeiten informieren, bevor sie an die Uni gehen. Das Belegen überlaufener Studienrichtungen ist ideenlos und führt wie der Zug der Lemminge ins Drop-Out
3) Bildung fängt bereits in der AHS und BHS an. Dort können SchülerInnen bereits ihre Begabungen und Interessen festlegen und sich fachlich vorbereiten
4) Naturwissenschaftliche Logik und mathemathische Exaktheit gehen über Mundwerk und Bla-Bla
5) Philosophische und commerzielle Bildung hat nicht technikfeindlich zu sein
6) Naturwissenschaft und Technik dürfen keinem Studenten/keiner Studentin "viel zu schwer" sein
7) Bei richtiger Studienwahl und Zielstrebigkeit ist ein rascher Studienabschluss machbar und ein Bachelor- oder Master-Grad wird sich nicht als das große Kriterium erweisen.

Gast: Martin S
16.11.2009 22:29
0 0

Sorry,

aber soviel abgehobenen Schmarrn hab ich noch selten gelesen. Natürlich garniert mit ein paar englischen Worten und völlig unbekannten Namen, und *puff* ist das pseudo-wissenschaftliche Blabla fertig!

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