Gastkommentar

Keine Angst vor Konkurrenz, pochen aber auf Fairness

Der von Josef Urschitz gewünschte Wettbewerb würde Staat keine Kosten sparen.

Nein, Herr Urschitz, wir haben keine Angst vor Wettbewerb, wie es in ihrem Kommentar vom 8. Juli heißt. Wir pochen nur darauf, dass die Bedingungen fair sind und dass er für die Fahrgäste und für die öffentliche Hand sinnvoll ist. Denn zum jetzigen Zeitpunkt würde der von Urschitz gewünschte Wettbewerb dem Staat keine Kosten sparen und das Service für die Bahnkundinnen und Bahnkunden würde nicht besser werden.

Aktuell werden die ÖBB und elf weitere heimische Bahnen mit der Erbringung von Leistungen direkt beauftragt. Allein die ÖBB fahren dafür über 6000 Züge pro Tag. Und das auf Strecken und mit Intervallen, die kein Bahnunternehmen kostendeckend betreiben kann – außer es würde die Ticketpreise verdrei- bis vervierfachen. Wenn wir also weiter günstige Tickets haben wollen, dann wird die öffentliche Hand auch in Zukunft die Tarife stützen müssen.

Urschitz meint offensichtlich, dass durch Ausschreibungen geringere öffentliche Zahlungen für den Betrieb besagter Strecken anfallen würden. Oberflächlich betrachtet scheint das möglich. Sehr oberflächlich betrachtet! Tatsache ist nämlich, dass unsere Konkurrenten die Tochterfirmen anderer europäischer Staatsbahnen sein werden. Deren personell sehr schlank organisierte Auslandstöchter werden dabei weder Verantwortung für das Streckennetz noch für das Gesamtangebot und dessen Vertaktung übernehmen.

 

Gewinne fließen ins Ausland

Zudem werden die Gewinne der neuen Anbieter nicht wie bisher in den Ausbau der Bahn in Österreich fließen, sondern in den jeweiligen Konzernzentralen im Ausland landen. Jede Zusatzleistung, jede Investition in neue Angebote müsste dann erst recht wieder der österreichische Steuerzahler zahlen.

Bleibt die Frage, warum wir uns personell nicht auch so schlank aufstellen wie unsere Konkurrenten. Wir beschäftigen aktuell rund 40.000 Menschen. Mehr als die Hälfte davon sind „Beamte“, die uns die Republik nicht – wie etwa in Deutschland – zu marktüblichen Konditionen „überlassen“ hat, sondern zu den Bedingungen, unter denen sie seinerzeit vom Staat eingestellt worden sind.

 

Ordentliche Bezahlung

Um nicht missverstanden zu werden: Sie alle erbringen hervorragende Leistungen, ohne die wir nicht so erfolgreich sein würden. Gegenüber unseren Mitbewerbern haben wir aus diesem Grund aber höhere Personalkosten. Und zwar, ohne dass wir als Unternehmen etwas dagegen tun können. Das könnte nämlich nur der Eigentümer, indem er die höheren Lohnkosten abdeckt. Mit Steuergeld!

Das erklärt auch, warum es für den Staat am Ende nicht billiger wird: Die definitiv gestellten Mitarbeiter muss der Eigentümer nämlich immer bezahlen. Es sei denn, wir schicken die Kollegen wieder in Frühpension. Dann würden die Kosten nicht mehr bei uns aufscheinen, dafür aber im Pensionssystem. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Herr Urschitz das möchte. Und es wäre auch gegenüber den Mitarbeitern nicht fair.

Wir sind stolz darauf, dass wir unsere Mitarbeiter ordentlich bezahlen. Bei uns verdienen alle zumindest jene 1500 Euro brutto, die von den Sozialpartnern gerade als Mindestlohn festgelegt wurden. Dafür leisten sie auch viel: Sie sorgen mit Ihrem Einsatz und ihrem Know-how für Verlässlichkeit und für Sicherheit im Betrieb, die jedes öffentliche Verkehrsunternehmen braucht. Und sie sorgen mit ihrer Freundlichkeit und Kompetenz dafür, dass die Österreicher mittlerweile sehr stolz sind auf ihre rot-weiß-rote Bahn.

Andreas Matthä (54) arbeitet seit 35 Jahren im ÖBB-Konzern und ist seit Mai 2016 Vorstandsvorsitzender der ÖBB-Holding AG. Vor dem Wechsel an die Konzernspitze war er Vorstand der ÖBB-Infrastruktur AG.


E-Mails an:debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2017)

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