25.05.2012 19:03 | Meine Presse Merkliste 0

Kontra: Burschenschaftler schlicht nicht satisfaktionsfähig

STEPHAN GRIGAT (Die Presse)

Die Korporationen als Scharnier zwischen Rechtsradikalismus und neonazistischem Milieu.

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Österreich ist ein merkwürdiges Land. Am heutigen Abend werden Burschenschaftler der im Wiener Korporationsring (WKR) zusammengeschlossenen „Olympia“, „Cimbria“ und „Teutonia“ in der Hofburg das Tanzbein schwingen. Das ist in etwa so, als würde die rechtsextremistische Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) ihre nächste Party am 9.November im Berliner Schloss Bellevue, dem Sitz des Bundespräsidenten, abhalten.

All diese Korporationen spielen eine zentrale Rolle als Scharnier zwischen dem gerade noch legalen Rechtsradikalismus und dem offen neonazistischen Milieu. In einem Land, das der auch in Deutschland nur partiell wirksamen „reeducation“ der Alliierten allein schon durch die Lüge von Österreich als erstem Opfer des Nationalsozialismus entging, gehören selbst Politiker, die in solchen Gruselvereinen assoziiert sind, zum normalen Inventar der Nation. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass sie mit sozialdemokratischen und konservativen Stimmen in höchste Staatsämter gewählt werden.

Die „Olympia“ hat Holocaust-Leugner wie David Irving auf ihre Buden eingeladen – und Nazi-Barden wie Jörg Hähnel und Michael Müller. Kostprobe gefällig? „Mit sechs Millionen Juden, da fängt der Spaß erst an, bis sechs Millionen Juden, da bleibt der Ofen an.“

 

Auf dem Terrain der Nationalisten

Der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf ist bis heute stolzes Mitglied dieser Verbindung. Über einen der wichtigsten Nazis Österreichs, der in Italien in Abwesenheit wegen mehrfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, sagt er: „Ich habe Norbert Burger immer geschätzt und tue das auch über den Tod hinaus.“

Einige Gegner des WKR-Balls machen nun allerdings den Fehler, dass sie sich auf das Terrain der Nationalisten begeben. Wäre es nur das von vielen Protestierenden beschworene „Ansehen Österreichs im Ausland“, das durch den Ball beschädigt würde, warum sollte man sich bei Minusgraden auf Demonstrationen die Beine in den Bauch stehen? Wäre es nicht geradezu wünschenswert, wenn das Ansehen eines Landes, das als eine Art postnazistische Kleinfamilie seit 60 Jahren die Resultate des Nationalsozialismus mal großkoalitionär, mal unter direkter Mitwirkung der FPÖ verwaltet, ein klein wenig leidet?

 

Ganz normale Partner?

Sollten „Nestbeschmutzung“ und „Vaterlandsverrat“, die von den deutschnationalen Recken ebenso gern als Vorwurf bemüht werden wie von austropatriotischen Heimattümlern, nicht die vornehmsten Disziplinen eines jeden Menschen sein, der die Unterordnung unter nationale Kollektive schon aus Gründen der Selbstachtung für verwerflich erachtet?

Doch es geht um mehr – nämlich um die Frage, ob die Rechtsradikalen aus dem miefigen Burschenschaftlermilieu weiterhin als „drittes Lager“ zum integralen Bestand dieser Republik gerechnet werden. Solange es sowohl in der Sozialdemokratie als auch in der ÖVP gewichtige Stimmen gibt, die sich die Option einer Koalition mit der FPÖ nach den nächsten Wahlen unbedingt offenhalten wollen, wird sich daran nichts ändern.

Das Problem in diesem Land ist, dass Mitglieder von Burschenschaften wie der „Olympia“ in den Medien als ganz normale Diskussionspartner durchgehen. Mit deutschvölkischen Burschenschaftlern sollte es aber nichts zu debattieren geben, sonst erklärt man ihre antisemitische Ideologie und ihre abgrundtiefe Menschenfeindlichkeit für diskutabel. Solche Leute sind schlicht nicht satisfaktionsfähig.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter an der Universität Wien und Herausgeber des Buches „Postnazismus revisited. Das Nachleben des Nationalsozialismus im 21.Jahrhundert“, das 2012 im ça-ira-Verlag erscheint.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.01.2012)

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14 Kommentare
0 0

Satisfaktion?

