Als Österreich knapp einem blutigen Terrorüberfall entging

25.11.2012 | 18:43 |  BURKHARD BISCHOF (Die Presse)

Über die fehlgeschlagene Geiselnahme im Schloss Schönau Anfang 1973. Und „Geo“ untersuchte das Sterben der Wörter.

Drucken Versenden
 
A A A
Schriftgröße
Kommentieren

 

Verdrängt oder vergessen: Nur wenige Monate nach der spektakulären Geiselnahme bei den Olympischen Spielen in München 1972 plante die palästinensische Terrororganisation „Schwarzer September“ ihre nächste Großaktion: einen Überfall auf das Transitlager für jüdische Auswanderer aus Osteuropa im niederösterreichischen Schönau. Wäre die Geiselnahme im damals überbesetzten Schloss Schönau an der Triesting gelungen, hätte der Ausgang des Terrordramas noch viel blutiger sein können als auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck bei München am 5.September1972 (elf ermordete israelische Geiseln, ein erschossener deutscher Polizist, fünf tote palästinensische Attentäter). Aber die Operation scheiterte schon im Vorbereitungsstadium. Zwei Teams des „Schwarzen September“, die Anfang 1973 getrennt nach Wien gekommen waren, konnten verhaftet werden.

In der Herbstausgabe der in München herausgegebenen „Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte“ schildert der Wiener Historiker Thomas Riegler detailliert Ablauf und Umfeld des misslungenen Terrorüberfalls und gibt gleichzeitig auch Einblick in die damalige Struktur des „Schwarzen September“ in Westeuropa mit seinen Stützpunkten in Genf und Paris. Hochinteressant auch Rieglers Schilderungen über die damals enge Zusammenarbeit zwischen dem israelischen Auslandsgeheimdienst „Mossad“ und den österreichischen Sicherheitsbehörden. So wurden zu den Verhören der verhafteten Terroristen israelische „Dolmetscher“ hinzugezogen, was dazu führte, dass der israelische Botschafter in Wien über die Aussagen früher informiert war als der österreichische Innenminister.

Und noch ein zweiter Aufsatz der „Vierteljahreshefte“ hat einen Wien-Bezug: Die Münchner Historikerin Andrea Löw dokumentiert die ersten Deportationen von Wiener Juden in das von den Nazis besetzte Polen im Oktober 1939: 1600 der 65.000 in Wien verbliebenen Juden wurden in zwei Transporten nach Ostpolen deportiert und dort weitgehend sich selbst überlassen. Es gab damals ja noch keinen „Vernichtungsbefehl“, bei der „Lösung der Judenfrage“ hatten die Nazis 1939 noch Umsiedlungen im Sinn. Diese ersten Deportationen aus Wien organisieren musste auf Druck von Adolf Eichmann, dem Leiter der Wiener Zentralstelle für Auswanderung, die Israelitische Kultusgemeinde. Sie aber wurde, wie die abgedruckten Briefe zeigen, von den Deportierten dann auch für ihre entsetzlichen Lebensumstände in Ostpolen verantwortlich gemacht.

Einem alle betreffenden, wenn auch nicht alle bewegenden Thema widmet sich die November-Ausgabe des deutschen Magazins „Geo“, nämlich: Ist die deutsche Sprache dem Untergang geweiht? Zahllos sind ja die Klagen über die Verluderung der deutschen Sprache durch Anglizismen, durch das Aussterben so mancher Wörter, durch die Kürzelsprache in den digitalen Medien oder die „Prolosprache“ von Unterschichten.

Die Autorin Johanna Romberg gibt nach ihren Recherchen bei Sprachforschern an deutschen Universitäten Entwarnung: Der Fremdwortanteil im Deutschen liege mit rund 20 Prozent nicht höher als vor Jahrzehnten; Latein, Griechisch und Französisch prägten die deutsche Sprache nach wie vor stärker als Englisch („Denglisch“). Tatsächlich sterben manche Wörter aus, aber seit 2009 haben auch 5000 neue Wörter Eingang im Duden gefunden. Und tatsächlich geht die Zahl der Wörter pro Satz im Deutschen kontinuierlich zurück, aber nicht wegen SMS oder Tweets, sondern, wie Wissenschaftler herausfanden, bereits seit 1850. Ja, und den Gossenjargon, den hat es in der deutschen Sprache schon immer gegeben.

 

E-Mails an: burkhard.bischof@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.11.2012)

 
Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
1 Kommentare
Johannes Schenk
09.12.2012 06:19
0

Was ist das für ein seltsamer Kommentar?

Drei Themen ohne inneren Zusammenhang - jedes wäre wohl einen eigenen Artikel/Kommentar wert - alle drei nur kurz aufgezählt.

Wozu?


Top-News

  • Kerns große Soloshow am Ballhausplatz
    Als Gastgeber der Wiener Flüchtlingskonferenz inszenierte sich der Kanzler am Samstag als EU-Krisenmanager. Kein Bundespräsident und kein Außenminister störten seinen Auftritt.
    Gibt es Alternativen zur EU-Mitgliedschaft?
    Analyse. Großbritannien sucht nach dem Brexit eine lose Anbindung an die EU, die mehr Souveränität verspricht. Das Problem ist nur, dass die Gemeinschaft den Kontinent längst so stark dominiert, dass niemand an ihr vorbeikommt.
    Stögers Dauerproblem Mindestsicherung
    Wenn der Bezug des Sozialgeldes zum Dauerzustand wird: Die Verschärfung der Lage in Wien durch Asylberechtigte bringt den Sozialminister unter Druck.
    Der Angstgegner aus Amerika
    Große und kleine Händler fürchten die digitale Dominanz von Amazon. Aber sie könnten Glück haben. Wie es aussieht, kommen auch Onlineriesen nicht ohne lokale Partner aus.
    Nostri Bambini statt Alt-Wien
    Die Alt-Wien-Kindergärten gibt es nicht mehr. Drei frühere Mitarbeiterinnen haben nun den Standort in der Lederergasse 20 übernommen und eröffnen bald den Kindergarten Nostri Bambini.
    Niki Fellner: "Es muss nicht in ›ZiB 2‹-Qualität sein"
    Nach zehn Jahren "Österreich" machen die Fellners ab Montag auch Fernsehen: Niki Fellner im Interview über oe24.TV, sein Desinteresse an ATV, das Erbe von Wolfgang Fellner - und über Facebook, das für ihn besser kontrolliert gehört.
AnmeldenAnmelden