25.05.2012 18:43 | Meine Presse Merkliste 0

Den ORF aus der Geiselhaft der Quote befreien

CORINNA DRUMM (Die Presse)

Die werbebedingte Quotenorientierung ist wie eine Fessel an dessen Bein. Der ORF kann mit seinem Schielen auf die Zuseherzahlen seinen Programmauftrag nur unzureichend wahrnehmen.

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Unlängst konstatierte der Kommunikationswissenschaftler Fritz Hausjell an dieser Stelle das „Ende der österreichischen Mediengemütlichkeit“. Er machte dies fest an der scharfen Kritik, die der Verband der Österreichischen Privatsender am Bewerbungskonzept des nunmehr wiedergewählten ORF-Generaldirektors Alexander Wrabetz geäußert hatte.

Anstelle des früher amikalen Verhältnisses, das in medienpolitischen Belangen zwischen den Zeitungsverlegern und dem ORF geherrscht hatte, würde sich nun ein aggressiverer Tonfall bemerkbar machen.

Glücklicherweise ist die Ordnung des Medienmarkts mittlerweile nicht mehr nur ein Thema für Zeitungsverleger und ORF. Seit der österreichische Rundfunkmarkt – im europäischen Vergleich unendlich spät – liberalisiert wurde, seit also private Radiosender und privates Fernsehen in Österreich zugelassen wurden, hat sich eine vielfältige Senderlandschaft entwickelt, die bezogen auf die Größe des Landes ihresgleichen sucht. Die privaten Fernseh- und Radiomacher bieten den Österreicherinnen und Österreichern Tag für Tag ein überaus abwechslungsreiches Programm.

Dieses beinhaltet unter anderem aktuelle Nachrichten, lokale und regionale Informationen, politische Diskussionen, Serviceinformationen, Shows, Spielfilme und Unterhaltungsserien. Die Österreicher schätzen dies sehr, wie die laufend steigenden Marktanteile der Privatsender belegen.

 

Krisenunabhängige Einnahmen

Doch dieses Programmangebot kostet auch Geld. Während der ORF seine Sender mit knapp 600Millionen Euro aus Gebühren finanzieren kann und zusätzlich noch gut 200 Millionen Euro aus dem Werbemarkt erlöst, stellt sich die Situation für die Privatsender etwas weniger komfortabel dar. Alle österreichischen Privatsender zusammen erlösen geschätzt weniger als 300 Millionen Euro aus dem Werbemarkt.

 

Förderung fällt kaum ins Gewicht

Die vergangenes Jahr außerdem eingeführte Förderung in Höhe von zehn Millionen Euro ist zwar positiv, fällt bilanziell jedoch letztlich nur sehr gering ins Gewicht. Private Radio- und Fernsehunternehmen sind also praktisch zur Gänze vom zuletzt krisengeschüttelten Werbemarkt abhängig, während der ORF sich über einen sicheren Gebührenpolster freuen kann. Doch das reicht ihm offenbar nicht. Der ORF-Generaldirektor hat nämlich anlässlich seiner Wiederbewerbung von allen Seiten mehr Geld für den ORF gefordert: inflationsangepasst höhere Rundfunkgebühren von den Österreichern, mehr Geld aus der Staatskasse und zu guter Letzt auch noch mehr Möglichkeiten auf dem Werbemarkt.

 

Abgehobene ORF-Forderungen

Diese Forderungen als „abgehoben“ zu kritisieren, so wie es Privatsenderpräsident Klaus Schweighofer getan hat, ist keineswegs „unsinnig“, wie Hausjell kritisiert, sondern bei ansatzweiser Objektivität nur nachvollziehbar. Denn dass eine Ausweitung der Vermarktungsmöglichkeiten des ORF zulasten der privaten Mitbewerber gehen würde, steht außer Frage. Und dass dies angesichts der schon jetzt bestehenden Wettbewerbsverzerrung – siehe oben – für die Privatsender nicht akzeptabel ist, ebenfalls.

 

Private für klare Differenzierung

Hausjell vermutet in seinem Kommentar, dass der Privatsenderverband den Unterschied zwischen „Public Value Management“ (womit hier wohl das Management eines öffentlich-rechtlichen Senders gemeint ist) und dem Management eines privaten Medienunternehmens nicht kennt.