Eine gsunde Watschn wäre besser angebracht für diese Rotzlöffel!

Gast: EIN JOURNALIST
27.01.2012 16:28
11 2

VERABSCHEUUNGSWÜRDIG

Sg. Herr Grigant, auch ich bin als Journalist gegen den Ball in der Hofburg und die Gesinnung der Herrschaften dort. Aber gegen ein bin ich noch mehr: gegen IHRE für mich persönlich verabscheuungswürdigen und unmenschlichen Ausführungen, auch immer wieder den Iran betreffend. Es kommt mir das Schaudern, wenn ich dran denke, welch armes Los Ihre Stundenten mit Ihnen als Lehrbeauftragten haben. Ein Armutszeugnis auch für die Presse, Ihnen immer wieder ein Forum zu geben. Übrigens: Über den Iran haben Sie KEINE AHNUNG, also würde ich mich hüten, mich soweit aus dem Fenster zu lehnen und ständig qals Experte aufzutreten.

Gast: Österreichischer Gast
27.01.2012 15:08
15 3

Ballhysterie

Die Burschenschaften als Demokratie gefährdend zu sehen ist einfach lächerlich. Im 3. Reich waren Burschenschaften verboten. Undemokratisch ist eher Herr Grigat der mit dieser Gruppe nicht einmal diskutieren will, aber gewaltbereite Demonstrationen gegen Tanzveranstaltungen für gut befindet.

branko
27.01.2012 14:46
2 13

FPÖ lobt Mörder

DAS ist ein Skandal, dass ein hochrangiger Repräsentant Deutschlands... Äh nein, Österreichs(?), also Martin Graf, Mörder lobt. In Deutschland musste sich die NDP sogar von den rechten Terroristen distanzieren!

Die FPÖ sind nicht nur Rabauken, sondern Terroristenunterstützer!

Dass sowas in der Hofburg groß aufmarschieren kann, bleibt mir unbegreiflich. Ich hoffe die Vernunft setzt ein, so dass auch die ÖVP merkt, dass man mit Rabauken, die einzig deutschen Interessen dienen wollen, kein (österreichischer) Staat zu machen ist.

15 2

Unverständlich

Es ist für mich unverständlich, wie man einen so hetzerischen Artikel in einem (angeblichen?) Qualitätsblatt abdrucken kann.

Der Autor pauschalisiert nicht nur an allen Ecken und Enden, die Art und Weise seiner Formulierungen begründet einen noch viel haarsträubenderen Verdacht - den Mitgliedern der angesprochenen Vereinigungen wird die Menschenwürde abgesprochen. Für den Verfasser dieses Artikels sind Burschenschaftler/etc. offenbar nicht viel mehr als "Vieh", mit dem man nicht auf Augenhöhe diskutieren kann, sondern das man...ja was? Zusammentreiben und einsperren?

Die Tatsache, dass es sich bei dieser Person um einen "Lehrbeauftragten an der Universität Wien" handelt, führt dazu, dass ich mich meiner Eigenschaft als Universitätsassistent erstmals in meinem Leben ernstlich schäme.

Dieser Beitrag ist ein Schlag ins Gesicht für jeden, der davon überzeugt ist, dass alle Menschen gleichermaßen unveräußerliche Rechte und Pflichten schon aufgrund ihres Menschseins haben und es keine Menschen "erster und zweiter Klasse" gibt.

Gerald
27.01.2012 09:06
16 3

Vorgestern Hr. Pollak, heute Hr. Grigat

Wenn man sich durchliest was die Lehrbeauftragten der Uni Wien so von sich geben, dann kann man jedem nur abraten dort etwas geisteswissenschaftliches zu studieren.

Antworten GeraldC
27.01.2012 10:09
9 7

Re: Vorgestern Hr. Pollak, heute Hr. Grigat

Richtig!
Abgesehen davon, dass diese Schwafelwissenschaften zumeist völlig unnütz sind, sind die Lehrenden auch noch oft von ganz Linksaussen.

