25.05.2012 18:42 | Meine Presse Merkliste 0

Albtraum in Teheran: Ohne Assad schwindet Einfluss in Nahost

SABA FARZAN (Die Presse)

Der Sturz des syrischen Machthabers ist nur eine Frage der Zeit. Für die USA und den Westen eine historische Chance.

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Die Isolation von Bashir al-Assad ist komplett. Die Saudis, Bahrain und Kuwait haben ihre Botschafter zu Konsultationen abgezogen. Der amerikanische Botschafter weilt gerade in den USA, und man kann davon ausgehen, dass Außenministerin Hillary Clinton persönlich dafür sorgen wird, dass er nicht mehr nach Syrien zurückkehrt.

Der türkische Außenminister reiste nach Damaskus, um zu verdeutlichen, dass das Morden in den syrischen Städten aufzuhören hat oder dies das letzte türkische-syrische Gespräch war. Eine sogenannte Kontaktgruppe aus den Vereinigten Staaten, Saudiarabien, Katar und Frankreich hat sich zusammengefunden, um die Transition zur Post-Assad-Ära zu begleiten.

Gespräche mit der Opposition, Gespräche mit den Militärs und Gespräche zwischen den Militärs und der Opposition sind es, die die Kontaktgruppe eingeleitet hat und die helfen sollen, das Blutvergießen zu beenden. Dass sie das tun werden steht außer Frage und vor allem verhindern sie das Abdriften Syriens in einen Bürgerkrieg. Es hat lange – fast zu lange – gedauert, bis sich im Westen die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass mit Assad der Schlimmste der Schlimmen bereits an der Macht ist und alles, was nach ihm kommen mag, mitnichten so schrecklich sein kann wie dieses gegenwärtige Terrorregime – aber nun endlich ist es so weit.

 

Sanktionen im Energiebereich

Gemeinsam mit Frankreich haben auch andere europäische Länder hier eine große Verantwortung und müssen rasch schmerzhafte Sanktionen im Energiebereich einleiten. Ja, irgendwo in dieser Protestbewegung sind auch Islamisten unterwegs, doch es ist alles andere als eine Verniedlichung zu sagen, dass die Mehrheit der freiheitsliebenden Syrer tatsächlich nach Demokratie strebt. Sie wissen, dass ihre Forderungen nach wirtschaftlicher Teilhabe und legitimen Rechten als Bürger ihres Landes nicht mit Radikalismus zu erreichen sind – es sind nur demokratische Strukturen, die ihren Traum zur Realität werden lassen.

Die Arabische Liga und der Golfkooperationsrat haben zu Reformen in Syrien aufgerufen. Nun, in dieser Region von autoritären Herrschern kommt Reform ziemlich nah an Revolution heran. Es ist bemerkenswert, dass die arabischen Länder überhaupt die Mauer des Schweigens durchbrochen haben. Sie hätten es schon früher getan, wenn es nicht ein geradezu fahrlässiges Schweigen des US-Präsidenten gegeben hätte.

 

2000 unschuldige Opfer

Doch auch das soll nun endlich in Kürze durchbrochen werden. Es bleibt allerdings immer noch eine Fassungslosigkeit gegenüber der Passivität von Barack Obama. Musste es tatsächlich mindestens 2000 unschuldige Tote in Syrien geben, bevor klar wird, dass diese Barbarei nur durch amerikanische Stärke zu beenden ist? Und war für Präsident Obama in den letzten Wochen tatsächlich noch ein Crashkurs nötig, um zu sehen, dass dies eine historische Chance ist, den iranischen Einfluss erheblich zu schwächen?

Ungefähr der zweitschlimmste Albtraum für Khamenei und Co. – nach dem eigenen Sturz – ist ein Ende des Assad-Regimes. Die Achse Iran–Syrien–Hisbollah würde sofort einbrechen. Das finanzielle, logistische und strategische Desaster für die Islamische Republik Iran kann man sich mit wenig Fantasie schön vorstellen. Einmal ganz davon abgesehen, dass eine erfolgreiche syrische Revolution auch der iranischen Freiheitsbewegung wieder Aufwind geben wird. Unter Analysten laufen bereits Wetten, dass Assad junior den Fastenmonat Ramadan politisch nicht überleben wird – die Syrer hätten es wahrlich verdient.

Saba Farzan (31) ist deutsch-iranische Publizistin und schreibt für deutsche und Schweizer Medien.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2011)

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3 Kommentare
gent
11.08.2011 11:26
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Ami Going Home

I smile indulgently when I read young Saba expressing her “Fassungslosigkeit gegenüber der Passivität von Barack Obama“ and her innocent faith that the current strife in Syria can only be stopped through „amerikanische Stärke.” She means well!

Her parents were probably children when I was a young infantry conscript showing “amerikanische Stärke” in South Vietnam (an intervention that instead demonstrated the limits of “amerikanische Stärke”). And decades later, Saba was roughly ten years old when so many neutral Austrians switched from “Ami go home” to "Ami do something. The “crise du jour” at that time was Yugoslavia.

But for Americans, finally, the crisis of the day is one that has been building for many decades: how to reconcile their good intentions, their ambitions, and their hubris with the reality that their economy can no longer sustain such interventionism. So, thanks for the confidence, but I think reality has belatedly set in for most of my fellow Americans. The message heard more frequently during my lifetime is finally being absorbed: Ami go home! Geostrategically, the US has always been in an enviably comfortable position there, despite generations of foreign policy dogma claiming the contrary.


Gast: Kosai
11.08.2011 09:17
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???

Leider verwechselt die Autorin zwischen Realität und Wunschdenken. Der Artikel gründet auf Halbwahrheiten und schlechter Propaganda.
Es scheint als wollte die Autorin die Armeen dieser Welt aufrufen in Syrien und nachher in Iran ein zu marschieren.

Liebe Frau Farzan: nicht so befreit man sein Land vom Diktatur.
und noch eine Bemerkung: Der Handel mit den Opferzahlen ist unter aller Niveau.

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Eine Frage der Zeit? Hat´s auch bei Gaddafi geheißen...

Ein gutes halbes Jahr lang schmeißen NATO-Bomber nun schon ihre Last auf Libyen herunter und hoffen, dabei zufällig auch einmal Gaddafi zu treffen. Doch der ist ein schlauer Fuchs und wechselt sein Domizil schneller als wir unsere Aschenbecher leeren. Die Wüsten-Ditkatoren scheinen gegen Gefahr von außen sehr gut imprägniert. Man mag sie "Irre" oder "gnadenlose Machthaber" nennen. Aber in der Disziplin "Überleben" sind sie noch immer Meister!

Auf Barack Obama würde ich, ehrlich gesagt, in nächster Zeit eher nicht zählen. Der taumelt durch den Ring wie ein angeschlagener Boxer und kann kaum noch aus den Augen sehen. Zu hart waren die Schläge, die ihm die Republikaner unter frenetischem Beifall der "Tea Party" verabreicht hatten. Von seinem "Yes, I can" am Beginn der ersten Runde ist nichts übrig geblieben. Auch rein optisch ist der Präsident geradezu erschreckend gealtert. Und rein finanziell ist an eine dritten Front für einen US-Einsatz eh kaum zu denken. DIESE Unsummen würden Obama nicht einmal mehr die eigenen Parteigänger verzehen. Und die Rating-Agenturen am allerwenigsten.

Assad hat hingegen mit Rußland und China zwei verläßliche Freunde und Unterstützer im UN-Sicherheitsrat. Das scheint ihm für die nächste Zeit zu genügen. Dann wird man wieder weiter sehen...


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