Heast es net, wia die Zeit fageht“, singt Hubert von Goisern in seiner lyrischen Ballade. Schon ist das neue Jahr wieder einen Monat alt. Noch zum Jahreswechsel haben wir uns vorgenommen, vieles zu verbessern, einiges aufzugeben und manches mehr zu betreiben. Das Register der Änderungswünsche reicht von der klügeren Zeitaufteilung bis zum Verzicht auf verführerische Mehlspeisen, die sich auf unsere Hüften legen. Unsere Absichten und Pläne enden freilich oftmals, wie alle Märchen enden: „Und wenn sie nicht gestorben sind...“
Um mehr über das Scheitern oder Gelingen unserer guten Vorsätze zu erfahren, unternehmen wir einen kleinen Ausflug zu Bausteinen unseres Gehirns. Begreifen wir, welche Aufgaben diese Bausteine übernehmen, hilft uns dieser Einblick, unser Verhalten besser zu verstehen und mehr Nachsicht für uns und andere zu gewinnen, wenn ein Vorsatz nicht gelingt. Verhaltensweisen sind wesentlich stärker von unserem Unbewussten geprägt, als bisher vermutet wurde.
Energieverbraucher Gehirn
In unserem Gehirn gibt es kein Zentrum, das für etwas Bestimmtes zuständig ist, alle Areale beeinflussen sich gegenseitig. Das Gehirn besteht aus 50 bis 100 Milliarden Nervenzellen und verbraucht reichlich Energie, mindestens zehnmal mehr, als ihm von seiner Körpermasse her zukäme. Deshalb ist es nicht überraschend, dass es unablässig danach strebt, Angelegenheiten, die möglichst wenig oder gar kein Bewusstsein erfordern, „unbewusst“ zu erledigen.
Dem kommt das Entwickeln von Routineprogrammen in allen Bereichen der Gehirnaktivität entgegen. Das liefert auch die Erklärung dafür, dass sich viele Menschen eher eine Umwelt und Bedingungen suchen, die mit ihnen übereinstimmen, anstatt sich einer veränderten Umgebung und einer neuen Realität aktiv anzupassen.
Es ist überdies meistens bequemer, wie gewohnt in der Ebene zu wandern, das heißt, sein Verhalten beizubehalten, als einen Berg zu besteigen. Veränderung erfordert meist Anstrengung. Aber haben wir überhaupt die Möglichkeit dazu, wenn doch unser stabiles Unbewusstes Neues nicht so gern hat und zur Sabotage neigt?
Wir sind imstande, uns das Unbewusste bewusst zu machen, das ist der Schlüssel. Der „geborene Bergsteiger“ schafft es mit rascher, rationaler Einsicht, Krisen zu bewältigen. Bei vielen muss freilich erst ein Leidensdruck entstehen – der Zigarettenkonsum hat den ersten Herzinfarkt ausgelöst, oder beständige Besserwisserei lässt in der Partnerschaft Trennungsgedanken aufkommen.
Dann erst beeinflusst die persönliche Belastung das Unbewusste und mobilisiert es: Der Betroffene bekommt Probleme mit seinem gewohnten Verhalten. Er ist angehalten, sich Strategien für eine Umstellung zu überlegen, und wird vermutlich mit neuen Aussichten und Einsichten belohnt werden.
Die Unterstützung des sozialen Umfelds, von Familie und Freunden, ist hilfreich, wenn es gilt, im Leben Veränderungen anzuregen und umzusetzen. Auch mit professioneller Hilfe eines Psychotherapeuten lässt sich erreichen, was allein schwieriger umzusetzen ist: Unbewusstes aus der „Tiefe“ zu befördern und bewusst zu machen.
Wie Verhalten gesteuert wird
Die neu gewonnenen Einblicke der Neurobiologie in den Prozess der emotionalen Veränderung lassen die Aussichten dafür in einem fachgerechteren Licht erscheinen. Die Gehirnforschung hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten Methoden entwickelt, die geeignet sind, die empirischen Angaben der Psychologen zu begründen, indem sie fragt, wie Verhalten überhaupt gesteuert wird. Verhaltensweisen sind, wie schon erwähnt, stärker von unserem Unbewussten, von energiesparenden „Routineprogrammen“ geprägt, als bisher vermutet wurde.
Unser Interesse richtet sich in diesem Kontext auf eine bestimmte Funktionseinheit unseres Gehirns, die sich im Großhirn befindet: auf das limbische System. Es hat mannigfache Funktionen, die am unbewussten Entstehen und der Regulierung von körperlichen Bedürfnissen und Gefühlen beteiligt sind. Dieses System hat drei verschiedene Schichten:
•Die untere limbische Ebene beherbergt angeborene Reaktionen und Antriebe. Sie ist genetisch vorgegeben und wird durch vorgeburtliche Einwirkungen bestimmt. Diese Ebene hat den stärksten Einfluss auf unser Verhalten. Sie prägt unser Temperament und ist durch Erfahrung und Erziehung am wenigsten veränderbar.
•Die mittlere limbische Ebene bildet gemeinsam mit der ersten den Kern unserer Persönlichkeit. Diese mittlere Ebene entwickelt sich in den ersten Lebensjahren und hat ebenso großen Einfluss auf unser Verhalten. Sie ist im Jugend- und Erwachsenenalter über starke emotionale Einwirkungen und durch Üben veränderbar.
•In der oberen limbischen Ebene, sie umfasst Teile der Großhirnrinde, befindet sich das bewusste emotional-soziale Lernen. Sie entwickelt sich bis in die späte Jugend und ist durch soziale Interaktion und Kommunikation noch überaus wandlungsfähig.
Persönlichkeitsmerkmale
Hier werden zusammen mit der unteren und mittleren Ebene sozial bedeutende Persönlichkeitsmerkmale, wie Kontaktbereitschaft, Begeisterungsfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Anteilnahme oder Zielstrebigkeit, festgelegt. Auf dieser Ebene lernen wir aber auch, dass kurzzeitige Belohnungen nicht unbedingt auch auf Dauer positiv sind, dass Mühen und Entbehrungen sich lohnen und unsere Vorlieben in eine Hierarchie gebracht werden sollen.
„Das limbische System hat im Übrigen gegenüber den rationalen Zentren das erste und das letzte Wort“, sagt Neurobiologe Gerhard Roth. Aus diesem Grund stehen wir fortgesetzt vor der gleichen Situation: „Ich nehme zur Kenntnis, dass mein Unbewusstes das erste und letzte Wort hat. Ich aber bestimme, wie dieses letzte Wort heißt.“
Irmtraud Kusatz studierte Soziologie und Psychologie (Abschluss an der Universität Linz). Seit 1996 ist sie Systemische Psychotherapeutin, Mediatorin und NLP-Trainerin. Sie arbeitet in freier Praxis in Wels und im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz. [Privat]
1. Hab eine deutliche Vorstellung von deinem Ziel.
2.Du hast schon vieles erreicht im Leben, das gelingt auch.
3.Auch Schnecken kommen ans Ziel.
4.Setze variable kleine Schritte, keine Riesenschritte.
5.Konzentriere dich auf das nächste Vorhaben, nicht auf das übernächste.
6.Schätze die Realität richtig ein, wähle nicht das Risiko.
7.Hab Geduld mit dir.
8.Wenn dich niemand belohnt, belohne dich selbst.
9.Mag dich, du hast Gründe.
10. Nütze deinen Humor!
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2012)















