Gastkommentar

Donald Trump und sein Blind Spot

Der Präsident macht es den USA und der Welt nicht leicht. Könnte ein Mediator eine Lösung darstellen?

Donald Trump hat es nicht leicht, und die Welt hat es nicht leicht mit Donald Trump. Mit vielen Aussagen und Taten sorgt der US-Präsident für kollektives Kopfschütteln, laut Umfragen liegt seine Akzeptanz selbst bei seinen Wählern nur noch bei 61 Prozent.

Die Ursache dafür, dass Trump laufend falsche Entscheidungen trifft, ist sein sehr großer Blind Spot, der den Blick auf die Fakten verstellt. Sind wir nicht Willens und in der Lage, unseren Blind Spot zu erkennen und zu verkleinern, kann das zu schwerwiegenden Konsequenzen führen – in Trumps Fall auch für den Rest der Welt.

Aus der Verhaltensökonomie wissen wir, dass vier Treiber Blind Spots entstehen lassen. Stimmen etwa Innen- und Außenwahrnehmung nicht überein, gehen wir von falschen Realitäten aus und treffen fehlerhafte Entscheidungen. Trump sieht sich als „die wichtigste Person der Welt“, wie aus dem geleakten Protokoll eines Telefonats mit dem australischen Premierminister, Malcom Turnbull, hervorgeht; selbst anderen Regierungschefs gegenüber verhält er sich geradezu rüpelhaft.

 

Persönliche Gründe

Blind Spots entstehen auch, wenn der Eigen- über dem Fremdnutzen steht. Trumps Entscheidungen sind mehrheitlich von persönlichen Gründen getrieben. FBI-Chef James Comey etwa entließ er wohl vor allem wegen Vergeltung und Eigeninteresses, wie das Magazin „Politico“ schreibt. Er bezieht nicht das große Ganze in seine Entscheidungen mit ein, sondern handelt intuitiv und unbeherrscht. Auch von internationalen Vereinbarungen wie dem Pariser Klimaabkommen hält er wenig. Er will in den Ring steigen und als Gewinner hervorgehen.

„Sein Motto heiße nicht ,Anlegen, zielen, schießen‘, sondern ,Anlegen, schießen, zielen‘“, zitiert watson.ch Trumps früheren Pressebetreuer Alan Marcus. Das passt zum dritten Treiber, der Vernachlässigung von Geduld und Ausdauer. Alles muss sofort passieren, koste es, was es wolle.

Der vierte Treiber umfasst wiederkehrende Verhaltensmuster und kognitive Verzerrungen. Jeder Mensch nimmt Dinge unterschiedlich wahr, orientiert sich an Stereotypen, urteilt und interpretiert subjektiv. Anstatt seinen Blind Spot zu erkennen, arbeitet Trump immer wieder mit Unwahrheiten und erfundenen Argumenten. Was nicht in sein Weltbild passt, wird als Fake News abgetan.

 

Wie hilft Mediation?

Mithilfe von Mediation können Blind Spots ausgemacht und verkleinert werden. In den USA könnte ein institutioneller Mediator ein schwieriges Impeachmentverfahren verhindern. Oder drei weitere Jahre des Stillstands, weil die Institutionen damit beschäftigt bleiben, Trumps Blind Spot zu kompensieren. Im diplomatischen Bereich wird das mediative Prinzip immer wieder angewendet, um Konflikte zwischen Staaten zu lösen.

Auch die Kohabitation in Frankreich ist ein gutes Beispiel dafür, wie so eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Staats- und Regierungschefs ganz unterschiedlicher politischer Ausrichtungen ermöglicht werden kann. Doch im institutionellen Bereich gibt es diese Möglichkeit bislang nicht. Dabei wäre es auch hier notwendig, gemeinsame Interessen, Bedürfnisse und Ziele aller Beteiligter herauszuarbeiten.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Mediation, an deren Ende eine für alle zufriedenstellende Lösung steht, ist jedoch, dass ein Mediator auch von allen Seiten akzeptiert wird. Neben der Notwendigkeit, ein solches Verfahren auf institutioneller Ebene überhaupt erst möglich zu machen, stellt sich die Frage, ob eine Persönlichkeit wie Donald Trump einem solchen zustimmen würde.

Corinna Fehr ist Expertin für Konflikt- und Projektmanagement, Präsidentin des Vienna Behavioral Economics Network, Vorstandsmitglied des Österreichischen Bundesverbandes für Mediation.

E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2017)

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