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Die Welt nach einem Niedergang der USA – das globale Chaos?

05.02.2012 | 18:40 |  BURKHARD BISCHOF (Die Presse)

Zbigniew Brzezinski sieht derzeit keinen anderen großen Staat, der in die Fußstapfen der Weltmacht Amerika treten könnte.

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Die USA auch weiterhin als führende globale Ordnungsmacht – oder aber das weltweite Chaos. Klar, dass ein amerikanischer Politikwissenschaftler so argumentiert. Aber Zbigniew Brzezinski ist nicht irgendein Beobachter vom Elfenbeinturm der akademischen Welt, sondern ein erfahrener Außenpolitiker, der unter US-Präsident Jimmy Carter als Sicherheitsberater gedient hat. In der neuesten Ausgabe von „Foreign Policy“ sucht er nach Antworten auf die Frage, wie die Welt nach einem Niedergang der Weltmacht Amerika aussehen könnte.

Brzezinski sieht weder Indien, noch Japan noch Russland, geschweige denn einen der großen westeuropäischen Staaten als Mächte, die in die heutigen Fußstapfen der USA treten könnten – und auch nicht China: „Ein herumstolzierendes, nationalistisches China würde unbeabsichtigt eine mächtige Gegenkoalition mobilisieren. Keiner seiner wichtigsten Nachbarn – Indien, Japan und Russland – wäre bereit, Chinas Anspruch anzuerkennen, den Platz Amerikas als globaler Totempfahl einzunehmen.“

Der Ex-Politiker sieht insbesondere Georgien, Taiwan, Südkorea, Weißrussland, die Ukraine, Afghanistan, Pakistan, Israel und die Nahost-Region in exponierter Lage. Deren weiteres Schicksal sei eng mit der weltpolitischen Führungsrolle der USA verknüpft. Fahren die Amerikaner ihr globales Engagement zurück, könnten sich diese Staaten unversehens den imperialen Gelüsten großer Nachbarn oder regionaler Rivalen ausgesetzt sehen.

Auch gemeinsame globale Interessen wie offene Seewege, Zugang zum Cyberspace und zum Weltraum oder Umweltschutz sieht Brzezinski im Falle des Niedergangs der USA gefährdet (was für eine führende Rolle die USA heute beim internationalen Umweltschutz spielen, führt er bezeichnenderweise nicht aus). Jedenfalls: „Diejenigen, die heute vom Niedergang Amerikas träumen, könnten das möglicherweise noch einmal bitter bereuen. Eine Welt nach Amerika wäre komplizierter und chaotischer.“

Pakistan gehört zu den Ländern, von denen – mit oder ohne weltpolitische Dominanz der USA – das meiste Ungemach ausgehen könnte: weil es mit 180 Millionen zu den bevölkerungsreichsten Ländern der Welt gehört (sechster Platz); weil es schon bald das fünftgrößte Atomwaffen-Arsenal der Welt haben könnte; weil es ein Rückzugs-, Rekrutierungs- und Ausbildungshort für islamistische Terrorgruppen ist; weil es in historischer Todfeindschaft mit dem ebenfalls atomar bewaffneten Indien verharrt. Gerade wird wieder viel über einen neuerlichen Militärputsch spekuliert, auch eine gemeinsame Herrschaft von Militärs und Islamisten scheint nicht unwahrscheinlich – mit allen Konsequenzen, die das für Süd- und Zentralasien und darüber hinaus haben könnte.

In der neuen Ausgabe der „Internationalen Politik“ meint der frühere CIA-Analytiker Bruce Riedel deshalb: „Für jeden Bereich, der für die USA und für viele andere Staaten von ausschlaggebender Bedeutung ist, spielt Pakistan eine zentrale Rolle. Wir sollten diesem Land alle Aufmerksamkeit schenken.“ Riedel plädiert für eine neue westliche Politik gegenüber Pakistan – konkret: eine Strategie der Eindämmung. Ziel der USA müsse es sein, die Ambitionen der machthungrigen pakistanischen Armee in Schach zu halten und auf eine „echte Herrschaft der Zivilisten“ in Islamabad zu drängen. Auch sollte in den Beziehungen zu Islamabad ein „System der Rechenschaftspflicht“ eingeführt werden und etwa pakistanische Geheimdienstler oder Militärs, die in terroristische Aktionen verstrickt seien, auf internationale Fahndungslisten gesetzt werden.

 

E-Mails an: burkhard.bischof@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2012)

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7 Kommentare
Gast: machmuss verschiebnix
18.02.2012 18:36
0 0

Den USA sind ihre eigene Fusstapfen mittlerweile auch schon zu groß geworden,

die werden kürzer treten müssen, keine Frage !

