25.05.2012 18:42 | Meine Presse Merkliste 0

Massenmörder Breivik – ein Islam-Hasser? Mitnichten!

STEPHAN GRIGAT (Die Presse)

Der Attentäter von Oslo hasst Moslems, die nach Europa kommen. Im Islam im Nahen Osten sieht er jedoch einen Bündnispartner.

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Für Verfechter des Kampfbegriffs „Islamophobie“ wurde durch das Massaker von Oslo endgültig bewiesen, dass der traditionelle Antisemitismus durch einen Hass auf den Islam abgelöst worden sei. Doch ein Blick in Anders Breiviks „Manifest“ könnte einen eines Besseren belehren. Weder erteilt er dem Antisemitismus eine Absage, noch stürzt er sich in blindem Hass auf den Islam.

Sein Antisemitismus äußert sich unter anderem darin, dass er in Westeuropa nur deswegen kein „jüdisches Problem“ sieht, weil die dortigen jüdischen Gemeinden ausgesprochen klein seien – abgesehen von Frankreich und Großbritannien, wo, wie Statistikfan Breivik referiert, 800.000 Jüdinnen und Juden leben, was eben doch wieder, ganz so wie in den USA, ein „jüdisches Problem“ hervorrufe. Wohl nur aufgrund der geringen Zahl von Jüdinnen und Juden in Europa will Breivik „nicht den gleichen Fehler wie die NSDAP“ machen.

Breivik hasst Moslems, die sich in Europa niedergelassen haben. Dem Islam jedoch kann er einiges abgewinnen. Er müsse zwar aus Europa herausgehalten werden, komme ansonsten aber durchaus als Bündnispartner im Kampf gegen die „US/EU-Globalisten“ infrage. Selbst die Errichtung eines von „frommen Muslimen geführten Kalifats im Nahen und Mittleren Osten“ hält Breivik unter bestimmten Umständen für ein unterstützenswertes Projekt, was insbesondere angesichts seiner ausgeprägten Misogynie überhaupt nicht verwunderlich ist. Umso bemerkenswerter, dass sein archaisches Frauenbild und seine Spekulationen über den Islam als potenziellen Partner im Kampf gegen die „Kulturmarxisten“ in der bisherigen Diskussion über die Anschläge von Oslo kaum eine Rolle spielt.

Der Versuch, linke und liberale Kritiker des Islam in die Nähe von Breiviks eklektizistischen Irrsinn zu rücken, stellt nichts anderes als ein durchschaubares Manöver dar, mit dem jegliche Kritik an der islamischen Menschenzurichtung unter Rassismusverdacht gestellt werden soll. Sich über die geistige Nähe von Neonazis und den eingeborenen postnazistischen Erben der NSDAP zu Breivik Gedanken zu machen, ist hingegen alles andere als abwegig. Der Massenmörder teilt mit ihnen nicht nur den Antisemitismus, sondern auch jene Mischung aus Hass auf und Neid gegenüber dem Islam, die ohne eine gewisse Bewunderung nicht auskommt. Solche Leute nehmen jede neue Dönerbude in ihrer Wohngegend als existenzielle Bedrohung wahr, dem islamischen Furor im Orient können sie aber kaum anders als durch ehrerbietende Anerkennung begegnen. Ihr Ziel ist die Verwirklichung einer zur Gemeinschaft formierten Gesellschaft, die Materialismus und Individualismus entsagen soll, worin erschreckenderweise auch gar nicht wenige Linke eine Perspektive sehen.

 

„Zersetzende“ Kritik

Mit den deutschen und österreichischen Nachlassverwaltern der Nazi-Ideologie teilt Breivik aber nicht nur den Neid gegenüber der gemeinschaftsstiftenden Kraft des Islam, sondern auch den Hass auf die „Frankfurter Schule“, also die Kritische Theorie von Theodor W. Adorno und anderen. In Österreich hatten Burschenschafter und FPÖler schon vor einigen Jahren der Kritischen Theorie ein ganzes Symposium unter dem Titel „Frankfurter Schule – die neunte Todsünde“ gewidmet, auf dem über jene „zersetzende Wirkung“ von Adorno, Max Horkheimer und Herbert Marcuse referiert wurde, die auch der norwegische Massenmörder beklagt. Eben diese „zersetzende“ Kritik in der Tradition von Adorno ist es, die auch heute die besten Waffen gegen abendländischen Wahn und islamischen Dschihad, gegen linke Islam-Apologeten und rechte Fremdenfeinde bietet.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft an der Uni Wien und Mitherausgeber von „Iran im Weltsystem“.


debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2011)

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15 Kommentare
Gast: antiantid
27.08.2011 19:23
0 0

In Österreich hatten Burschenschafter und FPÖler schon vor einigen Jahren der Kritischen Theorie ein ganzes Symposium unter dem Titel „Frankfurter Schule – die neunte Todsünde“ gewidmet, auf dem über jene „zersetzende Wirkung“ von Adorno, Max Hor[..]

