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Schulbücher als Waffen

31.01.2007 | 00:00 | GASTKOMMENTAR VON ARNON GROISS (Die Presse)

Europa sollte sich der Gefahr, die von iranischen Schulbüchern ausgeht, bewusst werden.

D
ie Debatte um Irans Atomwaffen programm nimmt aktuell breiten Raum in den Medien ein. Doch abgesehen von den Nuklearwaffen wappnet sich das Regime in Teheran auf einer weiteren Ebene für einen Krieg gegen den Westen: mit Schulbüchern.

Iranische Lehrpläne erziehen Schüler zum Hass auf den Westen und bereiten sie auf einen Krieg vor, der entweder mit einem Sieg des Islam oder mit einem kollektiven Martyrium enden soll. Dies ergibt eine neue Studie, die das Center for Monitoring the Impact of Peace (CMIP) über 115 iranische Schulbücher durchgeführt und veröffentlicht hat.

Die Schulbücher verraten die alarmierenden Absichten des Revolutionären Iran, der sich an die Spitze des "Guten" stellt. Er betrachtet es als seine religiöse Mission, das "Böse" zu bekämpfen, bis dieses entweder völlig ausgerottet oder das "Gute" vernichtet ist. In einem Schulbuch für die Oberstufe drückt Ayatollah Khomeini dies so aus: "Entweder schütteln wir uns, aus Freude über den Sieg des Islam in der Welt, die Hand oder wir gehen alle ins ewige Leben und ins Martyrium ein. In beiden Fällen sind Sieg und Erfolg die unseren."

Das Lager des "Bösen" umfasst die gesamte westliche Welt. "Um die Islamische Revolution fortzuführen", so ein Schulbuch der 7. Klasse, "ist es unsere Pflicht, uns mit all unserer Kraft gegen die ,Arroganten' und ,Unterdrücker' aufzulehnen und nicht abzulassen, bis sich die islamischen Gebote realisiert haben und sich die erlösende Botschaft - es gibt keinen Gott außer Allah - in der Welt verbreitet hat." Dieser Krieg wird als "Initiativ-Dschihad" (Jehad-e Ebtedayi) bezeichnet und in einem Schulbuch für die 8. Klasse ausführlich behandelt.

Der Kampf beinhaltet auch eine kulturelle Dimension. Verwestlichung wird als "Westoxikation" (Gharbzadegi) bezeichnet und als erklärter Feind der Islamischen Revolution angesehen: "Heute [?] sage ich euch, o gläubige Brüder, dass wenn wir von der Oberfläche der Welt durch die verbrecherischen Hände Amerikas und der Sowjetunion ausgelöscht werden und vor unseren Gott würdevoll und mit [unserem] rotem Blut treten, das wäre besser, als das bequeme Leben eines Adligen unter der Flagge der Roten Armee des Ostens und der schwarzen [Flagge] des Westens zu führen." (Imam Khomeinis politischer Wille, Islamischer Standpunkt, 11. Klasse, 2004, S. 26.)

Die Schulbücher fordern militärische Bereitschaft. Im Fach "Vorbereitung zur Verteidigung" werden 13- bis 14-jährige Schüler mit Koranversen und Schlagwörtern der Islamischen Revolution auf den Umgang mit Waffen vorbereitet. Die Lehrbücher warnen vor feindlichen Angriffen und schüren Angst.

Durch verschiedene Methoden wird die Bereitschaft zum Martyrium (shahdat-talabi) geweckt: Koranverse, Sprüche schiitischer Imame und Testamente von Märtyrern werden in der Klasse vorgelesen und an die Wand gehängt. Das Motiv des Märtyrerblutes und sein Symbol der roten Tulpe sind die dominierenden Themen. Nach Angaben einer iranischen Gruppe haben sich bisher 25.000 junge Menschen als zukünftige Selbstmordattentäter beworben.

Lehrpläne spielen eine entscheidende Rolle bei der geistigen Entwicklung junger Menschen. Totalitäre Regime wie im nationalsozialistischen Deutschland, stalinistischen Russland und imperialistischen Japan nutzten sie, um sich die Loyalität ihrer Jugend zu sichern. Als der Iran im Krieg gegen den Irak 36.000 Schüler in den Tod schickte, sangen sie Märtyrerparolen. In den Schulbüchern sind diese Parolen ein zentrales Thema.

Als Teil der westlichen Welt befinden sich die Europäer im Visier des iranischen islamistischen revolutionären Regimes. Sie sollten sich der Gefahr dieser Schulbücher bewusst werden und sie als Kindesmissbrauch und als Gefahr für den Weltfrieden verurteilen. Sie sollten jeglichen Handel mit dem Iran an die Bedingung knüpfen, von diesen Hasslehren Abstand zu nehmen.

Europa hat die moralische Verantwortung, gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft die Meinung der Weltöffentlichkeit zu sensibilisieren und vor diesen Büchern zu warnen. Es wird Zeit, dass Europa aufwacht und reagiert.

Dr. Arnon Groiss ist Forschungsleiter am Center for Monitoring the Impact of Peace (CMIP). Er ist mit Navid Toobian Verfasser einer Studie über iranische Schulbücher (http://www.edume.org), die am 1. Februar Wiener Presseclub Concordia vorgestellt wird.

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