21.05.2013 21:45 Merkliste 0

Piratenpartei für Europa?

PAUL SCHMIDT (Die Presse)

Die Schuldenkrise vertieft gesellschaftliche Gräben. Gerade die Jugend wurde von dieser Krise überproportional getroffen.

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Die beruflichen Aussichten eines Jugendlichen in Europa variieren von Land zu Land, aber rosig sind sie derzeit nirgendwo: In der gesamten EU haben bereits fünf Millionen unter 25-Jährige keine Arbeit (21 Prozent). Die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen hat sich in den meisten EU-Ländern durch die Wirtschaftskrise seit 2008 stark erhöht, in einigen sogar verdoppelt.

Am stärksten trifft es Spanien, wo fast jeder zweite Jugendliche ohne Job ist (45 Prozent). Auch Griechenland (38,5 Prozent) und die Slowakei (33,4 Prozent) kämpfen mit massiver Jugendarbeitslosigkeit. In Österreich waren Mitte 2011 8,7 Prozent der Jugendlichen ohne Arbeit, nur in den Niederlanden ist dieser Wert geringer (sieben Prozent).

 

Eine Quote für Jungpolitiker?

Dabei ist gerade auch die Jugend von sogenannten „atypischen Beschäftigungsverhältnissen“ wie Praktika ohne Bezahlung, Zeitarbeit oder befristete Jobs besonders betroffen – Arbeitsverhältnisse, die in Krisenzeiten zuallererst aufgelöst werden.

Von der gegenwärtigen Politik fühlt sich Europas Jugend bestenfalls beschränkt vertreten. Politisches Desinteresse wirft man ihr vor – aber wirklich mitgestalten lässt man sie auch nicht. Über ihre Zukunft entscheiden andere.

Der Jugend, die als heterogene gesellschaftliche Gruppe keine einheitliche Interessenvertretung vorweist, vermehrt Perspektiven und Partizipationsmöglichkeiten anzubieten, wäre Aufgabe der Politik. Die Stimmgewichtung zwischen den Generationen ist so ungleich verteilt, dass eine Quotenregelung für Junge, etwa in transnationalen Gremien und Parlamenten, in unserem alternden Europa durchaus diskutiert werden sollte.

Trotzdem – die Jugend läuft nicht automatisch nationalistischen Gruppierungen in die Arme. Ganz im Gegenteil: 79 Prozent der österreichischen Jugend sprechen sich, gemäß unseren Umfrageergebnissen, für einen Verbleib in der EU aus. Die junge Generation steht einem zusammenwachsenden Europa in vielen Bereichen weitaus aufgeschlossener gegenüber als ältere Befragte.

Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung befürworten junge Menschen deutlich häufiger weitere europäische Integrationsschritte wie etwa die Öffnung der Arbeitsmärkte und die Erweiterung der Schengengrenzen. Auf globale Herausforderungen wie Migration, Wirtschaftskrisen, internationale Kriminalität und Klimawandel erwarten sie sich europäische Antworten.

 

Das Berliner Beispiel

Mehr Europa ist also gefragt. Aber auch ein anderes Europa: Ein integriertes, weniger egoistisches und bürokratisches, dafür effizienteres und dynamisches, ein faireres, ein demokratischeres und transparenteres Europa.

Es mangelt Europas Jugend nicht am Gestaltungswillen, sondern an der Chancengleichheit bei politischer Partizipation. Nimmt sich niemand dieser Herausforderung an, werden vielleicht „europäische Jungpiraten“ – dem Berliner Beispiel folgend – bald frischen Wind in die etablierte Europapolitik bringen. Wer könnte es ihnen verdenken.

Paul Schmidt ist Leiter der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.09.2011)

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1 Kommentare

Das 10. Gebot

wird in den Menschenrechten nicht bedacht. Wiewohl zu unrecht: Der Verstoß dagegen ist unsere Sünde Nr.1 - Mißgunst. Allein diese Einstellung an sich ohne in erster Instanz physische Auswirkungen vergiftet die Gesellschaft. Auf ihr beruhen Kapitalismus und Sozialsmus, verleiten uns zu Verachtung und Raffgier. Die Piraten bringen keinen frischen Wind: sie toppen das nur: sie setzen schlicht Ideenreichtum und Kreativität auf die heutige "shortlist der Untugenden" (wo Höflichkeit, Zuvorkommenheit, Nachsicht, das großgeschriebene Du, Leistung, Erfolg, Selsbständigkeit, Rückgrat, Zivilcourage, etc. schon stehen). Wehe dem, der mal beansprucht Urheber einer Sache zu sein!!!

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