Das Gegenteil ist der Fall: Die Privatsender sind seit jeher für eine klare Differenzierung zwischen dem öffentlich-rechtlichen Teil des Rundfunkmarkts und dem der Privatsender, vor allem im Hinblick auf die Finanzierung. Aufgrund des spezifischen Auftrags des ORF ist dieser anderen Zielen verpflichtet als private Medienunternehmen.

Sein primärer Auftrag ist es, ein differenziertes Programm anzubieten, das sich an der Vielfalt der Interessen aller Hörer und Seher zu orientieren und sie ausgewogen zu berücksichtigen hat. Mehr noch: In Inhalt und Auftritt hat der ORF auf die Unverwechselbarkeit mit privaten Mitbewerbern zu achten.

 

Unlösbarer Zielkonflikt

Dieses Ziel steht jedoch im diametralen Gegensatz zu den Zielen, die sich aus der Vermarktung von Werbung ergeben. Hier steht die Quotenmaximierung im Vordergrund. Öffentlich-rechtliches Programm ist jedoch nicht durchgängig marktfähig bzw. quotenstark. Da es aber im Interesse der Allgemeinheit liegt, muss es durch Staatsmittel – hier: Gebühren – finanziert werden. Die umfassende Erfüllung des Programmauftrags ist mithin die Legitimationsgrundlage für die Belastung der österreichischen Haushalte mit den monatlichen Rundfunkgebühren zwischen 18,61 und 23,71 Euro.

Ob dieser Auftrag vollständig erfüllt wird, darf angesichts etwa der Fülle an völlig verwechselbaren US-Serien und -Filmen auf ORF eins oder der nur in geringen Dosierungen vorhandenen, öffentlich-rechtlichen Inhalte etwa auf Ö3 durchaus hinterfragt werden.

 

Politische Unabhängigkeit

Zu Recht stellt Hausjell in seinem Kommentar fest, dass medienpolitische Fragestellungen an Komplexität gewonnen haben. Auf den ORF kommen technologische, gesellschaftliche und finanzielle Herausforderungen zu, die es zu meistern gilt.

Österreich braucht einen starken und unabhängigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Damit der ORF dies wird, ist er nicht nur von politischen Interessen unabhängiger zu machen, sondern auch von wirtschaftlichen.

Die derzeitige Abhängigkeit des ORF vom Werbemarkt ist jedoch für die Entwicklung einer klaren öffentlich-rechtlichen Programmidentität wie eine Fessel am Bein. Die österreichische Medienpolitik wäre gut beraten, wenn sie den gleichen Weg einschlagen würde wie bereits viele andere europäische Mitgliedstaaten: die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Senders Schritt für Schritt werbefrei zu machen und den ORF aus der Geiselhaft der Quote zu befreien.


debatte@diepresse.com

Zur Person

Corinna Drumm ist Geschäftsführerin des Verbands Österreichischer Privatsender. Mitglied des VÖP ist auch die Antenne Steiermark Regionalradio, welche im Alleineigentum der Styria Media Regional steht. VÖP-Vorsitzender ist Klaus Schweighofer, gleichzeitig Vorstand der Styria Media Group, in deren Eigentum auch „Die Presse“ steht. [VÖP]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.08.2011)

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10 Kommentare
Gast: Luzifer
27.08.2011 19:14
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Die SPÖ hat die 40 Jahre, wo sie hauptsächlich

die politische Verantwortung für die Regierung in Österreich trug, sehr gut zu nutzen gewußt! Wie man aus dem Schicksal der Regierung Schüssel sieht, ist ein demokratischer Wechsel in der Regierung kaum mehr möglich. Die Roten sind nicht bereit, andere Parteien ans Rudel zu lassen und bekämpfen das notfalls mit ihrer Machtbasis im ÖGB od. der AK. Es geht längst nicht mehr um einen fairen Wettkampf der Parteien, wer zum Wohle Österreichs das bessere Programm hat, sondern nur mal um die Absicherung des Austromarxismus in Östereich... Österreich soll eine einzige "Gemeinde Wien" für das nächste Jahrhundert bleiben!

