Gastkommentar

Sturm im Wasserglas: Steirischer Hopfen bleibt steirisch

Wie Wirtschaftskammer und Medien einen „EU-Skandal“ konstruierten.

Groß war die Aufregung im Mai, als folgende Meldung die Runde machte: Steirischer Hopfen dürfe in Zukunft nur noch aus Slowenien kommen. Das südliche Nachbarland habe sich nämlich die Bezeichnung „Štajerski hmelj“ schützen lassen, und damit sei der gute „echte“ steirische Hopfen plötzlich nicht mehr erlaubt. Wie sich nun zeigt, war das eine typische Fehlmeldung – geschuldet einer hysterischen Überreaktion auf alles, was da auch nur im Ansatz „aus Brüssel“ kommen könnte.

Eine Meldung der steirischen Wirtschaftskammer aufnehmend, wurden hurtig die EU und ihr angeblich weltfremder Regulierungswahn durchs Dorf getrieben. Slowenien habe sich das wichtige Kultur- und Exportgut Hopfen per „EU-Patent“ schützen lassen. Konsequenz daraus: Wo „steirischer Hopfen“ draufsteht, dürfe per EU-Recht ab sofort nur mehr Hopfen aus Slowenien drin sein. Entsprechend groß war die Empörung.

Hopfen hat in Slowenien eine lange Tradition. Es lag daher nahe, dass das Land ihn als geschützte geografische Angabe (g.g.A.) in der EU als Ursprungsangabe registrieren ließ. Das ist ein normaler Vorgang. In der Steiermark sind nach den gleichen Regeln etwa der steirische Kren, die steirische Käferbohne oder das bekannte steirische Kürbiskernöl geschützt.

 

Schon eine alte Marke

Im Fall des Hopfens wurde die Ursprungsbezeichnung in der slowenischen Landessprache, also als „Štajerski hmelj“, angemeldet. In diesem Schutz sind auch die jeweiligen Übersetzungen inkludiert. Und genau hier liegt das Problem, denn ins Deutsche übersetzt bedeutet das eben „steirischer Hopfen“ – was sich aufgrund der gemeinsamen Historie rasch erklären lässt.

Österreich hat übrigens bereits im Vorjahr gegen die Eintragung des Namens „Štajerski hmelj“ Einspruch erhoben, weil sich dies nachteilig auf das Bestehen von österreichischem steirischem Hopfen auswirken würde. Es wurde darauf hingewiesen, dass „steirischer Hopfen“ zur Bierherstellung verwendet wird und dass „Steirisches Bier aus steirischem Hopfen“ eine Marke sei, die von dem Unternehmen Brau Union Österreich AG jahrzehntelang im In- und Ausland aufgebaut wurde.

 

20 Jahre untätig geblieben

Daher würden durch die Eintragung des Namens „Štajerski hmelj“ die wirtschaftlichen Interessen sowohl der Mitglieder des Verbands der Hopfenerzeuger als auch der österreichischen Brauereien geschädigt.

In der nun am 8. August veröffentlichten Durchführungsverordnung der EU-Kommission wird all diesen Bedenken Rechnung getragen. Die Bezeichnungen „Hopfen aus der Steiermark“ und „Hopfen aus der Südsteiermark“ dürfen weiter verwendet werden.

Diese beiden Bezeichnungen stehen eindeutig mit Österreich in Verbindung und sind daher auch keine widerrechtliche Aneignung, Nachahmung oder Anspielung auf die slowenische Bezeichnung „Štajerski hmelj“. Verbraucher werden in Bezug auf den tatsächlichen Ursprung des Erzeugnisses nicht irregeführt.

Was sich schlussendlich als ein Sturm im Wasserglas herausstellt, hinterlässt jedoch einen schalen Nachgeschmack. Nicht nur, dass Österreich 20 Jahre lang Zeit gehabt hätte, den „steirischen Hopfen“ selbst einzutragen.

Aus dem EU-Amtsblatt geht auch noch hervor, dass der Streit bereits Anfang März beigelegt war. Also lange, bevor Österreichs Medien – und auch die steirische Wirtschaftskammer – im Mai einen Skandal konstruierten, der gar keiner war. Offensichtlich wollte man von eigenen Unzulänglichkeiten ablenken.

Stefan Brocza ist Experte für Europarecht und Internationale Beziehungen.

E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2017)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    Sturm im Wasserglas: Steirischer Hopfen bleibt steirisch

    Schließen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.