19.05.2013 02:33 Merkliste 0

Dem Präsidenten geht es prächtig: Folgen Sie der Spur des Geldes!

HERWIG G. HÖLLER (Die Presse)

Österreich hätte gute Chancen, Viktor Janukowitsch und Co. eindrucksvoll an europäische Rechtsstaatlichkeit zu erinnern.

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Ob Mitglieder der Bundesregierung während der Euro 2012 nun doch kein ukrainisches Fußballstadion betreten wollen – Präsident Viktor Janukowitsch wird's kaum beeindrucken oder ihn vor rechtsstaatlich fragwürdiger Rache gegen politische Gegner abhalten.

Das Regime von Janukowitsch charakterisiert sich nicht nur durch autoritäre Tendenzen. Denn gleichzeitig, vor dem Hintergrund einer sozialen Misere, läuft es für den Präsidenten und sein Umfeld ausgezeichnet: Sohn Oleksandr tauchte erstmals in der Liste der 100 reichsten Ukrainer auf, auch Papas Performance kann sich sehen lassen: Für literarische Ergüsse zahlte ihm ein Donezker Verlag 2011 unerklärliche zwei Millionen Dollar. Und um Janukowitschs „Datscha“ in Meschirgorje wurden wohl Dutzende Millionen Dollar verbaut. Medien wie die „Ukrainska Prawda“ berichten zudem von neuen Luxuslampen und -lustern, die bei Janukowitsch auftauchen. Mit seinem offiziellen Gehalt ginge sich das kaum aus.

 

Umschlagplatz Wien

Viele dieser Geschichten haben mit Österreich zu tun, denn Wien gilt als Umschlagplatz für ukrainisches Kapital. Und sollten Bundeskriminalamt und Staatsanwaltschaften den Kampf gegen Wirtschaftsdelikte ernst nehmen, wäre es höchst an der Zeit, ein paar Fragen zu stellen. Insbesondere bei jenen österreichischen Firmen, die in einem Nahverhältnis zu „politisch exponierten Personen“ aus der Ukraine stehen. Nach EU-Geldwäsche-Richtlinien müssten diese Firmen ihre Geldflüsse besonders genau erklären.

Anfangen könnte man etwa bei Johann Wanovits, für den die Unschuldsvermutung gilt. Der Exchef der Wiener Euro Invest Bank – die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt gegen ihn im Zusammenhang mit der „Telekom-Affäre“ – fungiert als Geschäftsführer einer Euro East Beteiligungs GmbH in Wien. Laut der letzten veröffentlichten Jahresbilanz dieser GmbH ist sie 99,97-Prozent-Eigentümerin der Kiewer Firma Tantalit, die ihrerseits einen Großteil des Meschirgorje-Areals besitzt. Hier haust Präsident Janukowitsch.

 

Komplizierte Firmenkonstruktion

Doch wem gehört das Areal? Wanovits' Firma steht im Besitz einer Blythe (Europe) Limited in London, die zumindest kürzlich noch vom eingetragenen Treuunternehmen P&A Corporate Services Trust Reg. in Vaduz kontrolliert wurde. Blythe-Chef ist ein Salzburger Wirtschaftsanwalt namens Reinhard Proksch, der gleichzeitig auch mit dem Liechtensteinischen P&A in Verbindung gebracht wird.

Einen erkennbaren wirtschaftlichen Sinn ergibt die komplizierte Konstruktion nicht, steuerlich bringt sie kaum etwas – Euro East hat laut Firmenbuch bisher neun Millionen Euro Bilanzverlust akkumuliert. Janukowitsch selbst verweigerte bisher jede Auskunft darüber, wer sich hinter seinen Wohltätern von Tantalit verbirgt.

Ukrainische Journalisten spekulieren, dass der Präsident selbst mit Millionen von undeklariertem und somit illegalem Vermögen dahinterstecken könnte – Beweise dafür gibt es keine. Eine Aufklärung in Kiew kann man sich kaum erwarten: Geheimdienst, Innenministerium und Staatsanwaltschaft arbeiten streng nach politischen Vorgaben, die vom potenziellen Verdächtigen selbst kommen.

In der EU könnte dies anders sein: Gesetzliche Vorgaben verlangen, dass Fragen gestellt werden – ob in Bezug auf Janukowitsch oder womöglich auch in Bezug auf seine politischen Gegner, ist völlig gleichgültig. Fragwürdige Gelder, die in der EU auftauchen, müssen auf Geldwäscheverdacht abgeklopft werden. So einfach ist es.

Herwig G. Höller ist Lehrbeauftragter am Slawistik-Institut der Uni Graz und arbeitet für diverse in- und ausländische Zeitungen als investigativer Journalist.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.05.2012)

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17 Kommentare
Gast: Zorro2012
24.05.2012 10:04
0 1

Alles die gleiche Suppe...

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

wir freie Bürger des Westens beschweren uns über die politischen Zustände in der Ukraine. Ich kann mich noch sehr wohl an die Zeit der "orangen Revolution" und an Julia Timoshenko erinnern.