Aber doch wohl nicht mit Präsenz der Herren vom Wiener Akademikerbund, Verbündete in Grigats Bruno Bauer'scher Querfront gegen Islam und andere dem Weltgeist sich widersetzende regressive Elemente?

Antworten Gast: Hunter
28.08.2011 11:00
1 0

Re: In Österreich hatten Burschenschafter und FPÖler schon vor einigen Jahren der Kritischen Theorie ein ganzes Symposium unter dem Titel „Frankfurter Schule – die neunte Todsünde“ gewidmet, auf dem über jene „zersetzende Wirkung“ von Adorno, Max Hor[..]

Nur zur Erinnerung:
Vater des Täters reicher Sozialist
Mutter Emanze
Patchworkfamilie
Israel und Churchill Fan....
Quelle: Die Presse

Antworten Antworten Gast: antiantid
28.08.2011 11:42
0 0

Re: Re: In Österreich hatten Burschenschafter und FPÖler schon vor einigen Jahren der Kritischen Theorie ein ganzes Symposium unter dem Titel „Frankfurter Schule – die neunte Todsünde“ gewidmet, auf dem über jene „zersetzende Wirkung“ von Adorno, Max Hor[..]

Und das soll jetzt genau was begründen? Auch der Apfelbaum wirft Schatten, manchmal sogar ganz gehörige, manchmal sind wir davon auch positiv überrascht, manchmal deutlich negativ (wie in diesem Fall).

Gast: Rosetti
26.08.2011 19:25
2 0

Adorno und die zersetzende Kritik

Ich möchte den verehrten Herrn Grigat darauf hinweisen, dass es - was ihm sicher bekannt ist - eine Webseite namens kritiknetz (www.kritiknetz.de) gibt, betrieben von Heinz Gess (ein Apologet der "Frankfurter Schule") , dem man vor gar nicht allzu langer Zeit des Rassismus bezichtigt hatte, weil er den Islam (wie jede andere Religion) als "kollektive Zwangsneurose" (Freud) bezichnet hatte.
Man kann sich zur Info diverse Artikel zum Thema Islam, Linke, Faschismus usw. herunterladen.
Zu diesem Artikel wäre noch zu ergänzen, dass es offensichtlich nicht wenige Menschen gibt, die Religionsfreiheit um jeden Preis - natürlich nur für den Islam - fordern, weil sie dessen massiv politisch-gesellschaftliche atavistische Tendenzen schätzen.
Enfacher formuliert: Man sehnt sich - des gesellschaftlichen Lotterlebens müde, geradezu nach "Bereicherung" durch die Familienidylle, der alten Geschlechterrolle, einer gewissen robusten Demokratur und ein wenig Judenfeindschaft also nach den Acessoirs der bürgerlichen Welt, die noch in den 70 Jahren (des 20. Jh) als eine wesentliche Komponente des Humus ansah, auf dem der Nationalsozialismus gedieh.

2 0

Breivik und Broder?

zu hinterfragen, warum Breivik sich auf Broder bezieht, ist durchaus legitim.

genau dasselbe habe ich auch bei Bin Laden und Chomsky gemacht:

http://aron2201sperber.wordpress.com/2008/09/25/warum-empfiehlt-uns-bin-laden-chomsky/

daraus eine „geistige Mittäterschaft“ für den Terror-Wahnsinn zu konstruieren, ist hingegen jenseitig mies.

http://aron2201sperber.wordpress.com/2011/08/18/broder-und-breivik-vs-bin-laden-und-blum/

Patty
25.08.2011 22:09
1 4

Falsche Einordnung

Dass Islamophobie ein Kampfbegriff sei, ist eine Erfindung der islamophoben.

Es ist die Frage, auf welche Weise der Begriff gebraucht wird, da er inhaltlich nicht definiert ist.