1 0

Den ORF aus der Geiselhaft der Parteien befreien

Sehr geehrte Frau Drumm!

„Den ORF aus der Geiselhaft der Parteien befreien“ muss die Losung lauten, hatten doch vom ORF unabhängige Kommentatoren anlässlich der Wiederwahl von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz konstatiert: der ORF gehört den Parteien. Dafür bitten sie Hörer und Seher mit Gebühren von knapp 600 Millionen Euro kräftig zur Kasse. Nicht genug damit, forderte der ORF-Generaldirektor anlässlich seiner Wiederbewerbung mehr Geld aus der Staatskasse als Ersatz für die von Gebühren befreiten und inflationsangepasste höhere Rundfunkgebühren von den Österreichern, womit die Inflation weiter angeheizt wird! Die verfassungs- und wettbewerbswidrige Rundfunkgebühr ist genauso abzulehnen, wie die im vergangenen Jahr eingeführte Förderung der Privatsender in Höhe von zehn Millionen Euro, ist Österreich doch ohnehin schon Förderweltmeister und erhöht weiterhin seine Schulden! Welche Initiativen wird der Verband Österreichischer Privatsender setzen, um diese Misere zu beenden – zum Beispiel Unterstützung bei der Nichtbezahlung der Rundfunkgebühr?

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Privatsender sind unabhängiger, kreativer und trauen sich mehr!

Im ORF hat man leider immer wieder das Gefühl, die Mitarbeiter hätten einn Selbstzensur-Chip im Kopf, der es sich ihnen verbieten läßt, wirklich "heikle" Themen ins Programm zu stellen. Die diversen Privatsender bringen zwar einerseits jede Menge unsäglichen "Dschungelcamp" und "Auf der Alm"-Schrott; das ist schon richtig! Auf der anderen Seite bringt aber derzeit etwa RTL zwei höchst informative Formate, die ich so im ORF noch nie gesehen habe.

Im einen kümmert sich ein "Reiseretter" um deutsche Urlaubsgäste im Ausland, wenn diese von skrupellosen Reiseveranstaltern und/oder Hoteliers über den Tisch gezogen werden. Also: Wenn etwa der Veranstalter plötzlich pleite geht und seine Kunden das, was sie eh schon bezahlten, noch einmal löhnen sollen. Oder Hoteliers, die plötzlich "überbelegt" sind und ihre Gäste in einen (quasi) Schuppen einquartieren. Besonders arg wurde zuletzt die "Ryanair" und deren rüde Abzockmethoden zerpflückt.

Im zweiten Format begleitet der Zuseher Versicherungsdetektive auf der Spur von Betrügern. Was man dabei erlebt, ist oft schier unglaublich; jedenfalls verblüffend und interessant.

Und selbst wenn der ORF (was häufig ist) internationale Formate übernimmt; die weichgespülte heimische Version ist öd und fad...

periskop
26.08.2011 10:20
3 0

Wir brauchen einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk so notwendig wie einen Kropf . .

. . oder wenigstens so notwendig wie eine öffentlich-rechtliche Tageszeitung!
Wenn die Öffentlichkeit glaubt, dass bestimmte notwendige Sendungen ohne besondere Förderung nicht zustande kommen würden, so müssen jene Anstalten die Förderung erhalten, die solche Sendungen machen wollen und am besten machen können!
Es ist völlig sinnlos, dem rot-grünen Privilegienstadel ORF, der alles andere als "ausgewogen" ist, das Geld hinten und vorne hineinzustopfen!
Aus den Mitteln einer Rundfunkgebühr, die alle zu zahlen haben, wären im öffentlichen Interesse liegende Sendungen dort zu unterstützen, wo sie gemacht werden. Wenn die von uns allen bezahlten Rundfunkgebühren nur dafür verwendet werden, einem einzigen Anbieter ein Faulbett zu schaffen, so kann das nicht der Sinn der Sache sein. Das ist einfach nur verschwendetes Geld der Bürger!

freeman
26.08.2011 08:53
2 0

Das Problem ist,

daß die Quote ja nichts böses, sondern eigentlich nur ein Maß für die gesellschaftliche Akzeptanz ist.

Ein zwangsgebührenfinanziertes Programm, dem die Quoten egal sind hat ein Legitimitätsproblem.