Aber jetzt ehrlich? War sie denn besser als Janukowitsch?

Meiner persönlichen Ansicht nach, war sie vom gleichen Schlag Mensch - korrupt bis in die Knochen.

Was meinen Sie?

Bitte Handeln ! Sanktionen gegen Regime von Janukowitsch!

Wir, ukrainische Bürger und die ganze demokratische Bewegung der Ukraine bitten alle europäischen Politiker um Hilfe! Bitte helfen Sie uns bei der Kampf um die demokratische Zukunft der Ukraine, um die Freilassung von Julia Timoshenko, Jurij Lutzenko und anderen politischen Gefangene. Wir brauchen dringend Sanktionen gegen diktatorische Regime von Janukowitsch und seine Familie (Klan).

Das politische Boykott interessiert ihn nicht, aber sein Geld doch!

P.S: dudelsack2.0, ich habe schon seit langem bemerkt, dass alle Vorwürfe gegen Timoschenko immer entweder absolut beweislos oder im Konjunktiv geschrieben werden. Während die Vorwürfe gegen Janukowitsch schon keine Vorwürfe mehr sind, sondern bittere Tatsachen (mal soll mindestens die Fotos von seinem Tempel anschauen und goldenem Klo :).. Also bevor man hier mit Aussagen wie "korruptes Haufen" rumschmeißt muss man sich mindestens mit der Situation in der Ukraine vertraut werden.
Und wenn Sie immer noch nicht mitbekommen haben: Frau Timoschenko sitzt gerade im Knast nach einem lächerlichen Schauprozess und sogar so NICHT wegen "Korruption" während Herr Janukowitsch (in der Ukraine nennt man ihn BANDEkowitsch) die Ukraine immer schneller in Weißrussland verwandelt.

Gast: Ukrainer
15.05.2012 13:09
1 0

Bitte Handeln ! Sanktionen gegen Regime von Janukowitsch!

Wir, ukrainische Bürger und die ganze demokratische Bewegung der Ukraine bitten alle europäischen Politiker um Hilfe! Bitte helfen Sie uns bei der Kampf um die demokratische Zukunft der Ukraine, um die Freilassung von Julia Timoshenko, Jurij Lutzenko und anderen politischen Gefangene. Wir brauchen dringend Sanktionen gegen diktatorische Regime von Janukowitsch und seine Familie (Klan).

Das politische Boykott interessiert ihn nicht, aber sein Geld doch!

P.S: dudelsack2.0, ich habe schon seit langem bemerkt, dass alle Vorwürfe gegen Timoschenko immer entweder absolut beweislos oder im Konjunktiv geschrieben werden. Während die Vorwürfe gegen Janukowitsch schon keine Vorwürfe mehr sind, sondern bittere Tatsachen (mal soll mindestens die Fotos von seinem Tempel anschauen und goldenem Klo :).. Also bevor man hier mit Aussagen wie "korruptes Haufen" rumschmeißt muss man sich mindestens mit der Situation in der Ukraine vertraut werden.
Und wenn Sie immer noch nicht mitbekommen haben: Frau Timoschenko sitzt gerade im Knast nach einem lächerlichen Schauprozess und sogar so NICHT wegen "Korruption" während Herr Janukowitsch (in der Ukraine nennt man ihn BANDEkowitsch) die Ukraine immer schneller in Weißrussland verwandelt.

Re: Bitte Handeln ! Sanktionen gegen Regime von Janukowitsch!

Die Geheimnisse von "Meschygirja". Zwischenschichten von Janukowytsch Familie
http://blogs.pravda.com.ua/authors/leschenko/4fb261b2e02c7/

man sollte nicht ständig mit zweierlei maas messen!

Das sich politiker in ihrer amtszet bereichern kommt nunmal vor, wie man an grasser und co sehen kann (es gilt die unschuldsvermutung!!!!!!!!!!!)

Wie heißt es nicht so schön: gelegenheiten machen diebe, ist jemand mal an der macht, so wird halt öfters einmal geld eingesteckt

das hat Timoschenko aber ganuso gemacht:

Die frau ist bei weitem nicht so ein unschuldslamm wie sie in den nicht gerade objektiven westlichen medien dargestellt wird!Sie und ihr mann haben hunderte millionen "verdient", angeblich mit videotheken und dergleiche, wer das aber glaubt wird seelig, die frau trägt nicht umsonst den namen gasprinzessin.
Die hat sicherlich bei genügend gasdeals und dergleich mitgeschnitte, wie halt janukowitsch auch

Also was solls die sind dadrüber allesamt ein korrupter haufen, aber was kümmert das uns?
wir haben selbst genug politgauner die auch mal allesamt hinter gitter gehören, wenn unsere ganzen korrupten abzocker im gefängnis sitzen können wir über andere urteilen vorher wohl eher nicht

Re: man sollte nicht ständig mit zweierlei maas messen!

"unschuldsvermutung!!!!!!!!!!!"

- Ach ja! Und wieso schreiben Sie dann zwei Zeile später über die angeblichen Millionen von Timoschenko?!?