"Der Versuch, linke und liberale Kritiker des Islam in die Nähe von Breiviks eklektizistischen Irrsinn zu rücken"

Das tat nie jemand. Es geht darum, den rechten Rassismus, den Breivik, NPD, FPÖ usw. anhängen, und der sich einerseits in einer Feindschaft gegenüber Muslimen(als größtes "Fremdrassisges" Kollektiv) äußert, zugleich aber auch in einer Hinwendung zu Antisemitischen Regimen (siehe z.B. die FPÖ- und NPD-Liebe zum Iran) auch als solchen zu benennen. Das ist nötig, um linke und Liberale vom Rechtsextremismusvorwurf zu lösen. Die würden nämlich nie den Islam als "demographisches Problem" bezeichnen.

Gast: die matrix
25.08.2011 17:23
0 0

Fehler!

Entschuldigen Sie bitte, "Antideologe"! Nicht Sie, sondern "Schlächter" hat Nazinostalgiker "verharmlost".

Gast: die matrix
25.08.2011 17:02
0 0

Die Breivik-Schule

Das alles hat uns gerade noch gefehlt! Aus dem Manifest wird doch tatsächlich noch eine "Anders-Breivik-Schule" etabliert werden. Überhaupt ist festzustellen, dass heutzutage die Taten, die aus ideologischen Motiven gesetzt werden, weitaus weniger Gewicht zu haben scheinen, als die Worte, die sie umbrämen.

In der Umkehrung kann man wohl auch mit Recht behaupten. - wie auch von "Antiideologe" bereits ähnlich gepostet - dass Nazinostalgiker keine wirkliche Gefahr darstellen. Ich persönlich betrachte sie als eine Art von "Trachtenverein".

Also lasset nicht die Worte so vieler Wichtigtuer maßgeblich sein für unser Urteil, sondern die Taten!

Gast: Netter Versuch,
25.08.2011 14:43
3 1

durch selektive Zitierung aus 1500 "eklektizistischen" Seiten

etwas zusammenzubasteln, um Breivik ins gewünschte böse rechte Eck zu stellen.

Faktum ist: Der Mann ist ein strammer "Westler", Freimaurer, Churchill-Verehrer, Israel-Fan und betrachtet Max Manus als Vorbild, kurz: Er kommt eindeutig aus der alliierten Ecke.


Antworten Gast: A.Bundy
26.08.2011 21:51
0 3

Re: durch selektive Zitierung aus 1500 "eklektizistischen" Seiten

Was für ein abgrundtiefer Quatsch, ihr lächerliches "Faktum" können sie sich stecken.
Witzig vor allem, wie sie so putzig-pseudoempört die "selektive Zitierung aus 1500 "eklektizistischen" Seiten [...] um Breivik ins gewünschte böse rechte Eck zu stellen" bejammern, um sich dann selbst in den wüstesten Kontruktionen zu ergehen.
Nice try douchebag! :D

Gast: Antideologe
24.08.2011 13:59
5 1

Ah ja, klar!

wer die Frankfurter Schule kritisiert ist ein Nazi. Absolut logisch. (Ebenso sind alle Nichtraucher, die sich dem giftigen Qualm anderer nicht aussetzen wollen, Nazis, weil Hitler Nichtraucher war.)
Hr. Grigat: so viel Unsinn in einem Artikel ist fast schon wieder genial. Was Sie an Quersch(l)üssen, an schier unglaublichen Schlussfolgerungen, an grotesken Wertungen, Urteilen u. Schuldzuweisungen, an Oberflächlichkeit, propagandistischer ideologischer Schubladisierung u. Denunziation, kurz: an Intoleranz, primitivstem Linksfaschismus u. indirektem Gesinnungsterror fabrizieren, ist absolutes Spitzenkabarett – in gewisser Weise, denn es ist zugleich unerträglich. Was Sie alles am einzigartigen Einzelfall eines manifesten Geisteskranken aufhängen, der – ich bin geneigt zu sagen: EBENFALLS – irre Texte verfasst hat, ist nobelpreisverdächtig. (Nobelpreis für herausragendste Leistung in perverser Ideo-logik und Herumfantasieren in einer abstrusen Scheinrealität.)
Könnte die Presseredaktion ihre Leser vor derlei Geschwätz bewahren? Das wünsche ich mir nicht aus Intoleranz – alle sollen selbstverständlich ihre Meinung sagen dürfen - sondern weil es einfach wehtut so etwas Schlechtes u. Dummes zu lesen, irgendwo hat die Presse ihren Lesern gegenüber ja eine Qualitätsverantwortung. Freilich: man MUSS es nicht lesen, aber woher soll man vorher wissen was einen da Schreckliches erwartet?
Übrigens: was genau ist ´islamischer Furor im Orient´?