Gast: ggggggggggg
16.02.2012 14:59
0 0

CIA=Centrale Irrer A.........

""In der neuen Ausgabe der „Internationalen Politik“ meint der frühere CIA-Analytiker Bruce Riedel ...: „Für jeden Bereich, der für die USA und für viele andere Staaten von ausschlaggebender Bedeutung ist, spielt Pakistan eine zentrale Rolle. Wir sollten diesem Land alle Aufmerksamkeit schenken.“ Riedel plädiert für eine neue westliche Politik gegenüber Pakistan – konkret: eine Strategie der Eindämmung. Ziel der USA müsse es sein, die Ambitionen der machthungrigen pakistanischen Armee in Schach zu halten und auf eine „echte Herrschaft der Zivilisten“ in Islamabad zu drängen. Auch sollte in den Beziehungen zu Islamabad ein „System der Rechenschaftspflicht“ eingeführt werden und etwa pakistanische Geheimdienstler oder Militärs, die in terroristische Aktionen verstrickt seien, auf internationale Fahndungslisten gesetzt werden.""

DAZU ERÜBRIGT SICH JEDER KOMMENTAR !!

makaberich
12.02.2012 18:22
0 0

Die USA geht ein ...

... und es gibt keine globale Weltmacht mehr.
Da fürcht ich mich aber.
Brzezinski ist ein .....
Ich werd eine Flasche Champagner aufmachen, wenn das eintritt.

Realist7
12.02.2012 08:13
0 0

Zbigniew Brzezinski

Zbigniew Brzezinski ist leider ein Sinnbild für alles was schlecht läuft in der Welt. Zusammen mit Kissinger und Konsorten auf der "linken Seite" (haha) und den Neocons ala Irving Kristol (bekennender Trotsky-Marxist) auf der "rechten Seite" (noch einmal: haha) ist dieser Mann einer der einflussreichsten Persönlichkeiten im Hinblick auf die US-Außenpolitik der letzten Jahrzehnte. Und vor allem haben diese Personen einen enormen Einfluss auf die Rezeption dieser Politik in den Medien (und das ist möglicherweise sogar noch wichtiger als die Taten selbst).

Anders als viele, ist Brzezinski allerdings oft vorsichtig in seinen Formulierungen, warnt vor zu energischen Handlungen, etc.

Der Mann ist hochintelligent und weiß, was er tut. Er sieht wohl seine Vision einer zentralisierten internationalen Regierung bzw. mächtigeren Uno, oder whatever in Gefahr, durch unüberlegte, einseitige Handlungen. Dass er ernsthaft Mitleid mit den Opfern dieser unnötigen Kriege hat, in die er teilweise stark involviert war, bezweifle ich stark.

Bei dem Gedanken, dass die USA pleite geht und sich die ganzen Abenteuer nicht mehr leisten kann, muss dem Herrn wohl ein kalter Schauer über den Rücken laufen.

PS: Und wer sich mit der Thematik absolut garnicht beschäftigt hat, sollte nicht wahllos Leuten wie "Scheinheilg" negative Bewertungen verpassen, oder seine Meinung zumindest in Form einer Antwort verteidigen!

Gast: Scheinheilig
08.02.2012 07:42
1 3

Niedergang USA

Dieser Typ Berater von Carter hat so viel Blut an den Händen kleben, dass er nicht mal schlafen dürfte. Unglaublich, dass die USA in Zeiten der steigenden Armut in den USA noch in der Welt alles diktieren dürfen. Wieso braucht es eine Führungsmacht? Europa sollte gleichberechtigt ihr eigenes Ding drehen dürfen. Die US-Marionetten dieser Welt werden einmal sowieso von den Völker gestürzt werden. Das zeigt sich immer wieder. Ich plädiere für Nichteinmischungspolitik. Wir haben genug eigene Probleme.

Gast: Gast: Leser
06.02.2012 11:23
1 3

Lachhaft

Brzezinski hält die gesamte Welt wohl für total bescheuert. Es weiß doch heutzutage jedes Kind, dass die gesamte Politik der USA einzig und allein auf den eigenen Vorteil auf Kosten der anderen ausgerichtet ist. Die großartigen Worte von "Ordnungsmacht" o.ä. sind reine Sprechblasen ohne realen Hintergrund. Die USA sind auch die einzige Weltmacht, die in letzter Zeit Kriege geführt hat. Deren Niedergang würde jedenfalls die Welt sicherer und friedlicher machen.

Antworten Gast: Martin_S
07.02.2012 20:55
0 3

Re: Lachhaft

Jaja, und dann sind's aufgewacht...

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