19.06.2013 21:08 Merkliste 0

Wachsen, und zwar richtig: Ein Plädoyer für klassische Rezepte

MICHAEL SPINDELEGGER (Die Presse)

Der Weg aus der Krise: Strukturreformen einleiten, überbordende Defizite abbauen, die Verschuldung der Haushalte senken.

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Europa braucht mehr Wachstum. Nur wenn eine neue wirtschaftliche Dynamik in Gang gesetzt werden kann und die Menschen wieder Perspektiven auf sichere Arbeit, höhere Bezahlung und Aussicht auf individuellen Wohlstand haben, wird die Krise in Europa zu überwinden sein.

Das geht nicht mit den Rezepten der Vergangenheit. Wer immer noch für höhere Staatsausgaben und eine letztlich planwirtschaftliche Investitionssteuerung eintritt, hat die aktuelle Staatsschuldenkrise nicht verstanden.

Es ist kurzsichtige Politik, die verlangt, der Staat solle mit Investitionen – am besten in klassische Infrastrukturprojekte – zusätzliches Wachstum produzieren. Damit hinterlassen wir künftigen Generationen nur noch massivere Schulden. Das ist unverantwortlich und bar jeden Sachverstands.

Die Frage ist nicht: „Wachstum oder Sparen?“ Zwischen diesen beiden Herausforderungen besteht kein Widerspruch, vielmehr ergänzen und bedingen sie einander bei einer wirtschaftlichen Neuausrichtung.

Für diesen Aufbruch brauchen wir vor allem auch Vertrauen: Einerseits Vertrauen der Menschen in die Fähigkeit Europas, die Krise zu nutzen, um von falschen Konzepten wegzukommen; andrerseits Vertrauen der Wirtschaft in die Verlässlichkeit dieser Neuorientierung, damit sie auch in Zeiten der Krise investiert.

 

Europa hat keine Alternative

Das Vertrauen der Bürger in die Zukunft Europas ist schwieriger zurückzugewinnen. Aber wir können es schaffen, wenn wir längst notwendige Strukturreformen einleiten, die überbordenden Defizite einiger Länder konsequent abbauen sowie die exorbitante Verschuldung privater und öffentlicher Haushalte senken.

Der unter größten Anstrengungen entstandene Fiskalpakt behindert das Wachstum nicht, sondern schafft überhaupt erst die Grundlage dafür. Uns muss klar sein: Europa hat keine Alternative – schon gar nicht die, auf die Konsolidierung der Haushalte zu verzichten. Neue Schuldenprogramme sind nicht finanzierbar, schlimmer noch: Sie sind eine endgültige Aufkündigung des Generationenvertrags. Überdies wäre kein institutioneller Anleger bereit, solche unfinanzierbaren Schuldenprogramme zu finanzieren und damit für eine als falsch erkannte Wirtschaftspolitik Geld herzugeben.

 

Frankreich kein Vorbild

Der enorme Kreditbedarf der bereits jetzt viel zu hoch verschuldeten Länder lässt Europa immer weiter auseinanderdriften. Die Zinsen für das notwendige Geld steigen für die gefährdeten Staaten ins Unermessliche. Damit wird letztendlich die Inflation angeheizt und der Grundgedanke einer gemeinsamen Wirtschafts-, Währungs- und auch Finanzpolitik ad absurdum geführt.

Es gibt also keine Alternative zum eingeschlagenen Weg: Wir müssen uns vor der kurzsichtigen, populistischen und gefährlichen Schuldenpolitik schützen und die Sparpolitik in Europa intelligent fortsetzen. Ein Blick nach Polen zeigt: Sparpolitik beim Staat bei gleichzeitiger Erleichterung von Investitionen – durch Bürokratieabbau etc. – führt sogar jetzt zu zweistelligen Wachstumsraten.

Und: Man muss klug sparen, am besten durch Strukturreformen. Da haben wir in Österreich viel vor uns – Gesundheits-, Bildungs-, Föderalismusreform. In diesen Bereichen ist das Geld zu finden, das wir zur Finanzierung einer Bildungsoffensive und zur Entlastung der Leistungsträger brauchen.

In Österreich, aber auch in anderen wirtschaftlich erfolgreichen Ländern wie Deutschland war und ist die Senkung der Staatsquote ein Erfolgsrezept. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt liegen die Staatsausgaben in Österreich zur Zeit mit rund 52 Prozent über dem europäischen Durchschnitt von 48 Prozent. Die französische Staatsquote beträgt fast 56 Prozent. Das kann kein Vorbild sein.

Wachstum lukrieren wir durch bessere Qualifikation, Erhöhung der Forschungsausgaben, durch intelligentes Fördern von Unternehmen in Wachstumsbranchen, durch eine Stärkung des Wettbewerbs und durch eine weitere Flexibilisierung des Arbeitsmarktes.

Wir müssen die Investitionsbedingungen für Unternehmen attraktiver machen, Unternehmensgründungen vereinfachen und mit stabilen Rahmenbedingungen die Eigeninitiativen unserer Wirtschaft fordern und fördern. Dies gilt sowohl für Klein- und Mittelbetriebe als auch die Leitbetriebe, die die Expansion der österreichischen Wirtschaft so erfolgreich anführen.

Mittelfristig brauchen wir auch eine deutliche steuerliche Entlastung für die Wirtschaft und den Mittelstand. Auf alle Fälle ist die Abgabenquote auf unter 40 Prozent zu senken. Auch diese Rezepte sind nicht neu – aber im Unterschied zur Schuldenpolitik haben sie sich bewährt.

