25.05.2012 19:04 | Meine Presse Merkliste 0

Nichts gelernt aus Hungerkrisen?

TON VON ZUTPHEN (Die Presse)

Was am Horn von Afrika geschah, sollte der Welt eine Lehre sein. Es wäre eine Schande, die Alarmsignale aus der Sahelzone zu ignorieren.

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Wenn es um eine große Hungersnot geht, die das Leben von Millionen Menschen bedroht, haben viele Zeitgenossen noch immer falsche Vorstellungen im Kopf: Sie nehmen an, so eine Katastrophe ließe sich einfach erklären und auf eine einzige Ursache zurückführen. Und sie wundern sich, dass die Welt auch 2012 kein Patentrezept zu ihrer Bewältigung hat.

Die Katastrophenhelfer-Teams sind in den letzten zehn Jahren leistungsfähiger geworden und können heute schneller auf Krisen reagieren. Es sind vor allem drei Faktoren, die die Arbeit erschweren und bei denen Handlungsbedarf besteht:
•Erstens brauchen die Regierungen der Geberländer zu lange, um Gelder für die Vorbereitung auf sogenannte „schleichende“ humanitäre Katastrophen bereitzustellen. Regierungen reagieren erst auf den Druck der medialen Berichterstattung, obwohl sie längst über den Ernst der Lage Bescheid wissen. Denn die Botschaften der Geberländer warnen oft frühzeitig vor sich abzeichnenden Krisen. Daher fragt man sich: Warum hört man nicht auf diese Warnungen? Wartet man darauf, dass andere zuerst aktiv werden?
•Zweitens wollen die Regierungen betroffener Länder des Südens oft aus politischen Gründen nicht zugeben, dass die Ernte schlecht ist oder dass es andere Probleme gibt, die die Regierung allein nicht in den Griff bekommt – etwa das Fehlen von Geld oder logistischem Know-how, um Getreide aus Nachbarländern zu importieren. Manchmal spießt es sich sogar an der Wortwahl: Von einer „Dürre“ zu sprechen ist okay, von einer „Hungersnot“ im eigenen Land will die Regierung nichts hören. Folge ist, dass Hilfe aus dem Ausland nur zögerlich angenommen wird. Und sie soll nicht allzu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

 

Unabgestimmte Hilfsaktionen

•Drittens geht es um die Rolle von internationalen NGOs bei der Verhinderung von Hungerkatastrophen. Die Hilfsorganisationen müssen ihre Bemühungen besser aufeinander abstimmen – damit aus vielen kleinen Hilfsprojekten ein großes Katastrophenhilfeprogramm werden kann. Am Horn von Afrika finden viele Hilfsaktionen doppelt statt, da NGOs aus verschiedenen Ländern ihre Hilfe nicht miteinander abstimmen.

World Vision und andere Hilfsorganisationen warnen schon seit Monaten, dass ab Mai bis zu zehn Millionen Menschen in der Sahelzone existenziell bedroht sein werden. Getreide wird nicht in ausreichender Menge erhältlich sein – und wenn, dann zu Preisen, die für die Betroffenen unerschwinglich sind. Bereits im Jänner ist im Niger Hirse um 37Prozent teurer als im November des Vorjahres!

Die Vorbereitung von NGOs läuft bereits auf Hochtouren, sie arbeiten dabei mit den spezialisierten UNO-Organisationen zusammen. Da Berichte über die drohende humanitäre Katastrophe und das Lobbying für mehr Hilfe nicht genug sind, müssen die Hilfsorganisationen auch selbst ausreichende Mittel aus ihren Reserven zur Verfügung stellen.

Das Geld der Geberländer ist vorhanden, das Wissen und die Erfahrung auch. Werden wir wieder warten, bis es (fast) zu spät ist?

Der Niederländer Ton von Zutphen ist Senior Humanitarian Advisor bei World Vision International. Er verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in Katastrophenhilfe und Entwicklungszusammenarbeit.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2012)

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2 Kommentare
Arethas
01.02.2012 16:05
1 0

Geld

"Das Geld der Geberländer ist vorhanden..."

Wo denn?

Gast: Karl Schlosser
31.01.2012 18:24
1 1

Wenn aktuelle Hilfe die Katastrophen verschlimmert ?

Es ist traurig aber wahr: Wenn Sie Familien mit 10 Kindern in Afrika aktuell helfen, dann brauchen Sie in Zukunft die fünffache Hilfe um eine Katastrophe abzuwenden.
Exponentielles Bevölkerungswachstum wird zum Fass ohne Boden.

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