10.02.2010 01:01 | Meine Presse Merkliste0

Zwänge, Ängste, Verunsicherung

 (Die Presse)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren
Der Schüssel wird's aushalten

„Kreuz. Kultur. Kalkül“, von Marlene Streeruwitz, Spectrum, 6. Juni
„Diese Armseligkeit ist eine Männerkonstruktion, die von lange herkommt.“ Im Internet gäbe es die Möglichkeit, einen Satz auf grammatikalische Richtigkeit prüfen zu lassen, obwohl diese Gelegenheit nicht von lange her kommt: Das Zusammenschreiben von „herkommen“ ist in diesem Zusammenhang falsch. Aber das sagt nicht viel. Marlene Streeruwitz hat stets eigene Regeln in Sprache und Sache. Sie ist eine belesene, eigenwillige und in politischen Dingen eifernde Person. Ihr Text endet so: „Das hat die Krise wieder notwendig gemacht. Oder möglich.“ Gemessen an der Notwendigkeit ist die nachfolgende Variante logisch unmöglich, Möglichkeit pur verträgt sich nicht mit Notwendigkeit.

Der Text gilt einem bestimmten Verhalten des Heinz-Christian Strache; sein Name kommt nirgends vor. Dafür zweimal der Name „Schüssel“, obwohl der mit dem kritisierten Vorfall nichts zu tun hat. „Schüssel hielt keine Kreuze. Das hat die Krise wieder notwendig gemacht. Oder möglich.“ Wenn die ÖVP und Wolfgang Schüssel für Straches Verhalten als mitverantwortlich hingestellt werden, wirkt das zwanghaft; aber in der Redaktion der „Presse“ scheint es beim Namen Streeruwitz ebenfalls eine Sorte Zwang, Kontrahierungszwang, zu geben. Zusammen ist das ein bisschen viel. Und: Der Schüssel wird's aushalten.

Dr. Manfred Nachbaur

6706 Bürs

Erstaunt und befremdet

„Ich bin nicht Faymanns Berater“, Kordikonomy, 13. Juni
Sehr geehrte Frau Mag. Kordik, über die von Ihnen über mich verbreiteten Befindlichkeiten und Handlungsinterpretationen bin ich mehr als erstaunt und befremdet, was ich nur an einem Beispiel der von Ihnen willkürlich hergestellten Zusammenhänge deutlich machen möchte: Bundeskanzler Faymann konnte deshalb den zugesagten Vortrag im Rahmen der Buchpräsentation im „Wendekreis der Weltwirtschaft“ am 3. Dezember 2008 nicht halten, weil am selben Tag die Regierungserklärung erfolgte und die Debatte dazu im Nationalrat bis in die Nachtstunden dauerte, was bei der Verschickung der Einladung allerdings nicht absehbar war. Dies wurde von mir bei der Buchpräsentation auch genau so und mit vollem Verständnis für die eingetretene Situation erklärt.

Mit Bundeskanzler Faymann verbindet mich im Übrigen in ungebrochener Weise eine freundschaftliche und in jeder Hinsicht von sehr gutem Einvernehmen getragene Beziehung. Was ich ihm nachzutragen hätte, widerspricht daher diametral Ihren Ausführungen. Ebenso erstaunt mich auch Ihre tiefenpsychologische Fähigkeit, mich so frank und frei als „nachtragend“ einzustufen.

Hannes Androsch

AIC Androsch International

Management Consulting GmbH

Lizenzen kosten Geld

Wenn die Burger auf der Alm grasen, „Die Presse macht Schule“, Beilage vom 15. Juni
In diesem Interview wird behauptet, „das AMA-Gütesiegel sei käuflich“ und es würde lediglich „österreichisches Handwerk dabei sein“. Was beim AMA-Gütesiegel Geld kostet, sind die Lizenzen. Diese werden aber nur vergeben, wenn klare Richtlinien erfüllt und strengste Kontrollen absolviert sind. AMA-Gütesiegel bedeutet klar definierte Standards, die über den gesetzlichen Normen liegen, bedeutet klar österreichische Herkunft und ständige Kontrollen beider Kriterien. Handwerk kann das Ganze verfeinern, aber spielt nicht wirklich eine Rolle. Die AMA-Gütesiegel-Richtlinien liegen für alle offen und können in allen Details unter www.ama-marketing.at abgerufen werden. Offensichtlich wird im Beitrag das AMA-Gütesiegel mit nichts aussagenden Marken oder dem Genusstauglichkeitskennzeichen verwechselt. Leider bringt so große Unwissenheit und Falschinformation großen Schaden und Verunsicherung der Konsumenten.

Hermine Hackl
Leiterin Unternehmenskommunikation

Agrarmarkt Austria Marketing GesmbH

Analyse vor Äußerungen

„Grazer Verhinderer“, Stadtplan, von Christoph Chorherr, 16. Juni
Christoph Chorherr analysiert Grazer Energieprojekte. Als Gemeinderat und Landtagsabgeordneter in Wien geht er überaus salopp an die Sache heran. Recherche ist offensichtlich nur hinderlich, der Wahrheitsgehalt spielt eine untergeordnete Rolle – man merkt: Die Bundeshauptstadt ist im Vorwahlfieber. Kaum verwunderlich, dass man als Politiker bei dieser Gelegenheit auch noch ein paar persönliche Attacken anbringen muss.

