Österreich gibt laut jüngsten Zeitungsberichten sehr viel Geld – in den Augen mancher sogar zu viel Geld – für Bildung aus. Experten prüfen ständig neue Sparmöglichkeiten, und wiederholt hört man die Forderung nach längerer Anwesenheit der Lehrenden in den Klassenzimmern. Dabei geht es vorrangig um Senkung der Ausgaben, denn zehn Prozent mehr Unterricht in der Klasse bedeuten gleichzeitig zehn Prozent weniger Lehrer und damit auch zehn Prozent weniger Kosten. Pardon, nur sechs Prozent, denn die Kosten für Verwaltung und Unterrichtsmittel betragen weiter 40 Prozent des Gesamtbudgets.
Nun, ist Bildung in Österreich tatsächlich so teuer? Und wie und in welchem Ausmaß profitieren die Bildungswilligen und die Finanzministerin von Investitionen in unser Schulwesen? Ja, Investitionen und nicht Ausgaben und Kosten. Denn es ist höchst an der Zeit, das Bildungsbudget als Investition zu betrachten. Solange dieses als Haushaltsbelastung und nicht als Investition gesehen wird, fällt es unter das Spardiktat der Regierung. Mit der Frage nach dem „return on investment“, der Rendite der Investition, berechnet die OECD mittels Kapitalwertmethode die staatlichen Erträge von Investitionen in qualifizierte Abschlüsse im Oberstufenschulwesen: Kosten und Nutzen während des gesamten Lebens werden dabei auf den Zeitpunkt zurückgerechnet, an dem mit der Investition begonnen wurde.
Während der Nettoertrag eines Arbeitnehmers mit Sekundarschulabschluss II im OECD-Durchschnitt 2007 durch höhere Steuern und Sozialabgaben, geringere Arbeitslosigkeit etc. 63.966 US-Dollar und einen Kapitalwert von 36.301 US-Dollar ergab, erwirtschafteten Österreichs Absolventen für den Staat einen Gesamtnutzen von 128.205 und einen Kapitalwert von 79.637 US-Dollar. An zweiter Stelle rangiert die USA mit einem Gesamtnutzen von 102.029 und einem Kapitalwert von 70.497 Dollar. Im letzten Drittel rangiert Finnland (Gesamtnutzen 40.991, Kapitalwert 18.362 Dollar).
Aber nicht nur der Nutzen für den Staat, auch der persönliche Nutzen für einen Absolventen in Österreich ist mit 131.073 US-Dollar beachtlich und liegt weit über dem Durchschnitt (67.902). Konkret heißt das: Direkt in den Beruf eintretende Absolventen des mittleren und höheren Schulwesens verdienen im Lauf ihrer Karriere mehr als 130.000 US-Dollar mehr als Arbeitnehmer mit einem geringeren Ausbildungsniveau. Dieses überragende Ergebnis erzielte Österreich laut OECD-Bericht trotz sinkender öffentlicher „Ausgaben“ für Bildungseinrichtungen. So wurden 2007 gerade einmal 5,4 Prozent des BIP in Bildung investiert, womit Österreich deutlich unter dem OECD-Schnitt von 6,2 Prozent lag. Und noch etwas weiß die OECD zu berichten: Die Finanzministerin bekommt das Dreifache ihrer Investitionen über Steuereinnahmen zurück. Denn: Je mehr in Bildung investiert wird, desto größer ist für alle der Nutzen.
E-Mails an: bildung@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2012)