Was soll das? Etwa zweierlei Maas? ;)

Re: Re: man sollte nicht ständig mit zweierlei maas messen!

nein, nur ein maas, timoschenko wurde nämlich am 11.10.2011 vom gericht für schuldig befunde, diese urteil wurde am 23.12.2011 vom zuständigen berufungsgericht bestätigt die schuld scheint somit bewiesen zu sein, und die unschuldsvermutung ist somit hinfällig!

meine unschuldsvermutung bezog sich nur auf den supersauberen herrn grasser!

Re: Re: Re: man sollte nicht ständig mit zweierlei maas messen!

1) Alle Gerichte in der Ukraine sind dem Präsident Janukowitsch untergeordnet. Die sind nicht unabhängig. Die können Sie heute im Mord von Kennedy schuldig erklären und morgen wird das Berufungsgericht das bestätigen:). Aber mit den Oppositionellen sind die noch brutaler. Das Berufungsgericht z.B. fand komplett ohne Angeklagte statt, die Richter wurden in der Nacht vor Gericht getauscht und eine der Richterin war sogar nahe Verwandte der Staatsanwalt. Das war ein Schauprozess und die ganze Welt hat das eingesehen. Bei Stalin oder Hitler wurden auch viele Menschen verurteilt und sogar erschossen. Und was? Waren die alle schuldig ?...
2) Sogar von diesen Puppen als Richter wurde Timoschenko NICHT wegen "Millionen" oder Korruption verurteilt, sondern wegen Machtüberziehung beim Unterschreiben von Gasverträgen mit Russland...was auch total lächerlich ist...

Gast: Lola
13.05.2012 02:54
2 0


Re: Bilder zum Privatflugzeug von Janukowitsch

http://blogs.pravda.com.ua/authors/leschenko/4fb261b2e02c7/
Die Geheimnisse von "Meschygirja". Zwischenschichten von Janukowytsch Familie

Gast: ökono-mist
13.05.2012 00:37
0 0

Ehre, wem Ehre gebührt!


Es spricht doch FÜR unser Bundeskriminalamt und FÜR unsere Staatsanwaltschaften, daß sie mit solchen Leuten nichts zu tun haben wollen...

Daß man von den jüngst aufgeflogenen Favoritener Atomschmugglern jedoch so gar nichts mehr hört, ist allerdings bedenklich. Es wird doch hoffentlich nicht schon wieder die politische Halbwertszeit abgelaufen sein?


Gast: Maksym
12.05.2012 19:29
2 0

Ein Dieb

Yanukowitwch ist einfach ein Dieb. Er hat keine Zeit sich um die Ukraine oder um das ukrainischen Volk zu kümmern. Er willt nur immer mehr Geld und Macht. Aber! Er und viele ukrainische Machthaber haben in EU Bank-konto. Der erste Schritt ist dann diese Konto zu sperren.

Gast: Kardan
12.05.2012 18:58
1 0

Acceleration

Vor sieben Jahre im meinem Briefe an Die Presse ich prophezeite die Revolution in der Ukraine. Heutzutage ich wette 10 zu 1: Yanukowytsch fällt noch dieses Jahr; neidische Russen spätestens drei Monaten danach stürzen Putin ab. EU sollte unverzüglich notwendige Vorbereitungen treffen!

Antworten Gast: ökono-mist
13.05.2012 10:38
0 0

Re: "Acceleration"


Dann schwören Sie das doch diesmal bitte beim wohlgeformten Kardantunnel eines Lada Taiga!

Gast: neformat
12.05.2012 17:25
4 0

Janukovich - Krimineller

Janukowitsch versteht nur die Sprache und das Handeln von Kriminellen. Er hat keine Angst um sein positives Ansehen, sondern grosse Angst seine geraubten Gelder, Besitzümer und die Macht zu verlieren.

Alle intelligenten Leserinnen und Leser schätzen die gute Arbeit dieses Journalisten. Seine Arbeit ist sehr wichtig für den demokratischen Prozess in der Ukraine, denn in der Ukraine herrscht grosse Zensur und nicht alle Journalisten können schreiben was sie möchten.

Endlich

Vielen Dank für Ihren Artikel. Endlich packt ein Journalist das Problem bei der Wurzel an und recherchiert im Umfeld des Despoten.

Janukowitsch ist nichts anderes als ein ehemaliger Kleinkrimineller, der jetzt mit der grossen Kelle anrühren kann.

Darum kennt er alle "Gesetze" der Kleinkriminalität. Er ist jedoch von seinen "Untergebenen" abhängig, weil ihm das ganze langsam über den Kopf wächst.


Gast: Rasha Sraka
12.05.2012 16:46
2 0

rasha.sraka@mail.ru

This article is only beginning of journalist investigation in Western Europe media of Viktor Yanukovich's activity in Ukraine. More is written in the ukrainian web-newspaper "Ukrainian truth" by journalists Serhiy Leshchenko and Mustafa Nayem. Also by Tetyana Chornovil in the web-newspaper "Left bank".

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