Als Vorstand der Energie Steiermark arbeite ich lieber mit Fakten. Und diese sprechen eine klare Sprache: Die Energie Steiermark steht grundsätzlich allen regenerativen Energieprojekten positiv gegenüber und fördert ihren Ausbau. Zwei neue Wasserkraftwerke im Süden von Graz knapp vor Baubeginn, neue Biomasse- und Biogasanlagen und ein großes Windkraftprojekt sowie der Einsatz von Solarenergie in unseren Tochterunternehmen und Beteiligungen legen beredtes Zeugnis ab. Unter meiner Verantwortung als technischer Vorstand wurde unser Unternehmen durch eine Fülle von Maßnahmen und Investitionen „grün“. Wo immer alternative Energieformen wirtschaftlich darstellbar sind, haben sie vollste Unterstützung durch mich.

Das gilt natürlich auch für die steirische Landeshauptstadt, wo wir 49% an der Energie Graz halten. Mir ist kein einziges Projekt bekannt, das uns von der Geschäftsführung in diesem Zusammenhang im Aufsichtsrat vorgelegt wurde, das wir nicht massiv unterstützt hätten.

Ich fordere Herrn Chorherr daher auf, sich künftig besser zu informieren, wenn er unter dem Titel „Grazer Verhinderer“ publiziert. Als Manager habe ich große Teile meines Berufslebens dem Bereich Umwelttechnik gewidmet. Dabei habe ich im Gegensatz zu anderen Akteuren nicht nur virtuell, sondern ganz konkret einen Betrag zur nachhaltigen Abgasreinigung, Müllentsorgung und zur Umsetzung regenerativer Energieerzeugungsprojekte geliefert. Und dabei stets die Analyse vor Äußerungen gereiht.

Ich lade Herrn Chorherr gerne zu einem Gespräch ein, um ihn aus erster Hand zu informieren. Falls ihm im Wahlkampf Zeit dafür bleibt...

DI Dr. Franz Kailbauer

Vorstandsdirektor Energie Steiermark AG

Kastrationsängste

„Wir Geiseln der GrünInnen“, quergeschrieben, von Christian Ortner, 19. Juni
Ui, da weint der Wirtschaftsjournalist aber ordentliche Krokodilstränen und ängstigt sich um die Entwicklung der „GrünInnen“. Sein Resümee nach wenig tiefschürfender Analyse: „Eva Glawischnig kann das nicht.“ Es ist die ewig alte Leier: Einige Männer scheinen es nicht ertragen zu können, wenn Frauen abseits von Quoten wirklich das Ruder übernehmen. Sind es tief sitzende Kastrationsängste? Muss man mit einem tiefenpsychologischen Instrumentarium an Ortners Analyse herangehen? Es scheint so, denn nachvollziehbar ist das Sündenregister nicht, das er in seinem Kommentar da auflistet: Da sieht er bei uns nur noch „vegane Baumumarmer“ und „töpfernde Handarbeitslehrer“ und macht uns in einem Aufwaschen auch gleich verantwortlich für den gegenwärtigen großkoalitionären Schlamassel.

Ein etwas weniger aufgeregter Blick und vor allem viel weniger Angst vor starken Frauen könnte zu mehr Fairness führen: Schon mal einen Blick in das grüne Wirtschaftsprogramm geworfen? Die grünen Vorschläge für ein neues Steuersystem angeschaut? Sich mit dem neuen Bildungsprogramm auseinandergesetzt? Braucht er nicht, Hauptsache man hat jetzt ein Vorbild im Ausland.

Doch die plötzliche Begeisterung von Männern wie Christian Ortner für Daniel Cohn-Bendit und dessen französischen Erfolgslauf ist erfreulich – und verdächtig. Plötzlich überschlägt er sich fast vor Begeisterung, wenn die „Financial Times“ in Deutschland die Grünen als attraktivste Partei bezeichnet und sie den Lesern zur Wahl empfiehlt. Ein Tipp, Herr Ortner: In Österreich ist das auch so – nur sind viele JournalistInnen halt noch nicht so weit, fühlen sich wohl in ihren alten Schemata von wegen „wirtschaftsfeindliche Ökos“ und pflegen ihre lieb gewonnenen Vorurteile gegenüber Grünen.

Und keine Angst, Herr Ortner: Eva Glawischnig kann es! Dass Frauen wie Barbara Rosenkranz wohl eher nach Ihrem Geschmack sind, nehme ich zur Kenntnis. Geschmäcker sind nun mal verschieden.

Dr. Harald Walser

Abgeordneter zum Nationalrat

Bildungssprecher im Grünen Parlamentsklub

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2009)

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

Top-News