 

An Attraktivität verloren

Der Ende Mai veröffentlichte World Competitiveness Scoreboard 2012 des Institute for Management Development (IMD) zeigt auf, dass Österreich als Standort im internationalen Wettbewerb weiter an Attraktivität und drei Plätze im IMD-Ranking verloren hat. Österreich rangiert 2012 auf Platz 21 von insgesamt 59 Ländern (im EU-Vergleich auf Platz 9 – 2011 noch Platz 7). Besonders fällt auf, dass Österreich noch 2007 Platz 11 innehatte. Seit damals sind wir um zehn Plätze zurückgefallen.

Wir kennen die Rezepte, die uns aus der Krise führen können. Ich werde – so wie bei der Ausformung des Sparpakets – mein ganzes politisches Gewicht dafür einsetzen, die richtigen Weichenstellungen vorzunehmen.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

Zum Autor

Michael Spindelegger (*21.12.1959 in Mödling) studierte Rechtswissenschaften an der Uni Wien. Er war außenpolitischer Sprecher der ÖVP, 2006 bis 2008 zweiter Nationalratspräsident. Ab Dezember 2008 Außenminister, seit April 2011 Vizekanzler, seit Mai 2011 Bundesparteiobmann der ÖVP. [Clemens Fabry]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2012)

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4 Kommentare
Gast: 1. Parteiloser
18.06.2012 08:35
3 0

HANDELN! die Zeit fürs Blabla ist abgelaufen!

Es ist doch schon lange so, dass die Handlungen für die Bürger fehlen.

Das gilt für die EU Planwirtschaft genauso wie für die Österreichischen pol. Verantwortlichen. Die Menschen in Europa haben ja, nach 10 Jahren der Vernichtung der tollen Vision eines vereinten Europa die Schnauze voll. Das Resultat des korrupten Beamtenhaufens im Umverteilungswahnsinn waren ja sinkende Realeinkommen und ein starker Anstieg von armen Menschen. Das kann man nur als restlos gescheitert betrachten.

Die ÖVP wurde von den Österreichern noch einmal in die Regierungsverantwortung gewählt und daher ist der ÖVP auch in 1. Linie für die Österreicher verantwortlich. Auch diese ÖVP macht aber nur Blabla und kassiert die Bürger voll ab.

Der Chef der ÖVP schreibt Gastkommentare und von einer Staatsausgabenquote von 40%. Dazu wären Einsparungen bei den Staatsausgaben von mehr als 35 Mrd. Euro pro Jahr notwendig. Was hat die Regierung, mit Zustimmung des ÖVP Chefs in den letzten 12 Monaten gemacht?

Budget 2012:
Geplante Erhöhung der Staatsausgaben auf Bundesebene von 3,5 Mrd. Euro, Steigerung um 4,9%. Also schneller als Teuerungsrate und Wirtschaftswachstum

Sparpaket:
Unter Berücksichtigung der kalten Progression ein Sparen, welches zu etwa 80% einnahmenseitig erfolgen wird, die Staatsausgaben werden weiter steigen.

Der Gastartikel ist ein sinnloses Blabla eines Edelbeamten, welcher die Handlungen nicht setzen kann und auch nicht setzen will.

Schon gescheitert!

Antworten Gast: 1. Parteiloser
18.06.2012 14:30
3 0

Noch zu den genannten Details!

1) Wachstum lukrieren wir durch bessere Qualifikation?

Die Beamten im Bildungssystem versagen doch vollständig. Die Ö brennen schon für 2,2 Lehrpersonen pro Schulklasse, die Absolventen können aber immer weniger! Die Regierung will noch mehr Geld reinpulvern (ausgehend von gut 16 Mrd. Euro p.a.) macht die erforderlichen Korrekturen aber nicht.

2) Erhöhung der Forschungsausgaben
Da gehen doch gewaltige Gelder in den staatlichen Forschungen ohne Resultate verloren. Staatlich geplante Forschung bringt gar nichts, das ist Planwirtschaft!

3) Durch intelligentes Fördern von Unternehmen in Wachstumsbranchen
Der Staat kann da gar nicht erreichen, weil nur der freie Markt nutzbare Wachstum erzeugt. Wieder planwirtschaftliche Tendenzen!

4) Stärkung des Wettbewerbs und durch eine weitere Flexibilisierung des Arbeitsmarktes. Was soll der Blödsinn bei dem kranken Beamtendienstrecht?

5) Investitionsbedingungen für Unternehmen attraktiver?
Bis über 50% der Wertschöpfung als Zwangsabgaben für den Beamtenmisthaufen, welcher nichts mehr leistet?

Leitl verwendet schon Zwangsabgaben für die WKO "Betriebspensionisten".

Neugebauer hat sich sein Recht selber gemacht und raubt die Ö schon immer nur aus, ohne brauchbare Gegenleistung.

Berlakovic, Karl machen gleich nichts, der Mitterlehner ist ein schwarzer Kommunist.

Und, die Darstellung der ÖVP (Beamtenpartei kontrolliert von ÖAAB/GÖD) kommt dann durch "Her mit dem Zaster, her mit der Marie".

Das kann es nicht sein

Re: HANDELN! die Zeit fürs Blabla ist abgelaufen!

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2 0

Re: HANDELN! die Zeit fürs Blabla ist abgelaufen!

Absolut richtig.

Worte sind schon genug gewechselt. Solange die ÖVP aber genau gegenteilige Handlungen setzt, nämlich hin zu immer mehr Staat, immer mehr Umverteilung und immer mehr Regelungen und Quoten. Solange wird sie bei den Wahlen abgewatscht und auf ihre Klientel reduziert die von so einem Programm als einzige profitiert: Beamte und Bauern.

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