Im Prinzip sollte sich der öffentliche Rundfunk (wenn es ihn schon geben MUSS) auf ein billiges, steuerfinanziertes Rumpfprogramm (Information,...) beschränken.

Antworten Gast: Grummelbart2
26.08.2011 09:48
0 0

Re: Das Problem ist,

Naja, eben nein.

"Akzeptanz" ist von der Quote unabhängig - Ich akzeptiere ARTE, 3Sat und dergleichen, bin froh dass es sie gibt, konsumiere sie aber nicht, weil ich meine Infos woanders herbeziehe, und zum Fernsehen kaum Zeit habe. WENN ich dann fernsehe, dann bewusst "Schrott".

Die Quote hat lediglich mit "Gewohnheit", bzw. "Bequemlichkeit" zu tun. Wenn ich nach zehn Stunden im Büro heimkomme, ist meine Bereitschaft, mir ein Monumentalwerk über die Frühwerke von Beethoven in holländischer Sprache mit englsichen Untertiteln anzusehen eher gering.

Das heißt aber nicht, dass ich nicht ab und zu Lust habe, genau das zu tun.

Ein mit Zwangsgebühren legitimiertes Programm hat vielmehr dann ein Legitimationsproblem, wenn ich das gleiche Programm geboten bekomme wie bei Privatsendern.

Im Übrigen ist die "Quote" auch bei Museen kein Thema, die ebenfalls "erhalten" werden - dort ruft auch keiner nach einer "Verdummung".

Antworten Antworten freeman
26.08.2011 11:58
1 0

Qualitätsbegriff

Ich fürchte wir sind Opfer eines elitistischen Qualitätsbegriffs und uns fehlt das Kind, das laut schreit, daß der Kaiser eigentlich nackt ist.

Auch Arte und 3Sat produzieren jede Menge Schwachsinn, den ich wegen seines intellektuellen Anstrichs sogar für noch gefährlicher halte als den leicht erkennbaren Schwachsinn von "Anna und die Liebe" bis "Zillertaler Schürzenjäger".

Im Endeffekt gibt es einen brauchbaren Qualitätsbegriff: Qualität ist das, was der Kunde wünscht.

Antworten Antworten Antworten Gast: Grummelbart2
26.08.2011 13:58
0 0

Re: Qualitätsbegriff

Also definieren wie "Qualität" als "Big Brother", "Germany's Next Topmodel" und "Saturday Night Life"?

Dieses Modell ließe sich auch auf die SChule ausdehnen -. unterrichtet wird das, was die Kinder wollen.

Oder auf die Arbeitswelt - gearbeitet wird das und dort, wo es einem gefällt.

Gast: Q-Tip
25.08.2011 23:53
0 0

Werbefrei

Ich kenne so viele Menscn, die das Werbeberieseln alle 15 Minuten und das dauerlächelnde Gesäusle der Moderatoren total satt haben. Als Alternative bietet das Internet Streams an, bei denen man die Musikrichtung vorgeben kann und nichts außer Musik hört. Kein Newsflash macht sich hier mehr wichtig, kein Adi und Edi brüllt irgendwelche Tore und die Familie Putz schweigt auf ihrem Sofa. Ich denke, das hat Zukunft Da kann kein ORF mithalten und Sender wie Antenne Steiermark schon gar nicht. Der Quäkende Einheitsbrei in Radio und Fernsehen ist sehr entbehrlich!

Gast: Q-Tip
25.08.2011 23:53
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Werbefrei

Ich kenne so viele Menscn, die das Werbeberieseln alle 15 Minuten und das dauerlächelnde Gesäusle der Moderatoren total satt haben. Als Alternative bietet das Internet Streams an, bei denen man die Musikrichtung vorgeben kann und nichts außer Musik hört. Kein Newsflash macht sich hier mehr wichtig, kein Adi und Edi brüllt irgendwelche Tore und die Familie Putz schweigt auf ihrem Sofa. Ich denke, das hat Zukunft Da kann kein ORF mithalten und Sender wie Antenne Steiermark schon gar nicht. Der Quäkende Einheitsbrei in Radio und Fernsehen ist sehr entbehrlich!

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