Antworten Antworten Gast: schlÄchter
27.01.2012 18:47
7 1

Re: Re: Vorgestern Hr. Pollak, heute Hr. Grigat

sg gerals c, sg gerald!
stephan grigta (wikki-auszug):
Grigat studierte 1993 bis 1997 Politikwissenschaft, Geschichte und Philosophie an der Universität Wien. Im Jahre 2006 promovierte er über die Rezeption des Marxschen Fetischbegriffs [1] am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin bei Wolf-Dieter Narr und Eva Kreisky. Die derzeitigen Schwerpunkte seiner Forschung sind marxistische Theorie, die Geschichte linker Bewegungen, Antisemitismus, Rassismus und der Nahostkonflikt. [2]

Im Zentrum von Grigats Interesse steht das Thema „Antisemitismus“ und sein Verhältnis zur Tradition der Linken wie zum Islam. Grigat hat sich als ein führender Autor auf Seiten der Antideutschen profiliert.[3] Unter anderem war er Referent bei der „Kritischen Islamkonferenz“, die im Jahre 2008 an der Universität Köln durchgeführt wurde.[4]

Grigat arbeitet als freier Autor unter anderem für Jungle World und Konkret und ist Mitglied bei Café Critique [5].

Philosophisch versteht sich Grigat in der Tradition von Marx und der Kritischen Theorie, die er im Gegensatz zum traditionellen Marxismus und zum linken Mainstream sieht. [6]
Antideutsche sind eine aus verschiedenen Teilen der radikalen Linken hervorgegangene Strömung. Antideutsche wenden sich nach eigener Überzeugung gegen einen spezifisch deutschen Nationalismus, der im Zuge der so genannten deutschen Wiedervereinigung erstarkt sei.

...

mfg
s.

Antworten Gast: Ja, Ja
27.01.2012 10:00
3 16

Re: Vorgestern Hr. Pollak, heute Hr. Grigat

im Gegensatz zu einem Herrn Martin Graf, der Norbert Burger verehrt, stehen diese wenigstens auf dem Boden der wesatlichen Demokratie.

Antworten Antworten Gerald
27.01.2012 12:10
8 1

Re: Re: Vorgestern Hr. Pollak, heute Hr. Grigat

Sie sollten vielleicht einmal nachschlagen was Demokratie überhaupt bedeutet.

Antworten Antworten Antworten Hypolit
27.01.2012 13:33
0 5

Re: Re: Re: Vorgestern Hr. Pollak, heute Hr. Grigat

Würde Ihnen aber auch nicht schaden !

Gast: Warum geht ??? nicht mehr?
27.01.2012 00:24
8 2

Scharnier zwischen Extremisten und Totalitaristen?

Nun Hr. Grigat, sollte tatsächlich noch jemand an unserem "Nazi-Gen" zweifeln - sie liefern ein deutliches Indiz dafür. Es ist nämlich ziemlich egal, für welche totalitaristische Ausprägung man dieses Gen einsetzt. Sie scheinen Ihre persönliche gefunden zu haben. Und haben sich damit in Ihrem persönlichen Bruderkampf verheddert ...
Warum aber suchen Sie sich die Demokratie als Schlachtfeld dazu?

Arethas
26.01.2012 22:48
6 1

Kleiner Tipp

Ein kleiner Tipp an die FPÖ, wie ihr euch, sollte das überhaupt erwünscht sein, das Wohlwollen von Herrn Dr. Grigat leicht erringen könnt:

"In seiner Presseaussendung betonte Strache/Vilimsky/Kickl/werauchimmer die unbedingte Notwendigkeit eines militärischen Schlages gegen den Iran..."

Gast: Gerne nur Gast
26.01.2012 21:02
20 5

Das klare Resultat ist politischer Mord und Totschlag


Wenn sie, Herr Grigat, ihrem politischen Gegner schlicht und einfach das Existenzrecht absprechen, dann ist die Parole "Tötet alle Rechten" nicht mehr weit.

Ps: ist jeder, der sich über Marcel Hirschers Slalomsieg gefreut hat, ein "austropatriotischen Heimattümlern"?
Leider lassen sie die anderen nicht leben und werfen ihren blindwütigen Hass auf alles, was sie außerhalb ihrer Gesinnung verorten.

Sie sind in ihrer Kritik ein Mann ohne Maß und Ziel!
Und jetzt raten sie einmal, wem sie damit ähnlich sind: den "Nazis", die sie überall vermuten, nur nicht in ihnen selbst.


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