Antworten Arethas
25.08.2011 09:15
0 0

Re: Ah ja, klar!

Stimme Ihnen bei, ausgenommen bezüglich der Verwendung der kuriosen und völlig widersinnigen Wortschöpfung "Linksfaschismus".

Links ist Sozialismus, ganz gleich welche Farbe.

Antworten Antworten Gast: Antideologe
25.08.2011 17:45
2 0

Re: Re: Ah ja, klar!

Ausnahmsweise eine Antwort auf einen Kommentar meines Kommentars (üblicherweise kommt nur ein fruchtloses Hin-und-Her heraus,bei dem es darum geht wer der bessere Besserwisser ist). Aber ich nehme Ihre Anmerkung zum ´Linksfaschismus´ ernst, vor allem das dahinterliegende, wichtige Thema - versuche daher den Begriff aus meiner Sicht zu erklären: Faschismus ist ein Überbegriff und bedeutet: (extreme, vordergründig politisch-ideologisch daherkommende) Intoleranz gegenüber Andersdenkenden und Andersseienden. Dass er meistens nur für rechte Intoleranz verwendet wurde u. wird ändert nichts an seinem Wesen als Überbegriff. Daher gibt es einen rechten und einen linken Faschismus (eine rechte und eine linke Intoleranz): im einen Fall ist das z.B. Ablehnung bis Hass auf andere Ethnien, (früher mal ´Rassen´genannt)/Völker/Fremder... im zweiten Fall Ablehnung bis Hass auf andere soziale Gruppen (´die Reichen´, der Adel, ´die Bourgeoisie´, ´das Estalishment´, in weiterer Folge ´die Konzerne´, religiöse Gemeinschaften - und halt alle, die einem nicht passen...), ´umgesetzt´ in Form des Nationalsozialismus bzw. des Kommunismus, (abgeschwächt als Sozialismus), weshalb es HIER nur jeweils EINE Farbe gibt. Der Begriff ´Linksfaschismus´ ist daher alles andere als widersinnig, im Gegenteil, er ist deshalb besonders sinnig, weil er die Gemeinsamkeit, die gemeinsame Wurzel aller Ideologien entlarvt: Intoleranz, im extremen Fall Hass auf Andersdenkende/Andersseiende - welcher Farbe auch immer.

Gast: schlÄchter
23.08.2011 12:03
7 0

sg herr grigat!

netter versuch islamkritik/warnung vor islamismus-auswirkungen in europa in gut (links) und böse (rechts-fpö) einzuteilen zu versuchen und breivik in die nähe wohl welcher richtung zu drücken?

der neue "antisemitismus" und der weitaus gefährlichere ist jener aus der islamistischen ecke. nazinostalgiker mag es vereinzeltz noch geben, aber diese stellen eben schon längst keinerlei relevante oder wirklich gefährliche entwicklung mehr dar-außer in der wahrnehmung linker ideologen, die ein solches gespenst zur aufrechterhaltung ihrer (radikal)positionenn brauchen.
auch herr muzikant vergisst (bewusst) dieses und zb auf genossen al-rawi und ortet lieber "krebsgeschwühre" und "kellernazis".

natürlich werden im nahen osten schon alleine demograpghisch und auch durch denn gegebenen islamischen grundprägung dortiger gesellschaften bedingt, neue staatsformen ausformen - damit sind gefahren verbunden, aber längerfristig eben dem jahrhundertealten traditionen entsprechend auch mit chancen.
bes. die türkei aber mmn auch der iran hat die chance hier eine neue art einer islamischen demokratie zu sein, die auch mit ihren westl. nachbarn friedliche nebeneinander zu bestehen will und kann.

s.


Antworten Gast: antiantid
27.08.2011 19:27
0 0

Re: sg herr grigat!

Da muss man den Rechten leider Recht geben...wie weiter oben geschrieben:
Grigat und Konsorten betreiben mit ihrem verqueren stadienartigen Pseudomarx eine Querfront. Ob sie nun wollen oder nicht.

Hinweis

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